Mit Würfel, Kugel und Walze
5. November 2010 von redaktionguh
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Gemeinsam mit den Eltern auf Entdeckungsreise – was kann es Schöneres für Kinder geben. Neben den Schauvitrinen kann man im Bad Blankenburger Fröbelmuseum auch jede Menge Spielzeug ausprobieren. (Foto: Ulrich Fischer/Fröbelmuseum)
Seit 100 Jahren ehrt das Bad Blankenburger Fröbel-Museum den »Vater des Kindergartens«.
Die Stimmen schwirren durcheinander wie beim Basteln in einer Kindergartengruppe. Doch an den Tischen sitzen erwachsene Erzieherinnen und Erzieher. Sie versuchen sich an den Basteltechniken des aus Thüringen stammenden Reformpädagogen Friedrich Fröbel (1782–1852), an den seit nunmehr 100 Jahren das Friedrich-Fröbel-Museum in Bad Blankenburg erinnert. Dem Jubiläum widmeten das Museum im »Haus auf dem Keller« und die Stadt am vergangenen Wochenende ein zweitägiges Fest mit vielen Überraschungen.
In dem historischen Gebäude hinter der Kirche gründete der Pfarrerssohn aus dem thüringischen Oberweißbach 1839 den weltweit ersten Kindergarten. Damit sollte er, nach anfänglicher Kritik und dem preußischen Kindergartenverbot von 1851, zum Klassiker der frühkindlichen Erziehung werden. Der von ihm geprägte Begriff für die pädagogische Innovation beschrieb damals Fröbels Programm vom Aufwachsen der Kinder in einem »Garten-Paradies«. Für die Umsetzung des Konzepts von der gezielten Förderung der Kinder und ihrer schöpferischen Fähigkeiten entwickelte er die »Spielgaben« Würfel, Walze und Kugel.
Bevor der Reformpädagoge mit der bis dahin beispiellosen Einrichtung in Bad Blankenburg zum »Vater des Kindergartens« wurde, hatte er sich über drei Jahrzehnte intensiv mit Fragen von Bildung und Erziehung beschäftigt. Das führte ihn bis in die Schweiz zu den Instituten Pestalozzis und bewegte ihn, 1816/17 im thüringischen Keilhau bei Rudolstadt selbst eine Reformschule zu gründen. Das Museum zeichnet diese Entwicklung in der Ausstellung mit zahlreichen Bildern und Dokumenten anschaulich nach.
Doch besonders für die kleinen Museumsbesucher ist es weitaus interessanter, mit den vielen bunten Bauklötzen, Legetäfelchen und Holzstäbchen zu spielen oder sich unter fachkundiger Anleitung den richtigen Kniff der »Fröbel-Techniken« wie Falten oder Flechten anzueignen. Mit Singen und Musizieren vermittelt das Museum weitere Aspekte des spielerischen Lernens, das Fröbel der Auffassung von Kindereinrichtungen als »Bewahranstalten« entgegenstellte.
Was heute auf den ersten Blick simpel und altmodisch erscheint, sei zu Fröbels Zeiten »eine pädagogische Revolution« gewesen, sagt Museumsleiterin Margitta Rockstein. Denn bis weit ins 19. Jahrhundert sollten Einrichtungen für Kinder die Heranwachsenden lediglich vor den Gefahren des Alltags bewahren. Fröbel dagegen habe versucht, die Kinder durch ständige Anregung zu fördern. Dass dieses Konzept von bleibender Aktualität ist, zeige nicht zuletzt die bisweilen kontrovers geführte Bildungsdiskussion in Deutschland, sagt die Pädagogin.
Heute gehe es um den ganzheitlichen Ansatz in Fröbels Pädagogik, betont Rockstein und verweist auf seine christlich geprägte Ethik ebenso wie die naturwissenschaftlichen und mathematischen Ansätze. Das Museum in Bad Blankenburg formt daraus regelmäßig Angebote zur Fortbildung von Erzieherinnen und Erziehern. Durch die große Nachfrage von Pädagogen aus ganz Deutschland sieht sich die Museumsleiterin in ihrem Anliegen vom spielerischen Lernen und dessen Vermittlung an immer neue Generationen eindrucksvoll bestätigt.
Thomas Bickelhaupt (epd)
Die Öffnungszeiten des Friedrich-Fröbel-Museums in Bad Blankenburg:
Dienstag bis Sonnabend von 10 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr,
Führungen und Vorträge für Gruppen nach Voranmeldung
Hoffnungszeichen für die Region
28. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Neubau des Allianzhauses in Bad Blankenburg eröffnet

Umbau und Erweiterung haben die Infrastruktur der Häuser verändert und geben Raum für die zukünftige Arbeit der Evangelischen Allianz. Foto: Andreas Abendroth
Generalsekretär Hartmut Steeb bezeichnete die Einweihung als großes Geschenk Gottes. »Wir hoffen, dass hier – genau wie in der Vergangenheit – auch in der Zukunft Menschen zum lebendigen Glauben an Gott finden.« Zahlreiche Gäste, darunter Vertreter von Kirchen und Freikirchen, aus Kommune und Landkreis, ehemalige und jetzige Mitarbeiter, Beter und Spender, Dienstleister sowie Freunde und Förderer hatten den Weg in die Kurstadt gefunden und wurden mit Brassklängen der Thüringer Blechbläser begrüßt. Zu den Ehrengästen gehörte auch die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Ilse Junkermann, und in Vertretung der Thüringer Ministerpräsidentin kam Johanna Arenhövel, Gleichstellungsbeauftragte des Freistaates Thüringen.
In den Festansprachen ging der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Jürgen Werth, im Besonderen auf die derzeitige Lage der Nation ein. »Wir befinden uns in einer Zeit, geprägt von Ratlosigkeit und Hilflosigkeit. In vielen Bereichen des Lebens, der Gesellschaft, sitzt man wie auf einem Pulverfass. Manchmal mag man nicht in die Zukunft blicken. Doch da Christen Boten der Hoffnung sind, war es richtig, dieses Projekt des Neubaus und der Sanierung der Allianzhäuser anzugehen«, führte Jürgen Werth aus. Er sei darüber froh, dass sie es gewagt hätten zu bauen, und froh, dass sie im Vorfeld nicht alles gewusst hätten. Die Arbeit der Evangelischen Allianz möge ein Hoffnungszeichen sein gegen politische Resignation und wirtschaftliche Unsicherheit.
Mit dem neu errichteten Haus wird die bauliche Infrastruktur des Tagungszentrums deutlich verbessert. Hier befinden sich die Rezeption, der große Speisesaal, die Cafeteria, ein Andachtsraum sowie verschiedene Gruppen- und Funktionsräume. Die anderen beiden Häuser wurden von Grund auf saniert und behindertengerecht ausgebaut. Gästehäuser, die sich sehen lassen können. Finanziert wurde der Bau durch öffentliche Mittel der Stadtsanierung (800.000 Euro), Zuschüsse der Evangelischen Kirche in Deutschland und der EKM (je 200.000 Euro), aber auch aus Spenden der Freunde der Evangelischen Allianz und des Allianzhauses. Rund eine Million Euro stehen noch aus und wurden über ein Darlehen finanziert.
Bischöfin Ilse Junkermann fand in ihrer Ansprache die treffende Worte für die Einweihung der Allianzhäuser. »Möge hier die Heimat für eine Gemeinschaft sein. Gastlichkeit und Freundlichkeit den Ton angeben.« Sie sieht hier ein Hoffnungszeichen für die Region, in der Christen eine Minderheit darstellen, und hofft, »dass die Menschen in diesem Haus in Zukunft Neues hören, Verborgenes wiederentdecken und es so zu einem Ausrufezeichen« für Thüringen und die Kirche werde.
Andreas Abendroth






