Evangelium hat Vorrang

1. Mai 2017 von redaktionguh  
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Landessynode debattiert über Strukturreform und lehnt geschlechtergerechte Sprache ab

Überlegungen zur Einführung freikirchlicher Strukturen in der verfassten Evangelischen Landeskirche Anhalts hat Kirchenpräsident Joachim Liebig eine Absage erteilt. Das bestehende System sei gewachsen und werde auch weiterhin Bestand haben, sagte Liebig auf der Frühjahrssynode in Alexisbad im Harz. Trotzdem sei es notwendig, sich über die Strukturen Gedanken zu machen, fügte er hinzu.

Dazu hat die Kirchenleitung ein Impulspapier veröffentlicht. Der Kirchenpräsident betonte, dass den Überlegungen immer vorangestellt sein sollte, was der Verkündigung des Evangeliums diene. Nichtsdestotrotz sei eine unabhängige Wirtschaftsprüfung beauftragt worden, die finanzielle Lage zu analysieren. Damit wolle man auch gegenüber dem Finanzbeirat der Evangelischen Kirche in Deutschland aussagefähig sein. Bei der Tagung nahmen die Diskussionen über die Zukunft der kleinsten Landeskirche in Deutschland breiten Raum ein. In Arbeitsgruppen erarbeiteten die Delegierten Vorstellungen und Thesen. Kirchenpräsident Liebig hob hervor, dass es schon einige schriftliche Rückläufe zum Impulspapier gebe. Allmählich komme die Diskussion darüber in Kreissynoden und Kirchengemeinden in Gang.

Eine Andacht mit Pfarrer Andreas Müller in der Petruskapelle Alexisbad bildete den Auftakt der zweitägigen Beratungen der anhaltischen Synode. Foto: Killyen/Landeskirche Anhalts

Eine Andacht mit Pfarrer Andreas Müller in der Petruskapelle Alexisbad bildete den Auftakt der zweitägigen Beratungen der anhaltischen Synode. Foto: Killyen/Landeskirche Anhalts

Nachgedacht wird auch über eine Neuorientierung in der sozialen Arbeit. Der Vorsitzende der Diakonie Mitteldeutschland, Oberkirchenrat Eberhard Grüneberg, warb für die Einführung einer hauptamtlichen Gemeindediakonie. Auf Gemeindeebene sei die soziale Arbeit zugunsten der professionellen Hilfe in staatlich finanzierten Einrichtungen zurückgetreten. Dabei sei aber deutlich geworden, dass es soziale Problemlagen gebe, die die institutionalisierte Diakonie nicht erfassen könne. Eine Gemeindesozialarbeit sollte dabei als »Scharnier« dienen, das die Kirchengemeinde und die eigenständigen diakonischen Träger miteinander verbindet, sagte Grüneberg.

Die Synode sprach sich zudem gegen eine Verfassungsänderung aus. Damit sollte eine geschlechtergerechte Sprache eingeführt werden. Nur 23 der 33 Synodalen stimmten für den Entwurf. 25 Ja-Stimmen wären für eine Verfassungsänderung notwendig. Einige der Synodalen hielten die Änderungen für überflüssig, dem Zeitgeist geschuldet und die Hinzufügung der weiblichen Form für sprachlich ungelenk. In der Neuformulierung der Verfassung sollten es beispielsweise »Pfarrerinnen und Pfarrer« und »Kirchenpräsidentin und Kirchenpräsident« heißen. Der stellvertretende Synodenpräses Wolfram Hädicke verteidigte die Änderungen: »Der Entwurf geht stärker darauf ein, dass Frauen verantwortlich mitarbeiten.« Die Ablehnung könnte als Signal missverstanden werden, dass die männerdominierte Landessynode die gleichberechtigte Mitarbeit von Frauen nicht schätze. Vor allem die vier Vertreterinnen im Kirchenparlament nahmen das Wahlergebnis mit Unverständnis zur Kenntnis.

In seinem Bericht über die Aktivitäten während des Reformationssommers räumte Pfarrer Andreas Janßen ein, dass bei den Vorbereitungen nicht alles rund laufe. Es mangele an ehrenamtlichen Mitarbeitern, und auch die Anmeldezahlen lägen hinter den Erwartungen zurück. »Der Reformationssommer ist eine Bürde für unsere kleine Landeskirche, aber er ist keine Last«, sagte Janßen. Er sehe auch eine Chance. Die Landeskirche werde in der Öffentlichkeit wahrgenommen, sei im Gespräch und werde auch kritisch hinterfragt.

Willi Wild/epd

Anspruch und Wirklichkeit

30. April 2017 von redaktionguh  
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Für diese Form der Basis-Demokratie beneiden uns katholische Christen. Die evangelische Landessynode ist nicht nur das oberste Entscheidungsorgan der EKM. Besetzt mit Laien und hauptamtlichen Vertretern aus den Kirchenkreisen, ist sie auch ein Seismograf für die Stimmung in den Kirchengemeinden.

Dass sich die Themen, die die Gemeindeglieder derzeit bewegen, nicht oder nur am Rande in der Tagesordnung wiederfinden, ist dabei nicht der Synodenleitung anzulasten. Jedes Kirchenmitglied kann Anträge über die gewählten Vertreter einbringen. Angesichts der hohen Krankenstände und Vakanzen in den Kirchengemeinden, eines scheinbar geistlichen Notstandes in den ländlichen Regionen, erwartet man anderes. Die Ächtung von Kriegswaffen, die fleischfreie Versorgung bei den Tagungen oder das Wahlkampfthema »Ehe für alle« sind ehrenwerte Debatten-Themen. Aber sollte nicht sprichwörtlich die Kirche im Dorf bleiben?

In einem Antrag heißt es, die EKM möge zur »Kirche des gerechten Friedens« werden. Doch wie ist es um den innerkirchlichen Frieden bestellt? Eine Synodale beklagt, dass die Entscheidungsträger kaum Verständnis für das Anliegen der ländlichen Kirchenkreise aufbrächten. Es fehle ihrer Meinung nach am räumlichen, emotionalen oder persönlichen Bezug zum Pfarrland.

Die Lutherstadt Wittenberg ist gut gewählt als Ort für die Synodentagung im Reformationsjahr. Hier hat man schon vor 500 Jahren heftig debattiert und dem Volk aufs Maul geschaut. Auf das Ergebnis komme es an, so der Wunsch einer Synodalen 2017: »Ich erwarte von der Tagung Austausch, Gespräche und Impulse für die Arbeit in unserem Kirchenkreis und für unsere ganze Landeskirche.«

Willi Wild

Wenn die Seelsorger fehlen

28. April 2017 von redaktionguh  
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Frühjahrssynode: Das mitteldeutsche Kirchenparlament tagt vom 27. bis 29. April in der Lutherstadt Wittenberg. Dabei geht es den Vertretern der Kirchenkreise und der Kirchenleitung aber nur am Rande um das Reformationsjubiläum.

Die Kirchenälteste ist aufgebracht. E-Mobilität im Verkündigungsdienst sei ja schön und gut. Aber in ihrer Kirchengemeinde hätten sie schon seit Monaten keinen Pfarrer und müssten die Gottesdienste selbst gestalten. Dazu fehle aber die Anleitung oder Unterstützung. Auch im Kirchenkreis von Bernhard Voget sieht man sich aktuell mit einem hohen Krankenstand konfrontiert. Der Agrarökonom aus Körner, der bei der Landessynode den Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen vertritt, beschreibt eine Sehnsucht in den Gemeinden nach geistlicher Leitung. »Wir brauchen mehr Pfarrer« sei eine oft gehörte Forderung. Vertretungsregelungen sind wegen der Arbeitsbelastung der Hauptamtlichen und der fehlenden Ehrenamtlichen oft schwierig. Das Problem der Vakanzen kennt auch Angelika Greim-Harland. Die Superintendentin des Kirchenkreises Arnstadt-Ilmenau hat derzeit vier verwaiste Pfarrstellen zu besetzen. »Wir suchen nach Möglichkeiten, den Verkündigungsdienst von Verwaltungsaufgaben zu entlasten«, beschreibt sie den Versuch, das Gemeindeleben vor Ort zu organisieren.

Synodenpräses Dieter Lomberg sieht vor allem in der Stärkung der Lektorendienste und der Fortbildung der ehrenamtlichen Prediger eine Möglichkeit, das gottesdienstliche Leben in ländlichen Gebieten abzusichern. In seinem Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt würde die Schulung für Lektoren gut angenommen, so Lomberg. Aber er stelle immer wieder fest, dass die Angebote in vielen Kirchengemeinden oft nicht bekannt seien.

In Wartestellung: Noch ist der Tagungsraum im Wittenberger Luther-Hotel leer, vom 27. bis 29. April beraten hier die EKM-Synodalen. Foto: Luther-Hotel Wittenberg

In Wartestellung: Noch ist der Tagungsraum im Wittenberger Luther-Hotel leer, vom 27. bis 29. April beraten hier die EKM-Synodalen. Foto: Luther-Hotel Wittenberg

Ähnlich sei es bei der Wahrnehmung der Synodenbeschlüsse, so Lomberg. Sie kämen zum Teil nicht in den Gemeindekirchenräten an oder würden nicht verstanden. Die Kommunikationswege müssten hier noch mal überdacht und verbessert werden. Bernhard Voget hält es für entscheidend, dass sich die Gemeindeglieder in den Anträgen und Beschlüssen zur Synode wiederfinden und diese nachvollziehen können.

Als Beispiel nannte er das Thema Kindergottesdienst, das über den Evaluationsbericht Teil der Tagesordnung bei der Synodentagung in Wittenberg sein wird. »Als Familienvater bin ich glücklich, wenn es unseren Gemeinden möglich ist, entsprechende Angebote zu schaffen.« Allerdings könne er in einigen der Anträge nicht erkennen, dass sie der Lebenswirklichkeit der Gemeindeglieder entsprächen. Das hänge natürlich auch immer von den Anträgen und Eingaben ab.

Die Themen Ehrenamt und die Organisation des Gemeindelebens ohne hauptamtlichen Verkündiger seien diesmal nicht auf der Tagesordnung der Landessynode, so Präses Lomberg. Er kündigte aber im Gespräch mit der Kirchenzeitung an, dass sich demnächst die Jugendsynode damit befassen wolle. Die Tagesordnung der Frühjahrstagung der mitteldeutschen Landessynode ist wieder sehr vielfältig und breit gefächert. Neben Änderungen zum Gemeindekirchenratsgesetz oder dem Kirchengemeindestrukturgesetz liegen Anträge zur Ächtung von Kriegswaffen, zur Gleichstellung von Lebenspartnerschaften mit der Ehe oder für die fleischfreie Verpflegung zu den Synodentagungen vor.

Superintendentin Greim-Harland will sich in Wittenberg für eine Flexibilisierung des Mitteleinsatzes in den Kirchengemeinden verwenden. Kirchenkreise sollen dadurch die Möglichkeit bekommen, Einnahmen, zusätzlich zum bestehenden Stellenplan, für Personalkosten im Verkündigungsdienst einzusetzen. Eine Änderung des Finanzgesetzes hat hierzu der Kirchenkreis Stendal beantragt.

Dass bei all den organisatorischen und strukturellen Fragen sowie den inhaltlichen Debatten die Kernthemen Glaube und Spiritualität nicht zu kurz kommen, ist den Synodalen Greim-Harland und Voget wichtig zu betonen. Wittenberg sei im Reformationsjahr ein guter Ort für eine Synodentagung, um darüber nachzudenken, »wie wir Gemeinde sein wollen und was uns der Glaube bedeutet«, so Greim-Harland.

Willi Wild

Kirche auf dem Weg

23. April 2017 von redaktionguh  
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Vor 100 Jahren endete das »landesherrliche Kirchenregiment«, das einst die protestantischen Fürsten in ihren Staatsgebieten installierten. Übrig geblieben ist ein Landeskirchentum mit 20 eigenständigen Einheiten unter dem Dach der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Auf den Mitgliederschwund reagierte man mit Zusammenschlüssen. Anhalt hat bislang selbstbewusst widerstanden, ohne sich ökonomischen Überlegungen zu verschließen. So ist die Landeskirche Teil der Diakonie Mitteldeutschland im Verbund mit der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Was spräche also dagegen, auch eine landeskirchliche Verwaltungsgemeinschaft einzugehen. Die identitätsstiftende Komponente müsste dabei nicht aufgegeben werden. Vielleicht wäre es auch lohnend, über eine Landeskirche neuen Typs nachzudenken, ohne vorgegebene Strukturen. Das entspräche dem apostrophierten Laborcharakter der kleinen Kirche.

Die Herausforderungen, vor der die Landeskirche Anhalts steht, sind auch den größeren Landeskirchen nicht fremd. Die kleine Einheit könnte ein Modell sein. Das bedarf des Blickwechsels, weg von den Zahlen und Bilanzen, hin zu den Menschen. Das tut man in Anhalt bereits und ist damit auf einem guten Weg. Die Selbstständigkeit ist ein ehrenwertes Ziel, die bestmögliche Verkündigung des Evangeliums ein lohnenswertes.

Die Frage, ob die Landeskirche ohne Finanzausgleich leben könnte, ist hypothetisch. Ich glaube schon, denn Not macht erfinderisch. Das Land der Frühaufsteher, in dem Johann Sebastian Bach, der Ingenieur Hugo Junkers oder der Homöopath Samuel Hahnemann wirkten, könnte doch auch hier für eine Überraschung gut sein.

Willi Wild

Anhalt: Größe im Kleinen

21. April 2017 von redaktionguh  
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Die Zukunft der kleinsten evangelischen Landeskirche scheint ungewiss. Bis 2025 soll die Evangelische Landeskirche Anhalts verändert werden.

Für Joachim Liebig ist es zum beruflichen Lebensthema geworden. Der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts kommt aus der zweitkleinsten evangelischen Landeskirche, Schaumburg-Lippe. Seit acht Jahren steht er der kleinsten Glied­kirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vor. Gemessen an der Mitgliederzahl der Landeskirche Hannover, mit 2,6 Millionen die größte Gliedkirche im EKD-Verbund, nimmt sich die Zahl der Gemeindeglieder von 34 500 in Anhalt bescheiden aus.

Eine Andacht in der Petruskapelle (Foto) bildet den Auftakt der Landessynode der Evangelischen Landeskirche Anhalts am 21. und 22. April in Alexisbad im Harz. Das kleine Holzgebäude wurde 1812 nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel als Teehäuschen errichtet. Da Alexisbad über keine Kirche verfügte, gab es dort auf Anordnung von Herzogin Friederike von Anhalt-Bernburg Gottesdienste, bevor es schließlich zur Kapelle umgebaut wurde. Foto: Evangelische Landeskirche Anhalts

Eine Andacht in der Petruskapelle (Foto) bildet den Auftakt der Landessynode der Evangelischen Landeskirche Anhalts am 21. und 22. April in Alexisbad im Harz. Das kleine Holzgebäude wurde 1812 nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel als Teehäuschen errichtet. Da Alexisbad über keine Kirche verfügte, gab es dort auf Anordnung von Herzogin Friederike von Anhalt-Bernburg Gottesdienste, bevor es schließlich zur Kapelle umgebaut wurde. Foto: Evangelische Landeskirche Anhalts

In den Nachbarkirchen ist das die Größenordnung für Kirchenkreise. Davon hat man in Anhalt fünf, zu denen rund 150 selbstständige Kirchengemeinden gehören. Neben 54 Pfarrerinnen und Pfarrern sowie 39 hauptamtlich Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst müssen die Landeskirche und ihre Gemeinden eine Verwaltung vorhalten.

Vor 15 Jahren gab es Sondierungsgespräche mit der Thüringer Landeskirche und der Kirchenprovinz Sachsen über eine Kooperation. Am 16. November 2002 lehnte die anhaltische Synode allerdings den Beitritt zu einem mitteldeutschen Kirchenverbund ab und sprach sich damit für den Erhalt der »anhaltischen Identiät« aus. Zeitgleich stimmte damals die Synode der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz mit knapper Mehrheit für einen Zusammenschluss mit der Berlin-brandenburgischen Kirche.

Das Ziel, damit den Protestantismus zu stärken, scheint heute obsolet. Die Mitgliederzahl hat sich seit dem Zusammenschluss 2004 nahezu halbiert und in der öffentlichen Wahrnehmung spielt die schlesische Oberlausitz kaum eine Rolle. Das sind die Befürchtungen und das stärkste Argument der Anhalter, an ihrer Eigenständigkeit festzuhalten. Die Landeskirche ist die einzig verbliebene öffentlich-rechtliche Einrichtung in den Grenzen des Herzogtums Anhalt, wird argumentiert. Im »zusammengesetzten« Bundesland Sachsen-Anhalt habe die 400 Jahre alte Landeskirche eine wichtige identitätsstiftende Aufgabe.

Nach außen wird es allerdings immer schwieriger, die Strukturen zu rechtfertigen. Vor allem die Geber-Landeskirchen halten das kleine Gebilde hinter vorgehaltener Hand für nicht überlebensfähig. Ein Viertel des anhaltischen Haushalts kommt aus dem gemeinsamen Topf des Finanzausgleichs der EKD. Die demografische Entwicklung tut ein Übriges. Die Zahl der Kirchensteuerzahler hat sich seit den Föderationsgesprächen vor 15 Jahren – wie auch in der Nachbarkirche EKM – halbiert. Der Pfeil zeigt weiter nach unten.

Ein Anschluss an eine der Nachbarkirchen scheint, zumindest offiziell, derzeit kein Thema. Anhalt will es aus eigener Kraft schaffen. Der Reformstau müsse aufgelöst werden, so Wolfram Hädicke vom Synodenpräsidium. Dass Anhalt leistungsfähig sein kann, zeigt die Spendenbereitschaft. Bei der jährlichen Aktion von »Brot für die Welt« stehen die Kirchenmitglieder, umgerechnet auf die Gemeindegliederzahlen, im bundesweiten Vergleich an erster Stelle. Auch der Gottesdienstbesuch lässt hoffen. Die Landeskirche Anhalts liegt mit 5 Prozent auf Platz 2, hinter Sachsen, vor Württemberg.

Im Reformationsjahr will das kleine Anhalt ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Als eine der tratitionsreichsten Kulturregionen Deutschlands und bedeutender Schauplatz der Reformation. Mutig organisiert man in Dessau-Roßlau einen Kirchentag auf dem Weg, in der Hoffnung, dass die Mühen mit Publikum belohnt werden.

Die Eigenständigkeit der Landeskirche steht auf der Synode in Alexisbad nicht zur Debatte. Der Tagesordnungspunkt 14, Gesprächsimpuls »Zukunft der Landeskirche« mit Kaffee, lässt allerdings auf mehr als ein gemütliches Beisammensein hoffen.

Willi Wild

Trauer und Erlösung

26. März 2017 von redaktionguh  
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So war das nicht gedacht. Mein Kommentarthema sollte die Aktion von Aldi-Süd sein: Ostern einfach erklärt – Warum feiern wir eigentlich Ostern? Doch in der vergangenen Nacht ist meine Mutter gestorben. Mein Herz ist voll Trauer und wehmütiger, guter Gedanken an sie. Zwei Jahre nach meinem Vater ist sie gegangen. Ich habe meinen Eltern viel zu verdanken. Sie waren Vorbilder im Glauben, haben mich in Höhen und Tiefen begleitet, mir unglaublich viel Gutes mitgegeben und waren da, wenn ich sie brauchte.

Ganz ehrlich, zu Jesu Tod und Auferstehung hatte ich bislang keine emotionale Beziehung. Die Passionszeit gehörte zum Kirchenjahr, war Tradition. Dass Jesus am Kreuz für mich gestorben ist, habe ich zwar gehört, aber stark berührt hat mich das nicht. Jetzt merke ich, dass es eine dunkle Vorstellung wäre, sollte mit dem Tod alles aus sein. Jesus hat den Tod am Kreuz überwunden. Das hat er seinen Jüngern gesagt, erfahre ich auch aus der Osterbroschüre für Kinder von Aldi. Und weiter heißt es da: »Ostern ist das wichtigste Fest der christlichen Kirche. Christen auf der ganzen Welt feiern die Auferstehung von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.«

Heute nehme ich Abschied von meiner Mutter. Ich bin mir sicher, es wird kein Abschied für immer sein. Wir sehen uns im Himmel oder wenn Jesus wiederkommt. Das ist eine Gewissheit, die ich spüre und die mir meine Mutter am Kinderbett vorgesungen hat: »Solang mein Jesus lebt und seine Kraft mich hebt, muss Furcht und Sorge von mir fliehn, mein Herz in Lieb erglühn.«

Ich darf traurig sein, aber ich habe auch eine starke Hoffnung. Der Frühling beginnt erst. »Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht« (Lukas 21, Vers 28).

Willi Wild

Nächstenliebe verlangt Klarheit

26. März 2017 von redaktionguh  
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Populismus: EKM will die inhaltliche Auseinandersetzung befördern


Christen und Populismus in der Kirche. Darüber sprach Willi Wild mit dem Leiter des Personaldezernats, Oberkirchenrat Michael Lehmann, und Oberkirchenrat Christian Fuhrmann, dem Leiter des Dezernats Gemeinde in der EKM.

Haben Sie Kenntnis von rechtspopulistischen Tendenzen in der EKM?
Lehmann:
Lassen Sie mich, bevor ich auf Ihre Frage antworte, zwei Dinge sagen. Zunächst: Das Personaldezernat spürt nicht den politischen Überzeugungen der Pfarrerschaft und der kirchlichen Mitarbeiter nach. Für uns ist lediglich maßgebend, dass die Glaubwürdigkeit unserer christlichen Botschaft nicht verletzt und der Dienst nicht beeinträchtigt wird. Wir als Landeskirche vertrauen darauf, dass unsere Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst wissen, dass sie an alle ihre Gemeindeglieder gewiesen sind und nicht nur an diejenigen mit gleicher politischer Präferenz.

Zweitens: Die Kirche ist Teil der Gesellschaft, und gesamtgesellschaftliche Tendenzen finden sich auch in unserer Kirche wieder. Im Blick auf unsere Mitarbeitenden ist das im
Prinzip nicht anders. Allerdings sehe ich, wie viele von ihnen sich glaubwürdig gegen Verachtung und Ressentiments aussprechen und auch selbst beispielhaft handeln, indem sie etwa angesichts der Flüchtlinge vor Ort konkrete Hilfe geleistet und organisiert haben.

Nun zu Ihrer Frage: Ja, in der jüngsten Vergangenheit gab es in der EKM einen Fall: Ein Gemeindepädagoge hatte sich aktiv an einer rechtsextremistisch motivierten Demonstration beteiligt. Nach entsprechenden Personalgesprächen blieb dem Kirchenkreis keine andere Möglichkeit, als sich von diesem Mitarbeiter zu trennen. Der Fall kam vor das Arbeitsgericht, das aber hat uns klar in dieser Entscheidung bestätigt.

Fuhrmann: Auch bei ehrenamtlich in der EKM Engagierten gibt es keine Abfrage nach der Parteizugehörigkeit. Die Kirchengemeinden sind immer auch ein Spiegel der Gesellschaft und damit gesellschaftspolitischer Positionen. Entscheidend ist für mich dabei, ob es uns gelingt, ein christlich motiviertes Gespräch mit allen hinzubekommen. Ich vermute aber, dass derzeit in den Kirchengemeinden die unterschiedlichen Positionen kaum zur Sprache kommen, weil es schwierig ist, die konträren Standpunkte zusammenzubringen.

Wie schätzen Sie auf der anderen Seite die Bedrohung von Pfarrern in der EKM ein, die sich klar gegen rechte Gesinnung wenden?
Lehmann:
Tatsächlich werden Pfarrerinnen und Pfarrer unserer Landeskirche Opfer von Herabwürdigung und Bedrohung im Internet. Als ein Beispiel nenne ich unsere Landesbischöfin, die leider immer wieder zum Ziel rechtsradikaler Hetze wird. Im Fall eines Thüringer Pfarrers nahm die Androhung von Gewalt gegen ihn und seine Familie solche Ausmaße an, dass wir ihm die Aufhebung der Dienstwohnungspflicht angeboten haben. Gerade wer sich für einen mitmenschlichen Umgang mit Menschen anderer Sprache und Herkunft einsetzt, merkt: Das Doppelgebot der Liebe war nicht nur zur Zeit Jesu, sondern ist auch heute für viele ein Ärgernis. Ich sehe aber gerade da, spätestens seit Beginn der Flüchtlingskrise, eine große Glaubensgewissheit und Klarheit in unserer Pfarrerschaft. Das beeindruckt mich sehr.

Wie begegnet die EKM populistischen Tendenzen in Kirchengemeinden?
Fuhrmann:
Aus dem Landeskirchenamt heraus können wir erst mal wenig tun. Was ich als Aufgabe sehe, ist, dass wir immer wieder Impulse setzen für das Gespräch. Wir möchten ermutigen und einladen zur Debatte. Die Initiative sollte aber aus den Kirchengemeinden kommen. Wir unterstützen Angebote der Gemeinden und Einrichtungen, wo es um Begegnung geht, und stehen gern beratend zur Seite.

www.ekmd.de/kirche/themenfelder/rechtsextremismus

Vergeben, nicht vergessen

29. Januar 2017 von redaktionguh  
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Das Alter sieht man ihm nicht an. Mit fast 90 Jahren ist Altbischof Dr. Werner Leich noch unglaublich fit und agil. Geistig rege und aufmerksam stellte er sich über eine Stunde den Fragen der Kirchenzeitungs-Redakteure. Er behauptete zwar, dass er sich danach wie eine ausgepresste Zitrone fühlte, aber anzumerken war ihm das nicht.

Ausführlich äußerte er sich zum Thema Aufarbeitung der DDR-Geschichte. Er, dem der verlängerte, kriminelle Arm des Staates, die Stasi, nach dem Leben trachtete, findet, dass es Zeit sei, einen Schlussstrich zu ziehen. 25 Jahre seien eine lange Zeit, die Akteure alt und die geschichtliche Aufarbeitung bei der Stasi-Unterlagen-Behörde in guten
Händen. Außerdem sei er nicht nachtragend und lebe als Christ selbst von der Vergebung. »Vergeben ja, vergessen nicht«, meint Leich.

Das finde ich wichtig zu betonen. Damit nicht im Nachhinein aus Tätern Opfer und Opfer zu Tätern gemacht werden. So wie es der geschasste Berliner Staatssekretär Andrej Holm mit seiner »Biografie mit Widersprüchen« versuchte. Wir dürfen nicht vergessen, dass die friedliche Revolution ein Gottesgeschenk war und mutige DDR-Bürger zunächst in die Kirche und dann auf die Straße gegangen sind. Die Deutungshoheit darf darum nicht den Tätern überlassen werden.

Der Altbischof betonte, dass auch die heutige Generation aus der Geschichte lernen sollte. Dazu braucht es die öffentliche Auseinandersetzung. Ich bin dankbar für die Stimme der Zeitzeugen oder die Arbeitsgruppe Aufarbeitung und Versöhnung in der EKM. Was an uns ist, so wollen wir als Kirchenzeitung weiterhin dafür ein Podium bieten.

Willi Wild


Anmerkung:
Altbischof Leich wird an seinem Geburtstag nicht zu Hause sein. Er freut sich aber über schriftliche Glückwünsche und Gratulationen.

Eine Tür, viele Wohnungen?

13. Januar 2017 von redaktionguh  
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Wir Christen sind tolerant, rücksichtsvoll und folgen dem Gebot der Nächstenliebe. Das gilt zunächst natürlich im Umgang mit unseresgleichen unterschiedlicher Prägung. Wir können trotz Verschiedenheit miteinander beten und Gottesdienst feiern. Zum Anfang eines Jahres wird das bei der Allianzgebetswoche deutlich. Christliche Kirchen und Gemeinschaften treffen sich, lernen sich kennen.

Auch im Zusammenhang mit Juden und Muslimen werden die gemeinsamen Wurzeln der abrahamitischen Religionen betont. War es nicht Jesus selbst, der erklärte: In meines Vaters Haus gibt es viele Wohnungen. Darauf wies auch der Weimarer Pfarrer Frieder Krannich in seiner Predigt zu Beginn der Allianzgebetswoche hin. Allerdings stehe das im krassen Widerspruch zum Absolutheitsanspruch, den Jesus in den »Ich bin«-Worten formulierte. So hatte ich die Worte bislang nicht verstanden. Ich hielt sie eher für eine Orientierung. Aber Krannich hat natürlich recht, denn Jesus sagt: Niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Ein anderer Weg scheint ausgeschlossen. Das verwirrt. Was soll man da auf die Frage antworten, ob wir alle an denselben Gott glauben? Ich weiß es nicht.

Vielleicht muss ich es auch nicht wissen. »Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde«, so beginnt unser Glaubensbekenntnis und das ist, wenn ich die unterschiedlichen Statements in dieser Ausgabe lese, der größte gemeinsame Nenner. Ich muss gar nicht nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner suchen.

Dieser Glaube kann Berge versetzen und hat von Abraham bis heute schon vielen geholfen. Was glauben Sie? Ich freue mich auf Ihre Zuschriften: redaktion@glaube-und-heimat.de

Willi Wild

Frommer Glückskeks

8. Januar 2017 von redaktionguh  
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Als Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf vor 280 Jahren »Die Parole für den Tag« an seine Gemeinde in Herrnhut ausgab, ahnte er vermutlich nicht, dass sich daraus ein Bestseller entwickeln würde. »Die Losungen« sind heute auf der ganzen Welt verbreitet und in über 50 Sprachen erhältlich. Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt hat sie auf dem Handy und Schlichter Matthias Platzeck las 2015 vor jeder Runde mit Bahn und Gewerkschaft den Verhandlungspartnern aus dem blauen Büchlein vor. Für einige haben sie den Status eines frommen, chinesischen Glückskekses, für andere sind sie, wozu sie gedacht waren: »Fortgesetzte Gespräche des Heilands mit der Gemeinde« (Zinzendorf).

Die Ziehung der Tageslosung geschieht im kleinen Saal des Herrnhuter »Vogtshofes«. Aus rund 1 100 nummerierten Kärtchen werden hier immer im Frühjahr die alttestamentlichen Bibelverse gezogen.

Die Jahreslosung kommt indes nicht aus der Oberlausitz. Sie wird, wie auch die Monatssprüche, von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) festgelegt. Vertreter von Kirchenverbänden bestimmen in einem Wahlverfahren die Jahreslosungen und Monatssprüche vier Jahre im Voraus. Die aktuelle Situation spielt deshalb bei der Auswahl keine Rolle. Trotzdem passt die Jahreslosung für 2017 zum Reformationsgedenken.

Um die Verwirrung komplett zu machen: Der Wochenspruch, der unserem »Wort zur Woche« zugrunde liegt, hat weder mit der ÖAB noch mit Herrnhut etwas zu tun. Er ist in der sogenannten Perikopenordnung für die Predigttexte in der evangelischen Kirche festgelegt. Nachzulesen im Evangelischen Kirchengesangbuch.

Der Ordnung halber und von Herzen: Ein gesegnetes neues Jahr!

Willi Wild

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