Anspiel, Erdnuss und Gesang
11. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Thüringen

Mit den Plakaten des Weltgebetstages, von denen eines hier Pastorin Christine Kleditz aus Schönau hält, wurde überall in der Region in die Hörselberghalle eingeladen. Foto: Susanne Reinhardt
Der Weltgebetstag wurde in Wutha-Farnroda in der Hörselberghalle gefeiert
»Lob dem Ewigen« heißt das farbenfrohe Gemälde der Kameruner Künstlerin Reine Claire Nkombo. Genauso bunt geschmückt begrüßte die Hörselberghalle in der politischen Gemeinde Wutha-Farnroda rund 200 Gäste. Sie feierten hier am 5. März den Weltgebetstagsgottesdienst gemeinsam mit den Kirchengemeinden im Hörsel- und Erbstromtal.
Gleich am Eingang wurden Erdnüsse zum Naschen gereicht, die im Norden Kameruns zu den wichtigsten Nahrungsmitteln gehören. Im hinteren Bereich der Halle stand eine reich gedeckte Tafel mit themenbezogenen Speisen. Der Gottesdienst begann mit Trommelklängen und Gesang eines Chores, zu dem sich sangesfreudige junge Frauen aus der Region zusammengefunden hatten. Man hörte rauschende Wellen, Wüstenwinde und sah vor dem inneren Auge Regenwälder, lange Strände, Küsten und Savannen entstehen.
Die Idee, den Weltgebetstag gemeinsam in einem zentral gelegenen kommunalen Gebäude zu feiern, war den Pfarrern, Pastorinnen und Kirchenältesten der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden der Region vor fünf Jahren gekommen. Man suchte schon damals nach einem Ort, der auch Menschen anzieht, die sonst am Rande der Kirche stehen. Der gute Zuspruch und die Freude der Teilnehmer bestätigten einmal mehr, dass diese Entscheidung richtig war. Die politische Gemeinde Wutha-Farnroda stellte die Hörselberghalle zu günstigen Konditionen zur Verfügung und veröffentlichte die Gottesdiensteinladung auf der Rathaushomepage.
Zu den Akteuren des Abends zählten neben Pastorinnen und Pfarrern besonders die Ehrenamtlichen. Vor allem junge Leute brachten sich beim Singen, beim Spielen auf den verschiedenen Instrumenten oder bei den Darbietungen ein. Jede Kirchengemeinde trugt etwas zum Gelingen des Gottesdienstes bei. Das Schöne daran sei, so erzählten die Frauen, dass man aktiv sein kann, aber auch Zeit zum Genießen der Auftritte der anderen hat. Und so flossen viele Eigeninszenierungen ein, wie zum Beispiel ein pantomimischer Vortrag der Schönauer Frauen, die die Bibelgeschichte von Paulus, Silas und einer Sklavin bildlich erzählten.
Am Ende des Gottesdienstes wurde sogar zum Tanzen eingeladen. Und natürlich konnten auch die Kochkünste der Frauen genossen werden, die Kameruner Spezialitäten zubereitet hatten. Da gab es zum Beispiel »Puff Puff«, eine Art Krapfen, die sowohl süß als auch herzhaft mit Gemüse gereicht wurden. Die Kollekte des Abends kommt einem Witwenprojekt für Kameruner Frauen zugute.
Susanne Reinhardt
»Afrika im Kleinen«
5. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Weltgebetstag: Frauen aus Kamerun haben die diesjährige Gottesdienstordnung vorbereitet.
Der Weltgebetstag ist längst zu einem echten spirituellen Netzwerk geworden, das weltweit und ökumenisch Christen in über 170 Ländern verbindet. Aber er ist kein Selbstläufer, sondern braucht jedes Jahr neu engagierte Menschen.

Hat ihre Heimat vorgestellt und die Herzen geöffnet: Octavie Djiugoue aus Kamerun. Foto: privat
Hörend, sehend und schmeckend an einem Abend ein fremdes Land bereisen und sich dabei eingebunden fühlen in eine weltweite Gebetsgemeinschaft – dieses Angebot des Weltgebetstages ist einmalig und hat auch im 52. Jahr seine Faszination nicht verloren. In den meisten Gemeinden stellt der erste Freitag im März einen Höhepunkt im Veranstaltungskalender dar und ist erst recht zu einer ökumenischen Plattform geworden, die vor Ort mit Freude und Engagement gepflegt wird.
Die diesjährige Liturgie zum Gottesdienst, der am Freitag, 5. März, gefeiert wird, haben Frauen aus Kamerun vorbereitet. Sie wählten das Motto: »Alles, was Atem hat, lobe Gott.« Die Menschen in diesem zentralafrikanischen Land, das wegen seiner geografischen, klimatischen, ethnischen und kulturellen Vielfalt auch »Afrika im Kleinen« genannt wird, haben in ihrem Alltag mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Doch in ihren Notsituationen fragen sie nicht: »Warum tut Gott mir das an?« Dieses Denken sei den Kameruner Frauen fremd, konnte Pfarrerin i. R. Gertrud Tschäpe bei der Beschäftigung mit der Liturgie feststellen und ist davon beeindruckt. »Sie sagen vielmehr: ›Ich lobe Gott, weil ich Atem habe und lebe‹ – wohl wissend, dass damit nicht die Probleme beseitigt sind, sondern sie jetzt handeln müssen.«
Gertrud Tschäpe gehört seit 2003 zum Leitungsteam, das jährlich im Huberhaus Wernigerode dreitägige Vorbereitungstreffen für all jene Frauen anbietet, die sich in ihren Gemeinden für den Weltgebetstag engagieren. In den letzten Jahren hat sie beobachtet, dass sich neben dem wichtigen Stamm der Weltgebetstagsbewegten auch mehr und mehr junge Frauen hinzugesellen. Eine erfreuliche Entwicklung, die Zukunft verheißt. Die Vorbereitungen beginnen bereits Wochen oder Monate vor dem eigentlichen Datum. Erstmalig gab es als Auftakt bereits im November einen Informationstag in Halle. Studientage quer durch das Gebiet der mitteldeutschen Kirche, beispielsweise in Stendal, Wittenberg, Herzberg und Merseburg, aber auch in Waltershausen, Gefell und Goldbach, boten eine nächste Informationsquelle.
In Thüringen öffnete das Friedrich-Myconius-Haus in Tabarz im Januar seine Türen für ein zweitägiges Vorbereitungstreffen. Gleich drei gab es im Hedwig-Pfeiffer-Haus in Weimar, das sich seit Jahrzehnten als Tagungsort bezüglich des Weltgebetstages bestens eingeführt hat. Hier konnte sogar die Kamerunerin Octavie Djiugoue willkommen geheißen werden. Mit Temperament und Begeisterung habe sie ihre Heimat vorgestellt und die Herzen geöffnet, sagt Eva Lange, Referentin der Evangelischen Frauen in Mitteldeutschland. Auch sie beobachtete überrascht eine Verjüngung der Teilnehmerinnen und hebt deren große Offenheit hervor.
Überhaupt sind die Vorbereitungstreffen sehr intensive Tage, von denen jede Teilnehmerin und deren Gemeinde nur profitieren kann. Manche engagierten Frauen sind anfangs Alleinkämpferinnen, die erst einen Kreis um sich sammeln müssen. Hier können sie sich gegenseitig Mut machen, Kraft tanken und mit vielen Anregungen nach Hause fahren. In über 1800 der insgesamt 3300 Gemeinden in der EKM wird zum Weltgebetstag eingeladen, und 90 Prozent der Vorbereitung erfolgt ehrenamtlich. Ähnlich sieht es in der anhaltischen Landeskirche aus. Hier gibt es in den 150 Kirchengemeinden zahlreiche Gottesdienste und Veranstaltungen in den Tagen rund um den 5. März.
Einige Gemeinden haben auch eigene Traditionen zum Weltgebetstag entwickelt. In Meiningen beispielsweise gibt es seit Jahren am Wochenende zuvor einen Gemeindenachmittag zum jeweiligen Land. In der Vorbereitungsgruppe seien Mütter und Väter um die 40 gemeinsam und äußerst kreativ tätig, hebt Pfarrerin Cornelia Hädicke hervor. »Es gelingt uns, dieses Angebot generationsübergreifend zu gestalten, denn es kommen dann auch ältere Gemeindeglieder und Großeltern mit ihren Enkeln.« Am vergangenen Sonntag gab es ein fröhliches afrikanisches Fest mit vielen Gästen, darunter mehr als 25 Kinder.
Übrigens: Auch wenn umgangssprachlich häufig vom »Weltgebetstag der Frauen« gesprochen wird – die Protagonistinnen freuen sich, wenn auch Männer ihrer Einladung folgen.
Uta Schäfer




