In der Adventszeit hat das Jammern Pause

7. Dezember 2013 von redaktionguh  
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Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Lukas 21, Vers 28

Da hat doch tatsächlich jemand ein Bibelwort über die Endzeitkatastrophen als Wochenspruch für die Adventszeit herausgesucht und wir normalen Christenmenschen sollen damit klarkommen! Dabei war das Jahr 2013 mit den üblichen Katastrophen schon so angefüllt, dass ein wenig Besinnlichkeit und Vorfreude auf Weihnachten für uns spätestens ab dem 1. Advent angemessen wäre.

Zugegeben, in Deutschland hielten sich die Katastrophen in Grenzen. Zumal (nicht nur) wir letztere dicht gemacht haben. Die Überschwemmungen im Frühjahr sind für die meisten glimpflich abgelaufen und für die Betroffenen haben wir (genug?) gespendet. Den Rest muss der Staat richten. Die Eurokrise macht irgendwie einen Bogen um uns, und die Arbeitslosenzahlen hierzulande sinken (weil die Betroffenen aus der Statistik in die Armutsrente entschwinden).

Lothar Tautz, Pastor in der EKM

Lothar Tautz, Pastor in der EKM

Eine erfreuliche Perspektive, die zum Wochenspruch passt, ist jedoch auch möglich: der Rückblick auf die friedliche Revolution vor 24 Jahren. Wenn wir damals nicht das Haupt erhoben und den »aufrechten Gang« geübt hätten, wären wir blind für die Erlösung hinter der Krise des Sozialismus gewesen. Zwar war der Untergang der DDR nicht der Weltuntergang und die Niederkunft im Kapitalismus nicht die Ankunft des Himmelreiches. Aber es hätte schlimmer kommen können.

Also schauen wir aus Erfahrung hoffnungsvoll in die Zukunft: »Seht auf und erhebt eure Häupter!« In der Adventszeit hat das Jammern Pause. Das ist auch gut so, denn die nächste Katastrophe kommt bestimmt. Inzwischen gilt es Kraft zu schöpfen. Da hilft, über den Tellerrand zu schauen und einen ersten Ausblick zu wagen: Betrachten wir die Folgen der arabischen Revolution, dann könnten wir auf den Gedanken kommen, unsere Erlösungshoffnung zu teilen: Machen wir »die Tore weit« für die arabischen Familien, die bei uns Erlösung suchen – von Not und Tod zum Leben.

Lothar Tautz, Pastor in der EKM

Wir sind so frei

14. Oktober 2011 von redaktionguh  
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Zweiter Mitteldeutscher Kirchentagskongress in Eisleben beleuchtete den Freiheitsbegriff.
Stephan Krawczyk sang und las in der Annenkirche.<br />
Foto: Jürgen Lukaschek

Stephan Krawczyk sang und las in der Annenkirche.
Fotos: Jürgen Lukaschek

»Vor 22 Jahren hätten wir den Tag der Republik gefeiert, heute sind wir frei.« Lothar Tautz, Vorsitzender des Kirchentagslandesausschusses und Organisator des Treffens, war sich des historischen Datums durchaus bewusst. Doch es blieb nicht beim symbolträchtigen Auftakt des zweiten Mitteldeutschen Kirchentagskongresses am 7. Oktober in der Eislebener Annenkirche, zu dem der Liedermacher und frühere DDR-Regimekritiker Stephan Krawczyk in die Lutherstadt gekommen war.

Auch sonst zog sich das Motto »Ich bin so frei« wie ein roter Faden durch die drei Tage des Kongresses, der das Jahresthema »Reformation und Freiheit« aufgriff. Das betraf die Themengruppen ebenso wie die Bibelarbeit mit dem ehemaligen Europapolitiker und Theologen Ulrich Stockmann. In den Arbeitsgruppen ging es dann um so zentrale Fragen wie »Von der Freiheit des Gewissens« oder »Glauben und frei sein«.

Eine Gruppe tagte überwiegend in Bad Frankenhausen und befasste sich mit Thomas Müntzer und dem Thema »evangelisch regieren«. Das monumentale Bauernkriegsgemälde von Werner Tübke im Panorama-Museum bot den passenden Einstieg.

Zweiter Mitteldeutscher Kirchentagskongress in Eisleben: Eröffnung mit OB Fischer

Zweiter Mitteldeutscher Kirchentagskongress in Eisleben: Eröffnung mit OB Fischer

Bibelarbeit im Ratssaal

Bibelarbeit im Ratssaal


Selbst zum politischen Nachtgebet nach dem Konzert mit dem Oratorium »Die Schöpfung« in der voll besetzten Andreaskirche kamen noch einmal gut 80 Gäste ins Rathaus. Hier stritten der Thüringer Theologe und Politiker Edelbert Richter (Die Linke) mit dem Vorsitzenden des Evangelischen Arbeitskreises der CDU in Sachsen-Anhalt, Jürgen Scharf, über die gegenwärtige Finanzkrise.

Einigkeit bestand darin, die Rolle der Kirche im »Spiel« der Märkte zu benennen. Durch deutliche Worte und eigenes Handeln könnte sie ein Gegengewicht bieten und die Politik darin unterstützen, einen wirksamen Rahmen vorzugeben.

Das Thema griff schließlich auch der frühere Erfurter Propst Heino Falcke am Sonntag in seiner Predigt im Abschlussgottesdienst auf. »Der Götze wackelt schon«, sagte er mit Blick auf die Vergötzung des Geldes. Er forderte deshalb ein gemeinsames und klares Wort der Kirchen zum gegenwärtigen Finanzdebakel.

(mkz)

Gemeinsam Flagge zeigen

27. Mai 2011 von redaktionguh  
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Kirchentag: Mehr als 5000 Christen aus Mitteldeutschland werden zum Protestantentreffen in Dresden erwartet.
Die letzten Vorbereitungen laufen: Vom 1. bis 5. Juni ist Dresden Gastgeber für den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag. (Foto: epd-bild)

Die letzten Vorbereitungen laufen: Vom 1. bis 5. Juni ist Dresden Gastgeber für den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag. (Foto: epd-bild)


Nach 14 Jahren findet mit Dreden wieder ein Kirchentag in Ostdeutschland statt. Das dürfte neben den großen Themen eine nicht ­unwesentliche Rolle spielen.


»Hier sind wir schon die Exoten«, sagt Matthias Grimm-Over. Der Referent für Jugendarbeit weiß, wovon er spricht. Wenn sich am 1. Juni die verschiedenen Regionen Sachsens beim Abend der Begegnung auf dem Kirchentag in Dresden vorstellen, wird auch die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) mit von der Partie sein. Unter dem Motto »Evangelisch in Nordsachsen« präsentiert sich der Kirchenkreis Torgau-Delitzsch als einzige sächsische Region der EKM auf dem Kirchentag. Die Helfer um den Jugend­referenten werden dann gemeinsam mit den »Freunden der Leipziger Region« die Kirchentagsgäste rund um die Dreikönigskirche bewirten.

Aber auch sonst will der Kirchenkreis auf dem Kirchentag vom 1. bis 5. Juni Flagge zeigen. Im Themenbereich »Christen im Alltag« informieren die Mitarbeiter über ihre Arbeit vor Ort. An jedem Tag werde es einen ­thematischen Schwerpunkt geben, kündigt Grimm-Over an. Neben dem neuen Familienbildungshaus Sausedlitz und dem ersten Torgauer Kinderkirchenführer wollen die Mitarbeiter auch ihr Jugendbildungsprojekt »Wintergrüne« vorstellen. »Wir wollen damit zeigen, dass Sachsen nicht nur aus der Landeskirche besteht«, meint der Referent selbstbewusst.

Dass der Kirchentag nach längerer Zeit wieder in Ostdeutschland über die Bühne geht – zuletzt hatte es 1997 das Protestantentreffen in Leipzig ­gegeben –, schlägt sich freilich nicht nur in den Zahlen unter den 110.000 Dauerteilnehmern nieder. »Von der Zusammensetzung wird es der erste gesamtdeutsche Kirchentag sein«, ist Katrin Göring-Eckardt, Präsidentin des Treffens, überzeugt. Etwa ein Drittel kommt aus Ostdeutschland. Allein aus der EKM werden sich 5.000 Gemeindeglieder auf den Weg machen. Inhaltlich dürfte das Thema Kirche in säkularer Umwelt neben den Topthemen Atomausstieg, Finanzkrise und Integration eine tragende Rolle spielen. Dafür spricht schon die Tatsache, dass der Kirchentag in einer Region stattfindet, in der nur noch knapp 25 Prozent zu einer Kirche gehören.

Für die evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümer aus Mitteldeutschland ist das Grund genug, sich mit einem Stand auf dem »Markt der Möglichkeiten« zu präsentieren.

Wie schon beim Ökumenischen Kirchentag in München stellen sich die EKM und Anhalt sowie die Bistümer Erfurt und Magdeburg gemeinsam vor.

Allein das findet Anne Rademacher, Referentin im Erfurter Seelsorgeamt, ziemlich einmalig. »Diese Gemeinschaft ist ein Symbol dafür, was wir in Mitteldeutland brauchen.« Neben der EKM-Klimakampagne soll es um den Bibelturm im anhaltischen Wörlitz, das ökumenische Pilgerwegsprojekt des Bistums Magdeburg sowie die vom Bistum Erfurt angestoßene Reihe »Wozu ist Kirche gut?« gehen. Im nächsten Jahr wird der Gemeinschaftsstand dann beim Katholikentag Station machen.

Doch das sind nicht die einzigen Angebote aus der mitteldeutschen und der anhaltischen Kirche. Bereits am 30. Mai lichten zwei Schiffe in Dessau-Roßlau bzw. Wittenberg die Anker und fahren stromaufwärts nach Dresden. Zudem wirken mitteldeutsche Vertreter beim Feierabendmahl mit, stellen den spirituellen Tourismus am »Lutherweg« vor, erzählen ­etwas vom Einsatz für die Elbe und beteiligen sich am »Zentrum Kirchen und Demokratie«.

Ausgerechnet hier gab es bereits im Vorfeld eine heftige Kontroverse mit dem sächsischen Landtag. So hat das Präsidium mehrere Veranstaltungen nicht zugelassen, darunter ein Podium zum Thema »Krise der Demokratie« mit Heiner Geisler (CDU) und Renate Künast (Grüne). Diese »Aus­ladung« kann Lothar Tautz, Chef des Kirchentagslandesausschusses in der ehemaligen Kirchenprovinz, bis heute nicht nachvollziehen. Ansonsten hofft er, dass der Kirchentag seine ganz ­eigene Prägung erhält und der Dialog mit den osteuropäischen Ländern breiten Raum bekommt. »Dass der Kirchentag überhaupt in Dresden stattfindet«, sagt er, »ist ja schon ein Signal.«

Martin Hanusch

Auf dem Weg nach Dresden

18. Februar 2011 von redaktionguh  
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dekt

Kirchentage sind Feste des Glaubens, bei denen Tausende Menschen mitfeiern. Dass dies vom 1. bis 5. Juni in Dresden so sein wird, ist auch ein Anliegen der Landesausschüsse des Deutschen Evangelischen Kirchentages (DEKT).


In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gibt es davon gleich zwei, einen für die ehemalige Kirchenprovinz Sachsen, den anderen für die einstige Thüringer Landeskirche. Eine ihrer Aufgaben sei es, für den Kirchentag zu werben, viele Menschen zur Teilnahme zu motivieren und eventuell auch mitzuwirken, erläutert Lothar Tautz, Vorsitzender des Landesausschusses des DEKT/EKM Nord. Auf dessen Initiative geht kurz vor Beginn des Kirchentages ein Motorschiff namens »Lutherstadt Wittenberg« auf Werbetour, um Menschen zur Teilnahme einzuladen.

Am 29. Mai startet es in Magdeburg, macht Station in Dessau, Torgau und Riesa, wo verschiedene  Veranstaltungen geplant sind. Tautz hofft, dass sich in den Gemeinden dort noch viele Menschen kurzfristig entschließen, zum Kirchentag zu kommen.

Während das Schiff von Ort zu Ort auf der Elbe entlangschippert, sei an Bord Gelegenheit, sich geistlich auf den Kirchentag einzustimmen, so Tautz. Zum Programm gehören Andachten und Bibelarbeiten, eine Buchlesung und ein Konzert mit dem Duo »Klaster Royall«. In Riesa trifft das Schiff der EKM dann auf das der anhaltischen Landeskirche. Gemeinsam geht es nach Dresden, wo beide Schiffe am 1. Juni anlegen werden. Während das der EKM wieder zurückfährt, wird das Schiff aus Dessau in Dresden bleiben, denn die Evangelische Kirche Anhalts präsentiert sich auf dem Kirchentag mit einer schwimmenden »Bo(o)tschaft«.

Sie wolle über die historische Region Anhalt und das Christsein heute in einer kleinen, selbstbewussten ostdeutschen Landeskirche informieren, heißt es dort. »Von Mittwoch bis Sonnabend übernehmen wir die Hauptthemen und die Strukturen des Kirchentages und geben ihnen anhaltisches Spezifikum«, sagt Kirchenpräsident Joachim Liebig.

An Bord werde über die drei Schwerpunkte »Glaube«, »Gesellschaft« und »Welt« nachgedacht. Referenten und prominente Gäste aus Anhalt übernehmen die Andachten, Bibelarbeiten und Podiumsdiskussionen. Zu essen und zu trinken gebe es regionale Spezialitäten und zum Abschluss des Tages werde zu einer Abendlounge wieder mit anhaltischer Färbung eingeladen. Musik und Kleinkunst in reizvoller Atmosphäre und mit dem wunderschönen Panorama, das die Dresdner Altstadt vom Schiff auf der Elbe biete, so Liebig.

Auf dem Kirchentag wird es einen Stand »Ökumene in der Mitte« geben, an dem sich die EKM und die anhaltische Kirche gemeinsam mit den Bistümern Erfurt und Magdeburg beteiligen. Unter dem Motto »Spielen und spielen lassen« stellen die vier in Mitteldeutschland beheimateten Kirchen ihre Projekte vor. Die anhaltische Kirche will hier auf den Bibelturm Wörlitz aufmerksam machen, der seit 1994 eine Bibelausstellung präsentiert unter dem Motto »Zwischen Himmel und Erde«.

Die EKM werde ihre Kampagne »Klimawandel – Lebenswandel« vorstellen, so Karsten Müller, Pfarrer im Gemeindedienst der EKM in Neudietendorf. Die Aktion ruft zu einer Veränderung der Lebensgewohnheiten zugunsten des Klimaschutzes auf. Dazu gibt es ein Mitmachheft mit 30 praktischen Vorschlägen, das auf dem Kirchentag angeboten wird. Dieses fordert dazu auf, sich mit dem Thema zu beschäftigen und Kohlendioxid einzusparen. Zum Beispiel: statt Mineralwasser öfter Leitungswasser trinken oder am Freitag auf Fleisch verzichten.

Sabine Kuschel