Ihre Zukunft ist ungewiss

18. März 2011 von redaktionguh  
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Die Diakonie Ostthüringen bietet Asylbewerbern in Gera einen Deutschkurs an.

Zu den 12 Teilnehmern des Deutschkurses gehört Abdikadir aus Somalia. Er ist sehr dankbar dafür, dass er hier grundlegende Deutschkenntnisse ­erwerben kann, die es ihm ermöglichen, Kontakte vor Ort zu knüpfen. Foto: Hans-Peter Steinhäuser

Zu den 12 Teilnehmern des Deutschkurses gehört Abdikadir aus Somalia. Er ist sehr dankbar dafür, dass er hier grundlegende Deutschkenntnisse ­erwerben kann, die es ihm ermöglichen, Kontakte vor Ort zu knüpfen. Foto: Hans-Peter Steinhäuser

In der Trebnitzer Straße 2–8 in Gera leben 130 Flüchtlinge aus Afghanistan, Aserbaidschan, Indien, dem Irak, Iran, Sudan, aus Russland, Serbien, Somalia, Syrien, Tschetschenien; und die Aufzählung ist noch nicht einmal vollständig. Diese Männer, Frauen, ­Jugendlichen und Kinder sind zum Teil schon zehn Jahre hier. Es ist aber auch ein gewisses Weg- und Zuziehen zu verzeichnen. Einige der Bewohner sind hier geboren, andere sind hier gestorben.

Der Asylantrag der Flüchtlinge ist in der Schwebe. Darum können sie nicht aufgenommen werden in das staatliche System der Integrationsleistungen. Sie befinden sich in einer vertrackten rechtlichen Situation; ihre Zukunft ist ungewiss.

Hier hat die Flüchtlingssozialarbeit (ein Tochterunternehmen der Diakonie Ostthüringen) eine dringende Aufgabe erkannt. Unter Leitung von Andrea Dittrich, Heidrun Svatosch und Marcel Schmidt konnte trotz einiger Schwierigkeiten eine Initiative gestartet werden, um den Flüchtlingen ein gewisses Maß an Deutschkenntnissen zu vermitteln. An diesem Sprachkurs, geleitet von Uwe Deetz, nehmen zurzeit zwölf Personen teil. An vier Tagen pro Woche werden sie in jeweils drei Stunden in die deutsche Sprache eingeführt. Der Kurs dauert ein halbes Jahr. »Die Teilnehmer sind hoch motiviert«, berichtet Andrea Dittrich. »Sie empfinden diesen Unterricht als Stärkung ihres Selbstbewusstseins, zugleich auch als psychische Entlastung angesichts ihrer permanenten Stresssituation.«

Für die Unterstützung dieser Arbeit überbrachte Thüringens Sozialministerin Heike Taubert am 7. März einen Förderbescheid über 2500 Euro aus Lottomitteln. Im Innenministerium will sie sich dafür einsetzen, dass die strenge Residenzpflicht für die Flüchtlinge gelockert wird und diese sich nicht mehr als Menschen zweiter, ­dritter oder gar vierter Klasse fühlen müssen.

Denn wer in Deutschland lebt – aus welchen Gründen auch immer –, lebt in einem Land, zu dessen Fundament der Grundsatz gehört: In Verantwortung vor Gott ist die Würde des Menschen unantastbar.

Hans-Peter Steinhäuser

Aufstehen gegen Rechts-Rock

20. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Nach dem Friedensgebet in der Trinitatiskirche zu Gera ziehen die Christen zur Geraer Heinrichsbrücke. Foto: Uwe Müller

Nach dem Friedensgebet in der Trinitatiskirche zu Gera ziehen die Christen zur Geraer Heinrichsbrücke. Foto: Uwe Müller

Zum Friedensgebet am 10. Juli war die Trinitatiskirche in Gera überfüllt

Trotz brütender Hitze beteiligten sich viele Bürgerinnen und Bürger am 10. Juli in Gera an den friedlichen Protesten gegen die NPD-Propagandaveranstaltung »Rock für Deutschland«. Ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit setzten die Kirchen mit einem ökumenischen Friedensgebet. Die Kirche St. Trinitatis, nur etwa 400 Meter vom Veranstaltungsort der Neonazis entfernt, war bereits bis auf den letzten Platz besetzt, als die Glocken noch zum Friedensgebet riefen. 350 Menschen fanden sich in dem Gotteshaus ein, viele nahmen mit einem Stehplatz vorlieb oder setzten sich im Mittelgang auf den Fußboden. Unter den Teilnehmern befanden sich auch Oberbürgermeister Norbert Vornehm (SPD) und Bürgermeister Norbert Hein (CDU).

Propst Reinhard Werneburg, Regionalbischof im Propstsprengel Eisenach-Erfurt, erklärte: »Wir müssen erschrecken, wenn mit Musik zu Rassismus und Gewalt eingeladen wird. Aber wir dürfen uns nicht lähmen ­lassen.« Angesichts von 149 Opfern rechtsextremer Gewalt seit der Wiedervereinigung, davon die Hälfte in den sogenannten neuen Bundes­ländern, forderte er auf: Der Anstand gebiete es, dagegen den Aufstand anzusagen. Die Freiheit sei ein hohes Gut, »sie bedarf unserer Aufmerksamkeit und Pflege«. Es brauche Vorbilder, wie sie zum Beispiel die junge deutsche Fußballnationalmannschaft verkörpere – mit einem gemeinsamen Traum, einem gemeinsamen Weg und einem gemeinsamen Ziel.

»Rechtsrock ist keine musikalische Kunstrichtung. Es ist kriminelle Energie, gepaart mit Hass und Gewalt«, äußerte Stadtjugendpfarrer Michael Kleim.

Die Kirchen hatten sich in Gera in die vielfältigen Aktionen des Runden Tisches und von Bürgerbündnissen eingebracht. An 15 Veranstaltungsorten versammelten sich Bürger, um gegen das NPD-Konzert zu demonstrieren. Auf der Heinrichsbrücke, einer der Hauptverkehrsadern der Stadt, wurde der Straßenbahnverkehr mit ­einer Sitzblockade unterbrochen. Nur unter Geleitschutz der Polizei konnten die Rechtsextremen durch einen abgeriegelten Korridor auf der Brücke zu ihrem Veranstaltungsort gelangen. »Ihr habt den Krieg verlor’n«, skandierten Gegendemonstranten, als Teilnehmer zum NPD-Propagandafestival zur Spielwiese liefen.

Dass die Erben der »Kriegsverlierer« von 1945 zum achten Mal Gera auserkoren hatten, um ihre Ideologie wiederauferstehen zu lassen, wollten zahlreiche Menschen nicht hinnehmen. So viele wie noch nie demonstrierten gegen die rechte Veranstaltung. Die Kirche spricht von bis zu 2000 Teilnehmern an den verschiedenen Aktionen. Beim NPD-Fest hatten sich Polizeiangaben zufolge rund 1200 Personen aus Thüringen, Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen versammelt. Im Vorjahr hatte die NPD noch 4000 Leute mobilisieren können.

Uwe Müller

Kirche trifft auf Kunst und Theater

29. April 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Neue Veranstaltungsformate an der Salvatorkirche in Gera

Die Verbindung von Kirche, Kunst und Kultur ist ihm ein Herzensanliegen. So hat Frank Hiddemann, der seit September letzten Jahres ­Pfarrer an der Salvatorkirche Gera ist, im Frühjahr gleich drei neue Formate in der Stadt an der Elster auf den Weg gebracht. Dabei knüpft er an Erfahrungen, die er bereits in Erfurt und Weimar sammeln konnte.

Gera, Salvatorkirche, Foto: Wikipedia

Gera, Salvatorkirche, Foto: Wikipedia

Begeistert berichtet er, dass zum ersten Theatergottesdienst, der eine Woche nach der Premiere von Richard Wagners »Tannhäuser« stattfand, 125 Besucher in die Salvatorkirche kamen. Dass er Generalintendant Matthias Oldag vom Theater Altenburg-Gera als Mitstreiter gewinnen konnte, erfüllt ihn mit Freude. Dieser las von der Empore die Rom-Erzählung des Tannhäusers, in welcher der heimgekehrte Titelheld seine Pilgerreise nach Rom beschreibt.

Auch beim nächsten Theatergottesdienst am 6. Juni wird Matthias ­Oldag dabei sein, wenn ­Gerhard Hauptmanns »Einsame ­Menschen« im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Doch zuvor steht die bislang viel zu wenig beachtete Dichterin Marie-Luise Kaschnitz im Fokus eines Literaturgottesdienstes, den Frank Hiddemann am 2. Mai um 19 Uhr in der ­Kirche St. Michael des Geraer Ortsteiles Pforten gemeinsam mit der Schauspielerin Susann Maria Hempel gestaltet. Hier werden weitere Gottesdienste stattfinden, die sich dem Schaffen der Dichter und Schriftsteller Friedrich Schiller, Christine ­Lavant und Bert Brecht widmen.

In Zusammenarbeit mit der Kunstsammlung Gera entstand als neue monatliche Veranstaltungsreihe »Bild­vesper – Begegnung von Kunst und Religion«, in der Kunsthistoriker und Theologen in einen Dialog treten. Nach einem gelungenen Start im Otto-Dix-Haus wird am 22. Mai um 17 Uhr in die Orangerie eingeladen.

(mvh)