Botschafter, nicht Verteidigungsminister

24. Juni 2011 von redaktionguh  
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Christus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.
Lukas 10, Vers 16

1159730_25218546Wie hat sie sich gewünscht, Klassensprecherin zu werden! Sie hat es geschafft. Mit überragendem Wahlergebnis. Sie ist stolz und glücklich. Die Mitschüler vertrauen ihr. Ein gutes Gefühl.

Nicht lange danach kippt das gute Gefühl. Ausgerechnet in ihrer Klasse gibt es Probleme mit einem Lehrer. Er ist ungerecht. Er zieht manche Schüler vor, andere werden sichtbar benachteiligt. Seine Lieblinge bekommen gute Zensuren fast geschenkt. Andere werden knifflig gefragt und bekommen spöttische Bemerkungen ab.

Die Klassensprecherin ist gefordert, die Beschwerde vorzubringen. Eine für alle. Ihr Auftrag ist klar. Sie hat den Termin bei der Schuldirektorin. Ihr klopft das Herz bis zum Hals.

Kann sie überzeugend und ehrlich erklären, was die Klasse bewegt? Was ist eigentlich, wenn sie die Konsequenzen tragen muss? Was ist, wenn sie dann von diesem Lehrer benachteiligt wird? Er sitzt am längeren Hebel.

Blödes Wahlergebnis! Hätte sie doch nicht so viel Vertrauen erworben und hätte nun keine Verantwortung. Am liebsten würde sie alles hinschmeißen – jetzt auf dem Weg ins Direktorenzimmer. Zu spät.

Christine Reizig, Landespfarrerin für Gemeindeaufbau, Dessau-Roßlau

Christine Reizig, Landespfarrerin für Gemeindeaufbau, Dessau-Roßlau

Jesus sagt seinen Jüngern, dass auch sie so etwas sind wie Klassensprecher, Botschafter, ständige Vertreter in dieser Welt.

»Wer euch hört, der hört mich.«

Das ist Auftrag, aber auch Zuspruch.

Natürlich wissen die Menschen in unserem Umfeld, dass wir Christen sind. Und sie sollen es auch wissen. Sie sollen aus unserem Reden und Tun spüren und erfahren, was uns unser Glaube bedeutet. Hoffentlich ist er einladend, macht neugierig.

Die Menschen werden nicht immer positiv reagieren. Manche werden spotten, andere werden deutlich machen, dass ihnen unser Glaube ziemlich egal ist, wieder andere werden uns angreifen – und Gott damit meinen. Wir sind gerufen, Christus durch unser Leben ins Gespräch zu bringen. Das reicht. Wir sind Botschafter, nicht Verteidigungsminister.

Christine Reizig

Aller guten Dinge sind drei

17. Juni 2011 von redaktionguh  
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Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.
Jesaja 6, Vers 3

Aller guten Dinge sind drei« sagt ein geflügeltes Wort. Wenn etwas nicht beim ersten Versuch gelingt, probiere ich es noch einmal. Drei Versuche hat ein Fahrschüler bei der Prüfung. Bei Versteigerungen wird das letzte Gebot dreimal ausgerufen, bevor der Käufer den gewünschten Artikel erhält. In der Grammatik sprechen wir von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die historische Zeiteinteilung gliedert sich in Altertum, Mittelalter und Neuzeit.

Pfarrerin Gabriele Schmidt, Eisenach

Pfarrerin Gabriele Schmidt, Eisenach


Die Zahl drei hat im Christentum eine besondere Bedeutung. Die Dreifaltigkeit Gottes, Vater, Sohn und Heiliger Geist, nimmt die Zahlensymbolik auf. Der Sonntag Trinitatis erinnert uns daran. In der christlichen Kunst finden sich Darstellungen  Gottes mit einem Dreieck, in welches ein Auge eingezeichnet ist.

Drei ist eine der großen heiligen Zahlen. Die drei großen christlichen Tugenden sind Glaube, Hoffnung und Liebe. Dreimal wird Petrus Jesus verleugnen, ehe der Hahn kräht, am dritten Tag nach seinem Tod wird Jesus auferstehen. Drei Tage verbringt der Prophet Jona im Bauch des Fisches, bevor er wieder an Land kommt.

Die Zahl drei hat eine hohe Symbolkraft. Dreimal rufen sich die Engel gegenseitig »Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth…« zu. Die Engel, die der Prophet Jesaja am Thron Gottes schaut. Jesaja wird ausgewählt, sein Leben in Gottes Dienst zu stellen.

Eine Entscheidung, die ihm nicht leichtfällt. Das Bild von den Engeln an Gottes Thron und ihre Worte wird Jesaja wohl nicht wieder vergessen haben. Die Erinnerung daran dürfte ihm heilig sein. Wie einen Schatz wird er sie in seiner Seele bewahren.

Sie wird ihm auch in dunklen Stunden Licht bringen und Kraft geben, seinen Auftrag zu erfüllen: den Frauen und Männern seiner Zeit Gottes Weisung zu sagen, eine unheilvolle Zukunft zu predigen, oft gegen den Augenschein. Welche Bilder von Gott begleiten sie durch das Leben, was ist ihnen heilig?

Gabriele Schmidt

Unsere Verbindung zwischen Himmel und Erde

3. Juni 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Christus spricht:  Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.
Johannes 12,Vers 32

Der freundliche Friedhofsgärtner zeigt mir den inzwischen durch viel Grün verborgenen Grundriss des Friedhofs, wie ihn die Stadtväter vor über hundert Jahren vor Augen gehabt haben. An bestimmten Punkten ist er noch zu erkennen. Der Hauptweg ergibt mit dem Querweg die Form des Kreuzes, unter dessen Armen die Gräberfelder angelegt sind.

Christine Voigt, Pfarrerin in Bischofroda

Christine Voigt, Pfarrerin in Bischofroda


Blutbuchen markieren die Nägelmale Christi. Reste eines dornigen Gestrüpps am oberen Ende des Kreuzes erinnern an die Dornenkrone. »Wenn ich erhöht werde von der Erde …«

Der Spruch stammt aus den Abschiedsworten Jesu kurz vor seiner Gefangennahme und Kreuzigung. Beides gehört zusammen. Als das Kreuz aufgerichtet wird, an dem Jesus hängt, wird er »erhöht«, wie die Spötter am Kreuz höhnisch registrieren.

Seine Freunde erinnern sich dagegen an die »erhöhte Schlange« aus der Mosegeschichte, die für die Israeliten zum Zeichen der Rettung wurde. Und untrennbar verbunden mit dem Kreuz ist die Himmelfahrt Christi, als er von Gott »erhöht« und an die Seite des Vaters gerufen wird.

Das alles gehört zusammen und ist die Voraussetzung für unseren Glauben an Gottes Liebe und unsere Zukunft in seinem Reich. »Ich will alle zu mir ziehen.« So wird Himmelfahrt das Fest der untrennbaren Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen uns und dem auferstandenen Herrn. Mit ihm werden wir »erhöht«.

Er will uns in seiner Nähe haben, uns so unseren unvergänglichen Wert geben, erfülltes Leben in dieser Welt und in seiner Ewigkeit.

Deshalb brauchen wir uns nicht selbst zu »erhöhen« und die Wertmaßstäbe unserer vergänglichen Welt zu kopieren. Die Schönen und Reichen, die »Verantwortungseliten« oder Millionenverdiener stehen Gott nicht näher als wir, die wir vielleicht von ­ihnen »unten« platziert werden. Unter dem Kreuz Christi und beim Vater ist Platz für alle, »die mühselig und beladen sind«.

Wie gut, dass es so ist!

Christine Voigt

Welches Lied singen wir heute?

21. Mai 2011 von redaktionguh  
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Singt dem Herrn ein neues Lied,  denn er tut Wunder.
Psalm 98, Vers 1

Kantate 2011 – welchen Text sollte das neue Lied haben, das die Kirche in unserem mitteldeutschen Raum singt? Ist es ein österliches Halleluja, ein großes Gloria? So gern ich das anstimmen und gleich das Loblied auf alle Sänger und Chöre nachschicken würde, ist das wirklich dran?

Sebastian Kircheis, Pfarrer in Gera

Sebastian Kircheis, Pfarrer in Gera

Mein Lied an diesem Wochenende heißt: Kyrie eleison – Herr, erbarme dich! Ich erfahre: Tagtäglich kehren Menschen unserer Kirche den Rücken. Kinder christlicher Eltern werden nicht getauft, getaufte Jugendliche werden nicht konfirmiert. Das sind nur die Symptome dafür, dass es unserer Verkündigung und unserem Dienst trotz guten Willens an Prägekraft und Relevanz mangelt. Wo gewinnen wir beides?

Kyrie eleison!

Ich nehme heute eine tiefe Verunsicherung wahr im Blick auf unser Bekenntnis. »Ist der Tod Jesu heilsnotwendig?«, fragen manche irritiert. »Wie kann ein liebender Vater von seinem Sohn ein solches Opfer verlangen? Und was ist das mit der Auferstehung?« Sind der Besuch der Ostergottesdienste und die vielen verschlossenen Kirchen am Ostermontag für uns eine Problemanzeige?

Christe eleison!

Und ich erlebe eine ungeheure Gleichgültigkeit gegenüber der Verkündigung unseres Glaubens. Sie reicht hinein bis in die Familien der sogenannten Kerngemeinde, bis in die Familien von Mitarbeitern im Verkündigungsdienst, sie ist bei so manchem Menschen zu finden, der in unserer Kirche angestellt ist. Das schmerzt.

Kyrie eleison!

Dagegen hilft kein Aktionismus, da hilft auch keine Kampagne. Sind wir mit unserem Latein am Ende? Und – mal ehrlich – erwarten wir noch Wunder? Kann es vielleicht sein, dass unser Herr darauf wartet, dass wir unsere Ratlosigkeit bekennen und ihn, der ja selbst Weg, Wahrheit und Leben ist, um sein Erbarmen bitten?

Ich glaube, es ist an der Zeit! Und dann sollte unser Lied eine lange Pause machen und ihm darin den Raum lassen für seine Wunder!

Sebastian Kircheis

Da muss sich noch einiges ändern

14. Mai 2011 von redaktionguh  
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Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
2. Korinther 5, Vers 17

»Ich weiß es, der saß nämlich auf einem Baum, weil er so klein war und wollte sich in den Blättern verstecken und auch sehen, wie Jesus kommt. Und die anderen haben ihn nicht richtig gucken lassen, weil sie ihn nicht leiden konnten und …«

Sie ahnen vermutlich schon, dass ich nach Zachäus gefragt hatte und eine wunderbar sprudelnde Antwort im Kindergartengottesdienst bekam. Die Zachäusgeschichte zeigt uns, wie Jesus Menschen begegnet und einlädt. »Wieso geht Jesus zu dem, der ist doch böse?« Eine altbekannte Frage.

Geertje Perlberg, Pfarrerin in Dessau-Roßlau

Geertje Perlberg, Pfarrerin in Dessau-Roßlau

»Haben Sie den Herrn X. Karfreitag in der Kirche gesehen? Als der seinen Laden noch hatte, soll er die Leute richtig übers Ohr gehauen haben.« »Wieso arbeitet jetzt eigentlich Frau M. in der Kirche mit? Früher hat sie doch nur schlecht über uns geredet.« »Sie haben die Mutter von Herrn B. beerdigt, dabei ist der doch gar nicht in der Kirche.«

Ja, so reden wir, so sehen wir Menschen an, und mir wird deutlich, dass da bei uns noch viel neu werden muss. Immer wieder vergessen wir, dass Jesus selbst der Einladende ist und blicken scheel auf die, die sich haben finden lassen.

»Der Zachäus braucht doch den Jesus gar nicht«, sagt Paul, 5 Jahre alt. »Der hat doch alles, Geld, Essen und ein schönes Haus.« »Aber der hat keine Freunde, keiner hat ihn lieb. Doch, der braucht Jesus«, ereifert sich Karla. »Aber der darf dann nicht mehr betrügen, oder?« Diese Frage beschäftigt uns sehr. Wenn etwas neu wird, dann muss etwas Altes weg. Gar nicht so einfach!

»Der Tom hat mir heute den Tieflader weggenommen. Der kann nicht mein Freund sein.« »Er hat sich doch entschuldigt; könnt ihr nächstes Mal gemeinsam damit spielen?« Der Vorschlag findet erstaunlich schnell Zustimmung. »Aber er darf mir das Spielzeug wirklich nicht mehr wegnehmen?!«

Nein, das Alte ist vergangen. Neues muss geübt werden. Das machen wir. Machen Sie mit?

Geertje Perlberg

Begleiter durch alle Höhen und Tiefen

8. Mai 2011 von redaktionguh  
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Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme,  und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. Johannes 10, Verse 11.27.28

Bei uns in der Rhön sieht man immer wieder mal einen Schäfer mit seiner Herde vorbeiziehen. Ich finde das beeindruckend. Es scheint, als könnte man einen Blick zurück in die Vergangenheit werfen. Unsere Welt hat sich in vielen Bereichen so grundlegend verändert, aber den Hirten, der auf seine Schafe aufpasst, den gibt es heute immer noch. Das Bild spricht für sich.

Jana Petri ist Pfarrerin in Roßdorf.

Jana Petri ist Pfarrerin in Roßdorf.

Wenn Jesus sagt: »Ich bin der gute Hirte«, dann sagt er damit, dass er für uns da ist – Tag und Nacht; dass er uns versorgt mit allem, was wir nötig haben; dass er Orientierung gibt und Halt; dass er uns kennt und liebt. So wie ein guter Hirte seine Schafe kennt, so kennt Jesus jeden von uns ganz genau. Er sieht uns, wie wir wirklich sind, und trotzdem liebt er uns.

Wie weit diese Liebe geht, hat er dadurch gezeigt, dass er sein Leben für uns am Kreuz gegeben hat. Er hat den Tod auf sich genommen, damit wir das ewige Leben haben – ein sinnerfülltes, glückliches Leben, das Bestand hat.

Jesus kümmert sich um jeden Einzelnen und um seine Herde als Ganze – auch wenn die heute ein recht trostloses Bild abgibt. Seine Kirche erscheint angeschmutzt, verletzt und abgemagert. Vielleicht liegt das daran, dass wir verlernt haben, auf Jesus zu hören. Und es ist ja auch nicht leicht, seine leise Stimme von den vielen lauten Stimmen dieser Zeit unterscheiden zu können.

Trotzdem ist es wichtig, nach seinem Willen zu fragen, ein enges, vertrauensvolles Verhältnis zu pflegen, denn nur so können wir erkennen, welchen Weg er mit uns gehen will. Nur so können wir unterscheiden, welche Erneuerungen sein müssen und wo wir mit gut gemeinten Veränderungen vielleicht übers Ziel hinausschießen. Bleiben wir also durch Wort und Gebet bei ihm, der durch Höhen und Tiefen hindurch unser guter Hirte bleibt.

Jana Petri, Pfarrerin in Roßdorf

Typisch Mensch – typisch Gott

10. April 2011 von redaktionguh  
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Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben für viele. Matthäus 20, Vers 28

Ich gehe mit einigen Kindern in unsere Kirche. »Da vorne hängt ja ein Toter!«, ruft ein Kind und zeigt auf das Kreuz. Warum steht auf unserem Altar ein Kreuz?

Jesus bereitet die Jünger auf seinen Tod vor. In ein paar Tagen wird er verhaftet und hingerichtet werden. Er redet von sich indirekt als dem »Menschensohn«. Damit wird damals der besondere Mensch bezeichnet, durch den Gottes neue Zeit anbrechen soll. Dieser Mensch muss kommen. Das ist nötig. Denn am Anfang hat Gott den Menschen zwar zu seinem Partner gemacht. Doch stolz wollen Adam und Eva sich von Gott emanzipieren und verlieren nur ihre Würde als Partner Gottes. Typisch Mensch.

Gesine Staemmler ist Pfarrerin in Farnroda.

Gesine Staemmler ist Pfarrerin in Farnroda.

Nun muss also der Mensch seinen Platz an Gottes Seite verlassen. Der Mensch geht sich selbst und Gott verloren. Er verirrt sich bis in den Tod. Da ist nun Gott ohne den Menschen und der Mensch ohne Gott. Eine unmögliche Situation. Das kann Gott nicht durchgehen lassen.

Deshalb schickt er Jesus Christus, seinen einen besonderen Menschen. Mit dem hat Gott sich gleichgemacht. Durch ihn geht Gott dem gottlosen Menschen hinterher. Er setzt seinen Willen durch, mit dem Menschen zusammenzusein. Dafür setzt er sich selbst aufs Spiel. Er wird selbst ein Gottloser. Er geht bis in die Hölle, bis in den Tod, bis in die äußerste Gottlosigkeit. Dort stellt er sich an die  Seite des Gottlosen und verbündet sich mit ihm. So ist der Gottlose nicht mehr ohne Gott. So dient Gott seinem Menschen. Typisch Gott.

Durch Jesus Christus also wird uns Gottes eigene Zukunft eröffnet. Was uns hindert, wahre Menschen zu sein, ist von gestern. Was uns am Leben hindert, gehört zur Vergangenheit. Wir leben wieder im Bunde mit Gott. Unser Leben hat sein Zentrum wieder. Wir sind neu eingesetzt zu Partnern Gottes. Wir haben unsere Menschenwürde wieder. Wir haben eine Zukunft, für die Gott geradesteht. Deshalb steht da vorne das Kreuz.

Gesine Staemmler, Pfarrerin in Farnroda

Welche Frucht tragen wir heute?

3. April 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Johannes 12, Vers 24

Folker Blischke ist Pfarrer in Roßla.

Folker Blischke ist Pfarrer in Roßla.

Von einem Traktor gezogen rumpelt ein doppelachsiger Anhänger über den Feldweg. Beladen mit tausenden von Weizenkörnern, die auf die Aussaat warten. Doch ein Weizenkorn will sich nicht zurück in den Dreck des Ackers werfen lassen, um dort als Saat zu dienen. In einem günstigen Moment lässt sich das Korn vom Hänger fallen und landet unter einem Stein. Hier ist es vor dem Sterben im Acker sicher. Dafür bleibt es allein. Und mit den Monaten vertrocknet es allmählich, sodass es im Herbst selbst von einer Maus verschmäht wird.

Nein, so ein Weizenkorn ist Jesus nicht. Er redet in dem Gleichnis von einem Korn, das Ja sagt zu seiner Aussaat, zu seinem Sterben. Ein im Weltmaßstab unscheinbares Korn, das gerade darin reichliche Früchte trägt. Erst durch sein Sterben schafft Christus Leben, indem er als neue, verwandelte Existenz in uns wirkt.

Wäre Jesus nur ein jüdischer Wanderprediger gewesen, so hätte er weise Worte gesagt, über die wir bis heute nachdenken könnten. Als Gottessohn aber hat er seine leibliche Existenzform am Kreuz aufgegeben, um uns das Leben zu ermöglichen. Das Kreuz Jesu trägt Frucht. Und so sind wir heute, Jahrhunderte nach Jesu Sterben und Auferstehen, als seine Frucht selbst Weizenkörner Gottes. Wir sitzen gemeinsam mit anderen Körnern auf dem Anhänger, der zum Feld der Erde fährt. Die Frage lautet nur: Sage ich mit Vorfreude und Spannung Ja zu Gottes Auftrag und Willen für mein Leben – auch wenn dabei eigene Träume oder Vorhaben sterben müssen? Oder springe ich in einem günstigen Moment von der Fuhre ab, um nichts aufgeben zu müssen?

Bis heute leben wir als Frucht des Weizenkorns Jesu, der uns durch sein Sterben Leben ermöglicht. Und bis heute stehen wir selbst vor der Entscheidung, sich vor Gottes Anspruch in Sicherheit zu bringen – oder dem Weizenkorn Jesu zu folgen und Frucht für Gottes Reich und Gottes Welt wachsen zu lassen.

Folker Blischke, Pfarrer in Roßla

Auf die Zukunft ausgerichtet

27. März 2011 von redaktionguh  
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Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
Lukas 9, Vers 62

Jetzt mal Hand aufs Herz: Irgendwie passt dieser Spruch nicht so richtig in unsere Kirche. Hätte ­Jesus nichts anderes sagen können? So etwas wie: »Wer zurückschaut, analysiert Vergangenes, beachtet die gegenwärtige Situation und wertet Statistiken für die Zukunft aus, der ist genau richtig für das Reich Gottes.«

Dann hätten wir es heute viel einfacher in einer Kirche, wo derjenige, der seine Hand an die ­Kirchentür legt, 500 Jahre Baugeschichte vor der Nase hat. Wo der, der seine Hand ins Gesangbuch legt, mit großer Wahrscheinlichkeit den Musikgeschmack des 30-jährigen Krieges antrifft. Und wo der, der seine Hand an die Strukturen legt, alte Traditionen berührt.

Michel Debus, Pfarrer in Triebes

Michel Debus, Pfarrer in Triebes

Hätte er nicht etwas anderes sagen können, damit wir in Ruhe in Erinnerung schwelgen können, wie schön es mal war? Damit wir in aller Beharrlichkeit Besitzstände verteidigen können. Damit wir uns an längst überholten Fragestellungen abarbeiten können. Hätte er doch ein wenig umsichtiger ­formuliert. Aber nein, er musste es ja auf die Spitze treiben.

Seine Kirche soll nach vorne schauen, ins anbrechende neue Zeitalter seiner Herrschaft. Seine Kirche soll die Zukunft im Auge haben, die eben keine Verlängerung der Vergangenheit ist. Seine Kirche soll eine Avantgarde-Kirche sein, aber nicht in medienwirksamen Diskussionen auf den Plüschsofas der Fernseh-Talkshows, in denen sowieso nur die üblichen Themen bearbeitet werden, eben keine Trendsetter-Kirche. Nein, seine Kirche ist Avantgarde-Kirche im eigentlichen Sinn. Denn die Avantgarde bezeichnet die Vorhut im Militär, die als erstes dort ist, wo alle anderen noch hin sollen.

Der Glaube an diesen Herrn ist auf Zukunft und Hoffnung ausgerichtet, auf seine Herrschaft, die im Leben dessen beginnt, der seine Hand an den Pflug legt. Daher: Gott sei Dank, dass er nichts anderes gesagt hat.

Michel Debus, Pfarrer in Triebes

Wir können die Tür offen wissen

18. März 2011 von redaktionguh  
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Gott erwies seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Römer 5, Vers 8

Ich möchte mich entschuldigen«, bat mich ein Viertklässler kürzlich. »Aber warum denn?«, fragte ich. »Für letzte Woche, da habe ich viel Mist gemacht im Religionsunterricht und weil wir doch über das Thema ›Sünde‹ geredet haben.« In mir beginnt es zu arbeiten. »Wie war das letzte Woche? Was ist passiert in der Stunde?« – »Danke«, sage ich, »machen wir es heute besser. Abgemacht?« Er nickt, geht lächelnd.

Es ist nicht einfach, sich zu entschuldigen. Oft kostet es Überwindung. Wie bringe ich meine Entschuldigung vor, was ist, wenn meine Entschuldigung niemand hören will und sie erfolglos bleibt? Wird sie angenommen?

Anke Zimmermann, Gemeindepädagogin mit pastoraler Beauftragung in Radegast

Anke Zimmermann, Gemeindepädagogin mit pastoraler Beauftragung in Radegast

Was bewegte den Viertklässler zur Entschuldigung. War ihm das Thema »Sünde« doch nahgegangen? Entschuldigung und Sünde, geht das zusammen? »Sünde ist das, was uns von Gott trennt wie eine geschlossene Tür«, erkläre ich den Kindern ­immer, »jede Lüge, jeder unehrliche Gedanke, jede Hinterhältigkeit, jede Ungerechtigkeit. Man kann sie vergeben bekommen, indem man bereut und ­darum bittet. Wen? Jesus, der dafür gestorben ist, dass uns Sünde vergeben wird. Mit Sünde gibt es kein Leben nach dem Tod, deshalb ist es wichtig, sich seine Sünden vergeben zu lassen.«

Mein Schüler wollte wohl, dass seine Entschuldigung gehört wird, dass ihm vergeben ist, er wieder ins Reine kommt. Ich war ihm wichtig, ich sollte ihm nichts nachtragen und ihm verzeihen. Wenn die Sache geregelt ist, dann kommt alles wieder in Ordnung, auch mit Jesus.

Martin Luther fällt mir ein: »Gott übt nicht Gerechtigkeit, denn dann hätten wir nichts zu lachen, sondern er schenkt Gerechtigkeit, er überträgt seine Gerechtigkeit auf uns … Da fühlte ich mich dann wie neu geboren, und es war mir, als hätte sich die Tür zum Paradies geöffnet!« Mein Schüler wollte diese Tür einfach offen wissen.

Anke Zimmermann, Gemeindepädagogin mit pastoraler Beauftragung in Radegast.

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