Leben in Zeit und Ewigkeit

15. September 2018 von redaktionguh  
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Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.

2. Timotheus 1, Vers 10

Mit dem Tod habe ich nichts zu schaffen. Bin ich, ist er nicht. Ist er, bin ich nicht«, versuchte einst der griechische Philosoph Epikur von Samos das Tabuthema Tod vom Tisch zu wischen. Ganz so simpel, und das wird ihm wohl bewusst gewesen sein, ist die Sache freilich nicht. Denn da gibt es ja noch den Tod der anderen, die man geliebt und verloren hat.

Und es gibt die Macht des Todes, die schon lange vor dem Sterben an die Endlichkeit des eigenen Lebens erinnert, wenn die Leistungsfähigkeit abnimmt, Krankheiten den Körper schwächen, das Alter fortschreitet. Da wird der Tod zum Thema, selbst wenn man ihn am liebsten ignorieren würde. Die Macht des Todes mitten im Leben.

Wir haben immer mit dem Tod zu schaffen, Herr Philosoph! Paulus hat das sehr intensiv zu spüren bekommen in der Zeit von Neros Christenverfolgung. Von schwacher Gesundheit, auf seinen Missionsreisen ständigen Strapazen ausgesetzt, wiederholt hinter Kerkermauern gefangen und den Märtyrertod vor Augen, hat er in seinem letzten Brief an seinen Mitarbeiter Timotheus wie in einem Testament zusammengefasst, was für ihn wichtig war: das unvergängliche Leben in Zeit und Ewigkeit.

Christine Lässig

Christine Lässig, Pfarrerin i. R., Weimar

Das Evangelium, das er predigt, ist ein Gegenentwurf zur Macht des Todes. »Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit«, schreibt er. Dass wir sterben müssen, lebenssatt oder viel zu früh, gewaltsam oder ersehnt, bleibt wahr. Aber wenn wir unsere begrenzte Zeit auf Erden getrost und unverzagt verbringen im Vertrauen auf Gottes Beistand und mit der Bitte »Jesu geh voran!«, macht das den Unterschied. Da kann ein gutes Leben daraus werden und ein Segen für andere. Und wenn der Glaube an ein Leben nach dem Tod am Grab tröstet, wenn wir der Überzeugung sind, dass Gottes Ewigkeit unsere Erdentage ablöst – dann ist die Macht des Todes endgültig gebrochen und ein unvergängliches Wesen ans Licht
gebracht.

Christine Lässig, Pfarrerin i. R., Weimar

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Schlüsselversicherung: Loslassen, abgeben, leben

8. September 2018 von redaktionguh  
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Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.

1. Petrus 5, Vers 7

Wenn das mal so einfach wäre. Es klingt verlockend: Alle Sorgen einfach abwerfen. Einfach von sich schütteln. Frei werden von all den kleinen und großen Sorgen des Alltags. Die Sorge um die Gesundheit. Die Sorge um das Wohl der Kinder. Die Sorge um den Frieden in unserer Welt. Und ja, leider manchmal auch die Sorge um das bisschen Brot für den morgigen Tag.
Es klingt verlockend: Einfach alle Sorgen abwerfen. Was habe ich nicht alles versucht? Allerhand Versicherungen habe ich abgeschlossen: Lebensversicherung, Unfallversicherung, Arbeitsunfähigkeitsversicherung, sogar eine Schlüsselversicherung habe ich inzwischen. Wirklich sicher fühle ich mich damit aber nicht. Es bleibt die Frage: Kann ich mich wirklich gegen jeden und alles versichern, das mir in meinem Leben zustößt? Leben bleibt lebensgefährlich.

Ramón Seliger, Pfarrer in Weimar und der EKM-Onlinekirche

Ramón Seliger, Pfarrer in Weimar und der EKM-Onlinekirche

Vieles sehe ich nicht auf mich zukommen, und gegen den Verlust von dem, was mir im Leben wichtig ist, kann ich mich nicht versichern. Den Verlust von Freunden. Das Ende einer Liebe. Die Sorge um das Wohl der Kinder. Und auch die beste Lebensversicherung hilft dem nicht mehr, der sein Leben verloren hat. Auch meine Krankenversicherung schützt nicht meine Gesundheit, sie hilft mir nur die Not der Kosten meiner Krankheit zu lindern. Gegen die Krankheit selbst ist auch die beste Versicherung machtlos. Ich ahne: Mein Leben habe ich letztlich nicht in meiner Hand, allen Versicherungen zum Trotz.

»Sorge, nun so mach mich klug« heißt es bei Goethe. Schöner noch steht es in der Bergpredigt: »Sorgt euch nicht um das Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib.« Das heißt für mich: Frei werden von der falschen Sorge, die mein Leben hemmt. Loslassen, was ohnehin nicht in meinen Händen liegt. Sehen, dass mein Leben in Gottes Hand geborgen ist und immer schon war. Dann muss ich auch nichts überwerfen, was ich gar nicht greifen kann. Und dann kann ich klug werden, weil Gott immer schon für mich sorgt und mir sagt: Sorge dich nicht, lebe!

Ramón Seliger, Pfarrer in Weimar und bei der Online-Kirche

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Gebet und Gottvertrauen

2. September 2018 von redaktionguh  
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Euer Mut, euer Gottvertrauen, ach tät das gut!« singt Konstantin Wecker gerichtet an Sophie und Hans Scholl. Viel Gottvertrauen gehörte auch zu den Protesten 1989 dazu, auch damit diese friedlich verlaufen konnten. Vielleicht ist es das Gottvertrauen derer, die den friedlichen Prostest in Mattstedt organisiert haben, das mich am meisten beeindruckt hat. Die Mutter aus Mattstedt, die offen auch von ihren Ängsten erzählte. Aber trotzdem musste ja etwas geschehn!

Ein Rechtsrockkonzert war geplant und vorbereitet worden in diesem Örtchen im Weimarer Land. Leider gibt es auch die, die lieber schweigen, oder wegschauen. Oder noch schlimmer die, die verharmlosen, was auf solchen Konzerten für Texte gesungen werden. Gewaltbereit und Gewalt verherrlichend ist das. Wer das verharmlost, klein redet, der macht sich mitschuldig, wenn solche Reden wieder salonfähig werden!

Das Konzert in Mattstedt wurde abgesagt. Dafür danke ich Gott! Leider ist es nicht aus den Gründen abgesagt, die es bräuchte, damit solche Veranstaltungen an keinem Ort mehr erlaubt werden können; zum Beispiel in Themar. Aber es gibt sie auch dort, die Mutigen, die alles daran setzen, dass nationalsozialistisches Gedankengut keine Chance auf Verbreitung mehr hat. Auch ihnen gelten mein Respekt und meine Gebete. Ich bete darum, dass Mattstedt der erste Schritt auf dem richtigen Weg war, für Thüringen.

»Denn die Menschlichkeit, man kann’s verstehn, ist hierzuland eher ungern gesehn und beschloss deshalb auszuwandern.« So singt Konstantin Wecker weiter. Gott sei Dank hat er da nicht recht, auch dank der Aufrechten in Mattstedt und ihrer Unterstützer an vielen Orten.

Dorothea Knetsch

Die Autorin ist Klinikseelsorgerin in Weimar.

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Ein dankbarer Blick auf das Leben mit all seinen Facetten

1. September 2018 von redaktionguh  
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Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Psalm 103,2

Auf den ersten Blick hatte er nicht viel Gutes erlebt. Der alte Mann am Ende seiner Tage. Noch in die Kindheit fiel der Verlust der Mutter. Der Vater war im Ersten Weltkrieg gefallen. Den Zweiten Weltkrieg erlebte er selbst an der Ostfront. Als Jugendlicher in den letzten Kriegstagen. Nach dem Krieg die Vertreibung und der Verlust der Heimat. Gerade als er und seine Frau sich ein bescheidenes Glück aufgebaut hatten, starb die einzige Tochter. Seine Frau war über dem Schmerz verzweifelt. Inzwischen ist sie dement. Viel Gutes hat er auf den ersten Blick nicht erlebt.

Ramón Seliger, Pfarrer in Weimar und der EKM-Onlinekirche

Ramón Seliger, Pfarrer in Weimar und der EKM-Onlinekirche

Und doch sagt er: »Ich habe allen Grund dankbar zu sein. Ich kann mit meinem Leben hadern und mich beschweren, dass mein Körper dieses oder jenes nicht mehr schafft. Dass ich all die Verluste verkraften musste. Oder ich kann aufstehen und dankbar sein für alles, was ich noch kann. Ich nehme jeden Tag als ein Geschenk, gerade weil ich erfahren habe, dass das Leben schnell zu Ende sein kann. Ich freue mich jeden Morgen über das neue Licht des Tages und die Kraft, die ich noch habe. Ich bin dankbar für das Gute, das ich erleben durfte.«

Ich staune über eine solch warmherzige Lebensbilanz. Sie irritiert mich auch. Wohl dem Menschen, dem ein solcher Blick auf sein Leben geschenkt ist. Und doch ist er nicht nur geschenkt. Der alte Mann sagt: »Ich habe nicht immer in der Hand, was ich im Leben erfahre. Aber ich habe in der Hand, was ich daraus mache, wie ich auf mein Leben blicke.« Weiß Gott hat er in seinem Leben nicht nur Gutes aus der Hand seines Gottes empfangen. Und doch hat sich manches in der Rückschau auch verändert. Manche schmerzhafte Erfahrung erscheint im Laufe der Jahre in einem anderen Licht. Er ist an ihnen gewachsen. Nein, er sei nicht dankbar für den Schmerz und die Verluste. Aber das sei ein Teil seines Lebens. Ein anderer ist die Kraft, die ihm immer wieder zugewachsen ist. Über all die Jahre. Bis heute. Die Kraft, das Gute zu sehen und dankbar zu sein.

Ramón Seliger, Pfarrer in Weimar und der EKM-Onlinekirche


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Das Leben ist wundervoll

6. August 2018 von redaktionguh  
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Sie gibt die Lutherin, ist verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit und Museumspädagogik im Lutherhaus und man trifft sie als Stadtführerin unter anderem in Weimar, Erfurt und Eisenach: Alexandra Husemeyer. Was sie geprägt hat und bewegt, darüber sprach sie mit Sabine Kuschel.

Frau Husemeyer, Sie arbeiten für die Stiftung Lutherhaus Eisenach und verschiedene andere Projekte, sind Stadtführerin, Künstlerin, Vorsitzende des Kunstvereins, vielseitig interessiert und engagiert. Besteht nicht die Gefahr, sich zu verlieren?
Husemeyer:
Die Gefahr besteht natürlich immer. Es ist manchmal schwer, die Balance zu finden. Ich gebe sehr gerne und merke relativ spät, dass ich selbst zu kurz komme. Dann muss ich die Notbremse ziehen und Stopp sagen, um drei Tage mal allein zu sein. Bei mir laufen immer mehrere Projekte gleichzeitig. Ich liebe das aber auch so. Ich arbeite gerne schnell und auf vielen Baustellen gleichzeitig.

Wie und wo kommen Sie wieder zur Ruhe?
Husemeyer:
Ich kann am besten entspannen, wenn ich reise. Im Sommer nehme ich mir immer drei Wochen Zeit und bin dann weg. Allerdings mache ich unterwegs jeden zweiten Tag eine Stunde Büro. Als Freiberufler muss ich E-Mails checken, Anfragen beantworten. Aber ich genieße das trotzdem. Alle wissen, ich bin im Urlaub, aber ich sitze im Café und schaue aufs Meer. Ich beschränke das Arbeiten auf eine Stunde. Dann bin ich wieder frei. Das ist sogar schön. Man denkt, was für ein Luxus, ich kann jetzt hier arbeiten am Meer.

Alexandra Husemeyer in ihrem Eisenacher Zuhause. Fotos: Sabine Kuschel

Alexandra Husemeyer in ihrem Eisenacher Zuhause. Fotos: Sabine Kuschel

Wohin werden Sie diesmal im Urlaub verreisen?
Husemeyer:
Ich bin ein Campertyp, liebe die Freiheit, unterwegs zu sein und schlafe im umgebauten Berlingo. Dadurch habe ich nur zwei Sitze, aber ich brauche die Fläche sowieso für Auftrittskostüme, Instrumente, Bücher usw. Ich reise gerne gemächlich, besuche eine Freundin in Freiburg, einen Freund in Zürich. Der Weg soll dann weiter durch Ligurien nach Genua führen. Ich entdecke gerne abseits der großen Straßen Kultur und Geschichten einer Region. Wo es schön ist, halte ich an. Wenn ich Lust habe oder wenn das Geld zur Neige geht, fahre ich wieder nach Hause.

Und wenn Sie zurück sind, welche Pläne und Ideen wollen Sie verwirklichen?
Husemeyer:
Im Lutherhaus steht die Vorbereitung auf die neue Sonderausstellung und das ACHAVA-Festwochenende September 2019 auf dem Plan. Privat habe ich viele Träume und wenig Zeit. Ich möchte so viel lernen: ein Instrument, Französisch, Paragliding. Ich möchte lernen, meine Zeit noch besser zu strukturieren. Im Kalender streiche ich einfach Tage durch. Am Telefon muss ich dann sagen, ich bin ausgebucht. Sonst gibt es nie ein freies Wochenende mit Familie und Freunden.

So viele Aufgaben – wofür brennen Sie?
Husemeyer:
Ohne Unterschied für alles. Für eine Sache zu brennen, das ist für mich die Form des Arbeitens. Wenn Menschen halbherzig irgendetwas hinschludern, regt mich dies persönlich auf.

Sie sind Paramentikerin. Wie sind Sie denn zu den anderen Jobs gekommen?
Husemeyer:
Nach dem Abitur in Hermannswerder habe ich Mitte der 1990er-Jahre Ausbildungen zur Handstickerin und Handweberin in Helmstedt gemacht und zwei Gesellenprüfungen abgelegt.

Die Paramentik-Ausbildung sowie der Kirchliche Fernunterricht liefen parallel. Als bester Azubi Niedersachsens habe ich meine Auszeichnung von Gerhard Schröder bekommen, der damals noch Ministerpräsident war. Damit war ein Stipendium von 10 000 DM verbunden, mit dem ich die Meisterschule als Handweberin finanzierte. Zehn Jahre habe ich als Paramentikerin freiberuflich gearbeitet und Aufträge für München, Berlin oder Bremen gewebt.

Nach und nach musste ich einsehen, dass ich davon nicht leben kann. Wenn ich der Kirchengemeinde einen Preis von 3 000 Euro für ein Parament nannte, schlugen sie die Hände über dem Kopf zusammen. Das war dann trotzdem nur ein Stundenlohn von 5 bis 8 Euro. Ich habe jahrelang in keine Rentenversicherung eingezahlt, war teilweise nicht krankenversichert, weil ich es einfach nicht konnte.

Ich kehrte in meine Heimatstadt Eisenach zurück und wurde Stadtführerin, weil ich mich für Geschichte und Kunstgeschichte interessiere. Als die Stelle für Museumspädagogik im Lutherhaus ausgeschrieben war, habe ich mich beworben. Zudem habe ich mich fortgebildet, pädagogische Seminare sowie Rhetorikkurse belegt. Seit zehn Jahren arbeite ich nun schon halbtags im Lutherhaus. Eine ganz spannende Zeit mit Umbau, neuer Ausstellung, neuen pädagogischen Konzepten, die ich aktiv und kreativ begleiten durfte.

Paramentik ist eine sehr stille Tätigkeit, ganz anders als das, was Sie jetzt tun …
Husemeyer:
Man ändert sich im Leben. Die Paramentik hat nicht mehr richtig zu mir gepasst. Ich lebe jetzt das ganze Gegenteil, sehr extrovertiert als Künstlerin und Moderatorin.

Wie haben Sie zum Glauben gefunden?
Husemeyer:
In der Christenlehre. Meine Katechetin war Ilse Weißenborn, eine Katechetin alten Schlages. Unverheiratet und streng. Immer mit dunkelblauem Faltenrock und Lutherrose an der weißen Stehkragenbluse. Ich habe diese Frau geliebt. Weil sie genau das Gegenteil von dem verkörperte, was ich zuhause erlebte: Alkoholsucht und Ablehnung des Stiefvaters. Bei ihr war alles klar strukturiert und zuverlässig. Sie war sehr autoritär, aber hat mir zugehört wie kaum jemand.

Die Christenlehre gab Ihnen im Gegensatz zu ihrem Elternhaus Halt?
Husemeyer:
Ja, absolut. Ich habe die Bibel ganz durchgelesen. Die alttestamentarischen Geschichten, beispielsweise die Josefsgeschichte kann natürlich ein Kind verstehen, das sich ausgestoßen fühlt. Dazu haben wir Bilder mit West-Filzstiften gemalt – damals etwas ganz Besonderes.

Die Katechetin hat pädagogisch sehr gut gearbeitet. Noch heute habe ich ihre Sätze im Ohr. Als sie über die Taufe sprach, wollte ich auch getauft werden. Damals war ich neun Jahre alt. Meine Eltern lehnten dies ab. Meine Mutter war Kirchenmitglied, aber lebte das nicht mehr. Mein Stiefvater war Parteisekretär in der SED.

Ich habe lange gedrängelt. Irgendwann hat meine Mutter eingewilligt. Weil ich aber keine Paten hatte, hat sich die Katechetin darum gekümmert.

Obwohl Sie Ihre Kindheit als belastend beschreiben, sind Sie ein fröhlicher Mensch …
Husemeyer:
Da habe ich Glück. Ich empfinde die Gabe immer wieder nach vorne schauen zu können als Gottes Geschenk und bin dafür dankbar. Ich habe sehr viel Kraft, weiß aber, sie ist ein Geschenk.

Sie spielen Katharina von Bora. Wie stehen Sie zu Luthers Frau?
Husemeyer:
Voller Respekt. Mein Bild von ihr beruht auf historischen Quellen. Von ihr sind nur wenige Briefe erhalten, viele jedoch ihres berühmten Ehemannes. Sie muss sehr selbstbewusst und couragiert gewesen sein.

Als der Schmalkaldische Krieg ausbrach, sie verwitwet war und keinen Rechtsbeistand hatte, wandte sie sich an das ranghöchste Oberhaupt der evangelischen Fürsten in Europa und schrieb dem dänischen König. Sie war gebildet und konnte sicher mit Luther ebenbürtig disputieren. Bei den berühmten Tischgesprächen durfte sie als einzige Frau anwesend sein.

Von Christine Brückner gibt es einen Text über Katharina, den ich nicht mag. Denn diese Katharina rechnet hart mit Luther ab. Ein solches Bild lässt sich meiner Meinung nach nicht belegen. Katharina von Bora war eine starke und fröhliche Frau. Sie war ein Arbeitstier und hat teilweise nur vier Stunden geschlafen, um das Pensum zu schaffen. Nach den Briefen Luthers an sie zu urteilen, haben sich die beiden oft geneckt. Das muss neben allen alltäglichen Sorgen sehr fröhlich gewesen sein. So vermittle ich sie.

Was liegt Ihnen bei Ihrer Arbeit am Herzen?
Husemeyer:
Heute bin ich glücklich. Weil ich auch andere Zeiten erlebte, versuche ich mit meiner Arbeit etwas Fröhliches und Mutmachendes nach außen zu tragen.
Ich würde gern anderen Menschen helfen, ihren Platz, ihren Sinn im Leben zu finden. Ich möchte Menschen ermutigen, ihren eigenen Ideen zu folgen. Ich sehe meine Arbeit auch als Baustein der Versöhnung zwischen Religionen und Kulturen. Ich teile gern mit anderen, weil ich im Leben auch so viel geschenkt bekam.

Früher war ich unsicher und suchte immer den Sinn meines Daseins. Jetzt ist das Leben so wundervoll! Das ist schön.

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Kann man mit den Ohren essen?

20. Juli 2018 von redaktionguh  
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Klingende Leckerbissen: Stadt- und Dorfkirchenmusiken im Weimarer Land

Die Stadt- und Dorfkirchenmusiken im Kreis Weimarer Land stehen vom 21. Juli bis 19. August unter dem Motto »Auditive Leckerbissen zwischen Luther- und Bauhausjahr«. Die 27. Ausgabe der Veranstaltungsreihe kredenzt dabei eine reichhaltige Menükarte für jeden Geschmack. Von Oper bis Jazz, von Blues bis zum barocken Konzert ist alles dabei!

Gitarrenduo Katrin und Reinhard Jungrichter. Foto: Veranstalter

Gitarrenduo Katrin und Reinhard Jungrichter. Foto: Veranstalter

»Musik«, schreibt ein britischer Psychologe, »beeinflusst, wie Essen schmeckt!« Viola-Bianca Kießling, die Referentin für Musik und Heimatpflege im Landratsamt Apolda, ist deshalb überzeugt: »Auch Ohren sind in der Lage zu essen.« Und fordert die Besucher deshalb auf: »Lassen Sie sich die Musik unserer Konzerte schmecken!« Im Eröffnungskonzert laden Edwin Ilg, Verena Küllmer und das Ensemble »arcum tendere lipsiense« mit scharfen Konturen, gewürzt mit Blätterrauschen, Donner, Sturm und Jagdgeschehen, zu Antonio Vivaldis »Le Quattro stagioni« (Die vier Jahreszeiten) ein. Damit der Bogen zum Bauhausjahr schon einmal anklingt, ließ sich der Klangkörper die Fuge II für Orgel von Lyonel Feininger instrumentieren (21. Juli, 19 Uhr, Apolda-Oberroßla). Mit spanischen Spezialitäten für Gitarre bringen Katrin und Reinhard Jungrichter (Weimar) musikalische Tapas der Extraklasse zu Gehör (22. Juli, 17 Uhr, Kirche Rettwitz). Weitere Termine werden auf Seite 10 an den jeweiligen Wochenenden angekündigt.

Bisher waren 93 Städte und Gemeinden Gastgeber der Konzerte. In 118 Kirchen erklangen 66 Orgeln. Diese kostbaren Instrumente aus der Bachzeit und vor allem aus dem 19. Jahrhundert sind das Herzstück der Konzertreihe. Sie zeugen auf eindrucksvolle Weise vom Reichtum der thüringischen Orgeln. Ebenso reich ist die Tradition des Thüringer Glockengusses. Als wichtiger Bestandteil der Konzerte sind diese teilweise sehr alten Glocken in die Eröffnung der Konzerte integriert.

Auf ähnliche Weise wie die Maler und Grafiker Lyonel Feininger oder Alfred Ahner kann man sich beim Hören der Musik von der besonderen Architektur der Gotteshäuser inspirieren lassen.

(G+H)

www.weimarerland.de/kultur/dorfkirchenmusiken_2018_programm.pdf

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Achtung! Mehr brauchts nicht

2. Juni 2018 von redaktionguh  
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Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.

Lukas 10, Vers 16

Manchmal lese ich die Kommentare unter Online-Artikeln. Erschreckend, wie viel Verachtung in manchen von ihnen steckt. Schnell werden solche Kommentare gelöscht, wenn sie allzu bösartig sind, aber manche schaffen es dennoch, ihren Hass zu verbreiten. Solche Verachtung trifft immer wieder die christliche Kirche oder den Islam, leider oft auch die Geflüchteten in unserem Land. Die Bundeskanzlerin ist das beliebteste Ziel dieser Geringschätzung. Vor einiger Zeit habe ich beschlossen, diese Kommentare zu ignorieren. Es tut gut, sich mehr auf die positiven Dinge zu konzentrieren.

Pfarrerin Dorothea Knetsch, Klinikseelsorgerin in Weimar

Pfarrerin Dorothea Knetsch, Klinikseelsorgerin in Weimar

Lese ich den Wochenspruch aus dem Lukasevangelium hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt der Verachtung, dann könnte ich mich auf all den Hass in diesem Land konzentrieren, dann wäre meine Stimmung im Keller. Ich kann aber auch überlegen, wo ich Menschen begegne, die einander achten. Denn man kann den Spruch auch anders lesen: Wenn ich einem Menschen Achtung entgegenbringe, dann bringe ich Gott Achtung entgegen.

So hat zum Beispiel die Journalistin Dunja Hayali das Bundesverdienstkreuz bekommen, weil sie sich nicht von Hasskommentaren daran hindern lässt, sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Dadurch wird ihr Achtung entgegengebracht. Oder da ist die Lehrerin, die schon über 90 Jahre alt ist, und mir erzählt, dass sie immer noch von ehemaligen Schülern besucht wird – was für eine Würdigung ihrer Arbeit. Wenn ich Menschen sehe, die im Pflegebereich liebevoll demjenigen helfen, der auf Hilfe angewiesen ist, dann spüre ich Achtung zwischen diesen Menschen. Auch durch die »MeToo«-Debatte wird die Aufmerksamkeit dafür geschärft, dass die Würde eines anderen geachtet werden muss.

Was hat den Menschen Jesus ausgemacht? In den Evangelien begegnet er mir als ein Mensch, der andere in ihrem Anderssein achtet. Wie könnte ich ihm besser nachfolgen, als indem ich das Gleiche tue?

Pfarrerin Dorothea Knetsch, Klinikseelsorgerin in Weimar

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Selfie mit Muschel

1. Juni 2018 von redaktionguh  
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Jakobsweg: Seit 2003 gibt es den Ökumenischen Pilgerweg. Er führt auf etwa 470 Kilometern von Görlitz in Sachsen bis nach Vacha in Thüringen.

Jakobswege gibt es in Europa schon mehr als tausend Jahre. Ein Pilgerweg, der gerade fünfzehn Jahre alt ist, erscheint dagegen jung. Und doch ist es eine lange Zeit für eine Tradition, die in Ostdeutschland fast ausgestorben war und erst mühevoll wiederbelebt werden musste.

Seit dem Jahr 2003 gibt es hier erstmals wieder einen beschilderten Jakobsweg – den Ökumenischen Pilgerweg, der auf etwa 470 Kilometern von Görlitz in Sachsen bis Vacha in Thüringen führt. Am 6. Juli feiert er sein 15-jähriges Bestehen. Initiiert wurde er von Esther Zeiher, die damals angehende Religionspädagogin war.

Die Idee, wieder einen Pilgerweg einzurichten, sei ihr während des Studiums gekommen, berichtet sie. Das sei zunächst auf viel Unverständnis gestoßen. In ihrer Diplomarbeit, die sich mit religionspädagogischen Aspekten des Pilgerns beschäftigte, habe sie die wissenschaftliche Grundlage für den Ökumenischen Pilgerweg gelegt. In einem von verschiedenen Institutionen geförderten Projektjahr habe sie dann bis 2003 den Plan umgesetzt.

Per pedes: Pilgern auf Schusters Rappen kann man nicht erklären, das muss man im wahrsten Sinne des Wortes erleben. Blasen an den Füßen gehören dabei auf jeden Fall dazu. Da kann die Romantik auch schnell mal auf der Strecke bleiben. Foto: Markus Jöhring – Fotolia.com

Per pedes: Pilgern auf Schusters Rappen kann man nicht erklären, das muss man im wahrsten Sinne des Wortes erleben. Blasen an den Füßen gehören dabei auf jeden Fall dazu. Da kann die Romantik auch schnell mal auf der Strecke bleiben. Foto: Markus Jöhring – Fotolia.com

Zusammen mit Historikern und Altstraßenforschern seien so Teile der alten Handelsstraße Via Regia als Pilgerweg wiederbelebt worden. »Wir mussten unter heutigen Gegebenheiten Wege suchen, die gangbar sind. Manchmal war es ein Glücksfall, dass wir tatsächlich auf der historischen Strecke gehen konnten«, blickt sie zurück. Kommunen und Ämter mussten überzeugt, die Strecke festgelegt und Herbergseltern gefunden werden. Wegzeichen wurden angebracht und ein Pilgerführer geschrieben. Dabei hat Esther Zeiher viel Unterstützung von Menschen erfahren, die sich auch heute noch um den Weg kümmern.

Gefragt nach der Besonderheit des Ökumenischen Pilgerwegs, zitiert Esther Zeiher einen Herbergsvater aus Thüringen: »Die Menschen sagen, dass der Weg sie verändert hat. Er hat eine heilende Wirkung«. Es sei unglaublich, mit welcher Herzlichkeit man in den Herbergen empfangen werde, so Esther Zeiher. »Es wird dir geholfen, wenn du darauf angewiesen bist. Das ist christliche Gastfreundschaft«. Grundlage dafür seien die offenen Pfarrhäuser am Weg. Damit habe sich auch ein Stück kirchliche Willkommenskultur aus DDR-Zeiten erhalten, schätzt Esther Zeiher ein.

Der Weg knüpft bewusst an eine christliche Tradition an und führt Menschen zusammen, die auf der Suche sind, aber auch jene, die schon etwas gefunden haben. »Natürlich verbindet er die Menschen auch im Glauben, aber heute stellt sich eher die Frage nach dem Miteinander von Gläubigen und Nichtgläubigen. Es sind ja auch viele Atheisten oder Menschen mit einem völlig unterschiedlichen Glaubensbegriff unterwegs, zum Beispiel auch Buddhisten.«

Die Zahl der Pilger sei bis heute relativ konstant, so Esther Zeiher. Kritisch sieht sie die Wegbeschaffenheit an manchen Stellen: »Wo früher noch herrliche Feldwege waren, findet man heute oft Asphalt. Das ist nicht nur wegen der Bodenversiegelung eine Katastrophe, sondern es verursacht auch körperliche Schmerzen für all jene, die mit schwerem Rucksack den ganzen Tag auf hartem Untergrund unterwegs sein müssen.«

Der Ökumenische Pilgerweg wird ehrenamtlich durch einen Verein mit Sitz in Weimar betreut. Es gibt mehr als 100 Herbergen, die gegen Spende oder geringe Beträge Pilger aufnehmen. Der Weg ist mit der blau-gelben Jakobsmuschel ausgeschildert, und die Herbergen sind speziell gekennzeichnet. Im Pilgerführer, der aller zwei Jahre neu aufgelegt wird, findet man Adressen und Telefonnummern von Herbergen, dazu Karten, Informationen zu den Orten und geistliche Anregungen.

Im Jubiläumsjahr gibt es ein paar besondere Aktionen auf dem Ökumenischen Pilgerweg. Jugendliche, die 2018 fünfzehn Jahre alt sind oder werden, haben freie Übernachtung in allen nichtkommerziellen Herbergen. Aller 15 Kilometer sind Holzstäbe mit einer Muschel aufgestellt, die man fotografieren und die Bilder an den Trägerverein senden kann. Am 6. Juli finden an einigen der Stäbe gleichzeitig um 18 Uhr eine Andacht statt.

Thomas Barth

www.oekumenischer-pilgerweg.de

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»Wir müssen eben raus als Kirche, hin zu den Menschen«

28. Mai 2018 von redaktionguh  
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Mein Rückblick auf den Kirchentag auf dem Weg in Magdeburg – Mai 2017.

Fünf Uhr. Gebet zum Sonnenaufgang. In der Morgendämmerung bin ich noch etwas müde nach dem Himmelfahrtsabend, der mich so begeistert hat. Ökumenischer Gottesdienst und Willkommensabend liefen mit mehr als 3 000 Besuchern ansteckend fröhlich in wunderbarer Kirchentagsstimmung ab. Die Kirchengemeinden haben eingeladen, liebevoll waren die Tische gedeckt und vielfältiges Essen zubereitet. Jetzt im Rosengarten am Elbufer zähle ich gerade 12, da kommt noch eine Gruppe Konfirmanden aus Meiningen. Sie haben sich aus dem einzigen Gemeinschaftsquartier in der Stadt so früh auf den Weg gemacht. Ich bin echt gerührt. Danach frühstücken mein Frau und ich auf der Schifferkirche mitten in der Elbe. Großartig, die sind extra aus Hamburg gekommen. Sie freuen sich über die gute Resonanz.

Im Kulturhistorischen Museum begrüße ich wenig später den Rabbiner Sajatz, der eine engagierte Bibelarbeit hält. Rückfragen sind bei den etwa 35 Teilnehmern leicht möglich. Gespräche entwickeln sich. Klasse – denke ich – dass die Stadt und die Museen, Kunst- und Kulturleute den Kirchentag unterstützen. Mit dem Fahrrad fahre ich zum Orga-Team. Herr Günther und die Ehrenamtlichen dort haben sich extra Urlaub für diese Tage genommen. Bloß der Kartenverkauf vor Ort ist mager – 20 000 war einfach zu hoch angesetzt. Wir beraten die Sicherheitslage. Die Polizei wird am Abend die Leute, die zur Inszenierung kommen werden, nur per Kontrolle ans Elbufer lassen. 6 000 werden es dann sein, die einen beeindruckenden Abend mit Licht, Musik, Schiffen und Schauspiel aus Magdeburgs Geschichte erleben werden.

Gottesdienst am Elbufer: Etwa 200 Motorradfahrer versammelten sich vor einem Jahr am Petriförder in Magdeburg zum Bikergottesdienst. Die Kirchentage auf dem Weg waren zeitgleich in Leipzig, Jena/Weimar, Erfurt, Magdeburg, Halle/Eisleben und Dessau-Roßlau. Foto: epd-bild

Gottesdienst am Elbufer: Etwa 200 Motorradfahrer versammelten sich vor einem Jahr am Petriförder in Magdeburg zum Bikergottesdienst. Die Kirchentage auf dem Weg waren zeitgleich in Leipzig, Jena/Weimar, Erfurt, Magdeburg, Halle/Eisleben und Dessau-Roßlau. Foto: epd-bild

Ich fahre zum Dom, ein Reporter vom Deutschlandradio will mich dort sprechen. Im Dom wird gerade zum Thema Frieden diskutiert. Ein Manifest entsteht, das streitbar Beachtung finden wird.

Gesprächstermin: Er habe Kunden im Alleecenter gefragt, was sie vom Kirchentag mitbekommen: Nichts. Und warum wir das Thema Kinderarmut übergehen. Ich erkläre ihm, dass ein Kirchentag davon lebt, dass sich Menschen einbringen mit ihren Themen. Warum nicht zu Kinderarmut? Würde gehen. Aber zum Kirchentag auf dem Weg anlässlich des Reformationsjubiläums haben sich bei uns die Themen Frieden und neue Medien angeboten. Sie haben einen Bezug zu Magdeburg als »Unsers Herrgotts Kanzlei« und als in zwei Kriegen zerstörte Stadt: 1631 und 1945. Ja, schade, dass weniger kommen als gedacht. Wir müssen eben raus als Kirche, hin zu den Menschen. Das ist mühsam und Tickets sind auch nicht hilfreich. Im Übrigen würde ich jetzt los wollen, um mit der Ökumenischen Bigband vor dem Allee­center ein bisschen Straßenmusik zu machen. Meine Antworten hat er nicht gesendet.

In der nachmittäglichen Hitze fahre ich dann mit dem Rad zur Jugend. In den Zelten und im Schatten sind einige Kinder und Jugendliche. Es wirkt ein bisschen zu still, ich spüre Enttäuschung bei den Mitwirkenden. Einige Konfis aus der Altmark berichten aber auch von einem coolen Graffiti-Workshop, den sie besuchten – der war voll.

Zurück in der Oase der Seelsorger an der Wallonerkirche, werde ich wieder etwas aufgebaut. Dort höre ich auch von dem interessanten Projekt »Twittergottesdienst«. Ich schaue mir auf Youtube gleich mal einige TwiGo-Ausschnitte an: Ach, so funktioniert das. Ein Kirchenältester kommt vorbei und ruft mir zu: Den Willkommensabend – den machen wir doch wieder. Ich antworte lachend: Da hängt aber ein ganzer Kirchentag dran. Aber probieren können wir’s ja mal. Vielleicht in zwei Jahren? 2019! – Dankbar bin ich für solch engagierte Haupt- und Ehrenamtliche.

An zahlreichen Helfern vorbei und durch die Polizeikontrolle gehe ich abends ans Elbufer: Ich spüre, wie die Menschen mitgenommen werden in die Geschichte der Reformation vor 500 Jahren. Gut, denke ich, dass es heute anders ist: Ohne konfessionellen Kampf – dafür ökumenisch und weltoffen.

Stephan Hoenen

Der Autor ist Superintendent in Magdeburg.

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Kirche gehört zum Leben und wächst durch Gottes Geist

26. Mai 2018 von redaktionguh  
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Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.

Jesaja 6, Vers 3

Die ältere Frau im Krankenbett freut sich, dass »die Kirche« vorbeikommt. Sie erzählt davon, wie wichtig es ihr war und ist, dass Kirche zu ihrem Leben dazugehört. Aber sie erzählt auch, dass es sie traurig macht, wie wenige noch in den Gottesdienst kommen. Ein bisschen Vorwurf klingt vielleicht auch mit. Warum kommt von denen keiner?

In den Zeitungen lese ich von verschiedenen Gottesdienstprojekten. Neue Formate werden gesucht und erprobt, damit mehr (junge) Menschen den Weg in den Gottesdienst finden. Warum erreichen wir sie nicht? So fragen viele. Gottesdienstformate zu hinterfragen, ist notwendig. Manches Traditionelle kann man aufgeben, Neues kann erprobt werden. Oft macht es auch mich traurig, dass so vielen evangelischen Christen ihr Glaube nicht wichtig scheint und viele andere gar nichts mehr von Gott wissen. Und da ist es fraglos wichtig, nach anderen Wegen zu suchen. Manchmal habe ich den Eindruck, als würden wir uns immer weiter verbiegen, damit die Gemeindegliederzahlen wieder stimmen. Als könnten kirchliche Mitarbeiter, wenn sie sich nur genug anstrengen, aus eigener Kraft allein erreichen, dass die Kirche wächst. Das macht, mir zumindest, Druck.

Am Sonntag Trinitatis geht es darum, dass Gott sich den Menschen auf verschiedene Weise zeigt. Er ist der Schöpfergott, der sich mir zum Beispiel in der Natur offenbart. In Jesus Christus begegnet mir Gott als Mensch. Durch das Pfingstfest weiß ich, er stärkt mich durch seinen Geist. Und dieser Geist ist es, der, auch durch mich, bewirkt, dass die Kirche wachsen kann. Sein Geist vermag viel mehr als wir ihm zutrauen.

Pfarrerin Dorothea Knetsch, Klinikseelsorgerin in Weimar

Pfarrerin Dorothea Knetsch, Klinikseelsorgerin in Weimar

Der Wochenspruch ist kein Plan, kein Soll, das es zu erfüllen gilt, sondern das ist eine Zusage! Gott ist heilig, und alle Lande sind und waren seiner Ehre voll, und sie werden es auch zukünftig sein.

Darauf kann ich mich in Weimar in einem Krankenzimmer, beim Besuch eines Patienten, genauso verlassen wie ein Christ in einem gut besuchten Gottesdienst. Gott
ist heilig!

Pfarrerin Dorothea Knetsch, Klinikseelsorgerin in Weimar

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