Neues Leben in alter Schule

2. März 2016 von redaktionguh  
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In Groß Germersleben gibt es ein Kompetenzzentrum für Orgel und Harmonium

Kantor Werner Jankowski steckt voller Liebe zur Kirchenmusik. Der ehemalige Berliner ist auch Orgelsachverständiger des Kirchenkreises Egeln und kümmert sich als Leiter des Kompetenzzentrums für Orgel und Harmonium um den Organisten-Nachwuchs wie um ausgediente Instrumente. Werner Jankowski lebt in der alten Kirchenschule von Groß Germersleben (Ortsteil von Oschersleben) gemeinsam mit vielen Instrumenten. Denn seit April 2014 beheimatet das sanierte Gebäude das Kompetenzzentrum für Orgel und Harmonium des Kirchenkreises Egeln.

Werner Jankowski gibt auch gesonderte Kurse im Harmoniumspiel. Foto: Yvonne Heyer

Werner Jankowski gibt auch gesonderte Kurse im Harmoniumspiel. Foto: Yvonne Heyer

Der Kantor der Oschersleber Kirchengemeinde ist zugleich Kirchenmusiker und Kantor für die Börde, begleitet die Kirchengemeinden der Region in Sachen Kirchenmusik, betreut und organisiert Höhepunkte der Gemeinden und leitet Kirchenchöre. »Im Aufbau des Kompetenzzentrums für Orgel und Harmonium sehe ich schon etwas Besonderes. Vor allem die Arbeit mit den ehrenamtlichen Organisten liegt mir sehr am Herzen«, so Werner Jankowski. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Orgeln in den Kirchengemeinden des Kirchenkreises Egeln saniert worden. Doch zugleich sind vor allem die ehrenamtlichen Organisten in die Jahre gekommen, haben aus Altersgründen ihr Amt aufgegeben. »Deshalb ist es so wichtig, Nachwuchs heranzubilden«, berichtet der Kantor. Der 15-jährige Erik Deuerling zum Beispiel hat nicht nur die Liebe zum Orgelspiel entdeckt, er könnte sich sogar vorstellen, einmal Orgelbauer zu werden.

Weitere Orgelschüler sind willkommen

Das Programm der Einrichtung für das neue Jahr liegt vor. Ende April sind ehrenamtliche Organisten angesprochen, wenn es unter der Überschrift »Jeden Sonntag wieder …« um die Vorstellung leichter Orgelliteratur zur Begleitung der Gottesdienste geht. Zu den Angeboten des Kompetenzzentrums gehören ebenso das Erlernen des Stimmens von Zungenregistern, das Improvisieren beim Orgelspiel oder das Kennenlernen der Orgelregister und ihrer Wirkung.

Nicht zu vergessen der Harmonium-Workschop! »Gerade in vielen Gemeinderäumen kommen diese Instrumente heute noch häufig zum Einsatz. Aber auch das Spiel auf dem Harmonium will erst erlernt sein, deshalb bieten wir gesonderte Kurse an«, erklärt Werner Jankowski.

Er selbst hat inzwischen eine ganze Reihe derartiger Instrumente aus verschiedenen Epochen gesammelt. Sie fanden in der Groß Germersleber Kirche einen Platz oder werden auch verliehen. Nicht selten greift Werner Jankowski selbst zu den Werkzeugen und repariert oder baut die Instrumente wieder auf.

Interessierten verrät Werner Jan­kowski schon jetzt, dass er für den 5. März eine Führung durch das Kompetenzzentrum für Orgel und Harmonium in Groß Germersleben plant. Dann können auch die alten Instrumente in Augenschein genommen werden.

Yvonne Heyer

Ernte für Leib und Seele

14. Oktober 2014 von redaktionguh  
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Organisten-Nachwuchs für Wormsdorf gesucht

Er habe eine Königin zerlegen und entführen, sie in- und auswendig kennenlernen dürfen – und nun sei er »derjenige, der sie vielleicht am besten versteht, dafür bin ich überaus dankbar«, verlieh Martin Lodahl seinen Gefühlen vor der versammelten Kirchengemeinde in Wormsdorf (Kirchenkreis Egeln) Ausdruck. Diese hatte dem Orgelbauer aus Dingelstedt am Huy auch tatkräftig bei der Ausführung seines Auftrags geholfen. Gemeinsam verstand man somit den Erntedankgottesdienst am Sonntag in der Dorfkirche St. Paul, der zugleich Feierstunde für die Wiedereinweihung der Wormsdorfer Rühlmannorgel war, als Genuss.

Der Orgelsachverständige des Kirchenkreises Egeln, Werner Jankowski, spielt die restaurierte Orgel zum ersten Mal. – Foto: Ronny Schoof

Der Orgelsachverständige des Kirchenkreises Egeln, Werner Jankowski, spielt die restaurierte Orgel zum ersten Mal. – Foto: Ronny Schoof

Den Takt zur Restaurierung hatte im Frühjahr die Zuwendung aus der Stiftung Orgelfonds Magdeburg vorgegeben, womit ein Großteil der veranschlagten 20 000 Euro abgedeckt war. »Hinzu kamen großzügige Spenden zahlreicher privater Geldgeber und Sponsoren sowie Eigenmittel der Gemeinde und des Kirchenkreises, sodass Ende März die Arbeiten für die Generalinstandsetzung beginnen konnten«, blickt die Vorsitzende des Gemeindekirchenrats, Marianne Wipper, zurück. »Die Restaurierung war dringend nötig, denn der Zahn der Zeit hatte unserer Orgel nach 91 Jahren gehörig zugesetzt.« So war das stattliche Instrument von Holzwurm und Zinnpest befallen; einige Töne waren bereits verstummt.

Eine anspruchsvolle Aufgabe lag vor der kleinen Manufaktur aus dem Harz. »Wir haben die Orgel buchstäblich in alle Einzelteile zerlegt, haben gereinigt, transportiert, repariert, ersetzt«, fasst Martin Lodahl grob zusammen, was ihm und seinen Helfern über Wochen hinweg Detailarbeit und Höchstkonzentration abverlangte. Stets unterstützend zur Seite standen dem Orgelbauer in dieser Phase Horst Überschär und Helmut Schwietzer von der evangelischen Gemeinde Wormsdorf – freiwillig und ehrenamtlich. »Unter allen Helfern und Spendern darf man die beiden ruhig hervorheben«, meint Pfarrerin Renate Hirschligau. »Sie haben direkt daran mitgewirkt, dass ein Traum Wirklichkeit wird, und stehen somit auch stellvertretend für die Verbundenheit der aktiven Kirchengemeinde mit ihren ideellen Schätzen.« Es habe sie in diesem Zusammenhang »sehr beeindruckt, dass die Wormsdorfer für die fleißigen Orgelarbeiter gekocht und ihnen immer Mittagessen gebracht haben«.

Werner Jankowski, Kantor und Orgelsachverständiger des Kirchenkreises Egeln, attestierte der Werkstatt »vorzügliche Arbeit«. Es habe ihn gefreut, »die Generalüberholung der Orgel mit einem kompetenten Partner« zu begleiten. Er bespielte die Rühlmannschen Register zwischen Begrüßung, Glaubensbekenntnis und Predigt, streute ein heiteres Zwischenstück ein und entfachte beim Abschlusskonzert noch im Laufe des Nachmittags die ganze Bandbreite des Orgelklangs.

Superintendent Matthias Porzelle wusste in seiner Festpredigt den Erntedank mit der Orgeleinweihung zu verweben: »Hier in der Börde haben wir sozusagen allen Grund und Boden zu danken. Und auch der erneuerte Klang der Orgel ist ja eine Ernte – eine Ernte der Liebe zur Musik, der Spendenbereitschaft und des fachlichen Könnens. Es geht also nicht immer nur um Ernte, die den Leib sättigt, sondern auch die Seele und den Geist.« Porzelle richtete seinen besonderen Dank an Fritz-Werner Wipper, der 50 Jahre lang den Orgeldienst in Wormsdorf versehen hat. »Leider ist es ihm aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich, die Orgel zu spielen«, sagte Marianne Wipper, »und das stellt uns vor ein kleines Problem, da es zurzeit keinen Organisten mehr in unserer Gemeinde gibt.« Bleibt die neue Orgel nun wieder stumm? Die Pfarrerin hat die Hoffnung, bald einen Organisten zu finden. Immerhin zähle die Wormsdorfer Kirchengemeinde 195 Mitglieder. »Das sind übrigens 43 Prozent der Einwohner, was im Kirchenkreis den Spitzenwert bedeutet«, so Wipper. Ihre größte Hoffnung setzt sie in den Nachwuchs: »Es gibt ein paar Jugendliche, die das Klavierspiel beherrschen.« Für sie steht das Angebot von Kantor Jankowski: »Ich bilde euch gern an der Orgel aus, denn das ist meine Aufgabe.«

Ronny Schoof

Kompetenz für alte Pfeifen

19. August 2014 von redaktionguh  
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Die Groß Germerslebenener Kirchenschule beherbergt ein Orgelkompetenzzentrum

Die alte Kirchenschule von Groß Germersleben (Landkreis Börde) wurde bis vor Kurzem nur wenig genutzt. Der Verfall des Gebäudes, in dem nur ein kleiner Teil durch den Gemeinderaum belebt war, schien nicht mehr aufzuhalten. Ein Nutzungskonzept musste her. Die Idee: die Schaffung eines Kompetenzzentrums für Orgel und Harmonium. Die Sanierung der alten Kirchenschule konnte starten und ist inzwischen abgeschlossen. Im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes wurde das Ereignis gewürdigt, und Kantor Werner Jankowski fand in der Kirchenschule eine neue Wirkungsstätte. Er ist nicht nur ein begnadeter Musiker; seine weitere große Leidenschaft gehört den Instrumenten, mit denen er täglich zu tun hat: Ihn beschäftigt nicht nur die Musik, sondern auch das Innenleben von Orgel und Harmonium. Nach seiner musischen Ausbildung bildete er sich fort. Heute ist er nicht allein Kirchenmusiker, sondern auch Orgelsachverständiger des Kirchenkreises Egeln. »Ich verstehe mich aber nicht als Konkurrenz zum Orgelbauer, sondern als Dienstleister für die Kirchengemeinden. Lediglich kleine Reparaturen führe ich an der Orgel wie auch am Harmonium aus«, erklärt Werner Jankowski. In der Groß Germerslebener Kirchenschule wird er besagte kleine Reparaturen vornehmen. Im Untergeschoss des Hauses ist neben einer kleinen Werkstatt auch ein Schulungsraum entstanden. Im Kirchenkreis Egeln gibt es geschätzte 160 Orgeln. Da gebe es, so Jankowski, immer etwas zu reparieren.

Werner Jankowski übt regelmäßig, doch diese Orgel musste nach dem Umzug in die Börde lange auf ihren Einsatz warten. In seiner Werkstatt sind auch Ersatzteile auf Lager, um Reparaturen selbst ausführen zu können. Fotos: Yvonne Heyer

Werner Jankowski übt regelmäßig, doch diese Orgel musste nach dem Umzug in die Börde lange auf ihren Einsatz warten. In seiner Werkstatt sind auch Ersatzteile auf Lager, um Reparaturen selbst ausführen zu können. Fotos: Yvonne Heyer

Doch Werner Jankowski sieht das Zentrum vor allem aus dem Blick des Kirchenmusikers. »Ich möchte das Niveau von Orgelkultur und Orgelkunst in der Region anheben, Schulungen und Seminare anbieten«, so der ehemalige Berliner. Pläne hat er dafür genug. Kirchenmusiker Jankowski kann sich vieles vorstellen: die Zusammenarbeit mit Schulen der Region, Orgelführungen oder Konzerte sowie Ausstellungen alter Instrumente. Aber auch Harmonium-Workshops seien geplant. Im Oktober können sich Interessierte mit Werner Jankowski austauschen, wie ein Harmonium wirkungsvoll gespielt werden kann. Angesprochen sind ehrenamtliche Kirchenmusiker. Die Organisation ihrer Ausbildung sei ohnehin ein wichtiges Thema im Kirchenkreis.

Im Vorraum der kleinen Werkstatt fand inzwischen ein Harmonium seinen Platz. Es wird repariert, auch um es für Ausbildungszwecke wieder zu nutzen. Im Obergeschoss der alten Kirchenschule aber konnte Werner Jankowski endlich seine kleine Orgel unterbringen. Auf ihren Umzug musste sie mehrere Jahre warten. Nun könnte sie bei Konzerten zum Einsatz kommen. Vor allem aber dient sie ihm als Übungsinstrument.

Fördermittel aus dem europäischen Leader-Programm ermöglichten die Sanierung der Kirchenschule und den Umbau zu einem Orgelkompetenzzentrum. Mit 42 240 Euro wurde das Projekt, für das insgesamt 120 000 Euro veranschlagt waren, gefördert. Die Sanierung des Gebäudes dauerte mehrere Monate.

Yvonne Heyer