Ein weltlich Ding

8. Juli 2017 von redaktionguh  
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Der Bundestag hat entschieden. Insgesamt stimmten 393 Parlamentarier mit Ja, 226 mit Nein. Danach können künftig homosexuelle Paare genauso heiraten wie Mann und Frau. Eine demokratische Entscheidung des Parlaments. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) begrüßt in seiner Stellungnahme das Votum. Weiter heißt es: »Die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau wird dadurch keineswegs geschmälert. Im Gegenteil – sie wird noch einmal unterstrichen.« Das sehen naturgemäß nicht alle Protestanten so.

Nach Luther ist die Ehe ein »weltlich Ding«. Das evangelische Eheverständnis ist davon geprägt. Von jeher versteht man darunter das geregelte Zusammenleben zwischen Mann und Frau. Die Ehe ziele vor allem auf die Gründung einer Familie, ist in der Agenda einer Landeskirche zur kirchlichen Eheschließung zu lesen. »Und schuf sie als Mann und Frau«, heißt es in 1. Mose 1, Vers 27 und in Vers 28: »Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde.« Dass die biblische Grundordnung kein Maßstab für die Mehrheit des Bundestages ist, erstaunt nicht. Für die EKD sollte sie das schon sein, glauben nicht nur Evangelikale.

»Versöhnen statt spalten« – dieses Motto verbindet sich mit dem politischen Leben von Johannes Rau. Das wünschen sich nicht wenige von ihrer Kirche. Mit ihrer Stellungnahme polarisiert die EKD und grenzt aus, wo sie doch genau das Gegenteil im Sinn hat. Der Rat der EKD ist die öffentliche Stimme der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er vertritt die Interessen von 20 Landeskirchen mit insgesamt 22 Millionen Gemeindegliedern. Und die können eigentlich mehr erwarten als die uneingeschränkte Zustimmung zur »Ehe für alle«.

Willi Wild

Generation 2017: Gebete, Schweiß und Reformation

4. Juni 2017 von redaktionguh  
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Fotos: Steffen Giersch, epd-bild, Willi Wild

Fotos: Steffen Giersch, epd-bild, Willi Wild

Das Festwochenende in der Lutherstadt

Als die Sonne über der Wittenberger Elbwiese aufging, erklang leise, sphärische Musik aus den Lautsprechern. Noch etwas müde wischte sich der Stuttgarter Pfarrer Dieter Heugel den Schlaf aus den Augen. Und auch Petra und Julia Zott aus Oberroth schälten sich aus ihren Schlafsäcken. Gemeinsam mit gut 10 000 anderen hatten sie unter freiem Himmel die »Nacht der Lichter« der Brüder aus Taizé miterlebt und gleich auf dem Festgelände übernachtet.

Impressionen vom  Festwochenende am Elbufer Fotos: Steffen Giersch, epd-bild, Willi Wild

Impressionen vom Festwochenende am Elbufer. Fotos: Steffen Giersch, epd-bild, Willi Wild

Auf der schattenlosen Festwiese waren in der Frühsommerhitze alle erdenklichen Arten von Sonnenschutz willkommen – Schlafsäcke aus der Nacht wurden zu Sonnensegeln umfunktioniert. Am Ende sind 120 000 Menschen zum Abschlussgottesdienst auf die Festwiese gekommen. Das sind deutlich weniger als die ursprünglich erhofften 200 000 Besucher. Der guten Stimmung tat das keinen Abbruch. »Ich glaube: Martin Luther wäre sehr zufrieden mit uns«, rief Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) der Kirchentagsgemeinde zu.

Und die erlebten in jedem Fall den größten Gottesdienst, den Deutschlands Protestanten im Lutherjahr 2017 feierten.

Fotos: Steffen Giersch, epd-bild, Willi Wild

Fotos: Steffen Giersch, epd-bild, Willi Wild

Entsprechend intensiv wurde der Reformator gewürdigt: »Man kann den Beitrag Martin Luthers zu dem Teil der Welt, der durch Europa beeinflusst ist, gar nicht hoch genug einschätzen«, sagte der südafrikanische Erzbischof Thabo Makgoba in seiner Predigt (siehe letzte Seite).

Der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, hoffte gar auf das Entstehen einer »Generation 2017, in der junge Leute aufbrechen«. »Eine Generation, die aus dem Reformationsjubiläumsjahr einen Neuaufbruch zum Glauben mitnimmt und uns alle einschließt«, so Bedford-Strohm.

Fotos: Steffen Giersch, epd-bild, Willi Wild

Fotos: Steffen Giersch, epd-bild, Willi Wild

Die Bundespolizei war mit mehr als 700 Einsatzkräften aus neun Bundesländern im Einsatz in Wittenberg und sicherte vor allem die An- und Abreise der Teilnehmer mit der Bahn. Die von der Bundeswehr über die Elbe errichtete Pontonbrücke war stark frequentiert. Schätzungen zufolge soll sie für den Hin- und Rückweg etwa 50 000 Mal genutzt worden sein. Die Bundeswehr hatte 250 Soldaten im Einsatz.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe war mit 750 Kräften für den Sanitätsdienst vor Ort. 715 Hilfeleistungen wurden regis­triert. Aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen litten die meisten Patienten unter Überhitzung und Überanstrengung, hieß es.

(GKZ/epd)


Schön war’s! Was bleibt?

4. Juni 2017 von redaktionguh  
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Ich stehe noch ganz unter dem Eindruck der Kirchentage auf dem Weg und bin beseelt vom Gemeinschaftserlebnis beim Festwochenende mit dem Abschlussgottesdienst in Wittenberg. Jetzt ist das lange vorbereitete und herbeigesehnte Ereignis schon wieder Geschichte. Eine schöne Geschichte, zumindest was die Ausführung anbelangt. Eine fröhliche Atmosphäre in den Städten, hilfsbereite Menschen mit orangen und grünen Tüchern auf den Straßen und Plätzen. Gesang, Gebete, Gottesdienste. Eine Vielfalt an Angeboten und sympathischen Festen des Glaubens.

Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer und Mitwirkenden hätte es nicht geklappt. Danke! Schade, dass das Engagement an manchen Stellen mangels Besuchern ins Leere gelaufen ist. In der öffentlichen Wahrnehmung spielten die Kirchentage auf dem Weg neben Berlin eine Nebenrolle. Sie hätten mehr Aufmerksamkeit verdient. In den westlichen Bundesländern waren die »kleinen« Kirchentage wenig bekannt. Für die, die kamen, war es ein Aha-Erlebnis.

Es war mutig und richtig, den Abschlussgottesdienst auf der Elbwiese vor den Toren der Lutherstadt zu feiern. Eine logistische Meisterleistung. Noch mutiger wäre es gewesen, den Kirchentag im Reformationsjahr ausschließlich den Lutherländern zu gönnen. Die Chance, eine der entkirchlichten Regionen Deutschlands ins Zentrum eines Kirchentags zu rücken, wird so schnell nicht wiederkommen.

Der Kirchentagszirkus zieht weiter. In zwei Jahren macht er in Dortmund Station. Bei den Kirchentagen traten Kirchenkreise und -gemeinden in den Austragungsorten an die Öffentlichkeit, wurden wahrgenommen. Wie das Himmelfahrtswochenende nachwirkt, dafür wird der Heilige Geist sorgen. Und: Reformation geht weiter!

Willi Wild

Evangelium hat Vorrang

1. Mai 2017 von redaktionguh  
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Landessynode debattiert über Strukturreform und lehnt geschlechtergerechte Sprache ab

Überlegungen zur Einführung freikirchlicher Strukturen in der verfassten Evangelischen Landeskirche Anhalts hat Kirchenpräsident Joachim Liebig eine Absage erteilt. Das bestehende System sei gewachsen und werde auch weiterhin Bestand haben, sagte Liebig auf der Frühjahrssynode in Alexisbad im Harz. Trotzdem sei es notwendig, sich über die Strukturen Gedanken zu machen, fügte er hinzu.

Dazu hat die Kirchenleitung ein Impulspapier veröffentlicht. Der Kirchenpräsident betonte, dass den Überlegungen immer vorangestellt sein sollte, was der Verkündigung des Evangeliums diene. Nichtsdestotrotz sei eine unabhängige Wirtschaftsprüfung beauftragt worden, die finanzielle Lage zu analysieren. Damit wolle man auch gegenüber dem Finanzbeirat der Evangelischen Kirche in Deutschland aussagefähig sein. Bei der Tagung nahmen die Diskussionen über die Zukunft der kleinsten Landeskirche in Deutschland breiten Raum ein. In Arbeitsgruppen erarbeiteten die Delegierten Vorstellungen und Thesen. Kirchenpräsident Liebig hob hervor, dass es schon einige schriftliche Rückläufe zum Impulspapier gebe. Allmählich komme die Diskussion darüber in Kreissynoden und Kirchengemeinden in Gang.

Eine Andacht mit Pfarrer Andreas Müller in der Petruskapelle Alexisbad bildete den Auftakt der zweitägigen Beratungen der anhaltischen Synode. Foto: Killyen/Landeskirche Anhalts

Eine Andacht mit Pfarrer Andreas Müller in der Petruskapelle Alexisbad bildete den Auftakt der zweitägigen Beratungen der anhaltischen Synode. Foto: Killyen/Landeskirche Anhalts

Nachgedacht wird auch über eine Neuorientierung in der sozialen Arbeit. Der Vorsitzende der Diakonie Mitteldeutschland, Oberkirchenrat Eberhard Grüneberg, warb für die Einführung einer hauptamtlichen Gemeindediakonie. Auf Gemeindeebene sei die soziale Arbeit zugunsten der professionellen Hilfe in staatlich finanzierten Einrichtungen zurückgetreten. Dabei sei aber deutlich geworden, dass es soziale Problemlagen gebe, die die institutionalisierte Diakonie nicht erfassen könne. Eine Gemeindesozialarbeit sollte dabei als »Scharnier« dienen, das die Kirchengemeinde und die eigenständigen diakonischen Träger miteinander verbindet, sagte Grüneberg.

Die Synode sprach sich zudem gegen eine Verfassungsänderung aus. Damit sollte eine geschlechtergerechte Sprache eingeführt werden. Nur 23 der 33 Synodalen stimmten für den Entwurf. 25 Ja-Stimmen wären für eine Verfassungsänderung notwendig. Einige der Synodalen hielten die Änderungen für überflüssig, dem Zeitgeist geschuldet und die Hinzufügung der weiblichen Form für sprachlich ungelenk. In der Neuformulierung der Verfassung sollten es beispielsweise »Pfarrerinnen und Pfarrer« und »Kirchenpräsidentin und Kirchenpräsident« heißen. Der stellvertretende Synodenpräses Wolfram Hädicke verteidigte die Änderungen: »Der Entwurf geht stärker darauf ein, dass Frauen verantwortlich mitarbeiten.« Die Ablehnung könnte als Signal missverstanden werden, dass die männerdominierte Landessynode die gleichberechtigte Mitarbeit von Frauen nicht schätze. Vor allem die vier Vertreterinnen im Kirchenparlament nahmen das Wahlergebnis mit Unverständnis zur Kenntnis.

In seinem Bericht über die Aktivitäten während des Reformationssommers räumte Pfarrer Andreas Janßen ein, dass bei den Vorbereitungen nicht alles rund laufe. Es mangele an ehrenamtlichen Mitarbeitern, und auch die Anmeldezahlen lägen hinter den Erwartungen zurück. »Der Reformationssommer ist eine Bürde für unsere kleine Landeskirche, aber er ist keine Last«, sagte Janßen. Er sehe auch eine Chance. Die Landeskirche werde in der Öffentlichkeit wahrgenommen, sei im Gespräch und werde auch kritisch hinterfragt.

Willi Wild/epd

Anspruch und Wirklichkeit

30. April 2017 von redaktionguh  
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Für diese Form der Basis-Demokratie beneiden uns katholische Christen. Die evangelische Landessynode ist nicht nur das oberste Entscheidungsorgan der EKM. Besetzt mit Laien und hauptamtlichen Vertretern aus den Kirchenkreisen, ist sie auch ein Seismograf für die Stimmung in den Kirchengemeinden.

Dass sich die Themen, die die Gemeindeglieder derzeit bewegen, nicht oder nur am Rande in der Tagesordnung wiederfinden, ist dabei nicht der Synodenleitung anzulasten. Jedes Kirchenmitglied kann Anträge über die gewählten Vertreter einbringen. Angesichts der hohen Krankenstände und Vakanzen in den Kirchengemeinden, eines scheinbar geistlichen Notstandes in den ländlichen Regionen, erwartet man anderes. Die Ächtung von Kriegswaffen, die fleischfreie Versorgung bei den Tagungen oder das Wahlkampfthema »Ehe für alle« sind ehrenwerte Debatten-Themen. Aber sollte nicht sprichwörtlich die Kirche im Dorf bleiben?

In einem Antrag heißt es, die EKM möge zur »Kirche des gerechten Friedens« werden. Doch wie ist es um den innerkirchlichen Frieden bestellt? Eine Synodale beklagt, dass die Entscheidungsträger kaum Verständnis für das Anliegen der ländlichen Kirchenkreise aufbrächten. Es fehle ihrer Meinung nach am räumlichen, emotionalen oder persönlichen Bezug zum Pfarrland.

Die Lutherstadt Wittenberg ist gut gewählt als Ort für die Synodentagung im Reformationsjahr. Hier hat man schon vor 500 Jahren heftig debattiert und dem Volk aufs Maul geschaut. Auf das Ergebnis komme es an, so der Wunsch einer Synodalen 2017: »Ich erwarte von der Tagung Austausch, Gespräche und Impulse für die Arbeit in unserem Kirchenkreis und für unsere ganze Landeskirche.«

Willi Wild

Wenn die Seelsorger fehlen

28. April 2017 von redaktionguh  
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Frühjahrssynode: Das mitteldeutsche Kirchenparlament tagt vom 27. bis 29. April in der Lutherstadt Wittenberg. Dabei geht es den Vertretern der Kirchenkreise und der Kirchenleitung aber nur am Rande um das Reformationsjubiläum.

Die Kirchenälteste ist aufgebracht. E-Mobilität im Verkündigungsdienst sei ja schön und gut. Aber in ihrer Kirchengemeinde hätten sie schon seit Monaten keinen Pfarrer und müssten die Gottesdienste selbst gestalten. Dazu fehle aber die Anleitung oder Unterstützung. Auch im Kirchenkreis von Bernhard Voget sieht man sich aktuell mit einem hohen Krankenstand konfrontiert. Der Agrarökonom aus Körner, der bei der Landessynode den Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen vertritt, beschreibt eine Sehnsucht in den Gemeinden nach geistlicher Leitung. »Wir brauchen mehr Pfarrer« sei eine oft gehörte Forderung. Vertretungsregelungen sind wegen der Arbeitsbelastung der Hauptamtlichen und der fehlenden Ehrenamtlichen oft schwierig. Das Problem der Vakanzen kennt auch Angelika Greim-Harland. Die Superintendentin des Kirchenkreises Arnstadt-Ilmenau hat derzeit vier verwaiste Pfarrstellen zu besetzen. »Wir suchen nach Möglichkeiten, den Verkündigungsdienst von Verwaltungsaufgaben zu entlasten«, beschreibt sie den Versuch, das Gemeindeleben vor Ort zu organisieren.

Synodenpräses Dieter Lomberg sieht vor allem in der Stärkung der Lektorendienste und der Fortbildung der ehrenamtlichen Prediger eine Möglichkeit, das gottesdienstliche Leben in ländlichen Gebieten abzusichern. In seinem Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt würde die Schulung für Lektoren gut angenommen, so Lomberg. Aber er stelle immer wieder fest, dass die Angebote in vielen Kirchengemeinden oft nicht bekannt seien.

In Wartestellung: Noch ist der Tagungsraum im Wittenberger Luther-Hotel leer, vom 27. bis 29. April beraten hier die EKM-Synodalen. Foto: Luther-Hotel Wittenberg

In Wartestellung: Noch ist der Tagungsraum im Wittenberger Luther-Hotel leer, vom 27. bis 29. April beraten hier die EKM-Synodalen. Foto: Luther-Hotel Wittenberg

Ähnlich sei es bei der Wahrnehmung der Synodenbeschlüsse, so Lomberg. Sie kämen zum Teil nicht in den Gemeindekirchenräten an oder würden nicht verstanden. Die Kommunikationswege müssten hier noch mal überdacht und verbessert werden. Bernhard Voget hält es für entscheidend, dass sich die Gemeindeglieder in den Anträgen und Beschlüssen zur Synode wiederfinden und diese nachvollziehen können.

Als Beispiel nannte er das Thema Kindergottesdienst, das über den Evaluationsbericht Teil der Tagesordnung bei der Synodentagung in Wittenberg sein wird. »Als Familienvater bin ich glücklich, wenn es unseren Gemeinden möglich ist, entsprechende Angebote zu schaffen.« Allerdings könne er in einigen der Anträge nicht erkennen, dass sie der Lebenswirklichkeit der Gemeindeglieder entsprächen. Das hänge natürlich auch immer von den Anträgen und Eingaben ab.

Die Themen Ehrenamt und die Organisation des Gemeindelebens ohne hauptamtlichen Verkündiger seien diesmal nicht auf der Tagesordnung der Landessynode, so Präses Lomberg. Er kündigte aber im Gespräch mit der Kirchenzeitung an, dass sich demnächst die Jugendsynode damit befassen wolle. Die Tagesordnung der Frühjahrstagung der mitteldeutschen Landessynode ist wieder sehr vielfältig und breit gefächert. Neben Änderungen zum Gemeindekirchenratsgesetz oder dem Kirchengemeindestrukturgesetz liegen Anträge zur Ächtung von Kriegswaffen, zur Gleichstellung von Lebenspartnerschaften mit der Ehe oder für die fleischfreie Verpflegung zu den Synodentagungen vor.

Superintendentin Greim-Harland will sich in Wittenberg für eine Flexibilisierung des Mitteleinsatzes in den Kirchengemeinden verwenden. Kirchenkreise sollen dadurch die Möglichkeit bekommen, Einnahmen, zusätzlich zum bestehenden Stellenplan, für Personalkosten im Verkündigungsdienst einzusetzen. Eine Änderung des Finanzgesetzes hat hierzu der Kirchenkreis Stendal beantragt.

Dass bei all den organisatorischen und strukturellen Fragen sowie den inhaltlichen Debatten die Kernthemen Glaube und Spiritualität nicht zu kurz kommen, ist den Synodalen Greim-Harland und Voget wichtig zu betonen. Wittenberg sei im Reformationsjahr ein guter Ort für eine Synodentagung, um darüber nachzudenken, »wie wir Gemeinde sein wollen und was uns der Glaube bedeutet«, so Greim-Harland.

Willi Wild

Kirche auf dem Weg

23. April 2017 von redaktionguh  
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Vor 100 Jahren endete das »landesherrliche Kirchenregiment«, das einst die protestantischen Fürsten in ihren Staatsgebieten installierten. Übrig geblieben ist ein Landeskirchentum mit 20 eigenständigen Einheiten unter dem Dach der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Auf den Mitgliederschwund reagierte man mit Zusammenschlüssen. Anhalt hat bislang selbstbewusst widerstanden, ohne sich ökonomischen Überlegungen zu verschließen. So ist die Landeskirche Teil der Diakonie Mitteldeutschland im Verbund mit der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Was spräche also dagegen, auch eine landeskirchliche Verwaltungsgemeinschaft einzugehen. Die identitätsstiftende Komponente müsste dabei nicht aufgegeben werden. Vielleicht wäre es auch lohnend, über eine Landeskirche neuen Typs nachzudenken, ohne vorgegebene Strukturen. Das entspräche dem apostrophierten Laborcharakter der kleinen Kirche.

Die Herausforderungen, vor der die Landeskirche Anhalts steht, sind auch den größeren Landeskirchen nicht fremd. Die kleine Einheit könnte ein Modell sein. Das bedarf des Blickwechsels, weg von den Zahlen und Bilanzen, hin zu den Menschen. Das tut man in Anhalt bereits und ist damit auf einem guten Weg. Die Selbstständigkeit ist ein ehrenwertes Ziel, die bestmögliche Verkündigung des Evangeliums ein lohnenswertes.

Die Frage, ob die Landeskirche ohne Finanzausgleich leben könnte, ist hypothetisch. Ich glaube schon, denn Not macht erfinderisch. Das Land der Frühaufsteher, in dem Johann Sebastian Bach, der Ingenieur Hugo Junkers oder der Homöopath Samuel Hahnemann wirkten, könnte doch auch hier für eine Überraschung gut sein.

Willi Wild

Anhalt: Größe im Kleinen

21. April 2017 von redaktionguh  
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Die Zukunft der kleinsten evangelischen Landeskirche scheint ungewiss. Bis 2025 soll die Evangelische Landeskirche Anhalts verändert werden.

Für Joachim Liebig ist es zum beruflichen Lebensthema geworden. Der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts kommt aus der zweitkleinsten evangelischen Landeskirche, Schaumburg-Lippe. Seit acht Jahren steht er der kleinsten Glied­kirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vor. Gemessen an der Mitgliederzahl der Landeskirche Hannover, mit 2,6 Millionen die größte Gliedkirche im EKD-Verbund, nimmt sich die Zahl der Gemeindeglieder von 34 500 in Anhalt bescheiden aus.

Eine Andacht in der Petruskapelle (Foto) bildet den Auftakt der Landessynode der Evangelischen Landeskirche Anhalts am 21. und 22. April in Alexisbad im Harz. Das kleine Holzgebäude wurde 1812 nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel als Teehäuschen errichtet. Da Alexisbad über keine Kirche verfügte, gab es dort auf Anordnung von Herzogin Friederike von Anhalt-Bernburg Gottesdienste, bevor es schließlich zur Kapelle umgebaut wurde. Foto: Evangelische Landeskirche Anhalts

Eine Andacht in der Petruskapelle (Foto) bildet den Auftakt der Landessynode der Evangelischen Landeskirche Anhalts am 21. und 22. April in Alexisbad im Harz. Das kleine Holzgebäude wurde 1812 nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel als Teehäuschen errichtet. Da Alexisbad über keine Kirche verfügte, gab es dort auf Anordnung von Herzogin Friederike von Anhalt-Bernburg Gottesdienste, bevor es schließlich zur Kapelle umgebaut wurde. Foto: Evangelische Landeskirche Anhalts

In den Nachbarkirchen ist das die Größenordnung für Kirchenkreise. Davon hat man in Anhalt fünf, zu denen rund 150 selbstständige Kirchengemeinden gehören. Neben 54 Pfarrerinnen und Pfarrern sowie 39 hauptamtlich Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst müssen die Landeskirche und ihre Gemeinden eine Verwaltung vorhalten.

Vor 15 Jahren gab es Sondierungsgespräche mit der Thüringer Landeskirche und der Kirchenprovinz Sachsen über eine Kooperation. Am 16. November 2002 lehnte die anhaltische Synode allerdings den Beitritt zu einem mitteldeutschen Kirchenverbund ab und sprach sich damit für den Erhalt der »anhaltischen Identiät« aus. Zeitgleich stimmte damals die Synode der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz mit knapper Mehrheit für einen Zusammenschluss mit der Berlin-brandenburgischen Kirche.

Das Ziel, damit den Protestantismus zu stärken, scheint heute obsolet. Die Mitgliederzahl hat sich seit dem Zusammenschluss 2004 nahezu halbiert und in der öffentlichen Wahrnehmung spielt die schlesische Oberlausitz kaum eine Rolle. Das sind die Befürchtungen und das stärkste Argument der Anhalter, an ihrer Eigenständigkeit festzuhalten. Die Landeskirche ist die einzig verbliebene öffentlich-rechtliche Einrichtung in den Grenzen des Herzogtums Anhalt, wird argumentiert. Im »zusammengesetzten« Bundesland Sachsen-Anhalt habe die 400 Jahre alte Landeskirche eine wichtige identitätsstiftende Aufgabe.

Nach außen wird es allerdings immer schwieriger, die Strukturen zu rechtfertigen. Vor allem die Geber-Landeskirchen halten das kleine Gebilde hinter vorgehaltener Hand für nicht überlebensfähig. Ein Viertel des anhaltischen Haushalts kommt aus dem gemeinsamen Topf des Finanzausgleichs der EKD. Die demografische Entwicklung tut ein Übriges. Die Zahl der Kirchensteuerzahler hat sich seit den Föderationsgesprächen vor 15 Jahren – wie auch in der Nachbarkirche EKM – halbiert. Der Pfeil zeigt weiter nach unten.

Ein Anschluss an eine der Nachbarkirchen scheint, zumindest offiziell, derzeit kein Thema. Anhalt will es aus eigener Kraft schaffen. Der Reformstau müsse aufgelöst werden, so Wolfram Hädicke vom Synodenpräsidium. Dass Anhalt leistungsfähig sein kann, zeigt die Spendenbereitschaft. Bei der jährlichen Aktion von »Brot für die Welt« stehen die Kirchenmitglieder, umgerechnet auf die Gemeindegliederzahlen, im bundesweiten Vergleich an erster Stelle. Auch der Gottesdienstbesuch lässt hoffen. Die Landeskirche Anhalts liegt mit 5 Prozent auf Platz 2, hinter Sachsen, vor Württemberg.

Im Reformationsjahr will das kleine Anhalt ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Als eine der tratitionsreichsten Kulturregionen Deutschlands und bedeutender Schauplatz der Reformation. Mutig organisiert man in Dessau-Roßlau einen Kirchentag auf dem Weg, in der Hoffnung, dass die Mühen mit Publikum belohnt werden.

Die Eigenständigkeit der Landeskirche steht auf der Synode in Alexisbad nicht zur Debatte. Der Tagesordnungspunkt 14, Gesprächsimpuls »Zukunft der Landeskirche« mit Kaffee, lässt allerdings auf mehr als ein gemütliches Beisammensein hoffen.

Willi Wild

Trauer und Erlösung

26. März 2017 von redaktionguh  
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So war das nicht gedacht. Mein Kommentarthema sollte die Aktion von Aldi-Süd sein: Ostern einfach erklärt – Warum feiern wir eigentlich Ostern? Doch in der vergangenen Nacht ist meine Mutter gestorben. Mein Herz ist voll Trauer und wehmütiger, guter Gedanken an sie. Zwei Jahre nach meinem Vater ist sie gegangen. Ich habe meinen Eltern viel zu verdanken. Sie waren Vorbilder im Glauben, haben mich in Höhen und Tiefen begleitet, mir unglaublich viel Gutes mitgegeben und waren da, wenn ich sie brauchte.

Ganz ehrlich, zu Jesu Tod und Auferstehung hatte ich bislang keine emotionale Beziehung. Die Passionszeit gehörte zum Kirchenjahr, war Tradition. Dass Jesus am Kreuz für mich gestorben ist, habe ich zwar gehört, aber stark berührt hat mich das nicht. Jetzt merke ich, dass es eine dunkle Vorstellung wäre, sollte mit dem Tod alles aus sein. Jesus hat den Tod am Kreuz überwunden. Das hat er seinen Jüngern gesagt, erfahre ich auch aus der Osterbroschüre für Kinder von Aldi. Und weiter heißt es da: »Ostern ist das wichtigste Fest der christlichen Kirche. Christen auf der ganzen Welt feiern die Auferstehung von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.«

Heute nehme ich Abschied von meiner Mutter. Ich bin mir sicher, es wird kein Abschied für immer sein. Wir sehen uns im Himmel oder wenn Jesus wiederkommt. Das ist eine Gewissheit, die ich spüre und die mir meine Mutter am Kinderbett vorgesungen hat: »Solang mein Jesus lebt und seine Kraft mich hebt, muss Furcht und Sorge von mir fliehn, mein Herz in Lieb erglühn.«

Ich darf traurig sein, aber ich habe auch eine starke Hoffnung. Der Frühling beginnt erst. »Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht« (Lukas 21, Vers 28).

Willi Wild

Nächstenliebe verlangt Klarheit

26. März 2017 von redaktionguh  
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Populismus: EKM will die inhaltliche Auseinandersetzung befördern


Christen und Populismus in der Kirche. Darüber sprach Willi Wild mit dem Leiter des Personaldezernats, Oberkirchenrat Michael Lehmann, und Oberkirchenrat Christian Fuhrmann, dem Leiter des Dezernats Gemeinde in der EKM.

Haben Sie Kenntnis von rechtspopulistischen Tendenzen in der EKM?
Lehmann:
Lassen Sie mich, bevor ich auf Ihre Frage antworte, zwei Dinge sagen. Zunächst: Das Personaldezernat spürt nicht den politischen Überzeugungen der Pfarrerschaft und der kirchlichen Mitarbeiter nach. Für uns ist lediglich maßgebend, dass die Glaubwürdigkeit unserer christlichen Botschaft nicht verletzt und der Dienst nicht beeinträchtigt wird. Wir als Landeskirche vertrauen darauf, dass unsere Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst wissen, dass sie an alle ihre Gemeindeglieder gewiesen sind und nicht nur an diejenigen mit gleicher politischer Präferenz.

Zweitens: Die Kirche ist Teil der Gesellschaft, und gesamtgesellschaftliche Tendenzen finden sich auch in unserer Kirche wieder. Im Blick auf unsere Mitarbeitenden ist das im
Prinzip nicht anders. Allerdings sehe ich, wie viele von ihnen sich glaubwürdig gegen Verachtung und Ressentiments aussprechen und auch selbst beispielhaft handeln, indem sie etwa angesichts der Flüchtlinge vor Ort konkrete Hilfe geleistet und organisiert haben.

Nun zu Ihrer Frage: Ja, in der jüngsten Vergangenheit gab es in der EKM einen Fall: Ein Gemeindepädagoge hatte sich aktiv an einer rechtsextremistisch motivierten Demonstration beteiligt. Nach entsprechenden Personalgesprächen blieb dem Kirchenkreis keine andere Möglichkeit, als sich von diesem Mitarbeiter zu trennen. Der Fall kam vor das Arbeitsgericht, das aber hat uns klar in dieser Entscheidung bestätigt.

Fuhrmann: Auch bei ehrenamtlich in der EKM Engagierten gibt es keine Abfrage nach der Parteizugehörigkeit. Die Kirchengemeinden sind immer auch ein Spiegel der Gesellschaft und damit gesellschaftspolitischer Positionen. Entscheidend ist für mich dabei, ob es uns gelingt, ein christlich motiviertes Gespräch mit allen hinzubekommen. Ich vermute aber, dass derzeit in den Kirchengemeinden die unterschiedlichen Positionen kaum zur Sprache kommen, weil es schwierig ist, die konträren Standpunkte zusammenzubringen.

Wie schätzen Sie auf der anderen Seite die Bedrohung von Pfarrern in der EKM ein, die sich klar gegen rechte Gesinnung wenden?
Lehmann:
Tatsächlich werden Pfarrerinnen und Pfarrer unserer Landeskirche Opfer von Herabwürdigung und Bedrohung im Internet. Als ein Beispiel nenne ich unsere Landesbischöfin, die leider immer wieder zum Ziel rechtsradikaler Hetze wird. Im Fall eines Thüringer Pfarrers nahm die Androhung von Gewalt gegen ihn und seine Familie solche Ausmaße an, dass wir ihm die Aufhebung der Dienstwohnungspflicht angeboten haben. Gerade wer sich für einen mitmenschlichen Umgang mit Menschen anderer Sprache und Herkunft einsetzt, merkt: Das Doppelgebot der Liebe war nicht nur zur Zeit Jesu, sondern ist auch heute für viele ein Ärgernis. Ich sehe aber gerade da, spätestens seit Beginn der Flüchtlingskrise, eine große Glaubensgewissheit und Klarheit in unserer Pfarrerschaft. Das beeindruckt mich sehr.

Wie begegnet die EKM populistischen Tendenzen in Kirchengemeinden?
Fuhrmann:
Aus dem Landeskirchenamt heraus können wir erst mal wenig tun. Was ich als Aufgabe sehe, ist, dass wir immer wieder Impulse setzen für das Gespräch. Wir möchten ermutigen und einladen zur Debatte. Die Initiative sollte aber aus den Kirchengemeinden kommen. Wir unterstützen Angebote der Gemeinden und Einrichtungen, wo es um Begegnung geht, und stehen gern beratend zur Seite.

www.ekmd.de/kirche/themenfelder/rechtsextremismus

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