Wenn der Schirmherr Schutz und Sicherheit bietet

20. Januar 2018 von redaktionguh  
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Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

Jesaja 60, Vers 2

Pass auf! Über dir!« – So schnell kann ich gar nicht den Kopf drehen, da höre ich, wie rechts von mir ein dumpfer Gegenstand auf den Boden knallt. Ein Glück – der Duck-Reflex hat funktioniert! Der Ball hat mich nicht erwischt! Das ging nochmal gut, denn ein Basketball hat durchaus Schmerzpotenzial … »Entschuldigung«, ruft es von links, und ich schaue noch etwas verdattert, aber freundlich zu den Sportlern hinüber. Den Ball habe ich wirklich nicht kommen sehen! Was über mir ist, spielt ja auch selten eine wichtige Rolle.

Anne Puhr, Vikarin in Weimar

Anne Puhr, Vikarin in Weimar

Recht sicher ist es dieser Tage von oben, hier in meiner Stadt. Ich achte auf andere Dinge, wenn ich unterwegs bin: Wenn ich gehe, will ich die Bordsteinkante sehen, und den Pfeiler vor mir auch. Und natürlich freue ich mich, wenn ich bekannte Gesichter entdecke beim Unterwegssein.

Von oben kommt selten etwas, was mich betrifft. Ich richte meinen Blick gern auf das, was mich im Hier und Jetzt wirklich angeht. Auf das Gesicht meines Gegenübers, auf den Terminkalender und das, was ansteht, die Sorgen, Nöte und Freuden des Lebens. So hat jeder Tag seine Farbe, wie es in einem Buch heißt. Mal aktiv rot, mal fröhlich gelb, mal traurig schwarz, mal übermütig orange.

Im Buch des Propheten Jesaja hören wir von vielen dunklen Tagen. Da fehlt so gut wie nichts, was beschwerliches Leben ausmacht! Von A wie Angst bis Z wie Zweifel kennt Jesaja alles. Auch wenn links und rechts um ihn herum keine Möglichkeit auf Besserung aufscheint, von oben wird das Gute kommen. Darauf vertraut Jesaja ganz fest und sagt: »Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.«

Das ist unerschütterlicher Glaube! Eine herrliche Hoffnung: Gott, der Herr, ist über uns und wird unser Leben und unsere Dunkelheit hell machen! Dass der Herr und seine Herrlichkeit bei den Menschen sein will, dürfen wir wissen!

Jesus Christus sei Dank!

Kind – Krippe – Engel – Weihnachten, Sie wissen schon … Da rufe ich doch gern glatt selbst: »Pass auf! Über mir!«

Anne Puhr, Vikarin in Weimar

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Kulturerbe mit O

1. Januar 2018 von redaktionguh  
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»O du fröhliche«: Das Weihnachtslied soll in die Unesco-Liste aufgenommen werden

Das berühmte Weihnachtslied »O du fröhliche« von Johannes Daniel Falk (1768–1826) soll in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen werden. Das zumindest wünscht sich der Johannes-Daniel-Falk-Verein aus Weimar und hat eine Bewerbung bei der Thüringer Staatskanzlei eingereicht.

An dem mehrstufigen Auswahlverfahren sind die Bundesländer, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Auswärtige Amt und die Deutsche Unesco-Kommission beteiligt.

Der Falk-Verein um Paul Andreas Freyer hat eine Hürde genommen: Die Bewerbung des Vereins wurde von der Thüringer Jury fachlich begutachtet und akzeptiert. Bis April kann Thüringen dem Sekretariat der Kultusministerkonferenz bis zu vier Vorschläge benennen. Welche das sind, darüber soll im Januar entschieden werden.

Auf Basis der Vorschläge aller 16 Bundesländer erstellt das Sekretariat der Kultusministerkonferenz eine Liste, die einem Expertenkomitee der Deutschen Unesco-Kommission vorgelegt wird. Unabhängige Experten prüfen und bewerten die Dossiers; das soll im Sommer geschehen. Die Kultusministerkonferenz und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien bestätigen abschließend die Experten-Empfehlungen. So entsteht ein bundesweites Verzeichnis, aus dem kulturelle Ausdrucksformen bei der Unesco eingereicht werden können. Diese entscheidet dann über die Aufnahme. Wie die Entscheidung auch ausfällt: Gäbe es die Charts der deutschen Weihnachtslieder, würde »O du fröhliche« auf Platz eins stehen. Es wird in evangelischen und katholischen Kirchen gesungen, oft ist es das Abschlusslied im Heiligabend-Gottesdienst.

Ein Lied für arme Waisenkinder

Johannes Daniel Falk, geboren am 28. Oktober 1768 in Danzig, wurde in ärmlichen Verhältnissen groß. Der Stadtrat stiftete ihm ein Stipendium für ein Studium in Halle. Er soll mit den Worten verabschiedet worden sein: »Wenn dereinst ein armes Kind an deine Tür klopft, dann wisse, dass wir es sind, die alten, grauen Bürgermeister von Danzig. Weise sie nicht von deiner Tür!«

Doch zunächst widmete sich Falk der weltlichen Fröhlichkeit. Er brach das Theologie-Studium ab, dichtete Satiren und zog als Privatgelehrter nach Weimar. Dort wurde sein diplomatisches Geschick gelobt. 1813 aber wurde ein bitteres Jahr: Innerhalb weniger Wochen verlor er vier seiner sieben Kinder durch Typhus. Kurze Zeit später soll ein zerlumpter Waisenjunge vor seiner Tür gestanden haben. In diesem Moment habe er sich an die Worte des Danziger Stadtrates erinnert und nahm das Kind auf. Die gute Tat sprach sich herum, und so kamen immer mehr Kriegswaisen. Für sie dichtete er »O du fröhliche« – allerdings nur die erste Strophe. Sein Gehilfe Heinrich Holzschuher schrieb später die beiden anderen heute bekannten Strophen.

1816 soll Falk das »O du fröhliche« geschrieben haben, heißt es im Evangelischen Gesangbuch. Doch 2015 gab Paul Andreas Freyer vom Falk-Verein bekannt, dass das Lied offenbar älter ist. Der Kirchenhistoriker Herbert von Hintzenstern hatte recherchiert, dass Falk es vermutlich im Advent 1815 geschrieben hat, damit es 1816 im Lehrkalender für seine Zöglinge seiner Sonntagsschule erscheinen konnte. In Falks Jahresbericht für 1816 war »O du fröhliche« in der Liste der Lieder erwähnt, die die Kinder auswendig singen mussten. Aber die Ur-Handschrift des Textes fehlt bis heute, sagt Freyer. Der Nachlass von Falk sei in großen Teilen nicht gesichtet.

(epd/G+H)

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Auch das noch: In all der Hektik Gott empfangen

16. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.

Jesaja 40, Verse 3 und 10

Advent – das bedeutet: Gott kommt zu mir! Dieser Spruch für die neue Woche in diesem Advent ist für mich wie ein Stolperstein. Hoppla, was gilt denn jetzt? Kommt Gott zu mir oder was muss ich tun, um Gott nahe zu sein? Im Laufe des Jahres stelle ich mir diese Frage immer wieder. Aber jetzt, gerade im Advent, kommt mir immer wieder die Botschaft zu Ohren, dass Gott mir auf besondere Weise nahe ist.

Dieses Wort des Propheten Jesaja ist eine Aufmunterung an uns Menschen: Bereitet dem Herrn den Weg! Da frage ich mich, wie mir das gelingt. Ich spüre einen hohen Anspruch. Ob ich dem gerecht werden kann? Ich gehe durch den Alltag mit vielen Terminen im Kalender und vielem, was ich noch nicht erledigt habe, weil ich es zeitlich einfach nicht geschafft habe. Und jetzt soll ich dem Herrn auch noch den Weg bereiten! Bin ich dazu überhaupt in der Lage oder ist das eine viel zu hohe Anforderung?

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

Gott kommt zu mir! Gott ist mir nahe! Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass durch die Begegnung mit anderen Frauen, Männern und Kindern Gott auf besondere Weise präsent ist. Zum Beispiel dann, wenn ich in ein interessantes Gespräch verwickelt werde. Wir reden über Gott und die Welt – dann ist Gott nahe. Oder, wenn ich jemandem einen kleinen Gefallen tun konnte – dann ist Gott nahe. Wenn Türen aufgeschlossen werden, damit sich Menschen begegnen können – dann ist Gott nahe. Wenn sich Frauen oder Männer zur Taufe entscheiden, wenn sie ihren Glauben wechseln, weil ihnen das jetzt wichtig ist, in dieser Kultur zu leben und mit ihr vertraut zu sein – dann ist Gott nahe. Wenn Frauen, Männer und Kinder ein Krippenspiel einüben, um es am Heiligen Abend aufzuführen – dann ist Gott nahe. Dann öffnen sich verschlossene Türen. Jesus hat einmal gesagt: Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden. (Johannes 10,9)

Ich glaube, wir können dem Herrn den Weg bereiten und machen dabei eindrückliche Erfahrungen. Ich wünsche Ihnen gesegnete Wege, auf denen Sie Gott spüren.

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

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Sie haben eine neue Nachricht: Zeit für einen Blickwechsel

9. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Lukas 21, Vers 28

lles leuchtet und glänzt. Wenn wir durch die Orte und Städte gehen, dann sehen wir überall Weihnachtssterne und Lichterketten. Das ist gar nicht zu übersehen. Und das ist auch gut so, denn wir sind eingeladen in dieser Adventszeit, uns auf die Geburt Jesu und sein Kommen in unsere Welt vorzubereiten. Der Wochenspruch muntert uns dazu auf.

In der Regel erfahren unsere Sinne eine Flut von Reizen. So viel nehmen wir wahr, wenn wir durch den Alltag gehen. Dort dudelt Musik, da läuft das Radio, die Smartphones sind ständig in Betrieb. Achtung: Es könnte eine Nachricht kommen! Das setzt mich zeitweise ziemlich unter Druck. Ich traue mich zuweilen gar nicht, mein Handy auch einmal auszuschalten. Aber ich glaube, jeder Mensch braucht Zeiten, sich zurückzuziehen, um zu tun, wozu uns der Wochenspruch ermuntert: Auf den zu sehen, der uns erlöst hat – Jesus Christus. Diese Zeit des Advents ist eine schöne Zeit, weil wir uns auf Weihnachten vorbereiten, weil wir auf das Kind in der Krippe schauen können, weil wir es bewundern dürfen, weil wir auf unseren Herrn schauen, der uns ein ganz neues Leben ermöglicht.

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

Wie oft kommen wir im Alltag an unsere Grenzen. Der Beruf, die Familie fordert uns heraus. Immer wird voller Einsatz erwartet. Und deshalb brauchen wir andere Zeiten. Ich freue mich über den Adventskalender, über Worte, die ich jeden Tag lese, um mich auf meinen Glauben zu besinnen. Deshalb tut es mir gut, woanders hinzuschauen als auf den Schreibtisch oder auf den Terminkalender, der voll ist und abgearbeitet werden will. Ich sehe auf zu meinem Gott, der mir seinen Sohn geschenkt hat. Zu ihm sehe ich auf, weil er mir die Augen öffnet und mir eine neue Welt zeigt.

Ich freue mich deshalb über das Adventsliedersingen, über die Gottesdienste im Advent, auf das Leuchten der Lichter, die mich an dieses eine Licht erinnern, der von sich sagt: »Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.«

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

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»Hier bleibe ich keine 14 Tage«

16. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Porträt: Axel Kramme, Rektor der Stiftung Sophienhaus

Es ist ein trüber, nebeliger Novembertag 1975, an dem Axel Kramme das erste Mal – damals als Krankenpflegeschüler – das Weimarer Sophienstift betritt. Als er den dunklen, spärlich beleuchteten Gang entlanggeht, denkt er: »Hier bleibe ich keine 14 Tage.« Doch aus den 14 Tagen sind inzwischen 42 Jahre geworden. In dem Raum, in dem er einst als Krankenpflegeschüler begann, sitzt er noch heute – als Rektor und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Sophienhaus Weimar, 1875 gegründet.

Die verzweigte Einrichtung ist nicht leicht zu überschauen. Der Rektor erklärt: »Die Stiftung hat zwei Töchter, das Sophien- und Hufelandklinikum und die Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein.« Die Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein besteht seit 2009. Sie zählt zu den größten Diakonieträgern in Thüringen. Mehr als 120 Einrichtungen bieten »alle Dienste von der Wiege bis zur Bahre«, wie es Kramme umschreibt, also zu ihr gehören unter anderem Kindertagesstätten, Werkstätten für Menschen mit Behinderung, Schulen und Altenheime. Partner der Stiftung Sophienhaus Weimar sind die Evangelische Stiftung Christophorushof in Altengesees, das Michaelisstift Gefell und die Diakonie Stetten.

Die Stiftung Sophienhaus Weimar ist eine anerkannte diakonische Einrichtung, ein großes Unternehmen. »An dieser Entwicklung hat Axel Kramme großen Anteil«, betont Henrich Herbst, Superintendent im Kirchenkreis Weimar. Anerkennenswert sei, dass aus dem Sophienhaus ein modernes Versorgungskrankenhaus geworden ist, das größte konfessionelle in Thüringen, so Herbst. In der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein sind 2 200 Mitarbeiter beschäftigt, im Krankenhaus arbeiten etwa 1 000 Menschen.

Die Geschichte der Stiftung Sophienhaus ist eine von Wachstum und Expansion, die Axel Kramme maßgeblich mitgestaltet hat. Ein Meilenstein war 1998 die Zusammenführung des städtischen und diakonischen Krankenhauses in Weimar, bei der es galt, unterschiedliche Kulturen miteinander zu verbinden. Einige Jahre später jedoch verkauft die Stadt ihre Anteile und steigt aus dem Projekt Krankenhaus aus. Um das Haus als evangelisches weiterführen zu können, wird das Marienstift Arnstadt zu 50 Prozent Mitinhaber. Auf dem Gelände des Sophienhauses entstehen ein Altenhilfezentrum und eine Schule für geistig behinderte Kinder, die Johannes-Landenberger-Schule.

Rektor Axel Kramme in seinem Büro. Vor über 40 Jahren saß er hier erstmals, als Krankenpflegeschüler. Foto: Sabine Kuschel

Rektor Axel Kramme in seinem Büro. Vor über 40 Jahren saß er hier erstmals, als Krankenpflegeschüler. Foto: Sabine Kuschel

Axel Kramme ist 1957 in Friedrichroda geboren. Im Jugendalter prophezeite ihm ein Theologe, dass er später Pfarrer würde. Damals denkt Kramme: »Der spinnt.« Er wird Diakon. Bei diesem Beruf schwebt ihm ein Mann vor, der mit Gitarre, langhaarig und Pfeife rauchend unterwegs ist – ein Gegenbild zur FDJ. Voraussetzung für die Diakonenausbildung ist ein »handfester« Beruf, also entscheidet er sich für die Krankenpflege. Weil er den Wehrdienst verweigert, kommt er im Herbst 1975 an das evangelische Sophienhaus Weimar. Nach der Krankenpflegerausbildung leistet er Wehrersatzdienst als Bausoldat, danach studiert er an der Predigerschule in Erfurt Theologie. Nach einer kurzen Station im Pfarramt kehrt er zurück ins Sophienhaus. Seit 1996 ist er Rektor und Vorstandsvorsitzender.

»Es gab immer Menschen, die es mir zugetraut haben, eine größere Aufgabe zu übernehmen«, sagt er. Und an jeder Entwicklungsstufe habe er vor dem »Kairos« gestanden, dem günstigen Zeitpunkt für Entscheidungen. Als Leiter eines großen Unternehmens gibt es viele Entscheidungen zu treffen. Zugute komme ihm in dieser Position, dass er sehr lange und mit viel Geduld zuhören und schweigen könne.

Irgendwann ist es dann Zeit, auf den Punkt zu kommen. Er schätzt sich als entscheidungsfreudig ein, nach entsprechender Bedenkzeit zögert er nicht, Entscheidungen zu treffen und umzusetzen.

Fehlentscheidungen? Gibt es nach seinen Worten. Geht es ums Personal, sei es nicht immer leicht, die richtige Wahl zu treffen. Wenn sich jedoch herausstellt, dass eine Stelle falsch besetzt wurde, bemühe er sich konsequent, den Schritt rückgängig zu machen.

Was sind die Herausforderungen der nächsten Jahre? Der Geist der diakonischen, der christlichen Einrichtung soll spürbar bleiben. Bei den Mitarbeitern, die keinen kirchlichen Hintergrund haben, gehe es nicht darum, zu missionieren, wohl aber, ihnen die christlichen Grundlagen und Werte nahezubringen. Unabhängig davon, ob sie der Kirche beitreten oder nicht, »sollen sie positive Erfahrungen mit dem Christentum machen«.

Sabine Kuschel

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Wenn die Großnichte mit dem Onkel die Orgel schlägt

8. September 2017 von redaktionguh  
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Liszt-Orgel: Seit fast 40 Jahren engagiert sich G+H-Redakteur Michael von Hintzenstern in Denstedt im Weimarer Land für den Erhalt der Orgel in der Dorfkirche. Willi Wild sprach mit ihm über sein Engagement.

Wie sind Sie auf die Orgel gestoßen?
von Hintzenstern:
Ich bekam 1980 den Auftrag, zu den Thüringer Orgeltagen einen Vortrag über den Weimarer Stadtorganisten, Komponisten und Orgelbautheoretiker Johann Gottlob Töpfer (1791–1870) zu halten, der aus Niederroßla bei Apolda stammt und als wichtigster Orgelbautheoretiker des 19. Jahrhunderts gilt. Er hat ein Lehrbuch der Orgelbaukunst veröffentlicht, das eine Art Bibel für Orgelbauer war. Ein Standardwerk.

Lisztorgel in Denstedt. Foto: Maik Schuck

Lisztorgel in Denstedt. Foto: Maik Schuck

Bei der Recherche im Goethe-Schiller-Archiv und in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek bin ich auf einen Brief von 1860 gestoßen, den Franz Liszt an seinen »legendarischen Kantor« Alexander Wilhelm Gottschalg schrieb. Darin ist »von ländlichen Orgelexperimenten« in der Kirche in Denstedt die Rede. Ich bin daraufhin mit meinem Trabbi rausgetuckert. Und fand eine Orgel vor, für die sich niemand interessiert hat. Es gab kein Firmenschild. Wir wussten also gar nicht, wer die Orgel erbaut hat. Mein Vater fand dann in einer alten Tageszeitung eine Dankanzeige der Gemeinde Denstedt an die »edlen Stifter«. Ihr war zu entnehmen, dass die Orgel von den Gebrüdern Peternell aus Seligenthal (Schmalkalden) nach einer Disposition von Prof. Töpfer erbaut wurde. Geadelt ist das Instrument dadurch, dass sich Franz Liszt mehrfach dort aufgehalten hat, um »Orgelconferenzen« mit Gottschalg und sogenannte »Privatkonzerte« für das »sehr gewählte Publikum aus der nahen Residenzstadt« (Gottschalg) durchzuführen. Also, wir haben da einen hundertprozentig originalen Liszt-Klang, deswegen ist Denstedt ein ganz besonderes Orgeldenkmal.

Aber warum ausgerechnet Denstedt?
von Hintzenstern:
Die Denstedter Kirche war das ideale Quartier. Liszt kam von der Altenburg in Weimar, hielt in Tiefurt, lud Gottschalg ein, dann haben die sich mit der Kutsche nach Denstedt fahren lassen. Dort waren sie ungestört. Die Dorfjugend freute sich, denn Liszt gab dem Bälgetreter einen Taler. Das war also ein gutes Geschäft. Liszt und Gottschalg haben sich mit Orgelwerken verschiedener Epochen beschäftigt. Liszt hat für die Denstedter Orgel beispielsweise zwei Bach-Bearbeitungen geschaffen und Töpfer gewidmet.

Wie fanden Sie 1980 das vergessene Instrument vor?
von Hintzenstern:
Der Zustand der Kirche war schlecht. Vor allem der Turm war baufällig. Damit wurde dann auch bei der Instandsetzung begonnen, denn die Orgel steht direkt am damals einsturzgefährdeten Turm. Zwölf Jahre später, 1992, war die Kirche vollständig restauriert.

Welche Hindernisse hatten Sie da zu überwinden?
von Hintzenstern:
Eine Schwierigkeit war, dass Baubilanzen fehlten. Ich habe versucht, für Öffentlichkeit zu sorgen, um auf die offiziellen Stellen etwas Druck ausüben zu können. So habe ich Stargeiger Yehudi Menuhin angeschrieben, der Ehrenpatron der englischen »Liszt Society« war. Er hat gleich 5 000 Mark für Denstedt gestiftet. Dadurch konnte ich sagen: Lord Yehudi Menuhin wird bald nach Thüringen kommen, um zu sehen, was mit seinem Geld passiert ist. Eine Enkeltochter Gottschalgs hat eine Eingabe an Erich Honecker geschickt. Am Ende hat es nicht sehr viel gebracht.

Kam der angekündigte Besuch Yehudi Menuhins zustande?
von Hintzenstern:
Leider nicht. Es war mehrfach geplant. Kurz vor seinem Tod dirigierte er noch in Leipzig und sollte anschließend nach Denstedt kommen. Der Besuch wurde aber kurzfristig abgesagt. Er war ein wichtiger Impulsgeber und fand es auch sehr schön, dass wir uns um die Liszt-Orgel kümmern.

Konnte die Orgel bei der Kirchensanierung mit berücksichtigt werden?
von Hintzenstern:
Anfang der 1990er-Jahre gab es eine erste Teilrestaurierung, die aber eher eine Generalreparatur war. Zum Liszt-Jahr 2011 konnten wir die Orgel vollständig restaurieren lassen. Dabei hatten wir die Unterstützung vieler weltberühmter Organisten.

Was fasziniert Sie an dem Instrument?
von Hintzenstern:
Ich finde es spannend, dass der Zukunftsmusiker Franz Liszt in dieser Dorfkirche Klangexperimente durchgeführt hat. Als ich die Orgel das erste Mal gesehen habe, stellte ich fest, dass es an den mechanischen Registerzügen Bleistiftstriche gab, wie ich sie aus der experimentellen Spielpraxis in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kannte. Dass man die Register nicht vollständig herauszieht, sondern nur zu 25 oder 50 Prozent, um Zwischenklänge zu erzeugen. Ich dachte mir, dass das vermutlich nicht der Dorforganist gemacht hat. Aller Wahrscheinlichkeit nach war das Franz Liszt. In der alten Orgelmusik, z.B. bei Frescobaldi in Rom, gab es schon den Versuch, mit einem nicht vollständig gezogenen Register solche Schwebeklänge zu erzeugen.

Denstedt war für mich in der DDR auch eine Art Spielwiese, da ich in dieser Kirche frei schalten und walten konnte, was in Weimar nicht so einfach war. Da gab es immer gewisse Animositäten gegenüber der Neuen Musik, bis hin zu Spielverboten. Deswegen wurden die Tage Neuer Musik auch 1988 in Denstedt begründet. Inzwischen freuen wir uns auf das 30. Festival! Damals haben wir für Furore gesorgt mit einem Programm zum 60. Geburtstag des BRD-Komponisten Karlheinz Stockhausen: 22 Kompositionen, darunter sechs DDR-Erstaufführungen, alles an drei Tagen.

War Stockhausen selber auch mal da?
von Hintzenstern:
Zunächst kam sein Sohn Markus, ein genialer Trompeter. 1992 betrat der Meister anlässlich einer Aufführung seiner Komposition »Unbegrenzt« höchstselbst die Kirche. Es hat ihn sichtlich bewegt, den Ort zu besuchen, wo seine in der DDR tabuisierte Musik gespielt wurde.

Gibt es neben dem künstlerischen auch einen geistlichen Aspekt?
von Hintzenstern:
Ja, einen sehr starken sogar. Liszt, der in erster Linie als Klaviervirtuose wahrgenommen wurde, war ein tief religiöser Mensch. Sein erstes Werk in Weimar war eine Messe für Männerchor und Orgel. Sein Orgelschaffen umfasst zehn Bände! Liszt überlegte sogar, ein Luther-Oratorium zu schreiben. Ein ganz ökumenischer Aspekt. Auch bei Stockhausen findet sich ein ausgeprägtes religiöses Denken. Er betonte, dass alle seine Werke geistliche Musik seien.

Neue Musik ist mitunter schwere Kost. Wie ist es Ihnen gelungen, Kinder einzubeziehen und zu begeistern?
von Hintzenstern:
Ein wunderbarer Zufall. Ich bin bei meinen Recherchen auf Liszts einziges Kinderlied gestoßen, ein Text Hoffmann von Fallerslebens. Nach einem erfolgreichen Kinderkonzert habe ich ein Veranstaltungsformat entwickelt, mit dem Titel: »Orgelkonzert für Kinder, Puppen und Teddybären«. Da konnten Kinder ihre Spielgefährten mitbringen.

Ich habe auf der Orgel Tänze gespielt, zu denen die Kinder ihre Puppen tanzen ließen. Dabei konnte ich unmittelbar erklären, wie die Orgel funktioniert. Ich habe das Bild von der »Königin der Instrumente« gebraucht, die Kinder durften selber in die Tasten greifen. Das ist jetzt auch bei meiner Großnichte ein ganz großer Wunsch. Der Impuls geht weiter. Und das finde ich toll.

30. Tage Neuer Musik in Weimar, 20. bis 28. Oktober unter dem Motto: »Konzert-Installa­tionen – Installations-Konzerte«

www.lisztorgel.de

Innere Einkehr und Meditation

4. September 2017 von redaktionguh  
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Pilgerprojekt im Kirchenkreis Gera: Moderne Kunst in alten Kirchen

Bereits zum neunten Male laden alte Dorfkirchen in Gera zum Pilgern und zum Kennenlernen von Kunst ein. »NIMBUS – Pilgern und Kunst in Kirchen« heißt das Projekt, das der Geraer Zeichner und Maler Erik Buchholz im Jahre 2008 erstmalig organisierte.

Lokaltermin: Erik Buchholz und Claudia Fischer besprechen in Gera-Zwötzen Details ihrer Foto-Ausstellung. Foto: Wolfgang Hesse

Lokaltermin: Erik Buchholz und Claudia Fischer besprechen in Gera-Zwötzen Details ihrer Foto-Ausstellung. Foto: Wolfgang Hesse

»NIMBUS möchte neue Kunst dorthin bringen, wo die Kirchenräume die Spiritualität und das Ehrwürdige atmen. So verbinden sich Gegenwart und Vergangenheit und stellen ganz besonders junge Künstler und deren Schaffen in den Mittelpunkt«, erklärt der Initiator. »Andacht, innere Einkehr und Meditation finden wir in der modernen Lyrik, in der Musik, in einem Bild und auch in neuen Kunstformen, wie Video, Beleuchtung oder Klang.«

»Wir haben uns entschieden, zu NIMBUS 2017 wieder die Kirchen am südlichen Stadtrand einzubeziehen«, gesteht Erik Buchholz. So werden neben den Kirchen in Gera-Pforten und Markersdorf die Gotteshäuser in Zwötzen, Kaimberg, Liebschwitz und Taubenpreskeln einladen.

Die Taubenpreskelner Kirche liegt inmitten eines Friedhofes und inte­griert sich in das sie umgebende Grün. Buchholz hat Gerd Kaden aus Greiz vergangenes Jahr hier kennengelernt. Der Bildhauer war von der Idee begeistert und konnte für die Kirche in Gera-Liebschwitz gewonnen werden. Seine Arbeiten knüpfen an Darstellungen der geschundenen Kreatur an. Sein Gekreuzigter oder Schmerzensmann greift dieses Thema auf und führt es weiter.

Timm Kregel hat sich die Kirche Taubenpreskeln ausgesucht. Der 1957 in Leipzig geborene Grafiker studierte unter anderem Kunst und Design in Halle auf Burg Giebichenstein. Derzeit beschäftigt er sich mit Skulpturen, Malerei und Grafik. Seit 1999 lebt und arbeitet er in Gorsleben.

Claudia Fischer lebt in Jena und Lissabon und hat sich für die Zwötzener Kirche St. Martini entschieden. Die Künstlerin hat Fotografie in Rochester und Leipzig studiert und beschäftigt sich mit Themen, die sie fotografisch beschreibt. In Zwötzen zeigt sie ihre aktuellen Arbeiten. Sprache und Text verwandelt sie in eine Kunstform. Auf ihren Fotografien wird Text eines Laserdruckers »unter die Lupe genommen« und extrem vergrößert. Dabei sieht man Grafiken, die Holzschnitten ähneln. Diese Objekte werden sich beweglich in den Kirchenraum einpassen.

Die Schwedin Nina Lundström lebt seit dem Jahre 2000 in Weimar und arbeitet als Cutterin beim Fernsehen. Das Medium Video hat es ihr angetan. In der Kirche Gera-Pforten möchte sie einladen, ihre Kunst so zu entdecken, »wie wir das Leben in und mit dem Körper erleben«. Ihre Arbeiten zeigen Möglichkeiten, aus dem Alltäglichen auszubrechen und die Freiheit zu gestalten.

Tanja Pohl wirkt in Greiz und zählt zu den interessantesten Nachwuchskünstlerinnen. Ihre Werke, von Druckgrafik über Malerei bis hin zur Plastik, werden in Kaimberg zu sehen sein. Schließlich wird Angelika Weikert, eine Malerin aus Sangerhausen, meditative Arbeiten in der Kirche Markersdorf ausstellen.

Wolfgang Hesse

9. September bis 3. Oktober, am Wochenende von 10 bis 17 Uhr

Die Taufe – kostbares Geschenk

25. August 2017 von redaktionguh  
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Warum lassen Eltern ihr Kind taufen, warum begehren Erwachsene die Taufe? Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Taufe ist kein Talisman und viel mehr als ein schönes Familienfest.

Die Taufe begründet die Gemeinschaft zwischen dem Täufling und Jesus Christus und sie stellt den Täufling damit zugleich in die Gemeinschaft der Getauften, der christlichen Gemeinde. Aber die Gemeinde lebt in einer säkularen Gesellschaft, in der die meisten Menschen nicht getauft sind. Selbst in Familien, in denen zumindest ein Ehepartner der Kirche angehört, ist es nicht mehr selbstverständlich, dass die Kinder getauft werden. Nicht die alten Menschen, die sterben, seien der hauptsächliche Grund für den Mitgliederschwund der Kirche. Viel mehr ins Gewicht falle, dass Kinder aus Familien mit mindestens einem konfessionell gebundenen Elternteil nicht getauft würden. Diese Erkenntnis habe ihn aufgerüttelt, sagt der Weimarer Pfarrer Sebastian Kircheis. Und – zum Nachdenken und Handeln inspiriert.

Mit Elbewasser getauft: Im Fluss bei Dessau-Roßlau taufte Pfarrer Stephan Grötzsch von der Christusgemeinde Großkühnau-Ziebigk am Sonntag den kleinen Leonard Lanfer – sicher gehalten von seinem Onkel und Paten Andreas Lanfer – gemeinsam mit drei weiteren Kindern und einem Jugendlichen. Foto: Lutz Sebastian

Mit Elbewasser getauft: Im Fluss bei Dessau-Roßlau taufte Pfarrer Stephan Grötzsch von der Christusgemeinde Großkühnau-Ziebigk am Sonntag den kleinen Leonard Lanfer – sicher gehalten von seinem Onkel und Paten Andreas Lanfer – gemeinsam mit drei weiteren Kindern und einem Jugendlichen. Foto: Lutz Sebastian

Um der Traditionsvergessenheit etwas entgegenzusetzen und um Kontakt herzustellen zu Menschen, die nur eine lose oder gar keine Verbindung zur Kirchengemeinde halten, ist in Weimar ein Programm entwickelt worden: Wenn ein Kind geboren wird, erhalten die Eltern einen Brief, der ihnen signalisiert: Kirche ist für Sie da, wenn Sie es wünschen. Im nächsten Jahr werden die Eltern der nun ein- bis zweijährigen Kinder erneut angeschrieben und zu einem Vormittag in der Kirchengemeinde eingeladen, an dem über ein Thema, etwa über frühkindliche Erziehung, gesprochen wird. Im dritten Jahr folgt die Einladung zu einem Tauf- oder Tauf­erinnerungsfest. Ein solches wurde in Weimar vergangenen Sonntag gefeiert.

Christen sind in der säkularen Gesellschaft eine Minderheit. Wenn Eltern ihr Kind taufen lassen wollen, stehen sie häufig vor einer Schwierigkeit. Wer soll Pate sein? Im Freundes- und Bekanntenkreis findet sich niemand, der Mitglied einer christlichen Kirche ist. Wenn niemand für das Patenamt infrage kommt, kann dies ein Kirchenältester, ein Gemeindemitglied übernehmen. »Theoretisch, vom Neuen Testament her die beste Lösung«, meint Pfarrer Matthias Ansorg vom Amt für Gemeindedienst der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Aber doch nicht so praktikabel, da meistens die persönliche Beziehung fehle.

In Weimar hat sich eine andere Variante etabliert: das Taufzeugenamt. Für Menschen, die nicht christlich getauft sind, aber die für das Kind Verantwortung übernehmen wollen. »Es geht dabei auch um das Wohl des Kindes«, betont Pfarrer Hardy Rylke. Es fehle zwar das Element der christlichen Unterweisung. »Aber ich vertraue dem Heiligen Geist«, sagt der Pfarrer. »Wir taufen in die Gemeinde. Eltern, die ihr Kind taufen lassen, tun dies nicht ohne Grund. Ich vertraue darauf, dass die Gemeinschaft der Getauften trägt.«

Warum lassen Eltern ihr Kind taufen, warum begehren Erwachsene die Taufe? Die Spannbreite, warum Menschen ihre Kinder oder sich selbst taufen lassen, ist groß. Manche sehen darin so etwas wie einen Talisman, der vor Gefahren schützt. Von dieser Erfahrung berichtet beispielsweise Barbara Reichert, Militärpfarrerin in Sondershausen. Wie sie sagt, lassen sich bei fast jedem Auslandseinsatz Soldaten taufen. Die Soldaten seien bei Einsätzen in Krisengebieten auf der Suche, sie treffen wichtige Entscheidungen im Angesicht lebensbedrohlicher Gefahren, sie fragen nach Schutz, Begleitung und Segen. In der Taufe sehen sie dies.

»Die Gründe für das Taufbegehren sind so vielfältig wie die Welt«, so die Beobachtung von Pfarrer Rylke. Er kennt Eltern, die selbst nicht konfessionell gebunden sind und dennoch für ihr Kind die Taufe wollen. »In dem Falle ist ein christlicher Pate wichtig«, bemerkt Rylke. Mitunter steht einfach der Wunsch nach einem schönen Familienfest im Vordergrund. Oder die existenziellen Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Schuld und Tod brechen sich Bahn, wie es die Militärseelsorgerin des Öfteren erlebt.

Die Taufe ist kein Talisman und sie ist viel mehr als ein schönes Familienfest. »Ich sage immer, sie ist das kostbarste Geschenk«, so Rylke. Das Sakrament der Taufe begründet die Gemeinschaft mit Jesus Christus und eröffnet im Angesicht von Schuld und Tod eine neue Lebensperspektive im Glauben.

Sabine Kuschel

Heilige Schrift im Bild

14. August 2017 von redaktionguh  
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Weimarer Kinderbibel eine Woche in Wittenberg

Mitteldeutsch-2-32-2017Unter dem Motto »Bild und Bibel« steht die 13. Themenwoche der Weltausstellung Reformation vom 16. bis 21. August in Wittenberg. Besucher können alte Ikonen und neue Icons entziffern, mit Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch kommen, über Bilderverbote diskutieren und vieles mehr.

Mit dabei ist im Bugenhagenhaus die Weimarer Kinderbibel, geschrieben und gestaltet von Kindern.

Mit inzwischen sechs Staffeln kann das Projekt der Kinderbibel einen Erfolg vorweisen, der beim Start im Jahr 2012 nicht abzusehen war. Im Lauf der Jahre haben sich über 500 Kinder aus Weimar und anderen Orten in Thüringen beteiligt.

Kinder des ersten Jahrganges der Weimarer Kinderbibel blättern im fertigen Exemplar. Foto: Maik Schuck

Kinder des ersten Jahrganges der Weimarer Kinderbibel blättern im fertigen Exemplar. Foto: Maik Schuck

Bei der Themenwoche in Wittenberg anwesend ist auch die Ideengeberin, die promovierte Sprachwissenschaftlerin Annette Seemann. Die von Frank Nolde kuratierte Ausstellung im Bugenhagenhaus zeigt ausgewählte Geschichten und Gestaltungen aus den sechs Jahren Projektarbeit mit Kindern der Klassenstufen vier bis sieben. Hinzu kommen Fotos vom Entstehungsprozess der Kinderbibeln und natürlich die Bibeln selber.

Ebenfalls im Bugenhagenhaus präsentiert sich unter dem Thema »Kirchliche Kunst im ganzen Land« die 1999 gegründete Kirchliche Stiftung Kunst- und Kulturgut.

(G+H)

Literarische Gesellschaft Thüringen (Hrsg.): Weimarer Kinderbibel. Geschrieben und gestaltet von Kindern: Erlesene Geschichten und Bilder, Wartburg Verlag, 168 S., ISBN 978-3-86160-278-1, 14,90 Euro

https://r2017.org/nc/weltausstellung/programm/kalender

Berühmter Bach-Botschafter

30. Juli 2017 von redaktionguh  
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Gesprächskonzerte mit Helmuth Rilling in Weimar, Erfurt und Eisenach

Bereits zum vierten Mal lädt Helmuth Rilling vom 6. bis 19. August internationale Chorsänger und Instrumentalisten nach Weimar ein, um gemeinsam mit einem Dozenten-Team an den Weimarer Kantaten Johann Sebastian Bachs zu arbeiten. In den vergangenen drei Jahren wurden aus zahlreichen Bewerbern jeweils 70 Musiker aus der ganzen Welt ausgewählt, die mit immenser Begeisterung und großem musikalischem Talent in kürzester Zeit zu einem exzellenten Chor und Orchester zusammenwuchsen.

In diesem Jahr werden 74 Musikerinnen und Musiker aus 19 Ländern mitwirken.

Hingebungsvolle Werktreue: Helmuth Rilling beim Dirigieren einer Bach-Kantate. Foto: Holger Schneider

Hingebungsvolle Werktreue: Helmuth Rilling beim Dirigieren einer Bach-Kantate. Foto: Holger Schneider

Mit den Teilnehmern der 4. Weimarer Bachkantaten-Akademie, die von den Thüringer Bachwochen in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik »Franz Liszt« in Weimar veranstaltet wird, wird Rilling herausragende Werke aus Bachs Kantatenschaffen erarbeiten, um sie dann in Gesprächs- und Abschlusskonzerten in Weimar, Eisenach, Erfurt und Leipzig zu erklären und aufzuführen. Im Mittelpunkt stehen diesmal vier Kantaten zu den großen Kirchenfesten, außerdem stellen sich Solisten, Chor und Orchester jeweils mit einem eigenen Konzertprogramm vor.

Kantaten zu den Kirchenfesten

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben nachhaltig gewirkt: Die den Proben folgenden Konzerte waren für Interpreten und Publikum unvergessliche Erlebnisse. Sie haben in eindrucksvoller Weise gezeigt, welche Aufgabe ein derartiges Projekt gerade an historischem Ort erfüllen kann: Jungen Menschen den Geist Bachs und das Wesen seiner Musik zu vermitteln, sodass sie in ihrer Heimat kaum je wieder diese Musik spielen werden, ohne an diese Erfahrung zu denken.

Helmuth Rilling (84) ist zweifelsohne einer der großen Interpreten der Musik Johann Sebastian Bachs. Über die letzten fünfzig Jahre hat er mit zahllosen Konzerten, ausgewählten Ensembles und vielerlei Projekten für Aufsehen gesorgt. Er verantwortete die erste Einspielung des Bachschen Gesamtwerkes und schlug Brücken nach Osteuropa, Asien und Amerika. Die heute weltumspannende Präsenz der Musik des Thomaskantors würde es ohne ihn kaum geben. Rilling ist Gründer und langjähriger Leiter der Gächinger Kantorei und des Bach-Collegiums Stuttgart, der Internationalen Bachakademie Stuttgart und des Oregon Bach Festivals (USA). Der Dirigent ist darüber hinaus Initiator von Bach-Akademien in aller Welt.
Auftakt der öffentlichen Veranstaltungen in Thüringen ist am Mittwoch, 9. August, um 18 Uhr in der Weimarer Stadtkirche St. Peter und Paul mit der Kantate BWV 63 »Christen, ätzet diesen Tag«. Der Eintrittspreis beträgt 15 Euro (ermäßigt: 10 Euro).

Die folgenden Gesprächskonzerte werden ab Nr. 31 auf Seite 10 (Tipps und Termine) der Kirchenzeitung angezeigt. (G+H)

www.thueringer-bachwochen.de

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