Wie trauern Kinder?

26. August 2010 von redaktionguh  
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Ausstellung in Bad Berka zeigt Bilderbücher zu einem verdrängten Thema.

»Ich finde die Ausstellung sehr gelungen, denn es ist unheimlich schwer, einem Kind den Verlust eines geliebten Menschen begreiflich zu machen, man steht hilflos vor dem Problem. Hier werden einem Wege ­gezeigt, die man allein schwer findet.« Diese Worte stehen im Gästebuch einer Buchausstellung in der Stadtkirche St. Marien Bad Berka, die sich dem Thema »Kind und Tod – Wie trauern Kinder?« in besonderer Weise widmet. Über 50 Kinderbücher werden nicht nur präsentiert, sondern laden auch zum Durchblättern und Lesen ein.

Was geht eigentlich in einem Kind vor, wenn Großeltern, Geschwister, Elternteile oder Freunde sterben? Welche Vorstellungen haben Kinder vom Tod? Wie äußern und verarbeiten sie ihre Trauer?

Pastorin Friederike Spengler mit den Kindern einer 6. Klasse. Aufmerksam schauen sich die jungen Besucher die Bücher zum Thema Trauer an. (Foto: Ulrich Matthias Spengler)

Pastorin Friederike Spengler mit den Kindern einer 6. Klasse. Aufmerksam schauen sich die jungen Besucher die Bücher zum Thema Trauer an. (Foto: Ulrich Matthias Spengler)

Die Beschäftigung mit all diesen Fragen habe vor zehn Jahren begonnen, berichtet das Pfarrerehepaar Friederike und Ulrich Matthias Spengler, als es eine Familie seelsorgerlich zu begleiten hatte, deren älteste Tochter im Krankenhaus verstorben war. Die Reaktion der beiden jüngeren Geschwister auf den plötzlichen Tod sei höchst unterschiedlich gewesen. Auf der einen Seite große Emotionalität, auf der anderen Seite Distanz, die erst nach einem halben Jahr im Wahrhaben des Geschehenen mündete.

Dieses Schlüsselerlebnis habe deutlich gemacht: »Wir müssen als Pfarrer nach ­Familien in solchen Trauersituationen ­fragen!« In ihrer Doktorarbeit über das theologische Menschenbild des Kindes beleuchtete Friederike Spengler die Trauer­arbeit mit Kindern unter Berücksichtigung von Kinderbüchern. Zu den Pionieren habe »Astrid Lindgren« mit ihrem Buch »Die Brüder ­Löwenherz« (1973) gehört. Inzwischen gebe es über 100 Titel zum Thema, ist von ihr zu erfahren.

In der übersichtlich gegliederten Ausstellung in Bad Berka ist auch ein Koffer für die »letzte Reise« zu sehen – verbunden mit der Frage, was man auf diese mitnehmen würde. »Bilder meiner Lieben brauche ich nicht mitnehmen; die habe ich im Herzen, aber Dinge wie mein NSU-Moped, Baujahr 1957, … oder Aufnahmen der Matthäuspassion von Bach, des Messias von Händel oder des Requiems von Mozart«, ist da auf einem Zettel zu lesen, auf dem noch steht: »Ich bin jetzt fast 70 Jahre alt. Wann beginnt meine letzte Reise? Nur Gott weiß es!«

Michael von Hintzenstern

Die Ausstellung in Bad Berka ist bis 13. September,
dienstags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr,
samstags von 9 bis 12 Uhr zu sehen.