Fürbitten mit der Zwiebelmarktkönigin

21. Oktober 2018 von redaktionguh  
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Mit Lisa Hoehnke (Foto) wirkte zum ersten Mal eine Zwiebelmarktkönigin beim mittlerweile 19. Zwiebelmarkt- Gottesdienst von Falk-Verein und Kirchengemeinde auf der Bühne am Herderplatz mit. Die 25-Jährige engagiert sich in der evangelischen Kirchengemeinde in Weimar-Nord. Sie hat in Jena Sozialwesen studiert und arbeitet derzeit in einem Weimarer Cafe. Der Freiluft-Gottesdienst konnte bei strahlendem Sonnenschein gefeiert werden. Die Predigt hielt Stadtkirchen-Pfarrer Sebastian Kircheis. Für die Musik sorgten der Posaunenchor der Kreuzkirche unter der Leitung von Brigitte Kliegel und der Gospelchor »Jakob Singers«. Moderiert wurde der Gottesdienst vom MDR-Journalisten und Falk-Vereins-Vorsitzenden Paul Andreas Freyer. Die Kollekte ist für das Projekt »Tafel plus« gedacht.

Foto: Maik Schuck

Foto: Maik Schuck

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Hoffnungslos religiös

28. September 2018 von redaktionguh  
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Mut zur Religion: Die meisten Menschen in Ostdeutschland gehören heute keiner Religion an. Die Entwicklung von der selbstverständlichen Kirchenzugehörigkeit zur Religionslosigkeit beleuchtete eine Tagung.

Bedarf es heutzutage und hierzulande des Mutes zur Religion? Zunächst lässt sich diese Frage getrost mit Nein beantworten, denn in unserem Land ist die Religionsfreiheit vom Staat garantiert und geschützt. Auf den zweiten Blick indes ist nicht zu übersehen, dass es das Christentum hier in unseren Breiten äußerst schwer hat. Warum das so ist, darauf suchte ein Kongress in Dresden mit dem Thema »Gott? – Mut zur Religion in der modernen Gesellschaft« eine Antwort.

Religion auf der Bühne: Am 14. Oktober um 10 Uhr gibt es wieder einen Zwiebelmarkt-Gottesdienst auf dem Weimarer Herderplatz. Kirchengemeinde und Falk-Verein feiern den Schöpfer der Zwiebel, so wie auf dem Foto von 2016. Superintendent Henrich Herbst (Mitte) segnet die Besucher, dahinter »The Jakob Singers«. Foto: Archiv/John Böhme

Religion auf der Bühne: Am 14. Oktober um 10 Uhr gibt es wieder einen Zwiebelmarkt-Gottesdienst auf dem Weimarer Herderplatz. Kirchengemeinde und Falk-Verein feiern den Schöpfer der Zwiebel, so wie auf dem Foto von 2016. Superintendent Henrich Herbst (Mitte) segnet die Besucher, dahinter »The Jakob Singers«. Foto: Archiv/John Böhme

Lange Zeit sei die Kirche davon ausgegangen, dass der Mensch von Natur aus religiös gebunden sei. Michael Seewald, Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, spricht vom hoffnungslos religiösen Menschen. Ihm wird ein natürliches Verlangen nach Gott, ein Hang zur Religion zugeschrieben. Diese Vorstellung, so Seewald, sei nicht mehr haltbar. Die Idee des Menschen, dem ein natürlicher Hang zur Religion eigen ist, werde der gesellschaftlichen Situation, etwa in Ostdeutschland, wo areligiös die Normalität sei, nicht gerecht. Seewald bezeichnet den hoffnungslos der Religion sich hingebenden Menschen als das Wunschprodukt einer geschichtsvergessenen Theologie und konstatiert: »Er ist eine vom Aussterben bedrohte Spezies.« Der katholische Theologe ist einer der jüngsten Professoren Deutschlands in einer geisteswissenschaftlichen Disziplin – Seewald wurde 2016 mit 29 Jahren Lehrstuhlinhaber.

Wenn der Mensch seinem Wesen nach nicht mehr als zwingend religiös gedacht werden könne, schlussfolgert er, gehe der kirchlichen Verkündigung ein im wörtlichen Sinn natürlicher Haltepunkt verloren. In dieser Lage befinde sich die Kirche. Eine durchaus dramatische Veränderung, um deren Anerkennung die Kirche nicht herumkomme. »In einer Welt, in der der Mensch von Natur aus als religiös galt, war Religion hoch relevant.« Daher schenkten die Menschen in großer Zahl dem Aufmerksamkeit, was kirchliche Institutionen zu vermitteln hatten. »Heute ist das nicht mehr der Fall«, so Seewald. Nach seinem Eindruck registriert die Kirche zwar diesen Verlust, hat ihn aber bisher kaum verarbeitet. Stattdessen werde versucht, sich gegen diesen Verlust mit allen Kräften zu stemmen.

Einen Rückblick auf frühere Gesellschaften, in denen Religion selbstverständlich ihren Platz hatte, unternimmt auch die Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfennig. »Das damalige Leben war nicht nur durch gesellschaftliche Strukturen stark vorgeprägt. Seit das Christentum unter Kaiser Konstantin als Religion akzeptiert war, schuf auch der christliche Glaube, der sich nach und nach in Europa und dann auch in anderen Teilen der Welt durchsetzte, eine Bindung, die den Einzelnen in einen größeren Zusammenhang einordnete.« Es könne zwar kaum festgestellt werden, inwieweit die Menschen früher tatsächlich gläubig waren oder sich äußerlich nur angepasst hatten, weil man sich als Christ zu bekennen hatte. Aber die Kirchenzugehörigkeit war identitätsstiftend, und wer den Glauben ernst nahm, hatte zusätzlich eine innere Leitlinie, der er folgen konnte.

Diese trifft heute auf viele Menschen nicht mehr zu. Die Säkularisierung hat die Bedeutung der Religion in Europa zurückgedrängt. Zehnpfennig würdigt die moderne liberale Demokratie, »das freiheitlichste System, das man sich denken kann«, mit einer unübersehbaren Fülle an Möglichkeiten. Zugleich aber stelle uns die Freiheit vor die Qual der Wahl. Die bunte Vielfalt bietet zwar Raum für freie Entfaltung der Persönlichkeit, aber es sei schwer, sich in der Vielfalt nicht zu verirren und selbstständig Orientierung zu gewinnen, wenn so wenig Verbindliches vorhanden ist. Ein Grund für die Politikwissenschaftlerin, darüber nachzudenken, ob es nicht die Religion sein könnte, die dem Menschen Orientierung gibt.

Sabine Kuschel

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Nachdenken über Gott und die Welt

22. September 2018 von redaktionguh  
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Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

Johannes 5, Vers 4

Die Welt hat keinen guten Ruf. Sie liegt im Argen, das bestätigt sich immer wieder: Sie wird vom Geld regiert. Man kann hinschauen, wo man will – wer zahlen kann, ist im Vorteil, kann Meinungen manipulieren, den Krieg gewinnen, Arme erpressen, Andersdenkende kaufen. Besitzgier und Machthunger lassen Anstand und Würde vergessen, die Korruption blüht allerorten. Denn: Dem Stärkeren gehört die Welt. Ich zuerst. Er nimmt sich, was er will, ohne auf die Bedürfnisse der anderen zu achten, die Natur zu schonen, den Frieden zu wahren, Gerechtigkeit walten zu lassen. Soll ich meines Bruders Hüter sein? Das Klagelied über den Zustand unserer Erde hat noch viele Strophen. Die Welt ist des Teufels Braut, bringt es ein Sprichwort auf den Punkt.

Christine Lässig

Christine Lässig

Diese Weltsicht ist etwas einseitig. Allerdings gilt auch in biblischen Zeiten die Welt als etwas, das man überwinden muss. Gottes Menschenliebe und seine Gebote markieren die Alternative. Sie sind der Gegenentwurf zu den Erfahrungen, dass das Böse oft die Oberhand gewinnt und jeder sich selbst der Nächste ist. Das ist nicht im Sinne Gottes. Das muss anders gehen – nicht erst am Ende aller Tage, sondern hier und heute.

Überall da, wo Nächstenliebe kein Fremdwort ist, Menschenwürde geachtet und der Schwache geschont wird, wo geschmähte Gutmenschen eben Gutes tun, bekommt die Welt ein anderes, ein freundliches Gesicht. Da ist sie nicht mehr des Teufels Braut, sondern ein Stück vom Reich Gottes. Kein Paradies, aber ein Ort, an dem es sich leben lässt.

Resignation wäre schlimm. Wir brauchen Zuspruch und Hoffnung, um uns selbst und was auf der Welt im Argen liegt, zu überwinden. Das macht sich als Einzelgänger nicht so gut wie im Verein mit anderen. Johannes schreibt nicht von ungefähr von unserem Glauben. Zusammen sind wir stärker, als Gemeinde können wir mehr Einfluss nehmen auf den Gang der Dinge. Wir können Mut machen, damit wir nicht aufgeben, die Welt im Kleinen und Großen ein bisschen besser machen zu wollen. Das wäre ganz im Sinne Gottes.

Christine Lässig, Pfarrerin i. R., Weimar

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Leben in Zeit und Ewigkeit

15. September 2018 von redaktionguh  
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Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.

2. Timotheus 1, Vers 10

Mit dem Tod habe ich nichts zu schaffen. Bin ich, ist er nicht. Ist er, bin ich nicht«, versuchte einst der griechische Philosoph Epikur von Samos das Tabuthema Tod vom Tisch zu wischen. Ganz so simpel, und das wird ihm wohl bewusst gewesen sein, ist die Sache freilich nicht. Denn da gibt es ja noch den Tod der anderen, die man geliebt und verloren hat.

Und es gibt die Macht des Todes, die schon lange vor dem Sterben an die Endlichkeit des eigenen Lebens erinnert, wenn die Leistungsfähigkeit abnimmt, Krankheiten den Körper schwächen, das Alter fortschreitet. Da wird der Tod zum Thema, selbst wenn man ihn am liebsten ignorieren würde. Die Macht des Todes mitten im Leben.

Wir haben immer mit dem Tod zu schaffen, Herr Philosoph! Paulus hat das sehr intensiv zu spüren bekommen in der Zeit von Neros Christenverfolgung. Von schwacher Gesundheit, auf seinen Missionsreisen ständigen Strapazen ausgesetzt, wiederholt hinter Kerkermauern gefangen und den Märtyrertod vor Augen, hat er in seinem letzten Brief an seinen Mitarbeiter Timotheus wie in einem Testament zusammengefasst, was für ihn wichtig war: das unvergängliche Leben in Zeit und Ewigkeit.

Christine Lässig

Christine Lässig, Pfarrerin i. R., Weimar

Das Evangelium, das er predigt, ist ein Gegenentwurf zur Macht des Todes. »Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit«, schreibt er. Dass wir sterben müssen, lebenssatt oder viel zu früh, gewaltsam oder ersehnt, bleibt wahr. Aber wenn wir unsere begrenzte Zeit auf Erden getrost und unverzagt verbringen im Vertrauen auf Gottes Beistand und mit der Bitte »Jesu geh voran!«, macht das den Unterschied. Da kann ein gutes Leben daraus werden und ein Segen für andere. Und wenn der Glaube an ein Leben nach dem Tod am Grab tröstet, wenn wir der Überzeugung sind, dass Gottes Ewigkeit unsere Erdentage ablöst – dann ist die Macht des Todes endgültig gebrochen und ein unvergängliches Wesen ans Licht
gebracht.

Christine Lässig, Pfarrerin i. R., Weimar

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Schlüsselversicherung: Loslassen, abgeben, leben

8. September 2018 von redaktionguh  
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Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.

1. Petrus 5, Vers 7

Wenn das mal so einfach wäre. Es klingt verlockend: Alle Sorgen einfach abwerfen. Einfach von sich schütteln. Frei werden von all den kleinen und großen Sorgen des Alltags. Die Sorge um die Gesundheit. Die Sorge um das Wohl der Kinder. Die Sorge um den Frieden in unserer Welt. Und ja, leider manchmal auch die Sorge um das bisschen Brot für den morgigen Tag.
Es klingt verlockend: Einfach alle Sorgen abwerfen. Was habe ich nicht alles versucht? Allerhand Versicherungen habe ich abgeschlossen: Lebensversicherung, Unfallversicherung, Arbeitsunfähigkeitsversicherung, sogar eine Schlüsselversicherung habe ich inzwischen. Wirklich sicher fühle ich mich damit aber nicht. Es bleibt die Frage: Kann ich mich wirklich gegen jeden und alles versichern, das mir in meinem Leben zustößt? Leben bleibt lebensgefährlich.

Ramón Seliger, Pfarrer in Weimar und der EKM-Onlinekirche

Ramón Seliger, Pfarrer in Weimar und der EKM-Onlinekirche

Vieles sehe ich nicht auf mich zukommen, und gegen den Verlust von dem, was mir im Leben wichtig ist, kann ich mich nicht versichern. Den Verlust von Freunden. Das Ende einer Liebe. Die Sorge um das Wohl der Kinder. Und auch die beste Lebensversicherung hilft dem nicht mehr, der sein Leben verloren hat. Auch meine Krankenversicherung schützt nicht meine Gesundheit, sie hilft mir nur die Not der Kosten meiner Krankheit zu lindern. Gegen die Krankheit selbst ist auch die beste Versicherung machtlos. Ich ahne: Mein Leben habe ich letztlich nicht in meiner Hand, allen Versicherungen zum Trotz.

»Sorge, nun so mach mich klug« heißt es bei Goethe. Schöner noch steht es in der Bergpredigt: »Sorgt euch nicht um das Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib.« Das heißt für mich: Frei werden von der falschen Sorge, die mein Leben hemmt. Loslassen, was ohnehin nicht in meinen Händen liegt. Sehen, dass mein Leben in Gottes Hand geborgen ist und immer schon war. Dann muss ich auch nichts überwerfen, was ich gar nicht greifen kann. Und dann kann ich klug werden, weil Gott immer schon für mich sorgt und mir sagt: Sorge dich nicht, lebe!

Ramón Seliger, Pfarrer in Weimar und bei der Online-Kirche

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Gebet und Gottvertrauen

2. September 2018 von redaktionguh  
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Euer Mut, euer Gottvertrauen, ach tät das gut!« singt Konstantin Wecker gerichtet an Sophie und Hans Scholl. Viel Gottvertrauen gehörte auch zu den Protesten 1989 dazu, auch damit diese friedlich verlaufen konnten. Vielleicht ist es das Gottvertrauen derer, die den friedlichen Prostest in Mattstedt organisiert haben, das mich am meisten beeindruckt hat. Die Mutter aus Mattstedt, die offen auch von ihren Ängsten erzählte. Aber trotzdem musste ja etwas geschehn!

Ein Rechtsrockkonzert war geplant und vorbereitet worden in diesem Örtchen im Weimarer Land. Leider gibt es auch die, die lieber schweigen, oder wegschauen. Oder noch schlimmer die, die verharmlosen, was auf solchen Konzerten für Texte gesungen werden. Gewaltbereit und Gewalt verherrlichend ist das. Wer das verharmlost, klein redet, der macht sich mitschuldig, wenn solche Reden wieder salonfähig werden!

Das Konzert in Mattstedt wurde abgesagt. Dafür danke ich Gott! Leider ist es nicht aus den Gründen abgesagt, die es bräuchte, damit solche Veranstaltungen an keinem Ort mehr erlaubt werden können; zum Beispiel in Themar. Aber es gibt sie auch dort, die Mutigen, die alles daran setzen, dass nationalsozialistisches Gedankengut keine Chance auf Verbreitung mehr hat. Auch ihnen gelten mein Respekt und meine Gebete. Ich bete darum, dass Mattstedt der erste Schritt auf dem richtigen Weg war, für Thüringen.

»Denn die Menschlichkeit, man kann’s verstehn, ist hierzuland eher ungern gesehn und beschloss deshalb auszuwandern.« So singt Konstantin Wecker weiter. Gott sei Dank hat er da nicht recht, auch dank der Aufrechten in Mattstedt und ihrer Unterstützer an vielen Orten.

Dorothea Knetsch

Die Autorin ist Klinikseelsorgerin in Weimar.

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Ein dankbarer Blick auf das Leben mit all seinen Facetten

1. September 2018 von redaktionguh  
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Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Psalm 103,2

Auf den ersten Blick hatte er nicht viel Gutes erlebt. Der alte Mann am Ende seiner Tage. Noch in die Kindheit fiel der Verlust der Mutter. Der Vater war im Ersten Weltkrieg gefallen. Den Zweiten Weltkrieg erlebte er selbst an der Ostfront. Als Jugendlicher in den letzten Kriegstagen. Nach dem Krieg die Vertreibung und der Verlust der Heimat. Gerade als er und seine Frau sich ein bescheidenes Glück aufgebaut hatten, starb die einzige Tochter. Seine Frau war über dem Schmerz verzweifelt. Inzwischen ist sie dement. Viel Gutes hat er auf den ersten Blick nicht erlebt.

Ramón Seliger, Pfarrer in Weimar und der EKM-Onlinekirche

Ramón Seliger, Pfarrer in Weimar und der EKM-Onlinekirche

Und doch sagt er: »Ich habe allen Grund dankbar zu sein. Ich kann mit meinem Leben hadern und mich beschweren, dass mein Körper dieses oder jenes nicht mehr schafft. Dass ich all die Verluste verkraften musste. Oder ich kann aufstehen und dankbar sein für alles, was ich noch kann. Ich nehme jeden Tag als ein Geschenk, gerade weil ich erfahren habe, dass das Leben schnell zu Ende sein kann. Ich freue mich jeden Morgen über das neue Licht des Tages und die Kraft, die ich noch habe. Ich bin dankbar für das Gute, das ich erleben durfte.«

Ich staune über eine solch warmherzige Lebensbilanz. Sie irritiert mich auch. Wohl dem Menschen, dem ein solcher Blick auf sein Leben geschenkt ist. Und doch ist er nicht nur geschenkt. Der alte Mann sagt: »Ich habe nicht immer in der Hand, was ich im Leben erfahre. Aber ich habe in der Hand, was ich daraus mache, wie ich auf mein Leben blicke.« Weiß Gott hat er in seinem Leben nicht nur Gutes aus der Hand seines Gottes empfangen. Und doch hat sich manches in der Rückschau auch verändert. Manche schmerzhafte Erfahrung erscheint im Laufe der Jahre in einem anderen Licht. Er ist an ihnen gewachsen. Nein, er sei nicht dankbar für den Schmerz und die Verluste. Aber das sei ein Teil seines Lebens. Ein anderer ist die Kraft, die ihm immer wieder zugewachsen ist. Über all die Jahre. Bis heute. Die Kraft, das Gute zu sehen und dankbar zu sein.

Ramón Seliger, Pfarrer in Weimar und der EKM-Onlinekirche


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Das Leben ist wundervoll

6. August 2018 von redaktionguh  
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Sie gibt die Lutherin, ist verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit und Museumspädagogik im Lutherhaus und man trifft sie als Stadtführerin unter anderem in Weimar, Erfurt und Eisenach: Alexandra Husemeyer. Was sie geprägt hat und bewegt, darüber sprach sie mit Sabine Kuschel.

Frau Husemeyer, Sie arbeiten für die Stiftung Lutherhaus Eisenach und verschiedene andere Projekte, sind Stadtführerin, Künstlerin, Vorsitzende des Kunstvereins, vielseitig interessiert und engagiert. Besteht nicht die Gefahr, sich zu verlieren?
Husemeyer:
Die Gefahr besteht natürlich immer. Es ist manchmal schwer, die Balance zu finden. Ich gebe sehr gerne und merke relativ spät, dass ich selbst zu kurz komme. Dann muss ich die Notbremse ziehen und Stopp sagen, um drei Tage mal allein zu sein. Bei mir laufen immer mehrere Projekte gleichzeitig. Ich liebe das aber auch so. Ich arbeite gerne schnell und auf vielen Baustellen gleichzeitig.

Wie und wo kommen Sie wieder zur Ruhe?
Husemeyer:
Ich kann am besten entspannen, wenn ich reise. Im Sommer nehme ich mir immer drei Wochen Zeit und bin dann weg. Allerdings mache ich unterwegs jeden zweiten Tag eine Stunde Büro. Als Freiberufler muss ich E-Mails checken, Anfragen beantworten. Aber ich genieße das trotzdem. Alle wissen, ich bin im Urlaub, aber ich sitze im Café und schaue aufs Meer. Ich beschränke das Arbeiten auf eine Stunde. Dann bin ich wieder frei. Das ist sogar schön. Man denkt, was für ein Luxus, ich kann jetzt hier arbeiten am Meer.

Alexandra Husemeyer in ihrem Eisenacher Zuhause. Fotos: Sabine Kuschel

Alexandra Husemeyer in ihrem Eisenacher Zuhause. Fotos: Sabine Kuschel

Wohin werden Sie diesmal im Urlaub verreisen?
Husemeyer:
Ich bin ein Campertyp, liebe die Freiheit, unterwegs zu sein und schlafe im umgebauten Berlingo. Dadurch habe ich nur zwei Sitze, aber ich brauche die Fläche sowieso für Auftrittskostüme, Instrumente, Bücher usw. Ich reise gerne gemächlich, besuche eine Freundin in Freiburg, einen Freund in Zürich. Der Weg soll dann weiter durch Ligurien nach Genua führen. Ich entdecke gerne abseits der großen Straßen Kultur und Geschichten einer Region. Wo es schön ist, halte ich an. Wenn ich Lust habe oder wenn das Geld zur Neige geht, fahre ich wieder nach Hause.

Und wenn Sie zurück sind, welche Pläne und Ideen wollen Sie verwirklichen?
Husemeyer:
Im Lutherhaus steht die Vorbereitung auf die neue Sonderausstellung und das ACHAVA-Festwochenende September 2019 auf dem Plan. Privat habe ich viele Träume und wenig Zeit. Ich möchte so viel lernen: ein Instrument, Französisch, Paragliding. Ich möchte lernen, meine Zeit noch besser zu strukturieren. Im Kalender streiche ich einfach Tage durch. Am Telefon muss ich dann sagen, ich bin ausgebucht. Sonst gibt es nie ein freies Wochenende mit Familie und Freunden.

So viele Aufgaben – wofür brennen Sie?
Husemeyer:
Ohne Unterschied für alles. Für eine Sache zu brennen, das ist für mich die Form des Arbeitens. Wenn Menschen halbherzig irgendetwas hinschludern, regt mich dies persönlich auf.

Sie sind Paramentikerin. Wie sind Sie denn zu den anderen Jobs gekommen?
Husemeyer:
Nach dem Abitur in Hermannswerder habe ich Mitte der 1990er-Jahre Ausbildungen zur Handstickerin und Handweberin in Helmstedt gemacht und zwei Gesellenprüfungen abgelegt.

Die Paramentik-Ausbildung sowie der Kirchliche Fernunterricht liefen parallel. Als bester Azubi Niedersachsens habe ich meine Auszeichnung von Gerhard Schröder bekommen, der damals noch Ministerpräsident war. Damit war ein Stipendium von 10 000 DM verbunden, mit dem ich die Meisterschule als Handweberin finanzierte. Zehn Jahre habe ich als Paramentikerin freiberuflich gearbeitet und Aufträge für München, Berlin oder Bremen gewebt.

Nach und nach musste ich einsehen, dass ich davon nicht leben kann. Wenn ich der Kirchengemeinde einen Preis von 3 000 Euro für ein Parament nannte, schlugen sie die Hände über dem Kopf zusammen. Das war dann trotzdem nur ein Stundenlohn von 5 bis 8 Euro. Ich habe jahrelang in keine Rentenversicherung eingezahlt, war teilweise nicht krankenversichert, weil ich es einfach nicht konnte.

Ich kehrte in meine Heimatstadt Eisenach zurück und wurde Stadtführerin, weil ich mich für Geschichte und Kunstgeschichte interessiere. Als die Stelle für Museumspädagogik im Lutherhaus ausgeschrieben war, habe ich mich beworben. Zudem habe ich mich fortgebildet, pädagogische Seminare sowie Rhetorikkurse belegt. Seit zehn Jahren arbeite ich nun schon halbtags im Lutherhaus. Eine ganz spannende Zeit mit Umbau, neuer Ausstellung, neuen pädagogischen Konzepten, die ich aktiv und kreativ begleiten durfte.

Paramentik ist eine sehr stille Tätigkeit, ganz anders als das, was Sie jetzt tun …
Husemeyer:
Man ändert sich im Leben. Die Paramentik hat nicht mehr richtig zu mir gepasst. Ich lebe jetzt das ganze Gegenteil, sehr extrovertiert als Künstlerin und Moderatorin.

Wie haben Sie zum Glauben gefunden?
Husemeyer:
In der Christenlehre. Meine Katechetin war Ilse Weißenborn, eine Katechetin alten Schlages. Unverheiratet und streng. Immer mit dunkelblauem Faltenrock und Lutherrose an der weißen Stehkragenbluse. Ich habe diese Frau geliebt. Weil sie genau das Gegenteil von dem verkörperte, was ich zuhause erlebte: Alkoholsucht und Ablehnung des Stiefvaters. Bei ihr war alles klar strukturiert und zuverlässig. Sie war sehr autoritär, aber hat mir zugehört wie kaum jemand.

Die Christenlehre gab Ihnen im Gegensatz zu ihrem Elternhaus Halt?
Husemeyer:
Ja, absolut. Ich habe die Bibel ganz durchgelesen. Die alttestamentarischen Geschichten, beispielsweise die Josefsgeschichte kann natürlich ein Kind verstehen, das sich ausgestoßen fühlt. Dazu haben wir Bilder mit West-Filzstiften gemalt – damals etwas ganz Besonderes.

Die Katechetin hat pädagogisch sehr gut gearbeitet. Noch heute habe ich ihre Sätze im Ohr. Als sie über die Taufe sprach, wollte ich auch getauft werden. Damals war ich neun Jahre alt. Meine Eltern lehnten dies ab. Meine Mutter war Kirchenmitglied, aber lebte das nicht mehr. Mein Stiefvater war Parteisekretär in der SED.

Ich habe lange gedrängelt. Irgendwann hat meine Mutter eingewilligt. Weil ich aber keine Paten hatte, hat sich die Katechetin darum gekümmert.

Obwohl Sie Ihre Kindheit als belastend beschreiben, sind Sie ein fröhlicher Mensch …
Husemeyer:
Da habe ich Glück. Ich empfinde die Gabe immer wieder nach vorne schauen zu können als Gottes Geschenk und bin dafür dankbar. Ich habe sehr viel Kraft, weiß aber, sie ist ein Geschenk.

Sie spielen Katharina von Bora. Wie stehen Sie zu Luthers Frau?
Husemeyer:
Voller Respekt. Mein Bild von ihr beruht auf historischen Quellen. Von ihr sind nur wenige Briefe erhalten, viele jedoch ihres berühmten Ehemannes. Sie muss sehr selbstbewusst und couragiert gewesen sein.

Als der Schmalkaldische Krieg ausbrach, sie verwitwet war und keinen Rechtsbeistand hatte, wandte sie sich an das ranghöchste Oberhaupt der evangelischen Fürsten in Europa und schrieb dem dänischen König. Sie war gebildet und konnte sicher mit Luther ebenbürtig disputieren. Bei den berühmten Tischgesprächen durfte sie als einzige Frau anwesend sein.

Von Christine Brückner gibt es einen Text über Katharina, den ich nicht mag. Denn diese Katharina rechnet hart mit Luther ab. Ein solches Bild lässt sich meiner Meinung nach nicht belegen. Katharina von Bora war eine starke und fröhliche Frau. Sie war ein Arbeitstier und hat teilweise nur vier Stunden geschlafen, um das Pensum zu schaffen. Nach den Briefen Luthers an sie zu urteilen, haben sich die beiden oft geneckt. Das muss neben allen alltäglichen Sorgen sehr fröhlich gewesen sein. So vermittle ich sie.

Was liegt Ihnen bei Ihrer Arbeit am Herzen?
Husemeyer:
Heute bin ich glücklich. Weil ich auch andere Zeiten erlebte, versuche ich mit meiner Arbeit etwas Fröhliches und Mutmachendes nach außen zu tragen.
Ich würde gern anderen Menschen helfen, ihren Platz, ihren Sinn im Leben zu finden. Ich möchte Menschen ermutigen, ihren eigenen Ideen zu folgen. Ich sehe meine Arbeit auch als Baustein der Versöhnung zwischen Religionen und Kulturen. Ich teile gern mit anderen, weil ich im Leben auch so viel geschenkt bekam.

Früher war ich unsicher und suchte immer den Sinn meines Daseins. Jetzt ist das Leben so wundervoll! Das ist schön.

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Kann man mit den Ohren essen?

20. Juli 2018 von redaktionguh  
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Klingende Leckerbissen: Stadt- und Dorfkirchenmusiken im Weimarer Land

Die Stadt- und Dorfkirchenmusiken im Kreis Weimarer Land stehen vom 21. Juli bis 19. August unter dem Motto »Auditive Leckerbissen zwischen Luther- und Bauhausjahr«. Die 27. Ausgabe der Veranstaltungsreihe kredenzt dabei eine reichhaltige Menükarte für jeden Geschmack. Von Oper bis Jazz, von Blues bis zum barocken Konzert ist alles dabei!

Gitarrenduo Katrin und Reinhard Jungrichter. Foto: Veranstalter

Gitarrenduo Katrin und Reinhard Jungrichter. Foto: Veranstalter

»Musik«, schreibt ein britischer Psychologe, »beeinflusst, wie Essen schmeckt!« Viola-Bianca Kießling, die Referentin für Musik und Heimatpflege im Landratsamt Apolda, ist deshalb überzeugt: »Auch Ohren sind in der Lage zu essen.« Und fordert die Besucher deshalb auf: »Lassen Sie sich die Musik unserer Konzerte schmecken!« Im Eröffnungskonzert laden Edwin Ilg, Verena Küllmer und das Ensemble »arcum tendere lipsiense« mit scharfen Konturen, gewürzt mit Blätterrauschen, Donner, Sturm und Jagdgeschehen, zu Antonio Vivaldis »Le Quattro stagioni« (Die vier Jahreszeiten) ein. Damit der Bogen zum Bauhausjahr schon einmal anklingt, ließ sich der Klangkörper die Fuge II für Orgel von Lyonel Feininger instrumentieren (21. Juli, 19 Uhr, Apolda-Oberroßla). Mit spanischen Spezialitäten für Gitarre bringen Katrin und Reinhard Jungrichter (Weimar) musikalische Tapas der Extraklasse zu Gehör (22. Juli, 17 Uhr, Kirche Rettwitz). Weitere Termine werden auf Seite 10 an den jeweiligen Wochenenden angekündigt.

Bisher waren 93 Städte und Gemeinden Gastgeber der Konzerte. In 118 Kirchen erklangen 66 Orgeln. Diese kostbaren Instrumente aus der Bachzeit und vor allem aus dem 19. Jahrhundert sind das Herzstück der Konzertreihe. Sie zeugen auf eindrucksvolle Weise vom Reichtum der thüringischen Orgeln. Ebenso reich ist die Tradition des Thüringer Glockengusses. Als wichtiger Bestandteil der Konzerte sind diese teilweise sehr alten Glocken in die Eröffnung der Konzerte integriert.

Auf ähnliche Weise wie die Maler und Grafiker Lyonel Feininger oder Alfred Ahner kann man sich beim Hören der Musik von der besonderen Architektur der Gotteshäuser inspirieren lassen.

(G+H)

www.weimarerland.de/kultur/dorfkirchenmusiken_2018_programm.pdf

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Achtung! Mehr brauchts nicht

2. Juni 2018 von redaktionguh  
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Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.

Lukas 10, Vers 16

Manchmal lese ich die Kommentare unter Online-Artikeln. Erschreckend, wie viel Verachtung in manchen von ihnen steckt. Schnell werden solche Kommentare gelöscht, wenn sie allzu bösartig sind, aber manche schaffen es dennoch, ihren Hass zu verbreiten. Solche Verachtung trifft immer wieder die christliche Kirche oder den Islam, leider oft auch die Geflüchteten in unserem Land. Die Bundeskanzlerin ist das beliebteste Ziel dieser Geringschätzung. Vor einiger Zeit habe ich beschlossen, diese Kommentare zu ignorieren. Es tut gut, sich mehr auf die positiven Dinge zu konzentrieren.

Pfarrerin Dorothea Knetsch, Klinikseelsorgerin in Weimar

Pfarrerin Dorothea Knetsch, Klinikseelsorgerin in Weimar

Lese ich den Wochenspruch aus dem Lukasevangelium hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt der Verachtung, dann könnte ich mich auf all den Hass in diesem Land konzentrieren, dann wäre meine Stimmung im Keller. Ich kann aber auch überlegen, wo ich Menschen begegne, die einander achten. Denn man kann den Spruch auch anders lesen: Wenn ich einem Menschen Achtung entgegenbringe, dann bringe ich Gott Achtung entgegen.

So hat zum Beispiel die Journalistin Dunja Hayali das Bundesverdienstkreuz bekommen, weil sie sich nicht von Hasskommentaren daran hindern lässt, sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Dadurch wird ihr Achtung entgegengebracht. Oder da ist die Lehrerin, die schon über 90 Jahre alt ist, und mir erzählt, dass sie immer noch von ehemaligen Schülern besucht wird – was für eine Würdigung ihrer Arbeit. Wenn ich Menschen sehe, die im Pflegebereich liebevoll demjenigen helfen, der auf Hilfe angewiesen ist, dann spüre ich Achtung zwischen diesen Menschen. Auch durch die »MeToo«-Debatte wird die Aufmerksamkeit dafür geschärft, dass die Würde eines anderen geachtet werden muss.

Was hat den Menschen Jesus ausgemacht? In den Evangelien begegnet er mir als ein Mensch, der andere in ihrem Anderssein achtet. Wie könnte ich ihm besser nachfolgen, als indem ich das Gleiche tue?

Pfarrerin Dorothea Knetsch, Klinikseelsorgerin in Weimar

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