Aussaat im Frühjahr

9. April 2017 von redaktionguh  
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Die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden ist für die Verantwortlichen eine Herausforderung. Denn der Umgang mit pubertierenden Jugendlichen ist alles andere als einfach. Jede noch so scheinbar unverfängliche Bemerkung des Pfarrers löst bei den Teenagern Kichern aus. Und manchmal sind die Geschenke wichtiger als die Segenshandlung.

Wer an seine eigene Konfirmation vor vielen Jahren denkt, erinnert sich, dass diese Lebensphase damals nicht ganz unkompliziert war. Aber die Konfirmation gehört im Rückblick dazu und sie war zeitlich richtig platziert. Auch wenn der eine oder die andere lediglich der Tradition folgte und das bewusste Ja zum christlichen Glauben vielleicht nicht im Vordergrund stand.

Die Wege, wie Menschen zum Glauben kommen, sind sehr unterschiedlich. Manche – auch Konfirmierte – finden erst als Erwachsene einen Draht zu Gott. In einem Alter, in dem sich eine gewisse Anzahl ehemaliger Konfirmanden bereits von der Kirche verabschiedet hat. Für etliche junge Erwachsene ist die Konfirmation der letzte Kontakt zur Kirche.

Vielen Menschen bleibt der Zugang zur Religion zeitlebens verschlossen. Welch ein Glück, wenn Christen ein Leben lang aus ihrem Glauben Kraft schöpfen können. Das Gleichnis vom Sämann erzählt eindrücklich, wie es im Glauben zugehen kann. Ob der Samen aufgeht und Früchte trägt, hängt von der Beschaffenheit des Bodens und der Umgebung ab.

Den Pfarrern und Gemeindepädagogen geht es mit der Konfirmation so ähnlich wie dem biblischen Sämann. Sie säen im Frühjahr, zu einem Zeitpunkt, der bestens geeignet ist. In einer Zeit, in der die Jugendlichen nach Orientierung und Halt suchen.

Sabine Kuschel

Wege zum Glauben finden

7. April 2017 von redaktionguh  
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Die Konfirmation bedeutet ein bewusstes Ja zum christ­lichen Glauben und zur Kirche. Können junge Menschen im Alter von 14 Jahren eine solche Entscheidung treffen? Wie kann der Konfirmandenunterricht ihnen dabei helfen?

Es ist fraglich, ob 14 das günstigste Alter für die Konfirmation ist«, meint Stefan Brüne, Referent für schulbezogene Arbeit im Kinder- und Jugendpfarramt Magdeburg. Er beruft sich auf Erkenntnisse der Hirnforschung, die besagen, dass das Gehirn in diesem Alter komplett umgebaut werde. Achtklässler könnten Wissen nicht richtig aufnehmen. Ihre Risikobereitschaft sei enorm, während Kontrollmechanismen nicht funktionierten. »Die Jugendlichen laufen heute als Punk herum, treten morgen dem Verein bei, übermorgen einem anderen.« Sie probieren Neues aus, um herauszufinden, was für sie wichtig ist. Mit der Konfirmation erwarte die Kirche: »Jetzt stell dich zu uns.« Welches Alter für einen solchen Schritt das richtige ist, könne und sollte bedacht werden. Der Sozialpädagoge findet die Diskussion darüber zwar wertvoll, hält sie allerdings für rein theoretisch, denn die Konfirmation mit 14 habe eine lange Tradition, an der die Eltern unbedingt festhalten wollten. Sie wünschten so sehr, dass in diesem Lebensabschnitt eine Feier stattfinde, weil sie darin ein Übergangsritual hin zum Erwachsenwerden sehen.

Es gebe Gründe für und gegen die Konfirmation mit 14. Dafür spreche, so Brüne, dass Jugendliche in diesem Alter Orientierung brauchen. In der Vorbereitung auf die Konfirmation könnten sich die Konifs an Erwachsenen orientieren, die nicht ihre Eltern sind. Das Vertrauen zu einer anderen erwachsenen Person, die Werte vermitteln und religiöses Verständnis wecken wolle, könne in dieser Zeit ein Regulativ sein.

Konfirmation mit 14 – aber zum Christsein bewusst bekannt hat sich »The Voice of Germany«-Finalteilnehmer Jonny vom Dahl (das Foto zeigt ihn beim Auftritt mit Yvonne Catterfeld bei der Präsentation ihres neuen Albums) nach eigenem Bekunden erst Jahre später. Foto: Maik Schuck

Konfirmation mit 14 – aber zum Christsein bewusst bekannt hat sich »The Voice of Germany«-Finalteilnehmer Jonny vom Dahl (das Foto zeigt ihn beim Auftritt mit Yvonne Catterfeld bei der Präsentation ihres neuen Albums) nach eigenem Bekunden erst Jahre später. Foto: Maik Schuck

Ob die Teenagerzeit das richtige Alter für die Konfirmation ist – dieser Streit sei alt, sagt Steffen Weusten, Dozent für die Arbeit mit Konfirmanden am Pädagogisch-Theologischen Institut in Drübeck. »Mit 13- oder 14-Jährigen hat niemand gern zu tun – in der Schule nicht und auch sonst nicht.« Es sei jedoch als positives Zeichen zu werten, dass die Kirche gerade in dieser schwierigen Lebensphase die Beziehung zu den Jugendlichen nicht abbrechen lässt. »Sie bauen die Erlebnisse und Erfahrungen ihrer Kindheit um; das macht den Umgang mit ihnen schwierig, aber auch wichtig.« Die jungen Menschen würden entscheiden, ob Religion etwas für sie ist. »Wenn sie älter sind, kann man leichter mit ihnen arbeiten, aber dann sind alle wichtigen Entscheidungen gefallen«, argumentiert Weusten

Nach Stefan Brünes Erfahrung interessieren sich 14-Jährige mehr für die Veränderungen in ihrem Körper; Freunde und Freundinnen sind wichtiger als Mathematik und alles andere. Wenn dies auch auf den Konfirmanden­unterricht zutrifft – wie soll er gestaltet werden, damit Konfirmanden ein bewusstes Ja zu ihrem christlichen Glauben finden können? Sollen die Verantwortlichen sich an den Bedürfnissen und Interessen der Konfis orientieren? Geht es um Wissensvermittlung? Oder sollte das Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund stehen?

Eine gute Gemeinschaft sei auf dem Weg zum Glauben die wichtigste Brücke, betont Weusten. Das bedeute nicht, dass die Vermittlung von Inhalten zu vernachlässigen sei. Die Psalmen, die Zehn Gebote und andere klassische Bibeltexte seien Mittel, um den jungen Leuten die Bedeutung des christlichen Glaubens zu erschließen. Ob Konfirmanden den Psalm 23 lernen, sei zweitrangig, wichtig sei vielmehr, wie sie ihn aufnehmen. Ob der Psalm oder andere Bibelabschnitte für die jungen Leute zu einem relevanten Text werden.

In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland gebe es eine große Bandbreite an Formen der Konfirmandenarbeit. Kirchengemeinden, Pfarrer und Kirchenvorstände bestimmen selbstständig, worauf sie den Schwerpunkt legen. Die meisten entscheiden sich für kognitive Methoden, vermitteln also Inhalte. »Das kann man machen«, räumt Weusten ein. Ein Kriterium für einen guten Unterricht sei diese Praxis nicht. Entscheidend sei, ob die Konfirmanden ihren Weg im Glauben finden. Grundlage dafür sieht Weusten im Erleben einer guten Gemeinschaft untereinander sowie zwischen Konfirmanden und Verantwortlichen.

Sabine Kuschel

Kirche zwischen Andacht und Abenteuer

4. August 2015 von redaktionguh  
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TeenTime holt in Magdeburg Kinder und Jugendliche in die Gemeinde

Getuschel und Gekicher füllen den dunklen Gemeindesaal. Die Schlafsäcke rascheln, endlich aber ist Ruhe. Die Kinder sind doch noch eingeschlafen. Das Übernachten in der Gemeinde gehört zu den meisten Treffs von TeenTime und macht einen großen Teil des Reizes aus. Vorher haben die etwa elf- bis 15-jährigen Mädchen und Jungen gemeinsam ihr Abendbrot zubereitet und gegessen, sind durch den Stadtteil gestromert und haben Aufgaben gelöst, haben gespielt und gesungen, eine Andacht gehalten und zusammen mit Gemeindepädagoge Björn Friebel zum Abschluss Revue passieren lassen, was sie seit dem Nachmittag erlebten.

Als verlässliche Gemeinschaft mussten  sich die Teilnehmer des letzten TeenTime-Treffs vor den Sommerferien erweisen. Ehe sie im Zentrum für soziales Lernen im Seilgarten klettern durften, testeten sie mit Spielen, wie sie sich aufeinander verlassen können. Der Tag war ein TeenTime-Höhepunkt. Foto: Björn Friebel

Als verlässliche Gemeinschaft mussten sich die Teilnehmer des letzten TeenTime-Treffs vor den Sommerferien erweisen. Ehe sie im Zentrum für soziales Lernen im Seilgarten klettern durften, testeten sie mit Spielen, wie sie sich aufeinander verlassen können. Der Tag war ein TeenTime-Höhepunkt. Foto: Björn Friebel

Dieses etwa sechswöchige Angebot zwischen Gottesdienst und Abenteuer, zwischen Kontinuität und Projektarbeit kommt bei den Kindern an. Die Teilnehmer wechseln. Es bringt immer mal jemand Freunde mit, die bleiben oder auch nicht. Die gemeinsamen Erlebnisse führen die Kinder zusammen. »Es ist schön zu erleben, wie da Kontakte entstehen, die auch über die Gemeinde hinaus halten, wie Gemeinschaft wächst«, sagt Björn Friebel. Angefangen hat er mit TeenTime, weil er eine Lücke erkannte, fast schon ein Loch, in das die jungen Jugendlichen zu fallen drohten.

Offen für neue Entwicklungen

Als der Gemeindepädagoge vor fast vier Jahren in das Kirchspiel Magdeburg-West kam, fand er zwar eine lebendige Gemeinde vor, aber für die etwa 13-Jährigen fehlte ein Angebot, das sie an die Gemeinde bindet. Er griff seine Idee auf, die er bereits im Henneberger Land zu verwirklichen angefangen hatte und startete den Versuch mit TeenTime. Inzwischen sind die Teilnehmer etwas jünger geworden als anfangs, dafür hat sich parallel YouthTime etabliert. Die Junge Gemeinde gibt es natürlich auch. Die Paulusgemeinde beteiligt sich am Konfi-Treff, in dem Kinder aus fast allen Gemeinden des Kirchenkreises zusammenkommen, sodass diese Altersgruppe im Kirchspiel keinen eigenen Kreis hat.

Womöglich ist das aber durchaus vorteilhaft. Denn die verschiedenen Angebote für die Kinder und Jugendlichen jeden Alters, die sich parallel in mehreren Kreisen zu Hause fühlen, ermöglicht offenbar Kontinuität. Jedenfalls hat Björn Friebel erfreut festgestellt, dass sich die Konfirmanden in diesem Jahr in großer Zahl der Jungen Gemeinde zuwandten. »Sie kennen sich untereinander aus den Kreisen und sind als ›Neue‹ in der Jungen Gemeinde dann nicht allein, müssen keine etablierte Gruppe aufbrechen«, versucht Björn Friebel eine Erklärung.

Ob das so bleibt, weiß er nicht. TeenTime ist jetzt ein gutes Angebot, mit dem das Kirchspiel den wechselnden Bedürfnissen der Jugendlichen entsprechen kann. Björn Friebel ist offen für neue Entwicklungen – und neugierig darauf.

Renate Wähnelt

www.pauluskirche-magdeburg.de

Komponieren mit Smartphones und Tablets

18. März 2014 von redaktionguh  
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Klasse 10 b des Christlichen Gymnasiums Jena erhält auf Musikmesse in Frankfurt den Europäischen Schulmusikpreis

Die Schüler waren von Anfang an begeistert bei der Sache, endlich durften sie im Unterricht mal mit Erlaubnis auf dem Handy tippen«, berichtet Musiklehrer Philipp Schäffler vom Christlichen Gymnasium Jena. Für ihr Projekt »Komponieren mit Smartphones und Tablets« erhält die Klasse 10 b am 15. März auf der Internationalen Musikmesse in Frankfurt am Main den Europäischen Schulmusikpreis. Mit der höchstmöglichen Dotierung von 4 000 Euro in der Hauptkategorie »Musikalische Arbeit im Klassenunterricht (Klasse 5–12)« würdigt die Jury »das methodisch äußerst differenzierte sowie planvoll und zielgerichtete Arbeiten« des promovierten Musikpädagogen sowie die Offenheit im Umgang mit modernen Medien, mit der die Schüler genau dort abgeholt werden, wo sie stehen.

Die Klasse 10 b des Christlichen Gymnasiums Jena mit ihrem Musiklehrer Philipp Schäffler (hinten links). Foto: Christliches Gymnasium Jena

Die Klasse 10 b des Christlichen Gymnasiums Jena mit ihrem Musiklehrer Philipp Schäffler (hinten links). Foto: Christliches Gymnasium Jena

»Die Idee des Projekts war, das Smartphone als Musikinstrument zu verstehen, sprich, all diejenigen Apps auszuprobieren, mit denen man angeblich Musik schaffen kann«, beschreibt Philipp Schäffler im Gespräch mit »Glaube + Heimat« das inhaltliche Anliegen. App ist die Abkürzung von »Application« und bezeichnet die Anwendungssoftware des Smartphones. »Nach einer kurzen Einführungs- und Testphase entschieden sich verschiedene Gruppen für eine App und erstellten damit ein musikalisches Produkt. Dies wurde dann der Klasse vorgestellt und über die verwendete App eine Kritik geschrieben«, berichtet der Musiklehrer weiter. Im Anschluss haben die Jugendlichen noch einen Projekttag für die Parallelklasse 10 a organisiert, an dem das erworbene Wissen weitergegeben werden konnte.

Ein halbes Jahr haben die Schüler im Alter von etwa 16 Jahren gebraucht, bis ein fertiges Stück entstanden ist. Dabei habe sich gezeigt, dass es bei allen technischen Möglichkeiten letztendlich auf die musikalische Vorstellungsgabe und eine tragfähige Idee ankomme, ist sich Philipp Schäffler sicher.

Der Verband der Musikinstrumentenindustrie SOMM – Society of Music Merchants – vergibt den Europäischen Schulmusikpreis bereits zum vierten Mal. Die Jenaer Schüler und ihr Musiklehrer werden ihn in Frankfurt in Empfang nehmen und bei dieser Gelegenheit die Internationale Musikmesse besuchen. Das Preisgeld soll ausschließlich dem Musikunterricht zugutekommen. Eine kleine Bühne mit Schlagzeug und Instrumenten könnte sich Philipp Schäffler da sehr gut vorstellen.

Michael von Hintzenstern

Miteinander Wege gehen und Wege bauen

17. Juni 2013 von redaktionguh  
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Ein Fest des Glaubens feierte der Kirchenkreis Mühlhausen am 8. Juni

So viel Sonne war lange nicht. Dazu ein fröhliches Treiben vor der erhabenen Kulisse der Bachkirche Divi Blasii in Mühlhausen. Der Kirchenkreis hatte zum Kirchentag eingeladen, die Kirchenmusik zum Chöretreffen und die Jugendkirche zum Jugendtag. So kamen alle Generationen am vergangenen Sonnabend (8. Juni) auf dem Untermarkt und in der Blasii-Kirche zusammen, informierten sich an den Ständen, aßen, tranken, schwatzten, hörten auf Gottes Wort und genossen den wunderschönen Tag.

Alle fünf Jahre veranstaltet der Kirchenkreis ein Christentreffen. Diesmal war das Fest mit dem Motto ­»GehWege« überschrieben. Wortspiele wie »Geh Wege!« – »Gehwege« – »Geh weg!« … zogen sich durch den Tag. Die Kirchengemeinden hatten Steine mitgebracht – typisch für ihre Region –, aus denen ein Steinmetz ein kleines Stück »Gehweg« pflasterte, der nun im Hof des Hauses der Kirche seinen Platz gefunden hat. »Auch kurze Wege«, sagte Superintendent Andreas Piontek dazu, »sind oft wichtig.«

Foto: Burkhard Dube

Foto: Burkhard Dube

Auf dem Untermarkt präsentierten sich Initiativen und Kirchengemeinden, Kletterwand und Familienmitmachzirkus, Kinderkirche und Infostände, so auch der Partnerkirchenkreis Eschwege. Annemone Mücke, Ute Elsner und Karla Liebaug hatten sich aus Eigenrieden auf den Weg gemacht, um selbstgemachte Produkte zu verkaufen: von Topflappen, Ketten, Gelees bis zum Löwenzahnblütenlikör. Der Erlös ist für die Renovierung ihrer Kirche gedacht. Doch die drei engagierten Frauen waren etwas enttäuscht. Verkauft hätten sie fast nichts. Manchmal sind die Wege eben auch beschwerlich. Dafür waren das abwechslungsreiche Bühnenprogramm, die Musik der Kirchenchöre und der Bläser, der Juki-Band oder die Bibelarbeit ganz sicher für sie eine Bereicherung.

Landesbischöfin Ilse Junkermann sprach im Abschlussgottesdienst von den Wegen, die frei gemacht werden sollen, damit alle leben können. Das sei Gottes Wegweisung. Nach dem Gottesdienst erlebten über 800 Christen mit, wie die Landesbischöfin den letzten Stein mit der Aufschrift »Kreiskirchentag 2013« in den »Gehweg« legte. Kirchenälteste nahmen zum Schluss kleine Pflastersteine mit. Denn nach Konzert und »Nachtkirche« war der Kirchentag noch nicht zu Ende. Er wurde am Sonntag mit einem »Gleichzeitiggottesdienst« in allen Kirchen des Kirchenkreises fortgeführt. Der Stein brachte das Fest zu jenen, die am Sonnabend nicht teilnehmen konnten.

Dietlind Steinhöfel

Sie prägte Generationen

28. Mai 2013 von redaktionguh  
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Die Merseburger Kirchenmusikerin Eva Ernst wird am 30. Mai 80 Jahre alt

Meinen gesamten musikalischen Werdegang, mein Wissen über Musik, über Chorliteratur und Liturgie, viele musikpraktische Fähigkeiten sowie den Umgang mit Kindern und Jugendlichen hat Eva Ernst ganz stark beeinflusst und geprägt.« Stefanie Standke, heute Musik- und Deutschlehrerin an einem Leipziger Gymnasium, ist des Lobes voll für ihre frühere Merseburger Kantorin. Auch andere junge Menschen, die sie bis ins Erwachsenenalter erlebten, stimmen in den Lobgesang ein. Katharina Kentsch, die ab dem fünften Lebensjahr im Kinderchor, später in Kurrende und Jugendchor sang, erinnert sich besonders gern an die jährlichen Singwochen. »Ich bin mitgefahren, bis ich 23 Jahre alt war – wie viele andere Jugendliche auch über das Alter hinaus, in dem man mit der Familie in den Urlaub fährt.« Für Konrad Pippel ist Eva Ernst Vorbild und entscheidend für seine Berufswahl. Er studierte an der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle und ist nun Kantor des Kirchspiels Apolda und Kreiskantor für den Kirchenkreis Apolda-Buttstädt. Bärbel Schikowsky sagt über die Kirchenmusikerin: »In Merseburg war sie in den 1970er Jahren die Stütze beim Aufbau des Kirchspiels. Sie führte vorsichtig die Chöre der einzelnen Gemeinden zur Kantorei zusammen, baute einen gemeinsamen Kinderchor und Jugendchor auf und gab den Älteren die Möglichkeit, einen gesonderten Chor zu bilden.«

Eva Ernst vor der Burgkirche in Querfurt. Foto: privat

Eva Ernst vor der Burgkirche in Querfurt. Foto: privat

Eva Ernst prägte über Jahrzehnte das kirchenmusikalische Leben in Merseburg. Geboren 1933 in Königsberg in Ostpreußen, musste sie als Zwölfjährige mit ihren Eltern und den Geschwistern fliehen. Die Familie fand in Schönebeck bei Magdeburg eine Bleibe; Freude in guten wie in schlechten Zeiten fand sie in der Musik. Der Vater, ein Glasermeister, spielte Violine und wirkte auch als Chorleiter. Die Tochter Eva Hinz studierte von 1950 bis 1954 an der Evangelischen Kirchenmusikschule in Halle. Zu ihren Dozenten gehörten Gerd Ochs, Eberhard Wenzel und Hans Helmut Ernst. Nach ihrem B-Examen begann die junge Kirchenmusikerin am 1. Oktober 1954 ihren Dienst an der Stadtkirche Sankt Maximi zu Merseburg. Ihre Arbeitsjahre bis 1996 waren geprägt von vielfältigen Aufgaben. Ein Schwerpunkt lag in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Überall brachte sie all ihre Kraft und ihr Herzblut ein, verbunden mit außerordentlichem Engagement, Selbstdisziplin und Gewissenhaftigkeit: Vormittage mit Vorschulkindern, Arbeit als Katechetin, Proben mit Kinder- und Jugendchor sowie den beiden Kirchenchören (ab 1975 Merseburger Kantorei), Orgelspiel im Gottesdienst und Singwochenarbeit. Ab den 1960er Jahren fungierte sie als Kreiskirchenmusikwartin und gehörte mehrere Perioden dem Kreiskirchenrat an. Die Plakate der vielen Chor- und Orgelkonzerte, die Eva Ernst aufgehoben hat, verstärken den Eindruck der Intensität ihrer Arbeit. Einen besonderen Platz in ihrem Leben nahm der Kirchenmusiker Hans Helmut Ernst ein, der in Halle ihr Orgeldozent war, oft als Mitwirkender zu Konzerten nach Merseburg kam und den sie 1977 heiratete. Sein geistiges Vermächtnis gibt ihr bis heute Kraft.

Im Ruhestand hat Eva Ernst viele Aufgaben in jüngere Hände gelegt, andere hinzugewonnen. Geblieben ist das Orgelspiel – zum Lobe Gottes und zu ihrer eigenen Freude. Ihre Gabe, sich in Menschen einfühlen zu können, setzt sie zum Beispiel im Krankenbesuchsdienst ein.

Alle, die Eva Ernst kennen, schätzen ihre vom Glauben geprägte enorme Tatkraft, erleben ihre Bescheidenheit und Selbstlosigkeit im Dienst. Zu ihrem Geburtstag verneigen sie sich voller Dankbarkeit vor ihrer Lebensleistung.

Angela Stoye