Engagiert für das Kulturerbe

22. Januar 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Comments Off

Porträt: Georg Graf von Zech-Burkersroda

Georg Graf von Zech-Burkersroda hat in der Region Saale-Unstrut Spuren hinterlassen. Und obwohl der gebürtige Hallenser bereits seit einigen Jahren nicht mehr das ehrwürdige Amt des Dechanten der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz bekleidet, ist der 79-Jährige weiterhin mit Land und Leuten seiner Heimat verbunden. Er engagiert sich in verschiedenen Ämtern: als Ehrendomherr, als Vorsitzender des Vereins Freunde und Förderer der Vereinigten Domstifter, als Ehrenmitglied des Fördervereins Welterbe an Saale und Unstrut sowie als Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Schulpforta.

Für sein Wirken für die Rettung und den Erhalt von Bau- und Kunstdenkmalen als Dechant und fortwährend auch in seinem Ruhestand erhielt er den Denkmalpreis des Landes Sachsen-Anhalt. »Ich habe mich sehr gefreut und fühle mich sehr geehrt«, sagte Graf von Zech-Burkersroda. Der Denkmalschutz nahm in seiner Amtszeit und auch darüber hinaus eine wichtige Rolle in seinem Wirken ein, betonte er. Allein vier Kirchen in Naumburg, Merseburg und Zeitz, darunter zwei Dome, fallen in die Zuständigkeit der Vereinigten Domstifter. »In den vergangenen Jahren ist im Denkmalschutz in Mitteldeutschland gewaltig viel erreicht und nach der Zerstörung durch die Kriege und den Sanierungsstau in der DDR viel aufgearbeitet worden. Aber es gibt weiterhin viel zu tun, weil es eine große Menge an historischen Bauten gibt. Eine Kirche oder ein anderes unter Denkmalschutz stehendes Gebäude benötigt stetige Aufmerksamkeit. Da hört die Arbeit nie auf«, so Graf von Zech-Burkersroda, der 2015 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde.

Seine Verbindung zur Heimat riss nie ab

In seine zehnjährige Amtszeit als Dechant fiel die Landesausstellung rund um den Naumburger Meister im Jahr 2011 sowie die ersten Schritte der Welterbe-Bewerbung der Saale-Unstrut-Region. »Ein sehr wichtiges Projekt. Die Region hat sehr viel Potenzial. Und obwohl nur der Naumburger Dom und nicht wie erhofft die Region diesen Titel erhalten wird, wird der Dom auf das Umland ausstrahlen«, ist er gewiss.

»Die Arbeit hört nie auf«: Georg Graf von Zech-Burkersroda ist auch im Ruhestand für den Denkmalschutz aktiv. Foto: Torsten Biel

»Die Arbeit hört nie auf«: Georg Graf von Zech-Burkersroda ist auch im Ruhestand für den Denkmalschutz aktiv. Foto: Torsten Biel

Geboren 1938 in Halle, verbrachte er die ersten Kindheitsjahre auf Schloss Goseck, das seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Familienbesitz war. Mit der Bodenreform 1945 verlor die Familie das Anwesen, sie wurde enteignet. Die Mutter flüchtete, zog mit den Kindern nach Naumburg, später in ein Dorf nahe Hof in Bayern. »Wir mussten innerhalb weniger Stunden das Haus verlassen«, erinnert sich Graf von Zech-Burkersroda. Dieses Kapitel seiner Biografie prägt ihn bis heute. Der Vater wurde inhaftiert und starb wenige Wochen später im Zuchthaus in Torgau.

Nach dem Abitur studierte Graf von Zech-Burkersroda Maschinenbau mit Schwerpunkt auf Landtechnik in Bonn und Köln sowie im Anschluss dank eines Stipendiums dreieinhalb Jahre lang Betriebswirtschaft in den USA. Nach dem Studium blieb er in Übersee, arbeitete für die Gehl-Company. Nach der Rückkehr nach Deutschland Ende der 1960er-Jahre baute er als Anteilseigner eine Tochterfirma des Konzerns auf.

Die Verbindung zur Heimat jenseits der deutsch-deutschen Grenze brach nicht ab: »Ich war in der Zeit der DDR regelmäßig zu Besuch, vor allem die Leipziger Messe führte mich in die Gegend.« Im Frühjahr 2002 wählte ihn das Domkapitel zum Dechanten. Vor allem sein betriebswirtschaftliches Wissen habe dabei den Ausschlag gegeben.

In Angelmodde, einem Stadtteil von Münster, ist er seit vielen Jahren an der Seite seiner Frau Gudrun heimisch. Doch seine Wege führen ihn auch im Ruhestand regelmäßig an Saale und Unstrut. Wichtige Sitzungen und Gespräche stehen immer wieder in seinem Kalender.

Constanze Matthes

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Denkwege zu Luther

30. Oktober 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Jugendbildungsprojekt der Reformationsdekade beendet


Sie sollten eine Verbindung schaffen zwischen den Problemstellungen der Reformationszeit und dem, was junge Menschen heute umtreibt. Die »Denkwege zu Luther« waren das einzige Jugendbildungsprojekt der Lutherdekade in ganz Deutschland. Am vergangenen Freitag fand die letzte Präsentation in der Eisenacher Nikolaikirche statt.

Dafür kamen Gymnasiasten aus Bayern und Thüringen in den Tagen zuvor in der Jugendbildungsstätte Junker Jörg zusammen, um sich gemeinsam dem Motto »Entscheide dich! Die Qual der Wahl – Schwierigkeiten mit der Freiheit« zu stellen. Ihnen wurde Zeit und Raum gegeben um über ihre Lebenserfahrungen zu reden, die der anderen zu verstehen und eigene Texte zu verfassen.

Philosophische Fragerunde: Ehrliche Antworten von Unterstützern ihres Projektes erhielten die Schüler aus Gotha und Coburg. Foto: Mirjam Petermann

Philosophische Fragerunde: Ehrliche Antworten von Unterstützern ihres Projektes erhielten die Schüler aus Gotha und Coburg. Foto: Mirjam Petermann

Die Resultate ihrer Gedankengänge präsentierten die Schülerinnen und Schüler vor einem kleinem Publikum – ihren Mitschülern und ausgewählten Gästen, die allesamt Unterstützer und Verbündete des Projekts waren. »Wer bin ich?«, »Wer will ich sein?«, »Bin ich frei?«; das waren Einstiegsfragen einer Gruppe von Elf- und Zwölf-Klässlern, die sie zu Martin Luthers Zitat »Nur wer sich entscheidet, existiert« führte. Weiter gingen ihre philosophischen Betrachtungen mit der Frage, was unsere Entscheidungen prägt, wie es um Luthers Entscheidungen stand und wie sie persönlich überhaupt sinnvoll Entscheidungen treffen können – beispielsweise die Berufswahl – ohne überhaupt alle Folgen erahnen zu können. Die Quintessenz ihres gedanklichen Diskurses lautete schließlich: »Wir sind frei in Entscheidungen, aber gezwungen sie zu treffen.«

Bereits seit drei Jahren kooperieren das Ernestinum Gotha und das Casimirianum Coburg im Rahmen der Denkwege als »Ost-West-Tandem-Projekt«, um gemeinsam voneinander zu lernen. Dreimal trafen sich dabei, zumeist wechselnde, Schülerinnen und Schüler zu einer Projektwoche. Das bundesweite Jugendbildungsprojekt »Denkwege zu Luther« wurde von den Evangelischen Akademien Sachsen-Anhalt und Thüringen zur Vorbereitung des Reformationsjubiläums in der Lutherdekade 2009 gestartet. In philosophischen und theologischen Gesprächen, durch kulturell-künstlerische Themenzugänge, beim thematischen Geocaching oder in Musik- und Schreibwerkstätten erschlossen sich Jugendliche Grundfragen der religiösen Dimension menschlichen Daseins und erarbeiten sich ein Grundverständnis für den bis heute wirkungsvollen historischen Aufbruch der Reformationszeit. Seit dem Projektbeginn wurden 430 Seminartage mit insgesamt 3 400 Jugendlichen und 2 100 Multi­plikatoren realisiert. Ab 2011 konnte das Projekt in größeren Dimensionen umgesetzt werden, da es seitdem von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wurde.

»Es war ein Leuchtturmprojekt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), mit dem wir uns oft geschmückt haben«, sagte die Projektleiterin der Lutherdekade Christiane Schulz nach den Projektvorstellungen der Schüler am Freitag in Eisenach. Da die Förderung im Dezember 2017 endet, wird das Projekt seine Arbeit einstellen. Ähnliche Jugendbildungsprojekte soll es dennoch auch in Zukunft in der EKM geben.

Mirjam Petermann

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de


Land ohne Glauben?

9. Juni 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Die ARD-Themenwoche widmet sich dem Glauben und Nichtglauben. Fernseh- und Hörfunkprogramme begeben sich auf Spurensuche nach der religiösen Vielfalt in Deutschland und nach dem, was den Menschen Halt gibt.

Mit einer Themenwoche »Woran glaubst du?« will die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) zwischen dem 11. und 17. Juni in ihren Fernseh- und Hörfunkprogrammen »der Frage nach dem Sinn des Lebens« nachgehen. Religion und Weltanschauungen und die Frage nach Halt und Orientierung seien in Zeiten der Verunsicherung hochaktuelle gesellschaftlich relevante Themen, sagte MDR-Intendantin und ARD-Vorsitzende Karola Wille.

Die ARD-Themenwoche unter Federführung des MDR werde viele Gesichter haben und »nicht nur in religiösen Dingen unterwegs sein«, sagte Wille. Gezeigt würden Vielfalt und Facetten des Glaubens. Dabei reicht das Spektrum vom besonders in Ostdeutschland verbreiteten Atheismus bis zum religiösen Fundamentalismus.

Ausgerechnet in einer der »gottlosesten Regionen der Welt« fragt der Mitteldeutsche Rundfunk nach dem Glauben. Foto: Ingo Wagner/picture alliance

Ausgerechnet in einer der »gottlosesten Regionen der Welt« fragt der Mitteldeutsche Rundfunk nach dem Glauben. Foto: Ingo Wagner/picture alliance

Ein breit gefächertes Programm­angebot will den Blick auf die vielen Spielarten des Glaubens öffnen. So soll im Ersten das Thema in Dokumentationen, Reportagen und Fernsehfilmen behandelt werden. Geplant sind unter anderem die Fernsehfilme »Atempause« (MDR/SWR) über den plötzlichen Hirntod eines Neunjährigen oder »Die Konfirmation« (siehe Seite 12) über einen Jugendlichen, der seine nicht gläubigen Eltern mit dem Wunsch nach einer Taufe überrumpelt.

Dazu kommen Serien, Dokumentationen und Talkrunden, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema beschäftigen. So wird sich das MDR-Magazin »Fakt« mit Verschwörungstheorien auseinandersetzen, das Wirtschaftsmagazin »Plusminus« mit dem Esoterik-Markt und die »Sendung mit der Maus« mit Religion. »Auf dieses Spektrum sind wir sehr stolz«, sagte der Programmdirektor des Ersten, Volker Herres. Die Dritten Programme steuern nach Angaben von MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi weitere mehr als 100 Sendestunden bei. Zum Beispiel fragt der RBB nach »Yoga als Religionsersatz« und der SWR zeigt eine Dokumentation über einen früheren Priester, der heute verheiratet ist und acht Kinder hat.

Der MDR wird sich am 12. Juni um 22.45 Uhr im Ersten mit »Land ohne Glauben« auf Spurensuche nach dem Leben ohne Religion im eigenen Sendegebiet begeben. Darin wird auch die engagierte EKM-Pfarrerin Esther Maria Fauß aus Greußen (Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen) porträtiert.

Religionssoziologen sprechen von Ostdeutschland als einer der »gottlosesten Regionen der Welt«. So gehören in Sachsen-Anhalt 83 Prozent der Einwohner keiner christlichen Kirche mehr an. Das sind im Schnitt acht von zehn Menschen, die nicht an eine der großen Kirchen gebunden sind. In Bayern, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sind es nur zwei bis drei von zehn.

Ergänzt wird der MDR-Beitrag durch ein Datendossier. Dafür wurden den Angaben zufolge alle großen Sozialstudien und insgesamt 1 250 Datensätze ausgewertet, die regionale Vergleiche auch auf kleinräumlicher Ebene erlauben. Herausgekommen seien interessante Ergebnisse wie jenes, dass die Lebenserwartung in Deutschland dort am höchsten ist, wo es die meisten Kirchenmitglieder gibt, sagte Jacobi.

Die Themenwoche wird inhaltlich im Internet begleitet. Dort werden alle Aktionen und Schwerpunkte vor und während der Woche gebündelt. Für das ARD-weite Multimedia-Projekt »Woran glaubt Deutschland?« erklären Menschen aus ganz Deutschland ihre persönliche Einstellung zu Glaubensfragen (siehe Seite 2 »Namen«). Daraus entsteht eine Deutschland-Karte, die mit Videos, Fotos sowie Audios ergänzt wird und einen emotionalen Zugang zum Thema schaffen soll. Darüber hinaus können sich die Nutzer über die Sozialen Netzwerke an der Diskussion beteiligen.

Ziel der seit 2006 jährlich stattfindenden Themenwochen ist, gesellschaftlich relevante Sachverhalte zu behandeln und eine öffentliche Diskussion anzustoßen.

Markus Geiler  (epd/G+H)

www.themenwoche.ard.de

Beten mit Hashtag

5. Juni 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Comments Off

Twittergottesdienst: »Bitte das Handy nicht ausschalten!«

In diesem Gottesdienst heißt es: »Bitte lassen Sie ihr Handy an!« Wer dann auf sein Smartphone blickt, tippt und schnell mal etwas twittert, ist nicht etwa abwesend und unhöflich, sondern Teil des Geschehens in der Magdeburger Wallonerkirche – und das ist ausdrücklich erwünscht. Anlässlich des Kirchentages auf dem Weg unter dem Motto »Sie haben 1 gute Nachricht« gibt sich die Kirche modern und will mit neuen Formaten andere Zielgruppen erreichen.

Erstmals wird dort am Freitagabend ein Twittergottesdienst gefeiert. Unter dem Hashtag #twigo kann sich die Gemeinde über Twitter, aber auch über andere Social-Media-Kanäle, sofort einbringen. Zahlreiche Neugierige sind gekommen, um sich selbst ein Bild zu machen.

Ralf Peter Reimann, Pfarrer und Internetbeauftragter der Evangelischen Kirche im Rheinland, hat bereits Erfahrung mit Twittergottesdiensten: »Es ist ein Mitmach-Gottesdienst, bei dem die Gemeinde aktiv dabeisein kann.« Er gestaltet den Gottesdienst in der Wallonerkirche gemeinsam mit Pfarrer Christoph Breit von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Bereich Social Media und Networkmanagement. Breit sagt: »Das Setting bleibt klassisch: Es gibt zwei Pfarrer und es gibt die Gemeinde.« Nur sei man mit allen Inhalten eben noch bei Twitter vertreten. Dazu ist allerdings auch einige Technik und Hilfe nötig und natürlich Internet.

Wer in diesem Gottesdienst Technik benutzte, war nicht etwa abwesend und unhöflich, sondern Teil des Geschehens beim Twittergottesdienst in der Wallonerkirche in Magdeburg. Foto: Viktoria Kühne/epd

Wer in diesem Gottesdienst Technik benutzte, war nicht etwa abwesend und unhöflich, sondern Teil des Geschehens beim Twittergottesdienst in der Wallonerkirche in Magdeburg. Foto: Viktoria Kühne/epd

Eine große Leinwand ist aufgebaut, auf der das Ganze verfolgt werden kann. Zu Beginn twittern die Teilnehmer, woher sie kommen: Schönebeck, Magdeburg, Erfurt, Hamburg, Frankfurt am Main oder »aus der schönen Rhön«. Der Gottesdienst wird auch auf Bibel TV übertragen. Auf der »Social Media Wall« in der Wallonerkirche laufen die Tweets für alle Gottesdienstbesucher sichtbar ein, springen aber auch etwas unruhig von einer Leinwand-Ecke in die nächste. Man braucht schon Konzentration, um gleichzeitig den Gottesdienst zu verfolgen, die Tweets zu lesen und selbst mitzumischen.

»Das, was diese Form des Gottesdienstes stark macht, ist die Beteiligung«, sagt Reimann. So können Fürbitten getwittert werden. »Wir sollten diese Chance nutzen, die die Digitalisierung uns ermöglicht.«

Dabei können sich nicht nur Menschen über Twitter beteiligen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht in die Kirche kommen könnten, so Reimann. Sondern es sei auch ein Angebot für Menschen, denen die Kirche fremd sei und natürlich für die jüngeren Generationen. Hier werde ein »niedrigschwelliger Zugang« geboten. Zudem sei die Kommunikation direkter. Normalerweise störten Rückfragen bei der Predigt, seien nicht vorgesehen. Per Twitter seien diese möglich. »Ein Twittergottesdienst wird den Gemeindegottesdienst nicht ersetzen, aber er kann Kirche für andere Zielgruppen erlebbar machen.«

Es gibt aber auch Menschen wie die ältere Frau, die in die Wallonerkirche kommt und sagt: »Ich weiß eigentlich gar nicht, was Twitter ist.« Für sie und andere Besucher werden Karteikarten verteilt, auf denen sie etwas aufschreiben können. Die jungen Helfer, die am Rande mit ihren Laptops sitzen, basteln daraus Tweets. So werden Glaubensbekenntnisse getwittert, gute Geschichten und eben Fürbitten: »Es ist ein großes Glück, glauben zu dürfen.« – »Ich glaube an die Sonne.« – »Jesus lebt. Er zeigt uns den way.« – »Gott ist immer da.« – »Segne alle, die unterwegs sind zu dir.« Und manchmal geht es auch nur um den Akkustand des eigenen Handys.

Romy Richter (epd)

Ver(g)lockende Technik

17. Januar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Comments Off

Per Smartphone und App werden die Glocken der Kirche zu Hedersleben zum Läuten gebracht

Dirk Seiferheld braucht, um die Glocken in Hedersleben zu läuten, nichts anderes als sein Smartphone. In einem kleinen Programm, einer App, sind die jeweiligen Glockennamen Sophia (Taufglocke), Otto (Mittagsglocke) sowie Domenica (Sonntagsglocke) aufgelistet. Nur ein Antippen des Telefon-Bildschirms genügt, dann setzen sich die Kirchenglocken in Bewegung. Das funktioniert so: Das Signal der App wird an einen Server und von dort aus an den Rechner unterhalb des Glockenstuhls weitergeleitet. Zudem ist oberhalb des Glockenstuhls eine kleine Kamera angebracht, die die Bilder der schwingenden Glocken überträgt.

Auf dem Smartphone werden die verschiedenen Läuteprogramme angezeigt. Foto: Susann Salzmann

Auf dem Smartphone werden die verschiedenen Läuteprogramme angezeigt. Foto: Susann Salzmann

Verschiedene Geläute hat Dirk Seiferheld programmiert. Selbstredend das Vollgeläut mit der vierten großen Glocke. Einen halben Tag habe es gedauert, bis alles vollständig programmiert war, erinnert sich der IT-Berater. Er ist zugleich Mitglied im Kirchbauverein Hedersleben. 16 Jahre hat es von der ersten Idee bis zur Umsetzung gedauert, erzählt Tobias Jäsch vom Verein. »Jetzt haben wir Bayern nach Hedersleben geholt«, frohlockt er über die Klänge der in Passau gegossenen Kirchenglocken. »Nach so langer Zeit ist es schön, dass es endlich geschafft wurde«, freut sich auch Pfarrerin Eva Kania. Der große Vorteil: Zum Läuten muss niemand mehr ins Gotteshaus. Mit Internetverbindung versehen, ist ein Läuten von jedem Ort der Welt aus möglich. Auch die etwa 80 Stufen in den 25 Meter hohen Glockenturm müssen nun nicht mehr gegangen werden. Ganz ungefährlich ist das Ganze ohnehin nicht mehr, zeigt Dirk Seiferheld auf die marode Treppe vom Uhrwerk hoch in den Glockenstuhl.

Laut Tobias Jäsch soll es die erste Kirche sein, deren Glocken via App zum Klingen gebracht werden. Und weitere neue Ideen haben die engagierten Vereinsmitglieder schon wieder. So würde derzeit nach Anschlaghämmern gesucht, damit einzelne Glocken angeschlagen und auf diese Weise auch Melodien gespielt werden können, verraten Tobias Jäsch und Dirk Seiferheld. »Natürlich ist das Glockenwerk kein Spielzeug, auf dem jeder seine Wunschmelodie spielen kann«, ergänzt der IT-Kundige.

Susann Salzmann

Zum Surfen in die Kirche

19. August 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Ein umstrittener Vorstoß: Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz will in ihren Gebäuden künftig kostenloses freies WLAN anbieten.

Den Namen Fabian Kraetschmer sollten Sie sich merken. Fabian Kraetschmer ist der Mann, der Deutschland das kostenlose freie WLAN (drahtloses lokales Netzwerk) bringt. Zumindest erst einmal dem Nordosten, dem Arbeitsgebiet des 36-Jährigen. Seit 2014 leitet Kraetschmer das IT-Referat der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Er ist Fachmann, kein Theologe, aber er hat eine Vision: Seine Landeskirche soll der größte Anbieter von offenem WLAN in Deutschland werden.

Kontaktaufnahme im Wandel der Zeiten: In seinem berühmten Deckenfresko für die Sixtinische Kapelle stellte Michelangelo Buonarroti Adam dar, der seinen Zeige- finger ausstreckt, um Gott zu erreichen; Gottvater seinerseits lässt den Lebensfunken auf Adam überspringen. Erreichbarkeit heute, das heißt oftmals, erreichbar über  das Internet – demnächst auch jederzeit in der Kirche? Fotos: Wikipedia und godspot.de/Collage: G+H

Kontaktaufnahme im Wandel der Zeiten: In seinem berühmten Deckenfresko für die Sixtinische Kapelle stellte Michelangelo Buonarroti Adam dar, der seinen Zeige- finger ausstreckt, um Gott zu erreichen; Gottvater seinerseits lässt den Lebensfunken auf Adam überspringen. Erreichbarkeit heute, das heißt oftmals, erreichbar über das Internet – demnächst auch jederzeit in der Kirche? Fotos: Wikipedia und godspot.de/Collage: G+H

Möglich machen soll dies die Initiative »Godspot«. Der einprägsame Name kombiniert den englischen Begriff für einen öffentlichen drahtlosen Internetzugriffspunkt (hotspot) mit dem englischen Wort für Gott (god). Wobei sich der Nutzer auch einmal verhören und »good« statt »god« verstehen darf. Denn »good«, also gut, finden die Macher die Idee, Hotspots in den Häusern des Herrn einzurichten. Andere finden sie weniger »good«. Was die EKBO für 3 000 Gebäude auf ihrem Gebiet – neben Kirchen zum Beispiel auch Pfarrhäuser oder evangelische Schulen – plant, hat längst auch in den übrigen Landeskirchen die Diskussion angeregt.

Im Kern sind es drei Argumente, die von den »Godspot«-Kritikern vorgebracht werden: Ablenkung, Anbiederung und die Sorge um gesundheitliche Gefahren. Vor Letztgenanntem warnt Werner Thiede, Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und außerplanmäßiger Professor für Systematische Theologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Er verweist auf Studien, wonach die WLAN-Taktung die Zellprozesse negativ beeinflussen könnte – und zwar bereits billionenfach unterhalb des in Deutschland zulässigen Grenzwertes. Für die Kirche gelte ob der unklaren Risiken das Vorsorge-Prinzip – Vorsicht also. Thiede weist außerdem darauf hin, dass Kirchen durch Hotspots zur »Bannmeile« für Menschen mit Elektrosensibilität werden. Menschen also, die eine besondere Empfindsamkeit gegenüber elektromagnetischer Strahlung und Magnetfeldern haben.

Das zweite Argument gilt der Ablenkung. Was, wenn die Gläubigen dem Gottesdienst nicht mehr folgen, sie lieber auf ihr Smartphone als zur Kanzel schauen? »Dann haben wir ein Predigtproblem und kein ›Godspot‹-Problem«, heißt die Antwort von Fabian Kraetschmer auf diese häufig gestellte Frage.

Und dann ist da noch die Sorge um die Anbiederung. Muss sich die Kirche mittels freiem WLAN für Besucher attraktiv machen – muss sie also mit denselben Mitteln buhlen wie etwa Café-Betreiber um ihre Kundschaft?

Bedenklich ist vor allem das Gesundheitsargument. Das allerdings weniger wegen der kurzen Zeit, die Gläubige in der Woche in der Kirche verbringen, als wegen der vielen Stunden, die sie am Arbeitsplatz oder daheim von WLAN umgeben sind. Auch die Ablenkung ist nicht von der Hand zu weisen. In Theatern und vor Konzerten wird das Publikum mittlerweile routiniert gebeten, »abzuschalten«. Das Bedienen von Smartphones stört auch in diesem, der Freizeit gewidmeten Umfeld, wo es in aller Regel keine Hotspots gibt, wo Menschen also ihren mobilen Zugang zum Internet nutzen.

Weil bei diesem aber alle bewegten Datenpakete kosten und er zudem oft langsamer ist als eine WLAN-Verbindung, sind Hotspots so beliebt. Und in anderen Ländern auch weit verbreiteter als in Deutschland. Das liegt an dem erst kürzlich gekippten Gesetz über die Störerhaftung, welches die Anbieter von Hotspots bisher verantwortlich machte für strafbare Handlungen, die von Dritten über ihre Leitungen begangen werden. Nun, da diese Unsicherheit abgeschafft ist, herrscht Nachholbedarf im Lande. Hier könnte sich die Kirche tatsächlich anschicken, flächendeckend freien Zugang zum Internet zu verschaffen. Die Infrastruktur mit Gebäuden in jedem Dorf ist vorhanden, die technischen Hürden und Kosten sind zu bewältigen.

Es wäre ein Experiment, ein Sich-offen-Zeigen für eine neue Idee. Auch wenn die nicht jeder so himmlisch findet wie Fabian Kraetschmer.

Susann Winkel

Luthers wahrer Kampf

25. März 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Es ist eine alarmierende Zahl: Zehn Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Angststörungen. Dass auch gläubige Menschen davon nicht verschont sind, erfahren Seelsorger jeden Tag.

Wer an Martin Luther denkt, sieht den glaubensstarken Reformator, den mutigen Bekenner. Doch auch Luther hatte Angst, schwere Zweifel und wohl auch Depressionen.Wenn sich die evangelische Kirche nun auf »500 Jahre Reformation 2017« vorbereitet, sollte sie diese Seite des Reformators nicht vergessen. Denn im Zentrum der Reformation stand nicht die Auseinandersetzung mit Rom, sondern eine seelsorgerliche Frage: die Tröstung des geängstigten Gewissens. Und hier war Luther ein wahrer Kämpfer. Er wehrte sich gegen die nutzlose Furcht, gegen die kirchliche Angstmacherei vor Tod und Hölle. Die Idee einer für den Glauben nützlichen Furcht verwarf er. Davon befreit, konnte sich Luther den inneren Ängsten zuwenden – zweifellos der schwierigere Part. Er praktizierte das, was die Angstforschung als Grundwahrheit erkannt hat: Angst kann nur überwunden werden, wenn man ihr ins Gesicht sieht. Er erkannte, dass sein seelischer Zustand nicht durch menschliche Anstrengung stabilisierbar ist, weder durch moralische Taten noch durch intellektuelle Denkleistungen. Erst dann konnte er sagen: »Christus ist mein Heil und Retter.«

Die Kirche ist keine Agentur für Angstbeseitigung. Der Glaube ist ein Lebensweg, auf dem Ängste der Endlichkeit, der Verlassenheit und Verlorenheit ausgedrückt, angenommen und bewältigt werden können. Luthers Kampf und die Reformation erinnern daran, dass Gott uns auf diesem Weg weit entgegenkommt.

Helmut Frank

Der Autor ist Chefredakteur des Sonntagsblattes (Evangelische Wochenzeitung für Bayern).

Fragen Sie Bodo Ramelow!

11. Juni 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

Comments Off

Liebe Leserinnen und Leser!

Keine Landtagswahl zuvor hat im Freistaat Thüringen so heftige und gegensätzliche Reaktionen ausgelöst wie die im vergangenen Jahr. Die Wahl eines linken Ministerpräsidenten hat auch viele Christen erschüttert. Obwohl Bodo Ramelow bekennender evangelischer Christ ist, gibt es Ressentiments. Zudem kritisierte der Politiker der Linken kürzlich den Einfluss der Kirchen auf nichttheologische Lehrstühle an Universitäten in Bayern und die Finanzierung von Amtssitzen und Amtsfunktionen aus staatlichen Geldern. Er selbst sieht sich als »eine Provokation – mal für die Kirchen und mal für meine Partei«.

Es geht nicht nur um die Glaubwürdigkeit eines Menschen und Christen, es geht auch um die Glaubwürdigkeit in der Politik. Deshalb ist ein offener Dialog, auch ein offener Streit immer der bessere Weg als Mutmaßungen oder unterschwelliges Misstrauen.

Dietlind Steinhöfel

Dietlind Steinhöfel

Harald Krille

Harald Krille

Ganz sicher haben Sie als Christen und Leser unserer Kirchenzeitung Ihre eigenen Fragen an einen »linken Christen«. Für Juli konnten wir als Redaktion »Glaube + Heimat« einen Interviewtermin mit Ministerpräsident Bodo Ramelow vereinbaren. Wir möchten zu diesem Termin Ihre Fragen mitnehmen!

Schreiben Sie uns, was Sie vom Thüringer Ministerpräsidenten und Christen Bodo Ramelow schon immer einmal wissen wollten! Nehmen Sie kein Blatt vor den Mund!

Wir sind darauf gespannt und freuen uns auf ein interessantes Interview!

Ihre Dietlind Steinhöfel
und Ihr Harald Krille

Zuschriften bis zum 1. Juli an:

Redaktion »Glaube + Heimat«
Lisztstraße 2 a
99423 Weimar
E-Mail <redaktion@glaube-und-heimat.de>
Fax (0 36 43) 24 61 12

Unterkante Stammtisch

15. Dezember 2014 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Auch wenn die CSU mittlerweile zurückrudert und die Formulierungen abschwächt: Die Katze ist aus dem Sack, der Schaden angerichtet. Der bayrische Vorschlag lautet: Deutschpflicht für Ausländer. Und zwar auch in den eigenen vier Wänden. Es wäre eigentlich nur ein müdes Lächeln wert, was da aus dem wohlgefüllten Ressentiment-Portfolio der Christ-Sozialen in die Gegend posaunt wird. Aber es ist alles andere als lustig, sondern gefährlich. Denn wie die ausländerfeindlichen Demonstrationen in Dresden (PEGIDA) zeigen: In der Mitte der Gesellschaft liegt ein Zunderhaufen aus Angst und Hass bereit, der noch unentzündet daliegt. Doch statt sich konstruktiv in die Integra­tionsdebatte einzubringen und einer Spaltung der Gesellschaft in »Wir« und »Die« entgegenzuwirken, legen die vermeintlichen Wertewächter aus Bayern noch nach. Mit der Präzision eines Uhrwerks stichelt die CSU gegen Ausländer (»Wer betrügt, der fliegt«). Applaus von Rechtsaußen garantiert.

Niemand wird bestreiten, dass zur Integration Kenntnisse der Sprache notwendig sind und Zweisprachigkeit ein hohes Gut ist. Die CSU-Forderung hingegen ist absurd und gefährlich. Absurd, weil privat privat ist und kein Staat in das Private hineinregieren sollte. Und es ist gefährlich, weil es, verpackt in einer scheinbar gut gemeinten Forderung, einseitig Migranten diskriminiert. Nach dem Motto: »Die wollen gar nicht Deutsch lernen, also müssen wir sie dazu zwingen.« Rechtspopulismus wie aus dem Lehrbuch. Gut möglich, dass das Fischen am rechten Rand Kalkül ist, um AfD- oder NPD-Wähler anzulocken. Das macht aber dumpfe populistische Gedanken salonfähig.

Islamfeindlichkeit und Ausländerhass sind Phänomene der Mitte der Gesellschaft geworden. Auch Dank der Ressentiments der CSU. Das ist weder christlich noch sozial, sondern gefährlich. Nächstenliebe aber wäre das Gebot der Stunde.

Stefan Körner

Lichtes Hoffnungszeichen

25. November 2014 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Comments Off

Das neue Gemeindehaus in Lichte

Tiefe Täler haben sich die Flüsschen Lichte und Piesau ins Thüringer Schiefergebirge gegraben. Bis zum Rennsteig sind es rund fünf Kilometer und nach Bayern nur ein paar mehr. Hat man Bergkuppe und Wald hinter sich gelassen, geht der Blick weit hinunter. Zwischen 800 und 500 Höhenmetern liegt der Ort Lichte mit seinen schmucken schiefergedeckten Häusern.

Das neue Gebäude: Die Gemeinde ist stolz auf das Geschaffene. Foto: Thomas Schäfer

Das neue Gebäude: Die Gemeinde ist stolz auf das Geschaffene. Foto: Thomas Schäfer

Zur evangelischen Kirchengemeinde Lichte (Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld) gehören Lichte und Wallendorf mit Bock, Teich sowie Geierstal. Seit einigen Jahren wird vom Pfarramt Wallendorf aus auch Schmiedefeld und Piesau mit versorgt. Insgesamt betreut Pfarrer Michael Nolde etwa 1 150 Gemeindeglieder. Wenn er auf die Zahlen schaut, verfinstert sich allerdings sein Gesicht: »Die Pfarrstelle hat in den letzten fünf Jahren etwa 200 Gemeindeglieder verloren.« Bislang waren zwei Pfarrhäuser und drei Kirchen zu verwalten, seit Mai ist ein weiteres Gebäude dazugekommen.

Küsterin Helga Schulz steht strahlend vor dem neuen Gemeindehaus in Lichte. Die Freude über das Geschaffene ist der Kirchenältesten ins Gesicht geschrieben. Fast 200 Jahre zog die Gemeinde von einem Ausweichquartier zum anderen. 1998 erwarb sie schließlich das Grundstück Dorst 6, auf dem bereits ihr kleiner Glockenturm stand. Erste Ideen und Entwürfe werden ab 2010 diskutiert. Im Mai 2011 dann eine Spendensammlung. »Wir sind von Haus zu Haus gegangen und fast nie abgewiesen worden«, erinnert sich Helga Schulz. Knapp 3 800 Euro und Eigenleistungen im Wert von 12 000 Euro kamen zusammen. Angespartes, Lotto-Mittel und landeskirchliche Unterstützung ermöglichen im Juli 2013 den Baubeginn, im September ist Richtfest und am 10. Mai 2014 Einweihung. »Als der Rohbau stand, setzte eine Hilfswelle ein. Es gab hohe anonyme Einzelspenden, und Handwerker ließen sich nur das Material bezahlen«, sagt Herbert Greiner. Bei dem pensionierten Bauingenieur liefen die Fäden zusammen. Gemeinsam mit Helmut Fischer sowie Helga und Günter Schulz war er täglich auf der Baustelle zu finden. »Wir sind halt die Rentnergang«, lachen sie.

Entstanden ist ein kleines Multifunktionsgebäude mit großem Raum für etwa 50 Personen, kleiner Teeküche und Toilette. Die beiden Bleiglasfenster mit Martin Luther und Johann Sebastian Bach sowie Harmonium und Liedertafel zogen stets mit der Gemeinde um und vermitteln nun ein Stück Heimat. Insgesamt seien rund 86 000 Euro an Baukosten (ohne Eigenleistungen und Sachspenden) aufgebracht worden, informiert Pfarrer Nolde. Man kam damit aus und ist schuldenfrei. Jetzt werden die Außenanlagen fertiggestellt.

Derzeit nutzen acht bis zwölf Kinder das Christenlehreangebot des Kirchspiels, und es gibt fünf Vorkonfirmanden und zehn Konfirmanden. Am Reformationstag wurde ihr Stegreiffilm »Bruder Martin« im Gemeindehaus gezeigt. Intensiv hatten sie sich mit Luthers Leben auseinandergesetzt. Zudem wird jeden Monat zu zwei Bibelabenden eingeladen. Der Kirchenchor geht auf sein 260. Jubiläum zu.

Alles gut? Nein. »Wir haben den Jammer mit der 2005 fertiggestellten Trinkwassertalsperre Leibis-Lichte. Die hohen Umweltauflagen haben unsere Porzellan- und Glasindustrie fast ganz futsch gemacht und lähmen Neuansiedlungen. Von rund 2 600 Einwohnern ist die Zahl auf 1 500 gesunken«, erklärt Helga Schulz. Man liegt an der Thüringer Porzellanstraße, aber die jungen Leute pendeln bis nach Bamberg. Viele sind deprimiert. Lichte hatte mit 28,6 Prozent die geringste Wahlbeteiligung Thüringens.

Umso mehr ist das neue Gemeindehaus ein hoffnungsvolles Zeichen von Tatkraft und Gemeinschaftssinn.

Uta Schäfer

nächste Seite »