Hier mehr und dort weniger

18. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Thüringen

In Creuzburg lädt während der Passionszeit eine Fastengruppe Interessierte ein

Traude Moseberg, Ilka Wagner, Monika Bley-Wagner und Elvira Dietzel (v. l.) ­gehören zu den Mitgliedern der Creuzburger Fastengruppe. Foto: Susanne Sobko

Traude Moseberg, Ilka Wagner, Monika Bley-Wagner und Elvira Dietzel (v. l.) ­gehören zu den Mitgliedern der Creuzburger Fastengruppe. Foto: Susanne Sobko

In der ersten Fastengruppe in Creuzburg im Wartburgkreis trafen sich vier Frauen. 2009 waren es schon acht. Und in diesem Jahr wird mit einer noch höheren Zahl gerechnet. Ilka Wagner und Monika Bley-Wagner fühlen sich damit bestätigt – sie hatten die Idee, solch eine Gruppe nach Vorbild der Fastenaktion »7 Wochen Ohne« der Evangelischen Kirche in Deutschland auch in ihrer Heimatgemeinde im Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen anzubieten. Anfangs dominierte das Abnehmen in den Gesprächen, doch mit der Zeit wurden andere Themen viel wichtiger. So ging es oft um das Zeit-Fasten, beispielsweise um das Abschalten des Fernsehers, um mal wieder mit dem Partner ins Gespräch zu kommen oder ein Buch zu lesen. Auch den Verzicht auf Alkohol nahmen sich die Frauen vor.

Damit hatte Monika Bley-Wagner als Leiterin der Gruppe die wenigsten Probleme. Als sie sich dann für den Verzicht auf ihre »heißgeliebten ­Gummibärchen« entschied, wuchs die Herausforderung. »Mir ist das Durchhalten sehr schwergefallen«, gibt die Creuzburger Kantorkatechetin zu, »ganz habe ich es nicht geschafft.« In diesem Jahr plant sie einen neuen Versuch. Ilka Wagner will vor allem auf Arbeit verzichten, denn wegen ihres ehrenamtlichen Einsatzes für die Redaktion »Kirche im Wartburg-Radio« bleibt oft zu wenig Zeit für die Partnerin. Mehr gemeinsam spazieren zu gehen ist ein Ziel der beiden. Wie sie festgestellt haben, sind solche Vorhaben auch in den Alltag jenseits der Fastenzeit »rübergeschwappt« – sie üben also inzwischen generell öfter mal Verzicht als früher. Auch die anderen Teilnehmerinnen haben das Fasten als heilsam empfunden, erzählen sie.

Aber Fasten könnte doch auch ­jeder für sich allein? Monika Bley-Wagner schüttelt energisch den Kopf. Die wöchentlichen Gruppentreffen hält sie für sehr wichtig, vor allem ­wegen der Gespräche. Eigentlich ist am Mittwochabend nur eine Stunde für die Treffen angesetzt, aber meist sitzen die Frauen viel länger zusammen. Weil sie Dinge ansprechen können, über die sie sonst mit niemandem reden, erklärt die Kantorkatechetin. Sie fühlt sich dabei nicht nur als Seelsorgerin, sondern profitiert selbst. »Da geht es um Themen, auf die wir selbst nicht gekommen wären. Bei der Kirche sind wir ja manchmal ein bisschen betriebsblind«, so ihr Fazit.

Das diesjährige Motto »NÄHER! 7 Wochen ohne Zaudern« findet sie sehr gut. Zwar ist die Anonymität in Creuzburg kein so großes Problem wie in Großstädten, aber auch hier kennt sie genug Menschen, die sich über einen Besuch freuen würden. Angesichts des Arbeitsmaterials der evangelischen Kirche rechnet sie zudem mit vielen Denkanstößen. Die Gruppenteilnehmerinnen beschäftigen sich die ganze Woche mit den Texten und Fotos und kommen dann mit vielen Fragen zum Treffen, erzählt die 55-Jährige. Ihre Gruppe ist überkonfessionell, denn auch Nichtchristen sind herzlich eingeladen. »Bei solch einem Angebot kommen eher mal Menschen, die sonst nicht in die Kirche ­gehen würden«, sagt sie. Außerdem ist die Gruppe offen, sodass jederzeit neue Interessenten dazukommen können. Zum Abschluss wird am 31. März zum gemeinsamen Passahmahl eingeladen.

Susanne Sobko

Die Gruppe trifft sich seit dem 17. Februar immer mittwochs um 19 Uhr im Gemeindehaus in Creuzburg, Klosterstraße 12.

Drei Damen vom Gerüst

In der Liboriuskapelle Creuzburg wird die Wandmalerei restauratorisch untersucht.

Die Restauratorinnen Elodie Rossel, Antje Möller und ­Nicole Knobloch (v. li.) legen derzeit in der ­Liboriuskapelle Creuzburg eine Musterachse an, um ein restauratorisches ­Konzept erstellen zu können. (Foto: Norman Meißner)

Die Restauratorinnen Elodie Rossel, Antje Möller und ­Nicole Knobloch (v. li.) legen derzeit in der ­Liboriuskapelle Creuzburg eine Musterachse an, um ein restauratorisches ­Konzept erstellen zu können. (Foto: Norman Meißner)

Elodie Rossel, Nicole Knobloch und Antje Möller kommen kaum zum Arbeiten. Durch das Portal der Liboriuskapelle an der historischen Sandsteinbrücke am Ufer der Werra stecken jeden Tag bis zu 100 Neugierige ihre Köpfe. Haben sie einen ersten Blick erhascht, ist das Interesse vollends entbrannt. Immer und immer wieder erklären die drei Damen vom Gerüst den Zweck ihrer Tätigkeit, aber auch Interessantes zur Geschichte der Kapelle in Creuzburg (Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen).
Die drei Diplomrestauratorinnen stehen seit Anfang Juli dicht gedrängt auf einem Baugerüst im Altarraum, um an der Bemalung der linken Wand eine Musterachse anzulegen. »Sie wurde mit ölhaltiger Tempera in Secco-Technik, also auf bereits getrockneten Putz, aufgebracht«, erläutert Antje Möller. An der Wand, an der gegenwärtig gearbeitet wird, sind Szenen aus dem Leidensweg Christi zu sehen. Der rechten Wand sind Szenen aus dem Leben der heiligen Elisabeth vorbehalten. Über der Tür prangt kaum noch sichtbar die Darstellung des Jüngsten Gerichts. »Unsere Musterachse ist notwendig, damit ein ­konservatorisches und restauratorisches Konzept erstellt werden kann«, so Elodie Rossel. Dies sei dann Grundlage für alle weiteren restauratorischen Arbeiten.
Die Malereien, die höchstwahrscheinlich aus dem Jahr 1520 stammen, erscheinen dem Betrachter heute äußerst blass. Das liegt an dem Auftrag verschiedener Schutzschichten bei vorangegangenen Sicherungsmaßnahmen in den 30er, 50er und 70er Jahren. Nun haben die drei Damen eine Lösung gefunden, den alten Dammarharzfirnis, der einst aus ­malaiisch-indischen Laubbäumen gewonnen wurde, schonend von der Wand der Musterachse zu entfernen. Zurück bleibe nur das Original, sagt Rossel.
»Die Malerei wird im Wesentlichen nur gereinigt. Fehlende Teile, die sich aus dem Bildzusammenhang eindeutig rekonstruieren lassen, werden entsprechend punktuell ergänzt«, fährt die junge Französin fort. Große Fehlstellen würden nicht ergänzt und die Formen nicht nachgemalt, um ungewollte Fehlinterpretationen zu vermeiden. Mit Pinsel, Skalpell sowie Injektionsspritze arbeiten sich die drei Damen Zentimeter für Zentimeter vorwärts. Mit der Kanüle und speziellem Kalkinjektionsmörtel werden Hohlstellen hinter dem Putz verfüllt. Jüngere Gipsputze bereiten den Restauratorinnen Probleme. Sie müssen abgenommen und mit Kalkmörtel ergänzt werden.
Der untere Bereich der bis zur Decke reichenden Fläche ist bereits aus konservatorischer Sicht abgeschlossen. Im Mittelteil tritt nun die Malerei deutlicher hervor. Dort sind die drei Damen mit der Retusche weit vorangekommen. Nur die Putzfehlstellen sind noch passend einzufärben. Auch in den nächsten Wochen muss das charmante Trio noch weiter das Gerüst hinaufklettern. Sind sie mit der Musterachse fertig, beginnt der dritte Sanierungsabschnitt (Fußboden und Sockelbereich) mit einem Finanzvolumen von 110000 Euro. Neben der Kirchengemeinde wird diese Summe vor allem durch Städtebaufördermittel und den Förderverein Liboriuskapelle Creuzburg aufgebracht.
Norman Meißner