Im Sinne von Moses Mendelssohn

13. Februar 2017 von redaktionguh  
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Das Motto des Dessau-Roßlauer Kirchentages: »Forschen.Lieben.Wollen.Tun«

Wer sich das Programm für den Kirchentag auf dem Weg in Dessau-Roßlau anschaut, kann die Frage »Wo gehe ich hin?« nicht so leicht beantworten. Am 25. Mai, dem Himmelfahrtstag, geht es ja noch: tagsüber die Welterbe-Region entdecken oder die »Schatzkammer der Reformation«-

In der Marienkirche zu Dessau wird zum Kirchentag unter anderem die Ausstellung »FrauenERLeben in Anhalt« gezeigt. Foto: Johannes Killyen

In der Marienkirche zu Dessau wird zum Kirchentag unter anderem die Ausstellung »FrauenERLeben in Anhalt« gezeigt. Foto: Johannes Killyen

Ausstellung im Johannbau besichtigen, am Abend den ökumenischen Gottesdienst auf dem Markt besuchen und sich danach zum Anhaltmahl in der Innenstadt niederlassen, später durch die Museen schlendern oder das Konzert in der Marienkirche besuchen. Am Freitag und Sonnabend fällt die Auswahl schwer: Bibelarbeiten, Andachten, Stundengebete, offenes Singen, Vorträge, Workshops und Podien, das Anhalt-Dorf, in dem sich Kirchengemeinden, die Anhalt-Städte und Vereine präsentieren, Angebote für Familien, Kinder, Jugendliche, Stadtführungen und Anhalt-Touren, Frauenmahl und Konzerte …

Das Motto des Kirchentages – »Forschen.Lieben.Wollen.Tun« – bezieht sich auf einen Satz des in Dessau geborenen jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn (1729–1786): »Nach Wahrheit forschen, Schönes lieben, Gutes wollen, das Beste tun.« Dies sei »die Bestimmung des Menschen«. Er formulierte das in einer Zeit, in der die Religionen in der Gesellschaft untereinander neu und umfassend diskutiert wurden. Mendelssohns Worte zur Besinnung auf die Balance von Geist und Gefühl, Wollen und Handeln sind noch immer aktuell. Sie spiegeln sich im Programm des Kirchentages: Gefragt wird, ob »Alt werden – Last oder Lust?« bedeutet. Diskutiert wird über das Gesamtkonzept Elbe und über die »Wilde Mulde«. In einem interreligiösen Gespräch geht es um das Leben in einer multikulturellen Gesellschaft, in Vorträgen um »Dessau und Moses Mendelssohn – Die lange Geschichte eines schwierigen Beziehung« oder »Toleranz und Intoleranz in der hebräischen Bibel«. Glaubensthemen werden in den Podien »Glauben verbindlich leben« oder »Was bedeutet Religion in meinem Leben?« erörtert.

Zu den kulturellen Höhepunkten zählen die Aufführung des Trinitatis-Oratoriums des Bernburger Kirchenmusikers Sebastian Saß am 26. Mai in St. Johannis, das Festkonzert »Preisen.Singen.Jubilieren« der Anhaltischen Philharmonie am 27. Mai auf dem Markt und die »Nacht der Religionen« am Sonnabend, zu der Kirchen und Gemeinden verschiedener Glaubensrichtungen geöffnet sind. Eher an Besucher von auswärts richten sich die Angebote zu Stadtführungen und die »Anhalttouren« nach Wörlitz und in andere Städte.

Ohne Partner könnte die Landeskirche Anhalts den Kirchentag, zu dem etwa 5 000 Besucher erwartet werden, kaum ausrichten. Neben ihr und ihren Kirchengemeinden ist die Stadt Dessau-Roßlau der Hauptakteur, weitere Mitwirkende sind Institutionen, Initiativen und Gruppen in der Region – etwa das Anhaltische Theater, das Umweltbundesamt oder die Hochschule Anhalt. »Dessau-Roßlau beteiligt sich mit 50 000 Euro an der Finanzierung des Kirchentages auf dem Weg«, sagt Andreas Janßen vom landeskirchlichen Projektbüro »Luther 2017«. Hinzu komme eine »hohe Summe unbarer Leistungen«. Als Partner würden die Landeskirche und die Stadt sehr gut zusammenarbeiten. Überhaupt sei der Kirchentag auf dem Weg eine Chance für die Region, Menschen aus Nah und Fern für Geschichte und Gegenwart in Anhalt zu interessieren und gute Gastgeber zu sein.

Angela Stoye

www.landeskirche-anhalts.de

Architektonische Vielfalt

22. August 2016 von redaktionguh  
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Schau in Wörlitz: Schöne Dorfkirchen in Anhalt

Die Ausstellung über schöne Dorfkirchen in Anhalt hat die Kunsthistorikerin Sonja Hahn zusammengestellt. Foto: Thomas Klitzsch

Die Ausstellung über schöne Dorfkirchen in Anhalt hat die Kunsthistorikerin Sonja Hahn zusammengestellt. Foto: Thomas Klitzsch

Modelle, Fotos und Zeichnungen anhaltischer Dorfkirchen sind vor kurzem in die Wörlitzer Petrikirche eingezogen. Erstmals konnten Besucher sie am 13. August bewundern. Unter dem Motto »Die Schönen vom Lande« gibt die Ausstellung einen Überblick über die architektonische Vielfalt der Kirchengebäude. Die Kunsthistorikerin Sonja Hahn hat Exponate aus dem Dorfkirchenmuseum in Garitz im Kirchenkreis Zerbst für die Wochen bis 11. September nach Wörlitz umgesetzt. Das Motto des diesjährigen Gartenreichtages – »Gut gebaut – Bau.Kunst.Landschaft« – sei Anlass gewesen, den Blick von Besuchern der Petrikirche und des Bibelturms auf die entsprechenden Schätze in Anhalt zu richten, so die Vorsitzende der Stiftung Entschlossene Kirchen.

Der Besucherblick richtet sich zuerst auf ein sehr großes Modell, das alle anderen überragt. Es ist die Nicolaikirche in der Stadt Zerbst, wie sie bis zu ihrer Zerstörung im April 1945 aussah. Daneben zeigt ein Foto den Jetzt-Zustand. Die Dorfkirchenmodelle stehen exemplarisch für die Vielfalt des Kirchenbaus über die Jahrhunderte: zum Beispiel die um 1190 erbaute Feldsteinkirche in Streetz; die Garitzer Feldsteinkirche aus dem 14. Jahrhundert; die 1717 erbaute Fachwerkkirche in Nedlitz; die ab 1742 errichtete Bonifatiuskirche in Hundeluft, ein Zentralbau mit westlich vorgesetztem Turm, oder die Petrikirche in Bonitz von 1882, deren Grundriss ein nahezu gleicharmiges Kreuz ist. Zu jeder Kirche gibt es weiterführende Informationen. Innenräume sind auf Fotos des Architekturfotografen Hans-Joachim Budeit zu sehen. Filigrane Zeichnungen von Dorfkirchen, die die Felder von Paravents ausfüllen, hat Dr. Lutz Meixner aus Dessau geschaffen.

Neue Ideen für das Kirchlein in Kerchau

Ein Beispiel dafür, dass alte Kirchen nicht nur bewahrt werden, sondern auch Neues einziehen kann, ist das von der Landeskirche Anhalts initiierte Kerchau-Projekt. Studierende des Fachbereichs »Bild Raum Objekt Glas« der renommierten Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle haben im vergangenen Jahr für die kleine, spätmittelalterliche Dorfkirche in Kerchau bei Zerbst Fenster und liturgische Ausstattungselemente entworfen. Die Kerchauer Kirche eignet sich besonders dafür, denn von ihrer barocken Ausstattung sind lediglich die einfache Kanzel, ein hölzernes Taufbecken und Teile des Gestühls erhalten geblieben. Einzige Vorgabe an die Studierenden war, dass der Kirchenraum als Gottesdienstraum erkennbar, die alte Ausstattung erhalten bleiben und die Kirche nicht zum »Kunstraum« verfremdet werden sollte. Drei Ergebnisse empfahl im Januar eine Jury für die mögliche Umsetzung. In Wörlitz wird darüber anhand eines Modells, und zum Mitnehmen mit einer Broschüre informiert.

Wer mehr wissen und sehen will, ist eingeladen, sich selbst auf Entdeckungstour zu den Dorfkirchen in den Kirchenkreis Zerbst zu begeben. Gern organisiert die Stiftung Entschlossene Kirchen auch Kirchentouren für (Gemeinde-)Gruppen.

Angela Stoye

Zu sehen bis zum Tag des offenen Denkmals am 11. September zu den Öffnungszeiten der Petrikirche, Dienstag bis Sonnabend von 11 bis 17 Uhr, Sonntag von 12.30 bis 17 Uhr.
Kontakte für Kirchenbesuche und -touren unter www.kirchenstiftung-zerbst.de

Feste lernen auf dem Weg nach oben

27. Juni 2016 von redaktionguh  
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Planung: Im Wörlitzer Bibelturm wird 2017 eine neue Dauerausstellung eröffnet

Der Bibelturm in Wörlitz, eine ökumenische Initiative in Anhalt, bekommt eine neue Dauerausstellung. Die derzeitige, 2009 eröffnete Schau »Zwischen Himmel und Erde« ist nur noch bis zum Saisonende im Oktober zu sehen. Angela Stoye sprach mit der Kuratorin Annett Helmecke-Possehl über den Stand der Vorbereitungen für 2017.

Frau Helmecke-Possehl, wie kommen Sie und die Gruppe voran?
Helmecke-Possehl:
Sehr gut. Die Planungen für die Ausstellung sind inhaltlich bereits sehr weit fortgeschritten. Jetzt geht es an die gestalterische Umsetzung. Die neue Schau wird den doppeldeutigen Titel »feste feiern« tragen und über den kirchlichen Jahresfestkreis informieren. Unten wird es einen Überblick über alle Feste geben. Dann geht es über die drei Ebenen zuerst um den Weihnachtsfestkreis von Advent bis Epiphanias, dann weiter zu Passion und Ostern und schließlich im obersten Raum um Himmelfahrt und Pfingsten.

Die Theologin und Historikerin Annett Helmecke-Possehl ist in einem Teil ihrer Arbeitszeit als Kuratorin für die neue Ausstellung zuständig. Foto: Lutz Sebastian

Die Theologin und Historikerin Annett Helmecke-Possehl ist in einem Teil ihrer Arbeitszeit als Kuratorin für die neue Ausstellung zuständig. Foto: Lutz Sebastian

An wen richtet sich die Schau?
Helmecke-Possehl:
Unsere Hauptzielgruppe sind Touristen, die im Dessau-Wörlitzer Gartenreich unterwegs sind und zur Plattform auf den 66 Meter hohen Turm aufsteigen, um die Aussicht zu genießen. Die meisten von ihnen gehören wohl nicht der Kirche an. Sie wollen wir auf dem Weg nach oben, der durch die Turmzimmer führt, in die Ausstellung hineinziehen. Dabei wollen wir am Alltag der Menschen von heute anknüpfen und sie einladen, etwas über die christlichen Wurzeln unseres Lebens zu erfahren.

Wie soll das umgesetzt werden?
Helmecke-Possehl:
Es wird eine Entdeckungsausstellung! Es wird Dinge zum Anfassen geben, zum Bewegen, zum Öffnen. Die Nischen im Aufgang werden mit einbezogen. Die Besucher können zum Beispiel moderne Medien nutzen oder Rätsel lösen und sich so Schritt für Schritt die Inhalte erschließen. Das Kirchenjahr soll auf diese Weise greifbar werden, sich selbst erklären. Gruppen können Führungen vereinbaren. Daran, wie alles gestaltet werden soll, arbeitet die ökumenische Vorbereitungsgruppe gerade. Auf jeden Fall werden die liturgischen Farben des Kirchenjahres eine Rolle spielen.

Logo-feste-feiernWer finanziert die neue Ausstellung?
Helmecke-Possehl:
Das Geld dafür kommt aus verschiedenen Quellen. Es sind Eigenmittel des Bibelturmes vorhanden. Die Landeskirche Anhalts als Träger des Bibelturmes finanziert nicht nur den Haushalt mit den Stellen der Mitarbeiter, sondern fördert die neue Ausstellung auch finanziell. Zudem sind Anträge auf Fördermittel gestellt. Leider gab es da bereits eine Absage. Aber der ökumenische Verein »Andere Zeiten« aus Hamburg hat uns 20 000 Euro gespendet. Das ist ein gutes Polster, jedoch sind weitere Spenden willkommen. Für die neue Ausstellung insgesamt sind rund 55 000 Euro veranschlagt.

Wann wird eröffnet?
Helmecke-Possehl:
Zum Beginn der Saison 2017, die, wie im Bibelturm üblich, auf den Palmsonntag fällt. Interessenten lade ich schon jetzt ein, am 9. April in Wörlitz vorbeizukommen.

www.bibelturm.de

»Die Themenkirchen sind ein absoluter Zugewinn«

8. März 2016 von redaktionguh  
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Tourismus: Auch die Landeskirche Anhalts wirbt auf großen und kleineren Reisemessen um Besucher

Ob in Gernrode, Köthen oder in Wörlitz: Touristen sehen sich gerne Kirchen an. Doch auch kleine Dorfkirchen sind einen Besuch wert. Angela Stoye sprach mit dem Verantwortlichen für Kirche, Kultur und Tourismus in Anhalt, Andreas Janßen, darüber, was die Landeskirche tun kann, um Besucher auch dorthin zu locken.

Alles strömt vom 9. bis 13. März zur Internationalen Tourismusbörse (ITB) nach Berlin. Anhalt auch?
Janßen:
Aus Kosten- und anderen Gründen nur indirekt. Anhalt ist seit diesem Jahr Mitglied im Verein »Welterbe Region Anhalt-Dessau-Wittenberg«, der seinen Sitz in Wittenberg hat, und deshalb auch auf der weltgrößten Reisemesse mit dabei ist. Dort werden wir unter anderem unseren »Kirchentag auf dem Weg« vom 25. bis 27. Mai 2017 in Dessau-Roßlau vorstellen. Überhaupt spielen bei der Landespräsentation von Sachsen-Anhalt das Reformationsjubiläum und die Sonderausstellung »Große Pläne« vom 4. Mai 2016 bis 6. Januar 2017 im Vorfeld des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums 2019 eine tragende Rolle.

Sie sprachen von anderen Gründen …
Janßen:
Ja. Die ITB ist eine Börse, an der große Reiseveranstalter ihre jährlichen Kontingente einkaufen. Aber die Landeskirche Anhalts verkauft keine Reisen. Mit unseren Informationen über interessante kirchliche Reiseziele sprechen wir eher Individualtouristen, wie Wochenend- und Tagesausflügler, an. Für Publikum ist die Internationale Tourismusbörse nur an den beiden letzten Tagen geöffnet, und die Konkurrenz ist riesengroß. Mit dem Verein »WelterbeRegion Anhalt-Dessau-Wittenberg« ist Anhalt auf der ITB gut vertreten.

Andreas Janßen, Verantwortlicher für Kirche, Kultur und Tourismus in der Landes- kirche Anhalt

Andreas Janßen, Verantwortlicher für Kirche, Kultur und Tourismus in der Landes- kirche Anhalt

Welche Wege geht die Landeskirche, um Touristen zu gewinnen?
Janßen:
Wir suchen Partner und kleinere Veranstalter. Zum Beispiel waren die Stadt Köthen, vertreten durch die Köthen Kultur Marketing GmbH (KKM), und die Landeskirche Anhalts erstmals Ende Januar mit einem Gemeinschaftsstand bei der Reisemesse in Dresden vertreten. Die Messe hat sich neu aufgestellt und ist damit attraktiver für Vertreter des regionalen Tourismus geworden. Zudem hat sich die Partnerschaft mit der KKM seit Jahren bewährt. Wir hatten viele interessierte Besucher am Stand und mussten entsprechend Fragen beantworten: zu Johann Sebastian Bach, zu Samuel Hahnemann und zur Homöopathie, zum Radtourismus, zum Reformationsjubiläum 2017 und den Kirchen in Anhalt.

Was gibt es für Erfahrungen?
Janßen:
Mit der Stiftung »Entschlossene Kirchen« im Kirchenkreis Zerbst haben wir einen Anziehungspunkt. Die Themenkirchen – die Osterkirche in Trüben und die Weihnachtskirche in Polenzko – sind ein absoluter Zugewinn. So kommen nicht nur kirchliche Reisegruppen mit Anhalt-Interesse, sondern auch andere. Berliner planen zum Beispiel bei ihren Tagestouren gerne auch eine Kirchenbesichtigung mit ein – nicht nur in Dessau und Wörlitz, sondern auch im Fläming. Außerdem hat sich Anhalt seit 2012 mit seinen Überseecontainern, in denen eine Ausstellung über die Landeskirche steckt, mehrfach bei großen Ereignissen präsentiert: beim Kirchentag in Hamburg etwa oder im vergangenen Jahr beim Sachsen-Anhalt-Tag in Köthen. In diesem Jahr sind wir beim 2. Deutschen Evangelischen Posaunentag vom 3. bis 5. Juni in Dresden vertreten. Auch das hilft, Menschen für Anhalt und seine Kirchen zu interessieren und sie in die Region zu locken. Und davon profitieren alle hier.

Verehrte Cranachs

18. Mai 2015 von redaktionguh  
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Wörlitz: Sonderschau im Gotischen Haus zur Sammlung des Fürsten Franz

Cranachgemälde stehen im Mittelpunkt einer Sonderausstellung, die vom 16. Mai bis 4. Oktober im Gotischen Haus in Wörlitz zu sehen ist. Damit setzt die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz einen besonderen Akzent zur sachsen-anhaltischen Landesausstellung »Entdeckung eines Meisters« über Lucas Cranach den Jüngeren, die Ende Juni in Wittenberg eröffnet wird: die Rückbesinnung auf die altdeutsche Malerei. Diese setzte in Deutschland erst nach 1800 mit der Romantik ein. »Die frühe Verehrung der beiden Wittenberger Meister und anderer berühmter altdeutscher und altniederländischer Maler durch den Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740–1817) ist eine Besonderheit und von großer kulturgeschichtlicher Bedeutung. Erstmalig lässt sich hier ein Interesse für die Malerei des Spätmittelalters und der Renaissance nachweisen«, so die Stiftung in ihrer Vorschau.

Blick auf das Gotische Haus, in dem Fürst Franz altdeutsche und altniederländische Gemälde und mittelalterliche Glasbilder versammelte. – Foto: Thomas Klitzsch

Blick auf das Gotische Haus, in dem Fürst Franz altdeutsche und altniederländische Gemälde und mittelalterliche Glasbilder versammelte. – Foto: Thomas Klitzsch

Mit der Schau wird insbesondere in den fünf Räumen aus der letzten Bauphase so weit wie möglich die alte Bilderhängung rekonstruiert. Es betrifft den Rittersaal, das Geistliche und das Kriegerische Kabinett, die Bibliothek und das Speisezimmer. Besucher können hier erleben, wie sich die Annäherung an die altdeutsche Malerei und insbesondere an die Kunst der Cranachs vollzog.

Das Gotische Haus ließ Fürst Franz ab 1773 errichten. Vorbilder waren Gebäude in Venedig und England – vor allem der nahe London gelegene Landsitz Strawberry Hill des Schriftstellers und Politikers Horace Walpole. Im Gotischen Haus brachte Fürst Franz seine Sammlung alter Kunst unter, mit der er auf die dynastischen Verflechtungen seiner Familie mit der Reichsgeschichte hinweisen wollte. Ab 1785 trug er gezielt altdeutsche und altniederländische Malerei und alte Glasgemälde zusammen, die er in die großen Fenster einfügen ließ. Unter den ursprünglich knapp 600 Gemälden stammten 30 von den beiden Cranachs und aus ihren Werkstätten. Heute ist die Sammlung wieder auf knapp 20 Kunstwerke, die mit Cranachs in Verbindung stehen, gewachsen.

Die Stiftung hat für die Ausstellung viele Bilder ausgeliehen. Verluste oder Gemälde, die nicht verliehen wurden, hat sie durch gerahmte, schwarz-weiße Eins-zu-eins-Fotoreproduktionen ersetzt. Anhand der rekonstruierten Original-Zusammenstellung der Kunstwerke können die Besucher den politischen und religiösen Intentionen des Fürsten nachspüren. Mit der Ausstellung will die Stiftung Einblicke geben, wie sehr die Kunst dieser Zeit Verehrung und Bewunderung fand. Mittels 3 D-Animationen wird aufgezeigt, welche dynastische und religiöse Bedeutung sich mit der Zusammenstellung der Bilder in den einzelnen Räumen verband.

(mkz)

Das Gotische Haus ist dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

»Keine rückwärtsgerichtete Sache«

12. Mai 2015 von redaktionguh  
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Der Wörlitzer Toleranz-Weg verbindet seit vergangenem Sonntag zahlreiche Stationen jüdischen Lebens in der Stadt

Das Zeremonienhaus am Jüdischen Friedhof, das Geburtshaus von Itzig Hirsch Cohn, der die erste Landessparkasse Anhalts in Dessau gründete, und die von Martin Weinstein gestiftete Schulturnhalle: In Wörlitz sind etliche Spuren von Menschen jüdischen Glaubens zu finden. Diese und weitere Stationen verbindet seit dem 3. Mai ein Toleranz-Weg. Sich der Geschichte der Juden und der Jüdischen Gemeinde im Ort widmend, gab es zu seiner Eröffnung einen Gottesdienst in der Kirche St. Petri und eine Psalm-Lesung an der Gedenkstätte am Jüdischen Friedhof.

Die Synagoge ließt Fürst Franz nach römischem Vorbild errichten. 1790 wurde sie eingeweiht und bis etwa 1900 genutzt. Fotos: Andreas Behling

Die Synagoge ließt Fürst Franz nach römischem Vorbild errichten. 1790 wurde sie eingeweiht und bis etwa 1900 genutzt. Fotos: Andreas Behling

»Heute einen Toleranz-Weg zu gestalten, ist keine rückwärtsgerichtete Sache. Auch heute ist Toleranz noch immer kein allgemeines Gut«, würdigte Pfarrer Thomas Pfennigsdorf die Initiative. Sie basiert auf einem Projekt aus dem Jahr 2014, das Auszubildende der Euro Akademie Dessau-Roßlau mit dem Modellprojekt »SEMInar_Pro«, dem Multikulturellen Zentrum Dessau und der Zeitreise-Manufaktur Magdeburg zusammenführte. Begleitet vom Pfarrer i. R. Dietrich Bungeroth, wurde sie nun umgesetzt vom Kulturbund Wörlitz, der Evangelischen Kirchengemeinde St. Petri und der Moses-Mendelssohn-Gesellschaft Dessau.

Einen Bogen von John Locke über Gotthold Ephraim Lessing und Voltaire bis hin zum Fürsten Franz von Anhalt-Dessau schlagend, die sich auf ihre Weise mit dem Toleranz-Begriff beschäftigten – Locke und Voltaire philosophisch, Lessing im »Nathan der Weise« dramatisch und der Fürst geradezu »erfahrbar und begehbar« im von ihm begründeten Gartenreich –, verband Pfarrer Pfennigsdorf die Toleranz mit der Liebe. Die Liebe eifere nicht, blähe sich nicht auf, lasse sich nicht erbittern. »Die Liebe schließt die Toleranz mit ein.« Wenn also in der Einladung zur Eröffnung des Toleranz-Weges zu lesen war, dass Toleranz eine gute Gabe Gottes sei, so könne er ergänzen: »Die Liebe ist die beste Gabe Gottes. Die Liebe ist Gott selbst.«

Es komme darauf an, meinte Thomas Pfennigsdorf, die Menschen, die tagtäglich versuchen übers Mittelmeer nach Europa zu gelangen, »aufzurichten, damit sie in Würde, Selbstachtung und Toleranz leben können«. Vor der Synagoge knüpften mehrere Redner an ihn an. Der Landtagsabgeordnete Holger Hövelmann (SPD) rief in Erinnerung, dass Deutschland menschlich wie wirtschaftlich immer dann am erfolgreichsten gewesen sei, wenn Toleranz wahrhaftig praktiziert wurde. Wer vor Verfolgung und Krieg die Flucht ergriffen habe, dem müsse man ein Bleiberecht und eine Zukunft einräumen.

Der Oranienbaum-Wörlitzer Bürgermeister Uwe Zimmermann (Linke) meinte, von den etwa 220 in Vockerode untergebrachten Flüchtlingen ahne man deren Religionen nur zum Teil. Das verunsichere vielleicht manchen. Für die übergroße Mehrheit könne er indes sagen, dass sie sich sehr tolerant verhalte. Wissen – vermittelt auch über die Tafeln des Denkmalpfads an den Häusern – sei die Grundvoraussetzung für Toleranz, schätzte er ein. Dies war ganz im Sinne Bernd Ulbrichs von der Dessauer Moses-Mendelssohn-Gesellschaft. Toleranz dürfe nicht als bloße Duldung eines anderen Standpunkts verstanden werden, sagte er. Vielmehr bilde sie die Basis für eine geistige Begegnung, aus der Neues erwachse: »Toleranz als Weg, ein Toleranz-Weg eben.«

Andreas Behling

Lutherstadt wird Cranach-City

23. März 2015 von redaktionguh  
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Reformationsdekade: Auf der Messe der internationalen Reisebranche in Berlin spielte auch Luther eine Rolle

Die Vorbereitungen auf das Reformationsjubiläum hätten weiter an Fahrt aufgenommen, meint die Reformationsbotschafterin der Evanglischen Kirche in Deutschland (EKD) Margot Käßmann vor Vertretern der Tourismusbranche.

Vor bald 500 Jahren soll Martin Luther am 31. Oktober 1517 in Wittenberg seine Thesen an die Kirchentür genagelt haben. »Wir werden eine Reise durch 60 Städte unternehmen und Thesen einsammeln, die sich mit dem Glauben heute befassen«, sagte Margot Käßmann, Theologin und Reformationsbotschafterin der EKD, auf der Tourismusbörse Berlin (ITB) vom 4. bis 8. März. Auf einer Reise vor wenigen Tagen durch die USA habe sie gespürt, wie groß das Interesse nicht nur der Lutheraner sei. An der Westküste sei man bereits bei konkreten Planungen für die Reisen 2017. »Das kommt als ganz deutliches Signal bei uns an. Mit der Konsequenz, dass in den nächsten Tagen unsere englischsprachige Homepage so aufgepeppt wird, dass sie den USA-Markt besser bedient. Da müssen wir schnell nachlegen.« Es gelte gute Besucher-Pakete zu schnüren, die Wittenberg und ganz Mitteldeutschland in den Fokus rücken.

Die Reformationsbotschafterin der EKD, Margot Käßmann, traf auf der Internationalen Tourismusbörse Berlin einen »fast echten« Luther. Foto: Uwe Kraus

Die Reformationsbotschafterin der EKD, Margot Käßmann, traf auf der Internationalen Tourismusbörse Berlin einen »fast echten« Luther. Foto: Uwe Kraus

Die Botschafterin freut sich, dass das Jubiläum mit den europäischen Partnerkirchen begangen werde. Die Schweizer Kirchen seien ebenso dabei wie Frankreich und Tschechien, wo die Bewegung um Jan Hus durchaus als Teil des reformatorischen Prozesses verstanden werde. »Reformation, das ist unser europäisches Erbe«, unterstrich Käßmann zum Beispiel im Gespräch mit Sachsen-Anhalts Kultusminister Stepahn Dorgerloh. »Wir bereiten ein internationales Ereignis mit ökumenischer Dimension vor.« Wenn demnächst das 100. Jubiläum der ökumenischen Bewegung begangen werde, »dann im Bewusstsein, dass es mehr Verbindendes als Trennendes zwischen den Kirchen« gibt.

Die Reformationsfeierlichkeiten werden ein Jahr vor dem Jubiläum auf den Marktplätzen zahlreicher Städte beginnen. Ein Stationenweg mit »Kirchentagen am Wege« führe dann durch viele Orte nach Wittenberg, wo am 27. Mai 2017 ein großer Dankgottesdienst gefeiert werden soll. In der Lutherstadt sei zudem ein Jugend-Camp geplant. Zum Open-Air-Gottesdienst werden bis zu 300 000 Menschen in Wittenberg erwartet. Dazu gibt es bereits eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem logistischen Ablauf der Veranstaltung befasst. Darin eingebettet ist der Bau des »Grünen Bahnhofs« Lutherstadt Wittenberg. Beginn ist in wenigen Wochen. Zum Reformationsjubiläum 2017 soll das moderne »Eingangstor zur Stadt« in Betrieb gehen, versprach Alexander Kaczmarek, der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Sachsen-Anhalt.

Eine überdimensionale Abbildung des Reformationsaltars der Wittenberger Stadtkirche machte auf das Themenjahr »Cranach 2015 in Sachsen-Anhalt« aufmerksam.

Vom 26. Juni bis 1. November dieses Jahres wird in Wittenberg und an weiteren Standorten in Dessau und Wörlitz die weltweit erste Ausstellung zu sehen sein, die ausschließlich dem Cranach-Sohn gewidmet ist. Sie zeige die wichtigsten Kunstwerke der deutschen Renaissance. Die Lutherstadt werde für ein Jahr »Cranach-City«. Dazu ziehe auch der Weinberg-Altar von Lucas Cranach dem Jüngeren aus der Mönchskirche in Salzwedel für die Schau nach Wittenberg um, wo der Maler 1569 das Motiv für ein Epitaph nutzte. Kultusminister Dorgerloh meint: »Wer da nicht kommt, der verpasst wirklich etwas.«

Uwe Kraus

Landessynode tagt im »Eichenkranz«

12. November 2014 von redaktionguh  
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Dessau-Roßlau (mkz) – Die anhaltische Landessynode kommt am 14. und 15. November in Wörlitz im historischen Gasthof »Zum Eichenkranz« zu ihrer Herbsttagung zusammen. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem der Tätigkeitsbericht des Landeskirchenrates für 2014 sowie Beratungen über den Haushaltsplan für das nächste Jahr. Der Haushalt der Landeskirche für 2015 wird bei voraussichtlich 15,8 Millionen Euro liegen.

Den Bericht des Landeskirchenrates wird Oberkirchenrat Manfred Seifert einbringen, der vor seinem Ruhestand zum letzten Mal an einer Synodaltagung teilnimmt. Am 15. November feiern die Synodalen in der Petrikirche einen Abendmahlsgottesdienst (9 Uhr), in dem für die zweite Amtszeit von Kirchenpräsident Joachim Liebig, der im Frühjahr wiedergewählt worden war, um Gottes Segen gebeten wird. Zudem werden die Synodalen darüber beraten, wie die Landeskirche Flüchtlinge aus Krisengebieten wie Syrien und dem Irak intensiver unterstützen kann. Ein weiterer Schwerpunkt ist dem Abendmahl gewidmet.

Ökumenisch und einmalig

8. April 2014 von redaktionguh  
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Vor 20 Jahren wurde der Wörlitzer Bibelturm eröffnet

Der Bibelturm in Wörlitz, der Turm der Petrikirche, feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Am Palmsonntag wird die neue Saison eröffnet. Mit dem Geschäftsführer, Pfarrer Torsten Neumann, und dem Vorsitzenden des ökumenischen Beirates, dem Wörlitzer Pfarrer Thomas Pfennigsdorf, sprach Angela Stoye.

Der Bibelturm in Anhalt ist etwas Besonderes, oder?
Neumann:
Das kann man wohl sagen. Der 66 Meter hohe Turm einer evangelischen Kirche mit einer Bibelausstellung, ökumenisch initiiert und getragen, ist deutschlandweit einmalig. Eröffnet wurde er am 3. September 1994.

Wie kam es dazu?
Neumann:
Es kamen damals mehrere Dinge zusammen. Erstens wollte die Evangelische Haupt-Bibelgesellschaft (EHBG) an verschiedenen Orten in Deutschland Bibelmissionarische Zentren eröffnen. Zweitens stand die Wörlitzer Türmerwohnung seit dem Tod der letzten Türmerin Imme Brune 1985 leer. Drittens wollten immer wieder Wörlitz-Besucher den Turm besteigen und standen enttäuscht davor. In dieser Situation bildete sich eine
Initiativgruppe aus katholischen, methodistischen und evangelischen Christen sowie dem Gemeinschaftsverband, die etwas tun wollten. Heraus kam der »Bibelturm Wörlitz – Eine ökumenische Initiative in Anhalt«. Der Name ist auch nach 20 Jahren Programm. Engagierte Christen der vier Partner halten den Turm vom Palmsonntag bis Oktober offen. Ich erinnere auch an frühere Verantwortliche für den Bibelturm: Gudrun Discher, Frank Gorgas und Ina Killyen.

Welche Entwicklungen gab es?
Neumann:
Träger des Bibelturms war anfangs die EHBG. Als diese aufgelöst wurde, wechselte die Trägerschaft zur Evangelischen Landeskirche Anhalts. Die Landeskirche steht zum Bibelturm. Pfarrer Pfennigsdorf und ich spüren die große Bereitschaft, den Turm weiter zu erhalten und eine vierte Ausstellung erarbeiten zu lassen. Diese wird voraussichtlich 2016 fertig sein.

Foto: Thomas Klitzsch

Foto: Thomas Klitzsch

Die erste Ausstellung hieß »Von Turm- und Türmergeschichten«. Die zweite, im Jahr 2000 eröffnet, griff das Thema der Expo »Mensch, Natur, Technik« auf und nannte sich »Lebenszeichen«. Seit dem 9. Mai 2009 zeigen wir auf den drei Ebenen des Turmes die Ausstellung »Zwischen Himmel und Erde« mit einem Himmels- und einem Bibelkabinett und dem Raum der Stille ganz oben. Hinzu kommen jährlich wechselnde Ausstellungen im Kirchenschiff.

Wie haben die Menschen den Bibelturm bisher angenommen?
Neumann:
Es kommen etwa 10 000 bis 14 000 Besucher im Jahr. Das ist natürlich wetterabhängig. In einem regnerischen Sommer sind es nicht nur im Bibelturm, sondern im gesamten Wörlitzer Park weniger Gäste. Von der Eröffnung bis 2013 haben wir bei uns insgesamt über 250 000 gezählt, die als Einzelgäste oder in Gruppen kamen. Sie haben sich die jeweilige Ausstellung angesehen und die Aussicht über das Gartenreich genossen. Bei schönem Wetter kann man nicht nur bis Dessau und Wittenberg schauen, sondern sogar bis zum Petersberg bei Halle.

Wer kümmert sich um die Besucher?
Neumann:
Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Region Dessau-Wörlitz sind zu den Öffnungszeiten im Bibelturm anzutreffen. Immer donnerstags hat ein Kreis katholischer Christen aus Dessau Dienst, der sich »Kommt Zeit, kommt Tat« nennt. Wir sind für die Frauen und Männer aus den Gemeinden, die sich oft viele Jahre engagiert haben, sehr dankbar. Aber es werden – altersbedingt – weniger. Und Nachfolger zu finden, ist schwierig. Gut ist, dass es seit mehreren Jahren einen Platz für ein vom Land gefördertes Freiwilliges Soziales Jahr im Bibelturm gibt. Der jeweilige Stelleninhaber hilft bei der Besucherbetreuung und organisiert Aktionen. Auch 2014 wird zum 1. September wieder eine junge Frau oder ein junger Mann gesucht.
Pfennigsdorf: Der Bibelturm ist der Turm unserer Kirchengemeinde. Die Gemeindeglieder sind froh, dass sie den Turm haben und führen gern ihre Gäste dorthin. Das jährliche Bibelturmfest organisiert die Kirchengemeinde mit. Aber es ist schon so, wie Herr Neumann sagt: Die Zahl der Ehrenamtlichen geht aus dem genannten Grund zurück.

Herr Pfennigsdorf, was ist Ihre Aufgabe im Beirat?
Pfennigsdorf:
Ich bin der Supervisor des Projektes. Gemeinsam legen die Mitglieder die Punkte des Jahresprogramms fest. Bei unserer Sitzung im vergangenen Oktober haben wir Ideen gesammelt für eine neue Ausstellung, die Herr Neumann schon erwähnt hat. Und wir denken darüber nach, wie der im Winter geschlossene Turm trotzdem im Gespräch bleiben kann. Zurzeit überlegt der Beirat, wie der Bibelturm mit einer eigenen Reihe in der Dessauer Volkshochschule zu Gast zu sein kann. Aber dazu im Herbst mehr.

Wie geht es in Wörlitz weiter?
Neumann:
Das Jahresprogramm steht. Zur Eröffnung der Saison laden wir am Palmsonntag herzlich ein. Im Gottesdienst um 14 Uhr predigt Kirchenpräsident Joachim Liebig. Die Liturgie übernehmen der katholische Propst Gerhard Nachtwei und Pfarrer Pfennigsdorf. Das 20-jährige Jubiläum begehen wir mit einem Festtag am 11. Oktober.
Pfennigsdorf: Der Wörlitzer Bibelturm ist ein nachhaltiges missionarisches Projekt. Wir tun mit ihm Dienst über die Kirchengemeinde hinaus und hoffen, dass weiterhin Menschen hierher kommen und eine gute Zeit haben werden.

www.bibelturm.de

Vorschau auf das Jubiläumsprogramm

13. April: Ökumenischer Gottesdienst zur Saisoneröffnung am Palmsonntag (14 Uhr);

3. August: Um ca. 11.30 Uhr im Anschluss an den Gottesdienst wird die Ausstellung »Gepflanzt wie ein Baum an Wasserbächen« eröffnet. Sie zeigt Lithografien des Dessauer Künstlers Wilhelm Danz (1873–1948) mit Darstellungen von Solitäreichen in den Elbauen bei Dessau.

9. August: Am Gartenreichtag gibt es eine Führung durch die Ausstellung »Gepflanzt wie ein Baum …« mit Reinhard Melzer (14 Uhr).

11. Oktober: Festprogramm zum Jubiläum »20 Jahre Bibelturm«, von 10 bis 16 Uhr. Beginn mit musikalischer Andacht, Vortrag, Angebote für Kinder, Mittagsangebot, Grußworte, Festgottesdienst um 14 Uhr und Kaffeetrinken.

Von der Tugend des Aushaltens

28. Oktober 2013 von redaktionguh  
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In der Diskussion: Tagung in Wörlitz widmete sich dem Thema »Toleranz und Wahrheit«

Toleranz und Wahrheit sind wichtig für den einzelnen Menschen, für Staaten und Glaubensgemeinschaften. Zum Auftakt der Tagungsreihe »Anhalt(er)Kenntnisse« ging es genau darum.

Die Frage kam aus dem Publikum: Wie ist das mit der Kindertaufe? Es wird immer nach Körperverletzung gefragt. Wie aber ist das mit der Seelenverletzung von Kindheit an?

Bei der wissenschaftlichen Tagung »Toleranz und Wahrheit« vom 16. bis 18. Oktober in Wörlitz ging es munter und vielfältig zur Sache in den Diskussionen. Im zu Ende gehenden Themenjahr der Lutherdekade »Refor­mation und Toleranz« hatte die Landeskirche Anhalts zu dem Treffen ­eingeladen. Ausgerichtet wurde es in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena und unterstützt von der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung.

Eine der Sichtachsen im Gartenreich des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau trägt den Titel »Toleranzblick«. Der Betrachter schaut auf die Wörlitzer evangelische Petrikirche (re.) und die Synagoge. Am Ende des 18., zu ­Beginn des 19. Jahrhunderts verweist dieser Blick auf eine damals neue, inzwischen aber als allgemeingültig akzeptierte Haltung: Alle Religionen sind gleich gültig – sie gelten gleich viel. Für die Teilnehmer der Tagung »Toleranz und Wahrheit« gehörten eine Andacht in der Kirche und ein Morgenimpuls in der Synagoge zum Programm. Foto: Thomas Klitzsch

Eine der Sichtachsen im Gartenreich des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau trägt den Titel »Toleranzblick«. Der Betrachter schaut auf die Wörlitzer evangelische Petrikirche (re.) und die Synagoge. Am Ende des 18., zu ­Beginn des 19. Jahrhunderts verweist dieser Blick auf eine damals neue, inzwischen aber als allgemeingültig akzeptierte Haltung: Alle Religionen sind gleich gültig – sie gelten gleich viel. Für die Teilnehmer der Tagung »Toleranz und Wahrheit« gehörten eine Andacht in der Kirche und ein Morgenimpuls in der Synagoge zum Programm. Foto: Thomas Klitzsch

Für Volker Stümke (Hamburg) ist Toleranz eine Tugend, »die – wie die Tugend der Gerechtigkeit – sowohl den Einzelnen wie eine Gesellschaft dazu auffordert, sich selbst so zu ­formen, dass man die Balance hält zwischen der Ablehnung alles anderen einerseits und einer völligen Indifferenz andererseits«. Es gehe darum, Ungleiches auszuhalten. Ein toleranter Mensch oder eine tolerante Gesellschaft stünden dabei vor zwei ­Problemen: Jeder müsse lernen auszuhalten, dass Toleranz auf Dauer ­relativierend wirke. Sie könne somit auch Gewissheiten (des Glaubens) ­erschüttern. Zum anderen werde die Toleranz durch zwei Äußerungen an die Grenze zur Intoleranz geführt: ­Weder repressive Toleranz noch Fanatismus können geduldet werden.

Mühsam erkämpfte Religionsfreiheit

Für Rainer Rausch ist Toleranz ein »schillernder Begriff«, der aber von Profillosigkeit, Indifferenz und Beliebigkeit abzugrenzen sei. Der Leitende Jurist Anhalts hält die Grenzen der ­Toleranz bei Häresie, Verstößen gegen die Menschenwürde und Intoleranz für erreicht. Für das heutige Toleranzverständnis sei der Blick in die Geschichte wichtig. Daraus sei auch zu lernen, wie mühsam Religionsfreiheit und Toleranz erkämpft wurden.

Der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) befasste sich in seinem Vortrag mit dem staatlichen Wertekanon, der sich aus Christentum, Aufklärung und Humanismus entwickelt hat, sowie damit, welche Abweichungen zu tolerieren seien. Diese Grundwerte seien im Grundgesetz und der Rechtsordnung niedergelegt. Aufgabe des Staates sei es, die unveräußerliche Menschenwürde zu schützen. Jeder Bürger, jede Bürgerin habe Freiheitsrechte wie Glaubens- und Gewissensfreiheit, Meinungs- oder Versammlungsfreiheit. »Diese Rechte stehen jedem zu, unabhängig davon, ob sie der Mehrheitsmeinung entsprechen oder nicht.« Einschränkungen dürften nur durch allgemeines Gesetz zum Schutz des Zusammenlebens beziehungsweise der Rechte anderer gemacht werden. Das Verbot von Veranstaltungen und Parteien sei nur unter ganz engen Umständen möglich. Auch verfassungsfeindliche Haltungen müssten toleriert werden, solange sie nicht aggressiv-kämpferisch vertreten würden.

Für den Berliner Theologen Wilhelm Gräb ist Toleranz eine Bürgertugend; der Staat müsse neutral sein. Der evangelische Glaube, der keine Dogmen, aber ein Bekenntnis kenne, führe nicht automatisch zur Toleranz, wie die Reformationszeit gezeigt habe. Die christliche Botschaft müsse immer wieder neu und anders in die jeweilige Zeit hineinformuliert werden.

Beim Blick in die Geschichte des Protestantismus in Anhalt, den der Zerbster Pfarrer Albrecht Lindemann vornahm, stößt der Interessierte zunächst auf einen Vorwurf des Theologen Johann Salmuth (1552–1622): »Die Anhalter sollten sich endlich erklären, ob sie lutherisch oder reformiert sein wollten.« Anhalt, von Luther und ­Melanchthon geprägt, stellte 1577 die Weichen: Fürst Joachim Ernst verweigerte die Unterzeichnung der Formula Concordiae, die nach Luthers Tod die Zerwürfnisse zwischen Lutheranern und Reformierten beilegen sollte.

Anhalts Weg zur Bekenntnisunion

Anhalt ordinierte ab 1578 seine Theologen in Zerbst (was als Beginn der Landeskirche gilt), gründete dort 1582 eine eigene Universität und führte 1606 für das gesamte Fürstentum den (reformierten) Heidelberger Katechismus ein. Mitte des 17. Jahrhunderts kehrte Anhalt-Zerbst zum lutherischen Bekenntnis zurück. Theologen in Bernburg (1820) und Dessau (1827) bereiteten der Union der Bekenntnisse den Weg. 1875 trat eine Kirchengemeindeordnung für ganz Anhalt in Kraft, 1878 eine Synodalordnung, 1883 eine Agende. In der Präambel der Verfassung der Landeskirche Anhalts von 1920 heißt es bis heute: Anhalt, »… hervorgegangen aus lutherischen und reformierten Gemeinden, bekennt sich als unierte Kirche zur Abendmahlsgemeinschaft mit allen evangelischen Kirchen«. Dass die anhaltische Landeskirche 1949 die Evangelische Kirche der Pfalz als Partnerkirche ­bekam, »hing sicher auch damit zusammen, dass hier zwei unierte Landeskirchen mit geringer Neigung zu steilen Bekenntnisformulierungen zusammenfanden«, wie es der Theologe Christoph Picker aus dem pfälzischen Landau in seinem Vortrag formulierte.

In eingangs erwähnter Diskussion meldete sich nach der Taufe-Frage ­zunächst der Rechtswissenschaftler Michael Germann (Halle) zu Wort. Für das Kindeswohl seien die Eltern zuständig, und diese könnten entscheiden, ob ein Kind getauft wird oder nicht. Günther Beckstein wollte das so nicht stehenlassen. »Ich würde das Kindeswohl verletzen, wenn ich meinem Kind diesen Glauben vorenthielte«, sagte er. Glaube sei Prägung für gelingendes Leben. »Das weiß ­jeder, der schon einmal Vergebung nach Fehlentscheidungen erfahren hat. Eine wertneutrale Erziehung gibt es nicht.«

Angela Stoye