Feste lernen auf dem Weg nach oben

27. Juni 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Planung: Im Wörlitzer Bibelturm wird 2017 eine neue Dauerausstellung eröffnet

Der Bibelturm in Wörlitz, eine ökumenische Initiative in Anhalt, bekommt eine neue Dauerausstellung. Die derzeitige, 2009 eröffnete Schau »Zwischen Himmel und Erde« ist nur noch bis zum Saisonende im Oktober zu sehen. Angela Stoye sprach mit der Kuratorin Annett Helmecke-Possehl über den Stand der Vorbereitungen für 2017.

Frau Helmecke-Possehl, wie kommen Sie und die Gruppe voran?
Helmecke-Possehl:
Sehr gut. Die Planungen für die Ausstellung sind inhaltlich bereits sehr weit fortgeschritten. Jetzt geht es an die gestalterische Umsetzung. Die neue Schau wird den doppeldeutigen Titel »feste feiern« tragen und über den kirchlichen Jahresfestkreis informieren. Unten wird es einen Überblick über alle Feste geben. Dann geht es über die drei Ebenen zuerst um den Weihnachtsfestkreis von Advent bis Epiphanias, dann weiter zu Passion und Ostern und schließlich im obersten Raum um Himmelfahrt und Pfingsten.

Die Theologin und Historikerin Annett Helmecke-Possehl ist in einem Teil ihrer Arbeitszeit als Kuratorin für die neue Ausstellung zuständig. Foto: Lutz Sebastian

Die Theologin und Historikerin Annett Helmecke-Possehl ist in einem Teil ihrer Arbeitszeit als Kuratorin für die neue Ausstellung zuständig. Foto: Lutz Sebastian

An wen richtet sich die Schau?
Helmecke-Possehl:
Unsere Hauptzielgruppe sind Touristen, die im Dessau-Wörlitzer Gartenreich unterwegs sind und zur Plattform auf den 66 Meter hohen Turm aufsteigen, um die Aussicht zu genießen. Die meisten von ihnen gehören wohl nicht der Kirche an. Sie wollen wir auf dem Weg nach oben, der durch die Turmzimmer führt, in die Ausstellung hineinziehen. Dabei wollen wir am Alltag der Menschen von heute anknüpfen und sie einladen, etwas über die christlichen Wurzeln unseres Lebens zu erfahren.

Wie soll das umgesetzt werden?
Helmecke-Possehl:
Es wird eine Entdeckungsausstellung! Es wird Dinge zum Anfassen geben, zum Bewegen, zum Öffnen. Die Nischen im Aufgang werden mit einbezogen. Die Besucher können zum Beispiel moderne Medien nutzen oder Rätsel lösen und sich so Schritt für Schritt die Inhalte erschließen. Das Kirchenjahr soll auf diese Weise greifbar werden, sich selbst erklären. Gruppen können Führungen vereinbaren. Daran, wie alles gestaltet werden soll, arbeitet die ökumenische Vorbereitungsgruppe gerade. Auf jeden Fall werden die liturgischen Farben des Kirchenjahres eine Rolle spielen.

Logo-feste-feiernWer finanziert die neue Ausstellung?
Helmecke-Possehl:
Das Geld dafür kommt aus verschiedenen Quellen. Es sind Eigenmittel des Bibelturmes vorhanden. Die Landeskirche Anhalts als Träger des Bibelturmes finanziert nicht nur den Haushalt mit den Stellen der Mitarbeiter, sondern fördert die neue Ausstellung auch finanziell. Zudem sind Anträge auf Fördermittel gestellt. Leider gab es da bereits eine Absage. Aber der ökumenische Verein »Andere Zeiten« aus Hamburg hat uns 20 000 Euro gespendet. Das ist ein gutes Polster, jedoch sind weitere Spenden willkommen. Für die neue Ausstellung insgesamt sind rund 55 000 Euro veranschlagt.

Wann wird eröffnet?
Helmecke-Possehl:
Zum Beginn der Saison 2017, die, wie im Bibelturm üblich, auf den Palmsonntag fällt. Interessenten lade ich schon jetzt ein, am 9. April in Wörlitz vorbeizukommen.

www.bibelturm.de

Kein Sockelheiliger

19. April 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

EKM will ihr Verhältnis zu Luthers Judenhass bis zum Herbst klären

In der neuen Dauerausstellung des Eisenacher Lutherhauses ist ein Kuriosum der Reformationsgeschichte zu bestaunen. In die Figurengruppe eines Altar-Flügels aus Großkromsdorf, der Anfang des 16. Jahrhunderts entstand, aber offensichtlich danach verändert worden ist, reiht sich neben dem Heiligen Nikolaus und dem Heiligen Wolfgang auch ein Gelehrter und Prediger mit unverkennbaren Gesichtszügen ein: Martin Luther. Noch zu dessen Lebzeiten wurde die sehr plastische Figur angefertigt.

Luther-Bild revidieren

Luther als Heiliger? Lange wurde der Mönch und Professor als Kirchenerneuerer ausschließlich verehrt. Dieses Erbe wirkt nach – »Das ist unsere Sozialisation, Luther als Sockelheiliger«, war auch von Synodalen auf der EKM-Frühjahrstagung zu hören. Offenbar hat es lange gedauert, sich von diesem Luther-Bild zu verabschieden; zumindest hat die Synode das Thema erst jetzt auf die Agenda gesetzt; auf Antrag der Synode des Kirchenkreises Erfurt. »Wir pflegen in Erfurt ein gutes Verhältnis zur jüdischen Gemeinde und haben uns damit auf unserer Kreissynode im November beschäftigt. Von unseren Synodalen kam der Vorschlag, dass dies auch die Landessynode tun möge«, berichtet Andreas Greim von der Erfurter Predigergemeinde. »Luther ist für uns kein Heiliger. Er ist ein Mensch aus Fleisch und Blut mit all seinen gottgeschenkten Begabungen, ebenso mit seinen Schwächen und seinem fehlerhaften Verhalten«, heißt es in dem Erfurter Papier. Dies sahen auch die EKM-Synodalen so und stimmten dem Antrag zu. Demnach soll sich die EKM öffentlich von Luthers Judenfeindlichkeit distanzieren, das Verhältnis von Christen und Juden umfassend würdigen und dazu Material für die Gemeindearbeit bereitstellen.

Arbeitsgruppen gebildet

Zu einer großen Aussprache im Plenum über Luthers dunkle Seite ist es im Kloster Drübeck nicht gekommen. In acht Arbeitsgruppen debattierten die Synodalen im Anschluss an einen Vortrag von Axel Töllner, Landeskirchlicher Beauftragter für christlich-jüdischen Dialog in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Bayern. Töllner betonte: »Luthers Blick auf die Juden ist kein Nebenthema seiner Theologie. Es ist ebenso wenig ein Nebenthema der anderen Reformatoren.« In dieser Deutlichkeit sei ihm das nicht bewusst gewesen, sagte selbst Antragsteller Andreas Greim. Auf der Synode hieß es nun: Dem Umgang mit diesem judenfeindlichen Erbe komme innerhalb der EKM eine besondere Bedeutung zu, schließlich ist sie die Kirche, auf deren heutigen Gebiet Luther lebte und wirkte.

Bildungsarbeit gefordert

Im Kernland der Reformation sei deshalb Bildungsarbeit wichtig, so einer der Vorschläge. Konkretes Material für die pädagogische Arbeit, vom Konfirmandenunterricht bis zum Seniorenkreis, wurde gefordert.

Die Vorschläge und Ideen der Synode werden nun von einer Arbeitsgruppe aus Synodalen und Mitgliedern des Beirats für den christlich-jüdischen Dialog der EKM ausgewertet. Sie bereiten eine Beschlussfassung vor, die im Herbst auf der Tagesordnung stehen wird. Dann hat das Reformationsjahr bereits begonnen.

Katja Schmidtke