Jetzt ist die Zeit … zum Feiern – Abend der Begegnung

25. September 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Auf dem Boden der Jakobskirche liegt eine große Deutschlandkarte. Immer wieder kommen Besucher, um einen roten Punkt darauf zu kleben. Neben Weimar, Jena, Erfurt und Meiningen haben auch Magdeburg, Hamburg, Kaiserslautern, Stuttgart und Darmstadt bereits ihre Markierung erhalten. »Meine Patentochter wohnt dort«, erklärt eine Besucherin den Punkt im Hessischen. Die Aktion ist Teil der »Liturgischen Nacht«, die zum Auftakt des 1. Mitteldeutschen Kirchentages am 19. September Hunderte Besucher in die ­Jakobskirche lockt. »Unsere Aufgabe ist es«, sagt Jugendreferent Frederik Seeger vom CVJM Thüringen, »Menschen aus dem Dunkel ins Licht zu führen.« Dazu sollen auch die
Bündel mit Haushaltskerzen dienen, die in Anspielung auf die Zeit vor 20 Jahren rund um das Gotteshaus verteilt sind.

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Eröffnet worden ist der »24-Stunden-Kirchentag« bereits am späten Nachmittag mit einem Festgottesdienst in der Stadtkirche. Hier reichen die Plätze kaum aus, um die rund 800 Besucher zu fassen. »Wir mussten ­sogar Stühle dazustellen«, erklärt Weimars Superintendent Henrich Herbst später zufrieden. Von Anfang an herrscht in und vor der Kirche eine ­locker-beschwingte Atmosphäre. Eine Band begleitet die Gemeinde beim Gesang, und als die Konfirmanden Transparente mit Sprüchen aus der Wendezeit in die Herderkirche tragen, brandet Beifall auf. »Lügen haben kurze Beine, Egon zeig’ mal deine«, »Stasi in die Volkswirtschaft!« oder »Wir sind das Volk!« ist darauf zu lesen. Doch der Eröffnungsgottesdienst bleibt nicht beim verklärten Blick zurück. »Heute müssen wir über das reden, wie die Wirtschaft sich neu ausrichten kann, damit sie den Menschen dient«, sagt der württembergische Landesbischof Otfried July in seiner Predigt. Vertreterinnen aus drei Generationen geben Zeugnisse der Betroffenheit, und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind aufgerufen, das aufzuschreiben, wozu jetzt die Zeit sein sollte.

Aus den Partnerkirchen ist nicht ­allein der Stuttgarter Landesbischof gekommen. Sein slowakischer Amtskollege, Generalbischof Milos Klátik, äußert die Hoffnung, dass die einstige Dreierbeziehung zwischen Thüringen, Württemberg und der Slowakei nun auf Sachen-Anhalt ausgedehnt werden könne. Auch die Stadt zeigt sich »fürchterlich stolz« darauf, Gastgeberin für den Mitteldeutschen ­Kirchentag zu sein. »Lassen Sie uns gemeinsam der Gesellschaft und der Stadt Bestes suchen«, ruft Oberbürgermeister Stefan Wolf den Besuchern zu.

Bei denen kommt vor allem die Aktion der Konfirmanden gut an. »Die Geschichte mit den Transparenten war einfach super«, findet eine Kirchentagsbesucherin aus Bad Sulza. Ähnlich äußert sich Maria Guericke aus Weimar: »Das hat mich schon sehr bewegt.« Er, sagt Michael Wetzker aus Eisenach, sei ein bisschen enttäuscht über die Beteiligung aus dem Norden der EKM. Zudem wäre ein stärkerer Bezug zum Heute schön ­gewesen.

Lob kommt von Friedrich Hörsch aus Württemberg. Der langjährige Leiter des Thüringer Seelsorgeseminars, der nach seiner Dienstzeit in seine alte Heimat zurückkehrte, ist bereits zur Eröffnung angereist, genießt nun den lauen Spätsommerabend in dem von Fackeln und Kerzen beleuchteten Herdergarten. »Der Kirchentag hat prima angefangen«, ist er überzeugt.

Das finden auch die 600 Jugendlichen, die sich im und rund um das Kulturzentrum »mon ami« am Goetheplatz tummeln. Während draußen Gaukler und Akrobaten ihre Kunststücke präsentieren, geht es im Inneren laut und poetisch zu. Im großen Saal spielen Bands, und unten im Foyer bringen Jugendliche beim »Poetry slam« eigene Texte zu Gehör. »Ein Kirchentag lebt von den Menschen, die sich beteiligen, und von der Begegnung«, sagt Pfarrer Hardy Rylke. Jetzt am Abend und in der Nacht ist die Zeit dafür – und zum Feiern.

Martin Hanusch

Gesegnete Unruhe ist angesagt – Zusammenfassung zum Kirchentag in Weimar

25. September 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Weimar öffnete die Türen – und mehr als 8000 Menschen kamen zum 24-Stunden-Kirchentag am 19. und 20. September.

Die ganze Stadt war voller Kirchentag. Musik auf Plätzen und in Straßen, Tanz, Gesang und Gespräch. Die evangelische Kirche zeigte ihr fröhliches Gesicht in Weimar. Es war die Zeit zum Feiern, aber auch zum Nachdenken. Das Thema dess »Jetzt ist die Zeit« füllte sich mit Vorträgen und Diskussionen, mit Informationen in Ausstellungen und auf dem »Markt der Möglichkeiten«. Wofür jetzt die Zeit ist, das formulierten Hunderte Besucherinnen und Besucher des Eröffnungsgottesdienstes bereits am Sonnabend in der Herderkirche. Die Wünsche nach Frieden und einer gerechten Welt, nach Arbeit für alle, Glauben, aber auch nach einer spannenden Jugendarbeit verbanden sich damit, dass nun die Zeit des Dankens für die deutsche Einheit ist.

Kerzen waren als Symbol der friedlichen Revolution und Motiv des Kirchentages überall zu sehen. Im Abschlussgottesdienst wurden die Haushaltskerzen, die die Teilnehmer zu Beginn erhalten hatten, an 20 überdimensionalen Kerzen angezündet. (Foto: Maik Schuck)

Kerzen waren als Symbol der friedlichen Revolution und Motiv des Kirchentages überall zu sehen. Im Abschlussgottesdienst wurden die Haushaltskerzen, die die Teilnehmer zu Beginn erhalten hatten, an 20 überdimensionalen Kerzen angezündet. (Foto: Maik Schuck)

Das Erinnern und Suchen nach Antworten für heute geschah in den vier Themenzentren ebenso wie bei Gesprächen am Rande mit Menschen, die man gerade erst kennengelernt hatte, und zog sich durch die 24 Stunden des evangelischen Festes. Begeistert waren die Besucher von der Lichtinstallation zur Liturgischen Nacht, konzipiert von der Erfurter Theaterpädagogin Sabine Kappelt. Die Jakobskirche wurde in verschiedenen Farben angestrahlt und eine Fülle von Lichtquellen illuminierte den Jakobsfriedhof.

Auch dem Aufruf, dass Gemeinden ihre Partner aus den westlichen Bundesländern einladen sollten, war gefolgt worden. Die Gäste kamen aus Bohmenkirch bei Ulm, aus Stuttgart, Steinenkirch, Oberaspach, Schwäbisch-Hall oder Untersondheim. Die Gemeinde Magdala (Kirchenkreis Jena) feierte mit ihren Gästen aus dem württembergischen Kleinbottwar bereits am Sonnabend ihr Herbstfest. Am Sonntag fuhren sie miteinander zum Kirchentag. Auch aus dem Norden der EKM kamen Kirchentagsbesucher: aus Wittenberg, ein Bus mit 47 Leuten aus dem Pfarrbereich Oschersleben und Gemeindeglieder aus Sangerhausen. Der Kirchenkreis Egeln war mit einem eigenen Stand auf dem »Markt der Möglichkeiten« vertreten.

Die Escola Popular der Evangelischen Jugend, die mit Samba-Rhythmen den Jugendkirchentag begleitet hatte, zog am Sonntagnachmittag durch die Innenstadt und etwa 300 Menschen wie der Rattenfänger von Hameln hinter sich her. Es ging zum Abschlussgottesdienst auf den Platz der Demokratie. Als der bunte Zug ankam, waren die Sitzplätze längst besetzt. Mehrere Tausend hatten sich eingefunden, um den Festabschluss mitzuerleben. In ihrer Predigt rief Landesbischöfin Ilse Junkermann dazu auf, sich auf den Weg zu machen. »Jetzt ist die Zeit! Tut endlich was!« Dankbar blickte sie auf 20 Jahre friedliche Revolution, leitete jedoch bald zur Frage über, was denn heute sei. »Ist alles gut?« Manches sei nicht gut. Zum Beispiel dass täglich 100 Menschen Thüringen verlassen, das sei ein ganzes Dorf pro Woche.

Sie rief die Christen auf, sich einzumischen und gegen Ungerechtigkeit aufzustehen. Demokratie brauche Basisgruppen, »die mitreden, mit handeln, mit verantworten wollen, die heute sagen: Nicht nur der Sozialismus war verbesserlich … auch der Kapitalismus ist für uns Christen verbesserlich.« Gesegnete Unruhe brauche diese Welt. Die deutlichen Worte der Bischöfin wurden mit Applaus beantwortet.

Der Vorsitzende des Thüringer Landesausschusses des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Wolfgang Musigmann, verlas eine Erklärung des Kirchentages. »Der Gebrauch von militärischer Gewalt schafft keinen Frieden«, heißt es darin. Das Papier thematisiert die Armut in der Welt und unserem Land sowie die Gefährdung der Schöpfung.

Große Symbolkraft hatten 20 überdimensionale Kerzen, die von Gemeindegliedern auf eine Mauer, die am Bühnenrand errichtet war, aufgestellt wurden und schließlich diese Mauer zum Einsturz brachten. Ein Fest bei strahlendem Sonnenschein ging zu Ende. »Es war wunderbar«, resümierte Ursula Eckardt (68) aus Tambach-Dietharz. Aus dem Thüringer Kirchspiel, zu dem noch Georgenthal gehört, war ein Bus mit 34 Menschen aller Altersgruppen gekommen.

Dietlind Steinhöfel