Sie haben eine neue Nachricht: Zeit für einen Blickwechsel

9. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Lukas 21, Vers 28

lles leuchtet und glänzt. Wenn wir durch die Orte und Städte gehen, dann sehen wir überall Weihnachtssterne und Lichterketten. Das ist gar nicht zu übersehen. Und das ist auch gut so, denn wir sind eingeladen in dieser Adventszeit, uns auf die Geburt Jesu und sein Kommen in unsere Welt vorzubereiten. Der Wochenspruch muntert uns dazu auf.

In der Regel erfahren unsere Sinne eine Flut von Reizen. So viel nehmen wir wahr, wenn wir durch den Alltag gehen. Dort dudelt Musik, da läuft das Radio, die Smartphones sind ständig in Betrieb. Achtung: Es könnte eine Nachricht kommen! Das setzt mich zeitweise ziemlich unter Druck. Ich traue mich zuweilen gar nicht, mein Handy auch einmal auszuschalten. Aber ich glaube, jeder Mensch braucht Zeiten, sich zurückzuziehen, um zu tun, wozu uns der Wochenspruch ermuntert: Auf den zu sehen, der uns erlöst hat – Jesus Christus. Diese Zeit des Advents ist eine schöne Zeit, weil wir uns auf Weihnachten vorbereiten, weil wir auf das Kind in der Krippe schauen können, weil wir es bewundern dürfen, weil wir auf unseren Herrn schauen, der uns ein ganz neues Leben ermöglicht.

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

Wie oft kommen wir im Alltag an unsere Grenzen. Der Beruf, die Familie fordert uns heraus. Immer wird voller Einsatz erwartet. Und deshalb brauchen wir andere Zeiten. Ich freue mich über den Adventskalender, über Worte, die ich jeden Tag lese, um mich auf meinen Glauben zu besinnen. Deshalb tut es mir gut, woanders hinzuschauen als auf den Schreibtisch oder auf den Terminkalender, der voll ist und abgearbeitet werden will. Ich sehe auf zu meinem Gott, der mir seinen Sohn geschenkt hat. Zu ihm sehe ich auf, weil er mir die Augen öffnet und mir eine neue Welt zeigt.

Ich freue mich deshalb über das Adventsliedersingen, über die Gottesdienste im Advent, auf das Leuchten der Lichter, die mich an dieses eine Licht erinnern, der von sich sagt: »Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.«

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

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»Hier bleibe ich keine 14 Tage«

16. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Porträt: Axel Kramme, Rektor der Stiftung Sophienhaus

Es ist ein trüber, nebeliger Novembertag 1975, an dem Axel Kramme das erste Mal – damals als Krankenpflegeschüler – das Weimarer Sophienstift betritt. Als er den dunklen, spärlich beleuchteten Gang entlanggeht, denkt er: »Hier bleibe ich keine 14 Tage.« Doch aus den 14 Tagen sind inzwischen 42 Jahre geworden. In dem Raum, in dem er einst als Krankenpflegeschüler begann, sitzt er noch heute – als Rektor und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Sophienhaus Weimar, 1875 gegründet.

Die verzweigte Einrichtung ist nicht leicht zu überschauen. Der Rektor erklärt: »Die Stiftung hat zwei Töchter, das Sophien- und Hufelandklinikum und die Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein.« Die Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein besteht seit 2009. Sie zählt zu den größten Diakonieträgern in Thüringen. Mehr als 120 Einrichtungen bieten »alle Dienste von der Wiege bis zur Bahre«, wie es Kramme umschreibt, also zu ihr gehören unter anderem Kindertagesstätten, Werkstätten für Menschen mit Behinderung, Schulen und Altenheime. Partner der Stiftung Sophienhaus Weimar sind die Evangelische Stiftung Christophorushof in Altengesees, das Michaelisstift Gefell und die Diakonie Stetten.

Die Stiftung Sophienhaus Weimar ist eine anerkannte diakonische Einrichtung, ein großes Unternehmen. »An dieser Entwicklung hat Axel Kramme großen Anteil«, betont Henrich Herbst, Superintendent im Kirchenkreis Weimar. Anerkennenswert sei, dass aus dem Sophienhaus ein modernes Versorgungskrankenhaus geworden ist, das größte konfessionelle in Thüringen, so Herbst. In der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein sind 2 200 Mitarbeiter beschäftigt, im Krankenhaus arbeiten etwa 1 000 Menschen.

Die Geschichte der Stiftung Sophienhaus ist eine von Wachstum und Expansion, die Axel Kramme maßgeblich mitgestaltet hat. Ein Meilenstein war 1998 die Zusammenführung des städtischen und diakonischen Krankenhauses in Weimar, bei der es galt, unterschiedliche Kulturen miteinander zu verbinden. Einige Jahre später jedoch verkauft die Stadt ihre Anteile und steigt aus dem Projekt Krankenhaus aus. Um das Haus als evangelisches weiterführen zu können, wird das Marienstift Arnstadt zu 50 Prozent Mitinhaber. Auf dem Gelände des Sophienhauses entstehen ein Altenhilfezentrum und eine Schule für geistig behinderte Kinder, die Johannes-Landenberger-Schule.

Rektor Axel Kramme in seinem Büro. Vor über 40 Jahren saß er hier erstmals, als Krankenpflegeschüler. Foto: Sabine Kuschel

Rektor Axel Kramme in seinem Büro. Vor über 40 Jahren saß er hier erstmals, als Krankenpflegeschüler. Foto: Sabine Kuschel

Axel Kramme ist 1957 in Friedrichroda geboren. Im Jugendalter prophezeite ihm ein Theologe, dass er später Pfarrer würde. Damals denkt Kramme: »Der spinnt.« Er wird Diakon. Bei diesem Beruf schwebt ihm ein Mann vor, der mit Gitarre, langhaarig und Pfeife rauchend unterwegs ist – ein Gegenbild zur FDJ. Voraussetzung für die Diakonenausbildung ist ein »handfester« Beruf, also entscheidet er sich für die Krankenpflege. Weil er den Wehrdienst verweigert, kommt er im Herbst 1975 an das evangelische Sophienhaus Weimar. Nach der Krankenpflegerausbildung leistet er Wehrersatzdienst als Bausoldat, danach studiert er an der Predigerschule in Erfurt Theologie. Nach einer kurzen Station im Pfarramt kehrt er zurück ins Sophienhaus. Seit 1996 ist er Rektor und Vorstandsvorsitzender.

»Es gab immer Menschen, die es mir zugetraut haben, eine größere Aufgabe zu übernehmen«, sagt er. Und an jeder Entwicklungsstufe habe er vor dem »Kairos« gestanden, dem günstigen Zeitpunkt für Entscheidungen. Als Leiter eines großen Unternehmens gibt es viele Entscheidungen zu treffen. Zugute komme ihm in dieser Position, dass er sehr lange und mit viel Geduld zuhören und schweigen könne.

Irgendwann ist es dann Zeit, auf den Punkt zu kommen. Er schätzt sich als entscheidungsfreudig ein, nach entsprechender Bedenkzeit zögert er nicht, Entscheidungen zu treffen und umzusetzen.

Fehlentscheidungen? Gibt es nach seinen Worten. Geht es ums Personal, sei es nicht immer leicht, die richtige Wahl zu treffen. Wenn sich jedoch herausstellt, dass eine Stelle falsch besetzt wurde, bemühe er sich konsequent, den Schritt rückgängig zu machen.

Was sind die Herausforderungen der nächsten Jahre? Der Geist der diakonischen, der christlichen Einrichtung soll spürbar bleiben. Bei den Mitarbeitern, die keinen kirchlichen Hintergrund haben, gehe es nicht darum, zu missionieren, wohl aber, ihnen die christlichen Grundlagen und Werte nahezubringen. Unabhängig davon, ob sie der Kirche beitreten oder nicht, »sollen sie positive Erfahrungen mit dem Christentum machen«.

Sabine Kuschel

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Wenn die Großnichte mit dem Onkel die Orgel schlägt

8. September 2017 von redaktionguh  
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Liszt-Orgel: Seit fast 40 Jahren engagiert sich G+H-Redakteur Michael von Hintzenstern in Denstedt im Weimarer Land für den Erhalt der Orgel in der Dorfkirche. Willi Wild sprach mit ihm über sein Engagement.

Wie sind Sie auf die Orgel gestoßen?
von Hintzenstern:
Ich bekam 1980 den Auftrag, zu den Thüringer Orgeltagen einen Vortrag über den Weimarer Stadtorganisten, Komponisten und Orgelbautheoretiker Johann Gottlob Töpfer (1791–1870) zu halten, der aus Niederroßla bei Apolda stammt und als wichtigster Orgelbautheoretiker des 19. Jahrhunderts gilt. Er hat ein Lehrbuch der Orgelbaukunst veröffentlicht, das eine Art Bibel für Orgelbauer war. Ein Standardwerk.

Lisztorgel in Denstedt. Foto: Maik Schuck

Lisztorgel in Denstedt. Foto: Maik Schuck

Bei der Recherche im Goethe-Schiller-Archiv und in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek bin ich auf einen Brief von 1860 gestoßen, den Franz Liszt an seinen »legendarischen Kantor« Alexander Wilhelm Gottschalg schrieb. Darin ist »von ländlichen Orgelexperimenten« in der Kirche in Denstedt die Rede. Ich bin daraufhin mit meinem Trabbi rausgetuckert. Und fand eine Orgel vor, für die sich niemand interessiert hat. Es gab kein Firmenschild. Wir wussten also gar nicht, wer die Orgel erbaut hat. Mein Vater fand dann in einer alten Tageszeitung eine Dankanzeige der Gemeinde Denstedt an die »edlen Stifter«. Ihr war zu entnehmen, dass die Orgel von den Gebrüdern Peternell aus Seligenthal (Schmalkalden) nach einer Disposition von Prof. Töpfer erbaut wurde. Geadelt ist das Instrument dadurch, dass sich Franz Liszt mehrfach dort aufgehalten hat, um »Orgelconferenzen« mit Gottschalg und sogenannte »Privatkonzerte« für das »sehr gewählte Publikum aus der nahen Residenzstadt« (Gottschalg) durchzuführen. Also, wir haben da einen hundertprozentig originalen Liszt-Klang, deswegen ist Denstedt ein ganz besonderes Orgeldenkmal.

Aber warum ausgerechnet Denstedt?
von Hintzenstern:
Die Denstedter Kirche war das ideale Quartier. Liszt kam von der Altenburg in Weimar, hielt in Tiefurt, lud Gottschalg ein, dann haben die sich mit der Kutsche nach Denstedt fahren lassen. Dort waren sie ungestört. Die Dorfjugend freute sich, denn Liszt gab dem Bälgetreter einen Taler. Das war also ein gutes Geschäft. Liszt und Gottschalg haben sich mit Orgelwerken verschiedener Epochen beschäftigt. Liszt hat für die Denstedter Orgel beispielsweise zwei Bach-Bearbeitungen geschaffen und Töpfer gewidmet.

Wie fanden Sie 1980 das vergessene Instrument vor?
von Hintzenstern:
Der Zustand der Kirche war schlecht. Vor allem der Turm war baufällig. Damit wurde dann auch bei der Instandsetzung begonnen, denn die Orgel steht direkt am damals einsturzgefährdeten Turm. Zwölf Jahre später, 1992, war die Kirche vollständig restauriert.

Welche Hindernisse hatten Sie da zu überwinden?
von Hintzenstern:
Eine Schwierigkeit war, dass Baubilanzen fehlten. Ich habe versucht, für Öffentlichkeit zu sorgen, um auf die offiziellen Stellen etwas Druck ausüben zu können. So habe ich Stargeiger Yehudi Menuhin angeschrieben, der Ehrenpatron der englischen »Liszt Society« war. Er hat gleich 5 000 Mark für Denstedt gestiftet. Dadurch konnte ich sagen: Lord Yehudi Menuhin wird bald nach Thüringen kommen, um zu sehen, was mit seinem Geld passiert ist. Eine Enkeltochter Gottschalgs hat eine Eingabe an Erich Honecker geschickt. Am Ende hat es nicht sehr viel gebracht.

Kam der angekündigte Besuch Yehudi Menuhins zustande?
von Hintzenstern:
Leider nicht. Es war mehrfach geplant. Kurz vor seinem Tod dirigierte er noch in Leipzig und sollte anschließend nach Denstedt kommen. Der Besuch wurde aber kurzfristig abgesagt. Er war ein wichtiger Impulsgeber und fand es auch sehr schön, dass wir uns um die Liszt-Orgel kümmern.

Konnte die Orgel bei der Kirchensanierung mit berücksichtigt werden?
von Hintzenstern:
Anfang der 1990er-Jahre gab es eine erste Teilrestaurierung, die aber eher eine Generalreparatur war. Zum Liszt-Jahr 2011 konnten wir die Orgel vollständig restaurieren lassen. Dabei hatten wir die Unterstützung vieler weltberühmter Organisten.

Was fasziniert Sie an dem Instrument?
von Hintzenstern:
Ich finde es spannend, dass der Zukunftsmusiker Franz Liszt in dieser Dorfkirche Klangexperimente durchgeführt hat. Als ich die Orgel das erste Mal gesehen habe, stellte ich fest, dass es an den mechanischen Registerzügen Bleistiftstriche gab, wie ich sie aus der experimentellen Spielpraxis in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kannte. Dass man die Register nicht vollständig herauszieht, sondern nur zu 25 oder 50 Prozent, um Zwischenklänge zu erzeugen. Ich dachte mir, dass das vermutlich nicht der Dorforganist gemacht hat. Aller Wahrscheinlichkeit nach war das Franz Liszt. In der alten Orgelmusik, z.B. bei Frescobaldi in Rom, gab es schon den Versuch, mit einem nicht vollständig gezogenen Register solche Schwebeklänge zu erzeugen.

Denstedt war für mich in der DDR auch eine Art Spielwiese, da ich in dieser Kirche frei schalten und walten konnte, was in Weimar nicht so einfach war. Da gab es immer gewisse Animositäten gegenüber der Neuen Musik, bis hin zu Spielverboten. Deswegen wurden die Tage Neuer Musik auch 1988 in Denstedt begründet. Inzwischen freuen wir uns auf das 30. Festival! Damals haben wir für Furore gesorgt mit einem Programm zum 60. Geburtstag des BRD-Komponisten Karlheinz Stockhausen: 22 Kompositionen, darunter sechs DDR-Erstaufführungen, alles an drei Tagen.

War Stockhausen selber auch mal da?
von Hintzenstern:
Zunächst kam sein Sohn Markus, ein genialer Trompeter. 1992 betrat der Meister anlässlich einer Aufführung seiner Komposition »Unbegrenzt« höchstselbst die Kirche. Es hat ihn sichtlich bewegt, den Ort zu besuchen, wo seine in der DDR tabuisierte Musik gespielt wurde.

Gibt es neben dem künstlerischen auch einen geistlichen Aspekt?
von Hintzenstern:
Ja, einen sehr starken sogar. Liszt, der in erster Linie als Klaviervirtuose wahrgenommen wurde, war ein tief religiöser Mensch. Sein erstes Werk in Weimar war eine Messe für Männerchor und Orgel. Sein Orgelschaffen umfasst zehn Bände! Liszt überlegte sogar, ein Luther-Oratorium zu schreiben. Ein ganz ökumenischer Aspekt. Auch bei Stockhausen findet sich ein ausgeprägtes religiöses Denken. Er betonte, dass alle seine Werke geistliche Musik seien.

Neue Musik ist mitunter schwere Kost. Wie ist es Ihnen gelungen, Kinder einzubeziehen und zu begeistern?
von Hintzenstern:
Ein wunderbarer Zufall. Ich bin bei meinen Recherchen auf Liszts einziges Kinderlied gestoßen, ein Text Hoffmann von Fallerslebens. Nach einem erfolgreichen Kinderkonzert habe ich ein Veranstaltungsformat entwickelt, mit dem Titel: »Orgelkonzert für Kinder, Puppen und Teddybären«. Da konnten Kinder ihre Spielgefährten mitbringen.

Ich habe auf der Orgel Tänze gespielt, zu denen die Kinder ihre Puppen tanzen ließen. Dabei konnte ich unmittelbar erklären, wie die Orgel funktioniert. Ich habe das Bild von der »Königin der Instrumente« gebraucht, die Kinder durften selber in die Tasten greifen. Das ist jetzt auch bei meiner Großnichte ein ganz großer Wunsch. Der Impuls geht weiter. Und das finde ich toll.

30. Tage Neuer Musik in Weimar, 20. bis 28. Oktober unter dem Motto: »Konzert-Installa­tionen – Installations-Konzerte«

www.lisztorgel.de

Innere Einkehr und Meditation

4. September 2017 von redaktionguh  
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Pilgerprojekt im Kirchenkreis Gera: Moderne Kunst in alten Kirchen

Bereits zum neunten Male laden alte Dorfkirchen in Gera zum Pilgern und zum Kennenlernen von Kunst ein. »NIMBUS – Pilgern und Kunst in Kirchen« heißt das Projekt, das der Geraer Zeichner und Maler Erik Buchholz im Jahre 2008 erstmalig organisierte.

Lokaltermin: Erik Buchholz und Claudia Fischer besprechen in Gera-Zwötzen Details ihrer Foto-Ausstellung. Foto: Wolfgang Hesse

Lokaltermin: Erik Buchholz und Claudia Fischer besprechen in Gera-Zwötzen Details ihrer Foto-Ausstellung. Foto: Wolfgang Hesse

»NIMBUS möchte neue Kunst dorthin bringen, wo die Kirchenräume die Spiritualität und das Ehrwürdige atmen. So verbinden sich Gegenwart und Vergangenheit und stellen ganz besonders junge Künstler und deren Schaffen in den Mittelpunkt«, erklärt der Initiator. »Andacht, innere Einkehr und Meditation finden wir in der modernen Lyrik, in der Musik, in einem Bild und auch in neuen Kunstformen, wie Video, Beleuchtung oder Klang.«

»Wir haben uns entschieden, zu NIMBUS 2017 wieder die Kirchen am südlichen Stadtrand einzubeziehen«, gesteht Erik Buchholz. So werden neben den Kirchen in Gera-Pforten und Markersdorf die Gotteshäuser in Zwötzen, Kaimberg, Liebschwitz und Taubenpreskeln einladen.

Die Taubenpreskelner Kirche liegt inmitten eines Friedhofes und inte­griert sich in das sie umgebende Grün. Buchholz hat Gerd Kaden aus Greiz vergangenes Jahr hier kennengelernt. Der Bildhauer war von der Idee begeistert und konnte für die Kirche in Gera-Liebschwitz gewonnen werden. Seine Arbeiten knüpfen an Darstellungen der geschundenen Kreatur an. Sein Gekreuzigter oder Schmerzensmann greift dieses Thema auf und führt es weiter.

Timm Kregel hat sich die Kirche Taubenpreskeln ausgesucht. Der 1957 in Leipzig geborene Grafiker studierte unter anderem Kunst und Design in Halle auf Burg Giebichenstein. Derzeit beschäftigt er sich mit Skulpturen, Malerei und Grafik. Seit 1999 lebt und arbeitet er in Gorsleben.

Claudia Fischer lebt in Jena und Lissabon und hat sich für die Zwötzener Kirche St. Martini entschieden. Die Künstlerin hat Fotografie in Rochester und Leipzig studiert und beschäftigt sich mit Themen, die sie fotografisch beschreibt. In Zwötzen zeigt sie ihre aktuellen Arbeiten. Sprache und Text verwandelt sie in eine Kunstform. Auf ihren Fotografien wird Text eines Laserdruckers »unter die Lupe genommen« und extrem vergrößert. Dabei sieht man Grafiken, die Holzschnitten ähneln. Diese Objekte werden sich beweglich in den Kirchenraum einpassen.

Die Schwedin Nina Lundström lebt seit dem Jahre 2000 in Weimar und arbeitet als Cutterin beim Fernsehen. Das Medium Video hat es ihr angetan. In der Kirche Gera-Pforten möchte sie einladen, ihre Kunst so zu entdecken, »wie wir das Leben in und mit dem Körper erleben«. Ihre Arbeiten zeigen Möglichkeiten, aus dem Alltäglichen auszubrechen und die Freiheit zu gestalten.

Tanja Pohl wirkt in Greiz und zählt zu den interessantesten Nachwuchskünstlerinnen. Ihre Werke, von Druckgrafik über Malerei bis hin zur Plastik, werden in Kaimberg zu sehen sein. Schließlich wird Angelika Weikert, eine Malerin aus Sangerhausen, meditative Arbeiten in der Kirche Markersdorf ausstellen.

Wolfgang Hesse

9. September bis 3. Oktober, am Wochenende von 10 bis 17 Uhr

Die Taufe – kostbares Geschenk

25. August 2017 von redaktionguh  
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Warum lassen Eltern ihr Kind taufen, warum begehren Erwachsene die Taufe? Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Taufe ist kein Talisman und viel mehr als ein schönes Familienfest.

Die Taufe begründet die Gemeinschaft zwischen dem Täufling und Jesus Christus und sie stellt den Täufling damit zugleich in die Gemeinschaft der Getauften, der christlichen Gemeinde. Aber die Gemeinde lebt in einer säkularen Gesellschaft, in der die meisten Menschen nicht getauft sind. Selbst in Familien, in denen zumindest ein Ehepartner der Kirche angehört, ist es nicht mehr selbstverständlich, dass die Kinder getauft werden. Nicht die alten Menschen, die sterben, seien der hauptsächliche Grund für den Mitgliederschwund der Kirche. Viel mehr ins Gewicht falle, dass Kinder aus Familien mit mindestens einem konfessionell gebundenen Elternteil nicht getauft würden. Diese Erkenntnis habe ihn aufgerüttelt, sagt der Weimarer Pfarrer Sebastian Kircheis. Und – zum Nachdenken und Handeln inspiriert.

Mit Elbewasser getauft: Im Fluss bei Dessau-Roßlau taufte Pfarrer Stephan Grötzsch von der Christusgemeinde Großkühnau-Ziebigk am Sonntag den kleinen Leonard Lanfer – sicher gehalten von seinem Onkel und Paten Andreas Lanfer – gemeinsam mit drei weiteren Kindern und einem Jugendlichen. Foto: Lutz Sebastian

Mit Elbewasser getauft: Im Fluss bei Dessau-Roßlau taufte Pfarrer Stephan Grötzsch von der Christusgemeinde Großkühnau-Ziebigk am Sonntag den kleinen Leonard Lanfer – sicher gehalten von seinem Onkel und Paten Andreas Lanfer – gemeinsam mit drei weiteren Kindern und einem Jugendlichen. Foto: Lutz Sebastian

Um der Traditionsvergessenheit etwas entgegenzusetzen und um Kontakt herzustellen zu Menschen, die nur eine lose oder gar keine Verbindung zur Kirchengemeinde halten, ist in Weimar ein Programm entwickelt worden: Wenn ein Kind geboren wird, erhalten die Eltern einen Brief, der ihnen signalisiert: Kirche ist für Sie da, wenn Sie es wünschen. Im nächsten Jahr werden die Eltern der nun ein- bis zweijährigen Kinder erneut angeschrieben und zu einem Vormittag in der Kirchengemeinde eingeladen, an dem über ein Thema, etwa über frühkindliche Erziehung, gesprochen wird. Im dritten Jahr folgt die Einladung zu einem Tauf- oder Tauf­erinnerungsfest. Ein solches wurde in Weimar vergangenen Sonntag gefeiert.

Christen sind in der säkularen Gesellschaft eine Minderheit. Wenn Eltern ihr Kind taufen lassen wollen, stehen sie häufig vor einer Schwierigkeit. Wer soll Pate sein? Im Freundes- und Bekanntenkreis findet sich niemand, der Mitglied einer christlichen Kirche ist. Wenn niemand für das Patenamt infrage kommt, kann dies ein Kirchenältester, ein Gemeindemitglied übernehmen. »Theoretisch, vom Neuen Testament her die beste Lösung«, meint Pfarrer Matthias Ansorg vom Amt für Gemeindedienst der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Aber doch nicht so praktikabel, da meistens die persönliche Beziehung fehle.

In Weimar hat sich eine andere Variante etabliert: das Taufzeugenamt. Für Menschen, die nicht christlich getauft sind, aber die für das Kind Verantwortung übernehmen wollen. »Es geht dabei auch um das Wohl des Kindes«, betont Pfarrer Hardy Rylke. Es fehle zwar das Element der christlichen Unterweisung. »Aber ich vertraue dem Heiligen Geist«, sagt der Pfarrer. »Wir taufen in die Gemeinde. Eltern, die ihr Kind taufen lassen, tun dies nicht ohne Grund. Ich vertraue darauf, dass die Gemeinschaft der Getauften trägt.«

Warum lassen Eltern ihr Kind taufen, warum begehren Erwachsene die Taufe? Die Spannbreite, warum Menschen ihre Kinder oder sich selbst taufen lassen, ist groß. Manche sehen darin so etwas wie einen Talisman, der vor Gefahren schützt. Von dieser Erfahrung berichtet beispielsweise Barbara Reichert, Militärpfarrerin in Sondershausen. Wie sie sagt, lassen sich bei fast jedem Auslandseinsatz Soldaten taufen. Die Soldaten seien bei Einsätzen in Krisengebieten auf der Suche, sie treffen wichtige Entscheidungen im Angesicht lebensbedrohlicher Gefahren, sie fragen nach Schutz, Begleitung und Segen. In der Taufe sehen sie dies.

»Die Gründe für das Taufbegehren sind so vielfältig wie die Welt«, so die Beobachtung von Pfarrer Rylke. Er kennt Eltern, die selbst nicht konfessionell gebunden sind und dennoch für ihr Kind die Taufe wollen. »In dem Falle ist ein christlicher Pate wichtig«, bemerkt Rylke. Mitunter steht einfach der Wunsch nach einem schönen Familienfest im Vordergrund. Oder die existenziellen Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Schuld und Tod brechen sich Bahn, wie es die Militärseelsorgerin des Öfteren erlebt.

Die Taufe ist kein Talisman und sie ist viel mehr als ein schönes Familienfest. »Ich sage immer, sie ist das kostbarste Geschenk«, so Rylke. Das Sakrament der Taufe begründet die Gemeinschaft mit Jesus Christus und eröffnet im Angesicht von Schuld und Tod eine neue Lebensperspektive im Glauben.

Sabine Kuschel

Heilige Schrift im Bild

14. August 2017 von redaktionguh  
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Weimarer Kinderbibel eine Woche in Wittenberg

Mitteldeutsch-2-32-2017Unter dem Motto »Bild und Bibel« steht die 13. Themenwoche der Weltausstellung Reformation vom 16. bis 21. August in Wittenberg. Besucher können alte Ikonen und neue Icons entziffern, mit Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch kommen, über Bilderverbote diskutieren und vieles mehr.

Mit dabei ist im Bugenhagenhaus die Weimarer Kinderbibel, geschrieben und gestaltet von Kindern.

Mit inzwischen sechs Staffeln kann das Projekt der Kinderbibel einen Erfolg vorweisen, der beim Start im Jahr 2012 nicht abzusehen war. Im Lauf der Jahre haben sich über 500 Kinder aus Weimar und anderen Orten in Thüringen beteiligt.

Kinder des ersten Jahrganges der Weimarer Kinderbibel blättern im fertigen Exemplar. Foto: Maik Schuck

Kinder des ersten Jahrganges der Weimarer Kinderbibel blättern im fertigen Exemplar. Foto: Maik Schuck

Bei der Themenwoche in Wittenberg anwesend ist auch die Ideengeberin, die promovierte Sprachwissenschaftlerin Annette Seemann. Die von Frank Nolde kuratierte Ausstellung im Bugenhagenhaus zeigt ausgewählte Geschichten und Gestaltungen aus den sechs Jahren Projektarbeit mit Kindern der Klassenstufen vier bis sieben. Hinzu kommen Fotos vom Entstehungsprozess der Kinderbibeln und natürlich die Bibeln selber.

Ebenfalls im Bugenhagenhaus präsentiert sich unter dem Thema »Kirchliche Kunst im ganzen Land« die 1999 gegründete Kirchliche Stiftung Kunst- und Kulturgut.

(G+H)

Literarische Gesellschaft Thüringen (Hrsg.): Weimarer Kinderbibel. Geschrieben und gestaltet von Kindern: Erlesene Geschichten und Bilder, Wartburg Verlag, 168 S., ISBN 978-3-86160-278-1, 14,90 Euro

https://r2017.org/nc/weltausstellung/programm/kalender

Berühmter Bach-Botschafter

30. Juli 2017 von redaktionguh  
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Gesprächskonzerte mit Helmuth Rilling in Weimar, Erfurt und Eisenach

Bereits zum vierten Mal lädt Helmuth Rilling vom 6. bis 19. August internationale Chorsänger und Instrumentalisten nach Weimar ein, um gemeinsam mit einem Dozenten-Team an den Weimarer Kantaten Johann Sebastian Bachs zu arbeiten. In den vergangenen drei Jahren wurden aus zahlreichen Bewerbern jeweils 70 Musiker aus der ganzen Welt ausgewählt, die mit immenser Begeisterung und großem musikalischem Talent in kürzester Zeit zu einem exzellenten Chor und Orchester zusammenwuchsen.

In diesem Jahr werden 74 Musikerinnen und Musiker aus 19 Ländern mitwirken.

Hingebungsvolle Werktreue: Helmuth Rilling beim Dirigieren einer Bach-Kantate. Foto: Holger Schneider

Hingebungsvolle Werktreue: Helmuth Rilling beim Dirigieren einer Bach-Kantate. Foto: Holger Schneider

Mit den Teilnehmern der 4. Weimarer Bachkantaten-Akademie, die von den Thüringer Bachwochen in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik »Franz Liszt« in Weimar veranstaltet wird, wird Rilling herausragende Werke aus Bachs Kantatenschaffen erarbeiten, um sie dann in Gesprächs- und Abschlusskonzerten in Weimar, Eisenach, Erfurt und Leipzig zu erklären und aufzuführen. Im Mittelpunkt stehen diesmal vier Kantaten zu den großen Kirchenfesten, außerdem stellen sich Solisten, Chor und Orchester jeweils mit einem eigenen Konzertprogramm vor.

Kantaten zu den Kirchenfesten

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben nachhaltig gewirkt: Die den Proben folgenden Konzerte waren für Interpreten und Publikum unvergessliche Erlebnisse. Sie haben in eindrucksvoller Weise gezeigt, welche Aufgabe ein derartiges Projekt gerade an historischem Ort erfüllen kann: Jungen Menschen den Geist Bachs und das Wesen seiner Musik zu vermitteln, sodass sie in ihrer Heimat kaum je wieder diese Musik spielen werden, ohne an diese Erfahrung zu denken.

Helmuth Rilling (84) ist zweifelsohne einer der großen Interpreten der Musik Johann Sebastian Bachs. Über die letzten fünfzig Jahre hat er mit zahllosen Konzerten, ausgewählten Ensembles und vielerlei Projekten für Aufsehen gesorgt. Er verantwortete die erste Einspielung des Bachschen Gesamtwerkes und schlug Brücken nach Osteuropa, Asien und Amerika. Die heute weltumspannende Präsenz der Musik des Thomaskantors würde es ohne ihn kaum geben. Rilling ist Gründer und langjähriger Leiter der Gächinger Kantorei und des Bach-Collegiums Stuttgart, der Internationalen Bachakademie Stuttgart und des Oregon Bach Festivals (USA). Der Dirigent ist darüber hinaus Initiator von Bach-Akademien in aller Welt.
Auftakt der öffentlichen Veranstaltungen in Thüringen ist am Mittwoch, 9. August, um 18 Uhr in der Weimarer Stadtkirche St. Peter und Paul mit der Kantate BWV 63 »Christen, ätzet diesen Tag«. Der Eintrittspreis beträgt 15 Euro (ermäßigt: 10 Euro).

Die folgenden Gesprächskonzerte werden ab Nr. 31 auf Seite 10 (Tipps und Termine) der Kirchenzeitung angezeigt. (G+H)

www.thueringer-bachwochen.de

Mariendistel und Judasbaum

2. Juli 2017 von redaktionguh  
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Ein märchenhafter Ort, der die Fantasie beflügelt, ist der Kirchgarten der Ehringsdorfer Marienkirche (Kirchenkreis Weimar). Dort gedeihen Pflanzen mit Kirchenbezug.

Es ist ein Refugium der besonderen Art, das die Kirchgartenmauer in Ehringsdorf schützend umgibt, verstecken aber will es sich auf gar keinen Fall. Das große Tor an der Straße lässt sich immer öffnen. Gleich am Eingang wird der Besucher vom »Roten Kardinal« begrüßt, die »Heilige Elisabeth« zeigt jetzt ihre ganze Schönheit, die Engelstrompete wartet noch auf ihren Einsatz und die Gottesaugen blicken freundlich drein. An die 50 Blumen und Gehölze mit Kirchenbezug wurden hier seit 2013 mit Sachkenntnis und Hintersinn zusammengetragen und wirkungsvoll in Szene gesetzt.

Gärtnernde Theologin: Christine Lässig (links) fachsimpelt mit Regina Diez inmitten der Blütenpracht. – Foto: Thomas Schäfer

Gärtnernde Theologin: Christine Lässig (links) fachsimpelt mit Regina Diez inmitten der Blütenpracht. – Foto: Thomas Schäfer

Gepflegt hat die Gemeinde das Umfeld ihrer uralten Marienkirche immer, »aber die Zeit für eine Neubepflanzung war dann doch gekommen«, blickt Christine Lässig zurück. Im Ruhestand wohnt die ehemalige Chefredakteurin von »Glaube+Heimat« keine 100 Meter vom Kirchgarten entfernt. Wer ihr Buch »Dem großen Gärtner auf der Spur« kennt oder schon einmal im Weimarer Herdergarten lustwandelte, dessen Rekonstruktion sie einst mit Energie betrieb, weiß, dass bei ihr Gestaltungsfreude und Recherchelust reich blühen. Es sei nicht schwer gewesen, andere für das Vorhaben zu begeistern.

Sieben gartenkundige Frauen zwischen 40 und über 80 Jahren sind von Anfang an dabei, teilen sich nach einem festen Plan im 14-tägigen Rhythmus in die damit verbundene Arbeit und bringen ihre Ideen und Kompetenzen ein. Zu ihnen gehört Regina Diez. Die Kirchenälteste ist gekommen, um nach dem Kerzen-Kreuzkraut zu schauen, das sich nicht so prächtig wie im letzten Jahr entwickeln will. »Ich habe es mal gedüngt, vielleicht braucht es mehr Nährstoffe.« Sie freut sich sehr über das Erreichte und die gute Resonanz. Direkt gezählt würden die Besucher nicht, aber der Kasten mit den Faltblättern, in denen alle Pflanzen aufgelistet und teilweise mit ihrem Bezug zur Bibel erklärt werden, müsse oft nachgefüllt werden.

»Die ›Glora Dei‹ war die erste Rose, jetzt sind es vier. ›Martin Luther‹ steht pünktlich im Jubiläumsjahr in Knospe, und im Herbst bekommt er ›Katharina von Bora‹ wieder an seine Seite«, meint Christine Lässig schmunzelnd. Das Pfaffenhütchen gegenüber fühle sich derzeit nicht so wohl. Der Teufelsstrauch gleich daneben gedeiht gut und gehöre eben auch zur Kirche. »Wir haben ihn mit Christrosen unterpflanzt, um die Sache etwas zurechtzurücken«, so die gärtnernde Theologin. Links vom Eingang zur Marienkirche duftete auch in diesem Jahr die Pfingstnelke zuverlässig an den Feiertagen in Nasenhöhe der Besucher, und auf Augenhöhe gleich rechts verspricht die Hauswurz »Sempervivum« ewiges Leben.

Seit drei Jahren beteiligt sich die evangelische Kirchengemeinde Oberweimar/Ehringsdorf mit diesem kleinen, speziellen Kirchgarten an der Aktion »Open gardens«. Dann kommen einige Hundert Menschen, um über die Pflanzen mit Kirchenbezug zu staunen, Kirchenkekse und Kräuterlimonaden zu probieren oder sich über Kirchenkräuter und ihre Verwendung in Riechsträußchen zu informieren. Stündlich gibt es schöne Musik und jeweils eine kleine Ausstellung für diesen Tag in der Kirche. Im vergangenen Jahr waren es Werke von Elly-Viola Nahmmacher und in diesem Jahr Darstellungen der Kirchen Ehringsdorf und Oberweimar in Kopien oder Originalen. Die reichten von der Goethezeichnung über Werke von Karl Buchholz, Lyonel Feininger, Christian Rohlfs, Alexander Olbricht oder des Grafikers Alfred Pretzsch bis hin zum Laienkünstler und Schwiegervater Walter Diez.

Überhaupt: Bei allem botanischen Interesse ist es das Hauptanliegen der engagierten Damen, ihre Dorfkirche in den Blick und die Herzen der Bewohner zu pflanzen. Das scheint zu klappen, denn gern werden inzwischen Gäste in dieses Paradies vor der Haustür geführt und sind überrascht, genauso wie jener Besucher, der gerade durch die Pforte tritt. Begeistert liest er die Namen auf den Pflanzschildern und stellt mit schwäbischem Dialekt fest: »Wer das so liebevoll pflegt, muss es von Herzen tun.«

Uta Schäfer

Weimarer Kinderbibel ist fertig

19. Juni 2017 von redaktionguh  
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Projekt geht weiter: Jetzt entsteht ein Kinderbibel-Raum

Sechs Staffeln kann das Projekt »Weimarer Kinderbibel« vorweisen und einen Erfolg, der zu Beginn im Jahr 2012 noch nicht abzusehen war. Auch nicht, dass sich die Idee der promovierten Sprachwissenschaftlerin und Autorin, Annette Seemann, weit über Thüringens Grenzen ausbreiten würde.

Initiatoren: Annette Seemann, Ulrike Greim und Sigrun Lüdde (hinten, v. l.) präsentierten zum Kirchentag auf dem Weg die »Weimarer Kinderbibel« mit den besten Geschichten und Illustrationen aus den sechs Staffeln des Projekts. Lea (vorn li.) und Julia (re.) lasen ihre Geschichten vor. Foto: Dietlind Steinhöfel

Initiatoren: Annette Seemann, Ulrike Greim und Sigrun Lüdde (hinten, v. l.) präsentierten zum Kirchentag auf dem Weg die »Weimarer Kinderbibel« mit den besten Geschichten und Illustrationen aus den sechs Staffeln des Projekts. Lea (vorn li.) und Julia (re.) lasen ihre Geschichten vor. Foto: Dietlind Steinhöfel

Zum Kirchentag auf dem Weg wurde im Weimarer »mon ami« eine Extra-Kinderbibel mit den besten Geschichten und Illustrationen aller Jahrgänge präsentiert. Drei Schülerinnen lasen aus ihren Erzählungen. Im Laufe der Jahre hatten sich rund 500 Kinder aus Weimar und Thüringen beteiligt. Dazu zahlreiche Schulen und Lehrer, wie Uwe Butze von der Pestalozzi-
Regelschule in Weimar. »Ich habe selten so was Tolles gemacht«, bekannte er. Die Schülerinnen Lea und Julia fanden es gut, dass Schule mal anders war als sonst. Die beiden Mädchen aus der 6. Klasse lasen ihre Geschichten vor.

»Wir haben mit diesem kulturgeschichtlichen Projekt wieder Wissen ins Bewusstsein gerückt, das früher ganz selbstverständlich dazugehörte, betonte Annette Seemann. Ulrike Greim, Rundfunkbeauftragte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Kinderbibel, sagte: »Die Weimarer Kinderbibel ist nur im Ergebnis ein Buch, sie war ein Prozess.«

Der ist nun im Reformationsjahr abgeschlossen, aber es gäbe noch eine Menge zu tun, so Sigrun Lüdde, Geschäftsführerin der Literarischen Gesellschaft Thüringen, denn zum Reformationstag soll im Turm der Stadtkirche St. Peter und Paul ein Kinderbibel-Raum entstehen.

Dietlind Steinhöfel

Das große Christusfest

2. Juni 2017 von redaktionguh  
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Gutes Wetter, gute Atmosphäre, gutes Programm. Leider entsprach die Resonanz nicht den Erwartungen. Das trübt den ansonsten strahlenden Erfolg des Himmelfahrtswochenendes etwas ein. Der Versuch einer Bilanz:

Von unseren Korrespondenten

Weit weniger verkaufte Karten als erhofft, dennoch zufriedene Veranstalter: Der Verein Reformationsjubiläum hat zum Abschluss der sechs Kirchentage auf dem Weg in acht mitteldeutschen Städten eine insgesamt positive Bilanz gezogen. Atmosphärisch seien die Veranstaltungen in Leipzig, Magdeburg, Erfurt, Halle/Eisleben, Jena/Weimar und Dessau-Roßlau ein voller Erfolg gewesen. Allerdings seien deutlich weniger Karten verkauft worden als erhofft, erklärte der Verein in Wittenberg.

In Leipzig zählte der Verein 15 000 Kartenverkäufe. »Wir haben auf das Dreifache der Zahlen hingearbeitet«, räumte Geschäftsführer Hartwig Bodmann ein. Bei den anderen Kirchentagen auf dem Weg sähen die Zahlen ähnlich aus. Die größte Einzelveranstaltung war mit 6 000 Besuchern die Flussinszenierung »Unseres Herrgotts Kanzlei« mit Schiffsprozession in Magdeburg.

Höhepunkt: 6 500 Bläser begleiteten den Gesang der 120 000 Teilnehmer beim Abschluss der Kirchentage in den Elbauen vor den Toren Wittenbergs. Foto: Carsten Stolze, r2017

Höhepunkt: 6 500 Bläser begleiteten den Gesang der 120 000 Teilnehmer beim Abschluss der Kirchentage in den Elbauen vor den Toren Wittenbergs. Foto: Carsten Stolze, r2017

Als sommerliches Open-Air-Vergnügen in historischer Kulisse erlebten viele Erfurter und Kirchentagsgäste den Kirchentag. Vor allem die Großveranstaltungen auf dem Domplatz zogen die Menschen an. Was bei den kostenfreien Veranstaltungen im Freien funktionierte, ging bei anderen Veranstaltungen nicht auf. Die Bilanz des Kartenverkaufs sähe schlecht aus, hieß es seitens des Veranstalters. Aus Sicht des Kirchenkreises Erfurt haben sich die langjährigen Vorbereitungen auf den Kirchentag trotzdem gelohnt. Man habe als Kirche selbstbewusst und fröhlich unter den Augen der Öffentlichkeit gefeiert, sagte Erfurts Senior Matthias Rein. Das könne als klares Angebot in die Gesellschaft hinein verstanden werden. Zudem blieben auch einige konkrete Projekte erhalten. Dazu zählte für Rein neben der vom Kirchentag in Auftrag gegebenen Komposition »Enchiridion-Echo« die Glocke für den Ortsteil Salomonsborn.

Auch in Magdeburg blieben im Gegensatz zu Dessau die Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurück. Trotz interessanter Themen bei Podien und Gesprächsrunden fanden sich manchmal nur eine Handvoll Besucherinnen und Besucher ein. Als Magneten erwiesen sich vor allem die Angebote am Abend, wie die Eröffnungsgottesdienste und -abende, Konzerte oder gemeinsame Mahlzeiten. Anhalts Kirchenpräsident Joachim Liebig sieht durch die Kirchentage das Selbstbewusstsein der evangelischen Gemeinden in Ostdeutschland gestärkt. Er dankte allen Helfern und Unterstützern des Kirchentages. »Es war eine wunderbare Atmosphäre und Leichtigkeit. Die sollten wir für die kommende Zeit in unseren Alltag mitnehmen.«

»Der riesige Aufwand hat sich gelohnt«, bilanziert Simone Carstens-Kant, Pfarrerin im Zentrum Taufe Eisleben. Mit Halle und Eisleben fand ein Kirchentag in einer der am stärksten entkirchlichten Regionen Deutschlands statt. Gerade einmal jeder zehnte Einwohner von Halle gehört der evangelischen Kirche an. In Eisleben sind es noch weniger. Eine besondere Gemeinschaft erlebten kirchliche wie nichtkirchliche Teilnehmer beim Willkommensfest »Kultur in den Höfen«. Resonanz erfuhren Konzerte, wie das Kantatenprojekt »Luther«. Weitaus weniger Zuspruch auch hier bei den vielfältigen Angeboten – wie Bibelarbeiten, Vorträgen oder Workshops. Mitwirkende, Helfer und Teilnehmer zeigten sich dennoch zufrieden, lobten das intensive Miteinander und die fami­liäre Atmosphäre. Überhaupt, die Begegnungen unter freiem Himmel waren, dank des sommerlichen Wetters, das Markenzeichen der Kirchentage. Nicht nur bei den »Anna-Amalia-Tischgesellschaften« in der Weimarer Innenstadt wurde dabei die »Gretchenfrage« gestellt. Mit 2 000 Einzelveranstaltungen konnten es die Kirchentage auf dem Weg mit dem Berliner Kirchentag durchaus aufnehmen. Leider nicht mit der Besucherzahl.

(epd, G+H)

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