Ein Satz für die Ewigkeit und über die Ewigkeit

24. März 2018 von redaktionguh  
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Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

Johannes 3, Verse 14 b und 15

Es ist eine der viel zu seltenen Nächte, wo Menschen zusammenfinden und man sich bei verglimmender Kerze alles sagt. Wirklich alles. Da bleibt nichts mehr offen. In dieser Nacht war es sogar Gott selbst und der Mensch, die da zusammenkommen. Auch das ist viel zu selten. Jesus ist in tiefer Nacht im tiefen Gespräch mit einem Menschen.

Jan von Campenhausen, Direktor der Ev. Wittenbergstiftung

Jan von Campenhausen, Direktor der Ev. Wittenbergstiftung

Die Bibel nennt den Menschen einen »Oberen«. Er ist ansonsten einer, der anderen was zu sagen hat. Heute aber ist er gekommen um zuzuhören. Heute ist er gekommen um zu verstehen. Wir kennen den Namen des Menschen. Er heißt Nikodemus. Im Dunkel der Nacht kam Gott selbst in Jesus Christus in die Welt. Im Schutz der Dunkelheit wird Schweres leichter ausgesprochen. Da kommt es aufs Hören und nicht aufs Sehen an.

Jetzt, in dieser Nacht, spricht dieser Jesus Christus von seinem nahen Tod. Das ist schon schwer genug, aber was für ein Tod: Er wird gefoltert und hingerichtet. Qualvoll. Erniedrigend. Schmerzhaft. Er kommt ans Kreuz. Das Kreuz wird für alle sichtbar auf dem Hügel draußen vor der Stadt aufgerichtet. Erhöht eben. Den Blicken ausgesetzt, so dass alle zugucken. Da fällt dann dieser Satz aus dem Mund Gottes.

Es ist ein Satz für die Ewigkeit und über die Ewigkeit: Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Wer es mit Jesus Christus zu tun bekommt, weiß, dass da manches genau andersrum ist. Anders als sonst üblich. Es bleibt eben nicht beim alten »das war schon immer so«.

Da, wo man mit ihm zu tun hat, da werden die Letzten die Ersten, sein. Wo man mit ihm zu tun hat, ist das Kleine gaaaaaanz groß. Wo man mit ihm zu tun hat, haben Tote das ewige Leben. Kein Wunder, dann ist die Erhöhung eine Erniedrigung. Das muss so sein. Und doch bleibt es auch nicht dabei.

Das sehen wir dann schon in einer Woche. Dann feiern wir nämlich Ostern. Ich freu mich drauf!

Jan von Campenhausen, Direktor der Ev. Wittenbergstiftung

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Gnade über Gnade: Gott offenbart sich in Jesus Christus

13. Januar 2018 von redaktionguh  
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Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.

Johannes 1, Vers 17

Der Wochenspruch steht am Anfang des Johannesevangeliums in einem großartigen Lobpreis auf Gottes schenkendes Wirken in der Schöpfung, in der Geschichte mit dem Gottesvolk Israel und in Jesus Christus. In poetischer Sprache, mit Wiederholungen, Variationen und in schrittweiser Enthüllung wird Gottes gnädiges Wirken von allem Anfang an gepriesen. Dieses Loblied am Anfang des Johannesevangeliums sieht in Jesus Christus den »Eingeborenen, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist« (Johannes 1,18). Dieser Jesus Christus ist schon vor aller Schöpfung ganz bei Gott, er ist Teil der Heilsmacht Gottes. Er wirkt von Beginn an geheimnisvoll die Erschaffung der Welt. Er wirkt lichtvoll in seiner Schöpfung, in seinem »Eigentum« (Johannes 1,11), dem Volk Gottes. Und er schenkt Gottes Gnade in seiner Fleischwerdung (1,14), seiner Verkündigung (1,18) sowie Tod und Auferstehung. Dabei schenkt Jesus Christus nicht etwas außerhalb seiner selbst, sondern er schenkt sich selbst: Er ist lebendiges Wasser, lebenspendendes Brot, Weg, Wahrheit und Leben.

Klaus Scholtissek, promovierter Theologe und Vorsitzender der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein

Klaus Scholtissek, promovierter Theologe und Vorsitzender der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein

In diesem Zusammenhang ist auch der Wochenspruch zu verstehen. Die beiden weitgehend parallel gebauten Sätze sind nicht als Gegensatz gemeint. Dann spräche dieser Vers von zwei entgegengesetzten, sich ablösenden Heilsepochen: der ersten als »Zeit des Gesetzes ohne Gnade« und der zweiten als »Zeit der Gnade ohne Gesetz«. In der Kirchengeschichte ist diese Auslegung leider oft führend geworden. Dieser Auslegung widerspricht der Johannesprolog als ganzer gründlich: Es gibt nur den einen unsichtbaren Gott, der seine Schöpfung von allem Anfang an ins Leben ruft, ihr fortwährend Licht und Leben schenkt, sein Gottesvolk beruft und immer neu sammelt. Er offenbart sich zuletzt und abschließend in Jesus Christus. In ihm begegnen wir Gottes Gnadenfülle, Gott höchstpersönlich. Er ruft uns in die Gemeinschaft der Kinder Gottes.

Klaus Scholtissek, promovierter Theologe und Vorsitzender der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein

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Macht es wie die Schafe – Vertrauen braucht kein Verständnis

29. April 2017 von redaktionguh  
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Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.
Johannes 10, Verse 11.27.28

Es ist schon mal gut zu wissen, dass Jesus kein Präsident ist, kein Bundeskanzler oder Minister für Soziales. Aber es wird nicht verständlicher, wenn er sich als Hirte vorstellt. Es ist schon mal gut zu wissen, dass diejenigen, die zu ihm gehören, nicht wegen ihrer besonderen Gelehrsamkeit bekannt sind. Aber es macht es nicht einfacher, wenn er die Seinen als Schafe vorstellt. Denn nun bleibt, was er sagt, unverstanden, eine gebrabbelte Melodie. Und die, die die Stimme hören, bleiben im Unwissen darüber, was er sagt. Das Eigentümliche des Verhältnisses zwischen Hirten und Schafen ist, dass er spricht und sie nur hören. Die Worte entfalten für die Schafe keinen Sinn. »Sag es doch, wenn du der Messias bist.« »Ich bin der Hirte«, sagt Jesus, »ihr seid die Schafe.« Er kennt sie, sie aber kennen ihn nicht. Sie hören ein Rauschen von Stimme. Der Hirte ruft die Schafe mit Namen. Sie hören, aber verstehen nicht und folgen doch. Vertrauen braucht kein Verständnis.

Dipl.-Theol. Samuel Hüfken, Halle

Dipl.-Theol. Samuel Hüfken, Halle

Es ist nicht viel. Es ist keine Wortgewalt, keine Predigt, keine gelehrte Tiefsinnigkeit, keine theologische Extravaganz. Ich weiß nicht, was es ist, was die Schafe in der Stimme wiedererkennen. Vielleicht die Erinnerung an eine Melodie. Vielleicht bloß ein Rauschen, ein Säuseln, ein Klang, ein Pfeifen. Die Schafe erinnern sich jedenfalls und gewinnen die Ewigkeit. Die Schafe verstehen die Stimme des Hirten nicht. Was er ruft, bleibt unverstanden. Die Schafe folgen aber, wenn seine Stimme erklingt. Vertrauen braucht kein Verstehen. Die Schafe haben Erinnerung genug, einer Stimme zu folgen. Was Jesus dem Einzelnen zuruft, bleibt ein Geheimnis. Es verstehen zu wollen, bleibt aussichtslos. Dass er uns ruft, bedeutet alles. Es bedeutet ewiges Leben. Wer will da nicht gemacht sein zu Schafen seiner Herde und unverständig aus der Wolle schauen. Der Hirte ist ihr Herr, wovor sollten sie sich fürchten und wozu sollten sie die Stimme verstehen? Sein Stab führt sie zum frischen Wasser und zu saftigen Auen. Mehr braucht es nicht.

Dipl.-Theol. Samuel Hüfken, Halle

Ein Frühlingstraum: Mit Jesus einen Drachen steigen lassen

8. April 2017 von redaktionguh  
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Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

Johannes 3, Verse 14 und 15

Mit Jesus ist das so, wie wenn man einen Drachen steigen lässt. Man liegt an einem sonnigen Frühlingstag am Strand, den Drachen an der Leine. Er kreist über meinem Kopf. Bunt bemalt am blauen Himmel. Die Sonne blendet ein wenig. Man erkennt ihn kaum. Die Sonnenstrahlen kitzeln auf der Haut. Meine Lippen schmecken nach Salz. Ich schließe die Augen. Ich brauche sie nicht, um zu wissen, dass der Drachen seine Runden über mir kreist. Ich bin frei. Erlöst. Befreit von allen Gedanken des Alltags. Denn hier kann ich ich selbst sein.

Ich lasse meinen Drachen seinen eigenen Weg fliegen. Sanft lenkt der Wind seinen Flug. Über die Schnüre lenkt er meine Hände. Es ist gar nicht so einfach, sich einmal lenken zu lassen. Zu vertrauen, dass der Drachen am Himmel schon einen Weg findet. Ich habe Angst, dass er herunterfällt. Dabei habe ich vergessen, dass es nicht der Drachen ist, der mich braucht, sondern ich brauche ihn. Denn er lässt sich auch ohne mein Zutun vom Wind tragen. Doch meine Last vergesse ich nur, wenn ich mich durch ihn führen lasse.

Felix Kalbe, Theologiestudent und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

Felix Kalbe, Theologiestudent und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

Leichtigkeit durchströmt mich. Wie von allein heben sich meine Arme empor. Ich erhöhe ihn, indem ich Gottes unfassbare Größe auf mich wirken lasse und mich selber dabei klein mache. Gelenkt durch ihn zieht mein Leben ungeahnte Kreise. Und dann kann ich glauben. Und hoffen. Gerade in dieser vorösterlichen Zeit hoffe ich auf Gottes allumfassende Liebe, die er uns Menschen entgegenbringt. Mit der er uns verzeiht, dass wir es doch waren, die seinen eingeborenen Sohn ans Kreuz schlugen. Und nun blicken wir zu ihm empor. Demütig und voller Ehrfurcht.

In der Sonne dreht der Drachen seine Kreise. Ungelenkt. Befreit. Lebendig. Der Blick verliert sich im strahlend blauen Himmel. Plötzlich höre ich eine Stimme: »Nächster Halt: Gotha Hauptbahnhof. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts.« Ich öffne meine Augen und steige aus. Hinein in den Alltag. Dankbar für meinen Traum.

Felix Kalbe, Theologiestudent und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

Ohne Wenn und Aber

7. Mai 2016 von redaktionguh  
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Jesus spricht: Und ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

Johannes 12, Vers 32

In Johannes 1, Vers 14 heißt es: »Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.« Und jetzt leben wir aus dem, was wir gesehen haben. Aus dem, was war. Gestern. Ostern. Lange ist es schon wieder her. Vor uns das, was sein könnte, nur schemenhaft, als Hoffnung, Traum, Wahn. Was sein soll, steht noch aus.

Conrad Krannich, Vikar an der Theologischen Fakultät Halle

Conrad Krannich, Vikar an der Theologischen Fakultät Halle

»Ich«, spricht Jesus, »wenn ich erhöht werde von der Erde, so werde ich alle zu mir ziehen.« (Johannes 12,32) Wenn? Bitte, bitte kein Wenn! Nur unter der Bedingung, dass … Vorausgesetzt, dass … sofern … wenn … – Wieso scheint auch für Jesus das Dann immer vom Wenn abzuhängen?

Ich brauche kein Wenn! Denn: An schwer erfüllbaren Bedingungen leide ich schon genug. Zu viele Voraussetzungen erfülle ich gerade nicht. Ich brauche ein Jetzt, ohne Wenn und Aber. Von dem, was unter Umständen sein könnte, wenn alles anders wäre, kann ich mir keinen Blumentopf kaufen. Denn: Es ist, wie es ist.

Jesus spricht: »Wenn ich erhöht werde, so will ich alle zu mir ziehen. Das sagte er aber, um anzuzeigen, welchen Todes er sterben würde.« (Johannes 12,32.33) Den Tod, der ein für allemal gestorben werden musste. Den Tod, der Wenn nicht gleich Wenn sein lässt, obschon wir mal wieder warten. Es ist nicht mehr die Frage, ob und unter welchen Bedingungen. Es ist nicht einmal mehr eine Frage der Zeit. Es ist bereits im Gange. »Jetzt ergeht das Gericht über die Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden.« (Johannes 12,31) Denn das Kreuz steht, nach wie vor. Die Leiter zum Thronsaal ist aufgerichtet. Von dort wird er kommen und alles ins rechte Licht rücken, auch das Wenn und Aber, sei es nun eingebildet oder real. Und dorthin wird er ziehen mich und dich und auch all diejenigen, die das noch gar nicht interessiert. Es ist vollbracht – ein Licht auf unserem Weg zwischen Auferstehung und Himmelfahrt.

Conrad Krannich

Ein ganz besonderes Geschenk

9. April 2016 von redaktionguh  
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Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Johannes 10, Vers 11.27.28

Eine Schachtel steht vor dir. Sie glänzt golden und sieht alt aus – auch ein wenig geheimnisvoll. Wie ein Geschenk. Bist du neugierig? Nimm den Deckel ab und schau hinein! Darin ist das ganze Leben: Groß und weit liegt es vor dir. Grün und frisch wie der Frühling. Saftiges Gras, blühende Bäume und duftende Blumen. Wege, die du gehst und Arbeit, die du tust. Kühles Wasser zum Ausruhen und Kraft schöpfen. Auch holprige Steine sind da und dunkle Schluchten, durch die du hindurchmusst. Und schließlich: ein sicherer Ort, an dem du geborgen bist. All dies ist in deiner goldenen Schachtel.

Felicitas Kühn, Pfarrerin der Evangelischen Regionalgemeinde Kölleda

Felicitas Kühn, Pfarrerin der Evangelischen Regionalgemeinde Kölleda

Es lebt ein Mensch, der so besondere Dinge tut, dass die anderen ihn fragen: Wer bist du? Und einmal antwortet er ihnen: Ich bin der gute Hirte. Ich kümmere mich um die Schafe. Ich führe sie aus dem Stall auf die Weide und zeige ihnen das frische Wasser. Und ich führe sie nach Hause und bringe sie in Sicherheit. Ich kenne meine Schafe und sie hören meine Stimme und folgen mir nach.

Auch dieser besondere Mensch gehört zu deiner goldenen Schachtel. Und wenn du dich manchmal fragst, warum das alles so sein muss, dann frag ihn! Frag den Menschen, der so besonders ist, dass wir immer wieder fragen: Wer bist du? Und dann antwortet er: Ich bin dein guter Hirte. Wenn eines meiner Schafe verloren geht, wenn es sich verirrt zwischen den Steinen oder in den Schluchten, dann suche ich es. Ich gehe los und suche dich solange, bis ich dich gefunden habe. Und dann bringe ich dich nach Hause.

Steht die goldene Schachtel noch vor dir? Nimm sie mit und räum ihr einen Ehrenplatz ein in deinem Herzen. Sie ist ein Geschenk! Ein ganz besonderes, denn du kannst es nicht einfach im Laden kaufen. Es hat schon auf dich gewartet. Es war schon immer da. Schon bevor du geboren wurdest. Für dich. Und der Deckel steht offen.

Felicitas Kühn, Pfarrerin der Evangelischen Regionalgemeinde Kölleda

Wie die Schlange so der Sohn

28. März 2015 von redaktionguh  
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Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

Johannes 3, Verse 14.15

Rannte einst ein Mann durchs Lager / jener Kinder Israels, / welche frei aber recht mager, / stöhnten mangels Fleischs und Mehls, / schien’s doch, als hielte Gott sie knapp, / weil man nur eklig Manna fand / (sieht man von den Wachteln ab) / und ansonsten: nichts als Sand. / Doch ein Recht sich zu verdrießen, / war daraus nicht zu erschließen.

Gregor Heidbrink, Pfarrer in Finsterbergen

Gregor Heidbrink, Pfarrer in Finsterbergen

Auch kein Recht, den Herrn zu lästern, / der sie hat befreit, geführt / alle Brüder (und die Schwestern …)/ und sich mit dem Volk liiert. / »Meinen sie, mich freut ihr Darben?«, / zürnte Gott beleidigt und / schickte Schlangen, viele starben. / Einsicht wuchs, man sah den Grund / und bat Mose, den Propheten, / bei Gott für sie einzutreten.

Jener schuf den Zufluchtsort / dass ein jeder, den das Gift / der Schlange nach dem Zorneswort / plötzlich in die Ferse trifft, / ein Gnadenzeichen, Sakrament, / finde, das ihn schnell kuriert, / wenn er zu seiner Schlange rennt, / die die Lagermitte ziert./ Wisst ihr nun, warum er rannte? / Weil er Gottes Gnade kannte!

Bronzen hing sie auf der Stange, / glänzte matt im Sonnenlicht: / Moses’ Schlange, die er bange, / suchte nach dem Fersenstich, / da das Gift der bösen Viper / schon durch seine Venen kroch. / Doch er hoffte, und so trieb er / sich an und kam grade noch / pünktlich, um den Blick zu heben / und fand Gnade, blieb am Leben.

Ja, ganz wie einst die Schlange schon, / erhöht das Leben schenkte, / so kann es nun der Menschensohn, / vom Kreuz her, der Gehenkte, / der nicht nur irdisch Leben bringt, / sondern über Zeit und Welt, / allein durch Glauben, unbedingt, / dir seine Türe offen hält. / Weshalb dir heut’ der Dichter rät, / lauf hin, es ist noch nicht zu spät.

Gregor Heidbrink, Pfarrer in Finsterbergen

Dem Teuflischen die Stirn bieten

20. Februar 2015 von redaktionguh  
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Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

1. Johannes 3, Vers 8 b

Das ist ja teuflisch!«, ruft sie aus. Vor Empörung zittert ihre Stimme. Gerade eben wurde in den Nachrichten von einem Attentat berichtet, bei dem auf einem öffentlichen Platz viele Menschen, auch Kinder, ums Leben kamen oder schwer verletzt wurden. Sicherheitshalber öffnet sie die Tür ins Kinderzimmer und sieht: Sie sind da. Ihre beiden Kleinen schlafen friedlich.

Christine Reizig,  Landespfarrerin  für Gemeindeaufbau  der Landeskirche Anhalts

Christine Reizig, Landespfarrerin für Gemeindeaufbau der Landeskirche Anhalts

»Das ist ja teuflisch!«, möchte ich auch manchmal sagen. Die Mitarbeiterinnen des Frauen- und Kinderschutzhauses erzählen mir, wie manche Frauen von ihren Männern über Jahre hinweg misshandelt und gedemütigt werden, ehe sie den Mut haben wegzugehen. Ich höre von einem Jungen, der so sehr gemobbt wurde, dass er an Selbstmord dachte. Hier mag man die ausländischen Nachbarn nicht und lässt es sie spüren. Dort bekommt der trockene Alkoholiker keine Chance auf ein Leben in Normalität, weil man ihm nicht zutraut, wirklich durchzuhalten. Die Reihe der Beispiele, die Liste des Teuflischen, ließe sich noch lange fortsetzen.

Als Jesus nach dem Bericht der Bibel versucht wurde, war es das erklärte Ziel des Teufels, ihn von seinem Weg, vom Weg Gottes, abzubringen. Und die Versuchungen waren nicht fern von dieser Welt, die ihn dazu verlocken sollten. Als er Hunger hatte, war es Brot. Als an Gott Glaubender sollte er diesen Glauben beweisen. Schließlich wurden ihm irdische Macht und Reichtum angeboten. Er durchschaute die List des Teufels und konnte sich dem entziehen. Er fiel nicht darauf rein. Und wir?

Es ist nicht immer leicht und schon gar nicht eindeutig, gut und böse, lebensbejahend und teuflisch auseinanderzuhalten. Wir befinden uns aber auf einem guten Weg, wenn wir vorgefasste Meinungen infrage stellen, wenn wir nicht immer den bequemsten Weg gehen, wenn wir hinterfragen und letztendlich das Gebot Jesu als Maßstab wählen: »Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.« Denn das mag der Teufel gar nicht.

Christine Reizig, Landespfarrerin für Gemeindeaufbau der Landeskirche Anhalts

Ein überaus köstlicher Geschmack

2. Mai 2014 von redaktionguh  
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Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Johannes 10, Verse 11.27.28

Ich bin mit Schafen aufgewachsen. Für den endlosen Pfarrgarten waren sie die umweltfreundlichsten Rasenmäher. Für mich als kleines Mädchen waren sie Vertraute. Nichts brachte sie aus der Ruhe. Sie schienen immer zu schmunzeln. Ich habe sie mit besonderen Blättern gefüttert. Ihnen meine Geheimnisse erzählt. Und war mir sicher, dass sie niemandem etwas davon verraten würden.

Seit ich im Alter von vier Wochen getauft wurde, gehören noch andere Schafe zu meinem Leben. Mit denen ist es komplizierter. Sie kauen schon heute an den Sorgen von übermorgen. So wie ich auch. Sie meckern routinemäßig aneinander herum. So wie ich auch. Und manchmal laufen sie nicht so ganz in der Spur. So wie ich auch. Als ob sie keinen Hirten hätten. Als ob wir keinen Hirten hätten.

Zum Glück ist er trotzdem für uns da. Ruft nach uns. Mal zärtlich, mal zornig, aber immer fürsorglich. Deckt für uns den Tisch. Und die Feinde müssen zugucken.

Da hör ich schon wieder Gemecker: Feinde? Klar haben wir Feinde! Auch wenn sie sich verstecken, tief in mir und tief in dir. Sie haben sonderbare Namen: Schuldgefühl, Lieblosigkeit, Hoffnungslosigkeit und wie sie alle heißen. Sie sind heimtückisch. Sie können aus Schafen Wölfe machen. Wenn sie zu viel Futter kriegen. Aber an diesem Tisch kriegen sie alle nichts. Feinde müssen zugucken. Sie werden nicht genährt von unserem Hirten.

ngela Fuhrmann, Pfarrerin in Gotha

ngela Fuhrmann, Pfarrerin in Gotha

Für uns aber tischt er ordentlich auf, es mangelt an nichts: Wunderbares Brot, wertvoller Wein … Wir schauen uns verwundert an. Kosten ein bisschen: Himmlisch! Schmeckt göttlich nach Freundlichkeit! Kaum zu glauben!

Wir schütteln die Köpfe und traben weiter durch Höhen und Tiefen. Mehr oder weniger in seiner Nähe. Schafe können nun mal nicht alles verstehen. Aber dieser Geschmack, der ist schon mal gut, und seine Stimme verspricht noch mehr …

Angela Fuhrmann, Pfarrerin in Gotha

Die Schlüssel zum Leben

18. April 2014 von redaktionguh  
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Jesus Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Offenbarung 1, Vers 18

In den Proben unseres Posaunenchores wird gern gelacht. Mitunter auch über Bläserwitze, die wir uns nach ausgiebigem Musizieren in launiger Runde bei Wasser, Bier und Wein erzählen. Dieser gehört dazu: Warum spielen Posaunenchöre so ungern auf Friedhöfen? Weil es dort zu viele Kreuze gibt. Und natürlich spielen wir voller Osterfreude in früher Morgenstunde am Tag der Auferstehung Jesu auf unserem Friedhof – unterm Kreuz und auch mit Chorälen, die Kreuze als Vorzeichen aufweisen. Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit, singen die Frühaufsteher zu hellen Tönen mit zwei ##. Dann wird auch gelacht! Es ist ja Ostern. Mit dem alten Brauch des Osterlachens wird der Tod verlacht.

Steffen Schulz,  ordinierter Prädikant,  Schulgemeinde Oppin

Steffen Schulz, ordinierter Prädikant, Schulgemeinde Oppin

Lachen als Zeichen der Befreiung, als Sprache des Herzens. Es ist ein Schlüssel zum Leben. Schließlich wird gelacht, wenn sich eine Spannung auflöst, eine Kluft überwunden wird oder sich überraschend eine Tür ins Leben öffnet. Dann tut sich der Himmel auf, und wir können das Kommende genießen. Im Lachen hält Gott unser Heil bereit. Er, der zerstört hat der Höllen Pfort, uns erlöst vom ewgen Tod und uns erkauft das Paradeis. Das lässt uns ein strahlendes, lachendes Halleluja singen. Jubelnd preisen und loben wir Gott. Und Christus, der Marien Sohn, ist die Schlüsselfigur dazu. Mit ihm bricht eine neue Wirklichkeit an – das unmittelbare Leben mit Gott.

Auf dem Friedhof wird freilich auch der Wochenspruch aus der Offenbarung des Johannes vorgelesen: »Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.« Der Vers hat eine für mich sprengende, den Tod verlachende Bedeutung. Damit öffnen sich Türen und Tore, Hoffnungen werden wach und Trost entfaltet sich. Das Leben frohlockt. Mit dieser frohen Botschaft im Ohr können wir gleichsam für andere zum Türöffner werden. Im positiven Sinne können dann gar drei Kreuze gemacht werden.

Fröhliche Ostern!

Steffen Schulz, ordinierter Prädikant, Schulgemeinde Oppin

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