Die Schlüsselfrage ist geklärt: Der Himmel steht offen

16. April 2017 von redaktionguh  
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Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Offenbarung 1, Vers 18

Der Schlüssel ist übergroß, sein geschmiedeter Bart wird durch ein Kreuz geziert. Wer den Schlüssel in die Hand bekommt, weiß sofort: Hiermit kann nur eine Kirchentür geöffnet werden. Die mächtige Holztür knarzt beim Schließen. Ich lausche auf das Geräusch des Schlüssels im altertümlichen Schloss. »Ach, wie schön«, sage ich zum neben mir stehenden Küster, »noch keine Schließanlage, deren Schlüssel sich an meinem Bund von keinem einer Bürotür unterscheidet!« Der Mann schmunzelt »Braucht es auch nicht, Frau Pfarrer, solch ein Schloss ist schwerer zu knacken als ein Sicherheitsschloss. Die Alten haben gewusst, was sie taten!« Er hält mir die Tür auf und vergräbt den Schlüssel wieder tief in seiner Manteltasche. Sicher ist sicher.

Friederike F. Spengler, Pfarrerin im Landeskirchenamt der EKM, Erfurt

Friederike F. Spengler, Pfarrerin im Landeskirchenamt der EKM, Erfurt

Die Schlüsselfrage ist eine Machtfrage. Wer den Schlüssel hat, erhält ungehindert Eintritt, muss nicht andere um Erlaubnis fragen. Wer den Schlüssel hat, bestimmt, wer drin ist und wer draußen bleiben muss. Wer den Schlüssel hat, kann einsperren und befreien.

Zu Ostern wird die Schlüsselfrage ein für alle Mal geklärt: Er, der Christus Gottes, überlebt den Tod und geht durch die Hölle. Den Schlüssel hält er fest in seiner Hand. »Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg?« singt uns das Brahms’sche Requiem aus der vagen Hoffnung der Totenmesse in die feste Gewissheit der Osternacht hinüber.

Im Buch der Heilpflanzen von Hildegard von Bingen wird die Schlüsselblume beschrieben. Sie blüht als eine der ersten Frühlingsblumen und ergießt ihr Sonnengelb zu Ostern in Wälder und über Wiesen. Hildegard beschreibt die wohltuende Wirkung der Pflanze, von der man alle Teile nutzen kann. Sie preist die Blume als Wunder der guten Schöpfung Gottes und tauft sie »Himmelschlüssel«. Mit ihren Blüten, in deren Anordnung man einen Schlüsselbund erkennen kann, erinnert sie uns daran:

Seit Ostern steht uns der Himmel offen. Die Schlüsselfrage ist geklärt!

Friederike F. Spengler, Pfarrerin im Landeskirchenamt der EKM, Erfurt

Auferstehung in Rösa

15. April 2017 von redaktionguh  
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Rösa hat eine beeindruckende, doch bislang namenlose Dorfkirche. Zur Osternacht ändert sich das: Das Gotteshaus wird zur Auferstehungskirche. Im Reformationsjahr erhalten weitere Kirchengebäude einen Namen.

Christus kommt zu uns auf Wegen, die wir nicht immer nachvollziehen können. Keiner weiß, welche verschlungenen Pfade die geschnitzte Christus-Figur genommen hat, bis sie eines Tages im Pfarrhaus von Pouch bei Bitterfeld gefunden wurde, nach Rösa kam, restauriert wurde und nun an der Südseite der Apsis in der kleinen, aber mächtigen Dorfkirche hängt. Christus ist ein Torso, die Arme sind verloren gegangen. Ein Geschundener. Auf den ersten Blick. »Denn steht man vor ihm, merkt man: Ihm fehlt nichts«, sagt Pfarrer Albrecht Henning. »Er ist schon hindurch. Ostern ist erkennbar, spürbar.«

Die kleine Dorfkirche von Rösa im Frühlingslicht. Zur Osternacht wird dem bislang namenlosen Gotteshaus der Name »Auferstehungskirche« gegeben. Foto: Thomas Klitzsch

Die kleine Dorfkirche von Rösa im Frühlingslicht. Zur Osternacht wird dem bislang namenlosen Gotteshaus der Name »Auferstehungskirche« gegeben. Foto: Thomas Klitzsch

Besonders in Rösa. Die Gemeinde gehört zum Pfarrbereich Krina im Kirchenkreis Wittenberg. Von neun Kirchen hatte bis auf die Barockkirche Burgkemnitz keine einen Namen. Welchem Heiligen das Gebäude einst gewidmet wurde, lässt sich nicht belegen. Das Landeskirchenamt fand keine Zeugnisse, auch nicht aus vorreformatorischer Zeit. Während also im nahen Wittenberg das 500. Reformationsjubiläum mit viel Aufwand und Hunderten Veranstaltungen gefeiert wird, starten die Christen im Pfarrbereich Krina ihre eigene Erneuerungsbewegung: Sie geben ihren namenlosen Kirchen Namen.

Der Christus-Torso im Chorraum (re.) gab den Anstoß für Namenswahl und künstlerische Ausgestaltung. Fotos: Thomas Klitzsch, Katja Schmidtke

Der Christus-Torso im Chorraum (re.) gab den Anstoß für Namenswahl und künstlerische Ausgestaltung. Fotos: Thomas Klitzsch, Katja Schmidtke

Zu Ostern wird Rösa zur Auferstehungskirche. Der Gottesdienst am Karsamstag beginnt um 22.30 Uhr. Bereits zum dritten Mal wird die Auferstehung Jesu auf diese Weise so in Rösa gefeiert. In diesem Jahr werden zwei Kinder getauft – und die Kirche erhält ihren Namen. Eine Woche später bekommt dann die Kirche in Krina den Namen Trinitatiskirche. Die bisherige Barockkirche Burgkemnitz wird am 25. Mai wegen ihres Deckengemäldes umbenannt in Barockkirche Christi Himmelfahrt. Mit einem Wandelkonzert am 19. August feiert die Gemeinde die Benennung der Kirche Gröbern als Elisabethkirche.

Und zum Tag des offenen Denkmals wird die Dorfkirche Schwemsal zur Erlöserkirche – hier gibt es ein modernes Gemälde, das auf die Himmelsleiter anspielt. Zu Erntedank am 30. September erhält die Marienkirche Schlaitz ihren Namen. Noch offen sind Termine zur Namensgebung der Christuskirche in Schköna und der Dornbuschkirche in Hohenlubast. Bereits ihren Namen erhalten hat die Christophoruskirche in Gossa. Die beiden historischen Ritzzeichnungen ergänzte Jochem Poensgen mit einem Glasfenster.

»Auferstehungskirche« – damit verbindet Hans-Ulrich Eckardt auch die jüngste Geschichte des Gebäudes. Rösa liegt im Braunkohlengebiet; zu DDR-Zeiten gab es Pläne, das Dorf zu überbaggern, die Kirche war ruinös. Erst Ende der 1980er-Jahre genehmigte der Staat eine Sanierung. »Aber nur mit eigenen Mitteln«, erinnert sich Hans-Ulrich Eckardt. Von 1988 bis 1993 arbeiteten die Rösaer an ihrem Gotteshaus. Eine auferstandene Kirche.

Die Auferstehung Jesu greift im Kircheninneren nicht nur der Christus-Torso auf. Ausgehend von ihm hat der Künstler Sven Göttsche ein Apsisfenster sowie ein Altarkreuz und zwei Leuchter geschaffen. Sven Göttsche erinnert sich noch wie heute, wie er die Figur zum ersten Mal sah. Eigentlich hatte der Druckgrafiker, Bildhauer und Glaskünstler, der direkt gegenüber der Kirche wohnt, gerade den Entwurf für das Fenster vorgestellt, Pfarrer und Gemeinde waren zufrieden. Dann sah Göttsche den Christus. »Das war für mich als Künstler ein Schock, weil mein Fenster-Entwurf mit dieser Figur nicht zusammenging. Andererseits war dieser Christus beeindruckend. Das war kein Korpus am Kreuz. Seine Armlosigkeit hat etwas Raketenhaftes. Er hat mich zum Gespräch herausgefordert«, erinnert sich der Künstler.

Er verwarf seinen ersten Entwurf, begann die Arbeit neu – mit dem Christus-Torso als Leitmotiv. Die Umrisse der spätgotischen Schnitzerei sind im Fensterbild zu erkennen, ebenso wie im Altarkreuz. Auch hier ist Jesus nicht der Leidende, das Kreuz kein Marterwerkzeug, sondern Hoffnungszeichen. Die Kerzenleuchter hat Sven Göttsche als stilisierte Hände gestaltet, die das Licht bringen. Auch sie sind vom Kreuz gelöst.

Der Künstler lädt dazu ein, Kreuz und Leuchter zu erkunden, Anfassen ausdrücklich erwünscht. Das hilft, Ostern zu begreifen. Das große Geheimnis der Auferstehung, das, so sagt Pfarrer Albrecht Henning, so schwer in Worte zu fassen ist.

Katja Schmidtke

Kirchennamen – woher sie kommen

95 Prozent der Kirchen erhielten ihren Namen im Mittelalter, berichtet Dr. Bettina Seyderhelm, Kirchenkonservatorin im Referat Kunst- und Kulturgut bei der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Die Benennung ging meist mit Reliquienbesitz einher.

Auch regionale Besonderheiten spielen eine Rolle: So gibt es im Kirchenkreis Halberstadt viele Gotteshäuser, die dem Heiligen Stephanus geweiht sind. Eine detaillierte Statistik hat die EKM nicht, aber die »Hitliste« der Kirchennamen führen St. Nicolai, St. Johannis, St. Michaelis und Maria sowie Dreifaltigkeitskirche an.

Osterwort

15. April 2017 von redaktionguh  
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Aus dem Dunkel kommen sie, Maria von Magdala und die andere Maria. Wie ein Leichentuch liegt dieses Dunkel über ihnen, seit Jesus gekreuzigt wurde und gestorben ist. Erstarrt in Schreck und Trauer sind sie. Sie können nicht fassen, dass alles zu Ende sein soll, sein Leben und ihr Leben mit ihm.

Zwei von ihnen machen sich auf den Weg. Sie waren mit den anderen Jüngerinnen in Jesu Nähe geblieben – auch als er gekreuzigt wurde, auch als er starb, auch als er begraben wurde. Die Jünger flohen, einzig die Frauen waren geblieben. Während die Männer noch im Dunkel ihres Versagens, ihrer Scham und ihrer Angst verharren, machen die Frauen sich schon auf den Weg. Die Liebe zu ihm setzt sie in Bewegung. Noch einmal wollen sie ihn berühren. Den Geruch des Todes wollen sie von ihm nehmen mit wohlriechenden Ölen.

Als sie zum Grab kommen, gerät die Welt aus ihren Fugen. Die Erde bebt. Ein Engel erscheint. Die Wächter erstarren vor Angst und Furcht. Und die Frauen? Der Engel schickt sie auf den Weg, die frohe Botschaft zu verkündigen: Der Gekreuzigte ist auferstanden! Ostern setzt in Bewegung und lässt herauskommen aus dem Dunkel von Leid und Not, Versagen und Schuld.

Ostern sendet uns auf den Weg des Lebens, hin zu Menschen, denen es übel ergeht: hin zu Kranken, Flüchtlingen, Kindern in Armut, Obdachlosen. Ostern lässt wider alle Vernunft hoffen, dass das Leben stärker ist als der Tod. Frohe, bewegte Ostern wünsche ich Ihnen allen!

Ihre Landesbischöfin
Ilse Junkermann

Christus kommt zu uns

14. April 2017 von redaktionguh  
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Das Wunder von Ostern: Eine Geschichte über engagierte Kirchenretter, ein entstaubtes Fundstück und glückliche Fügungen.

Karsamstag im Jahr 1993. Geschafft! Ich atme durch. Dicht gedrängt stehe ich mit unzähligen Menschen in der Jerusalemer Grabeskirche. Die orthodoxe Lichtfeier beginnt jeden Augenblick. In ihr geschieht das »Wunder des heiligen Feuers«. Der Patriarch betritt das Heilige Grab. Überall ein Rumoren, keine wirkliche Stille, aber auch kein Lärm. Vielmehr ein Jubel, der nur noch mühsam zurückgehalten werden kann. Als dann der Patriarch mit dem Licht erscheint, bricht der Jubel los. Und in Windeseile wird das Feuer, die Flamme, das Licht weitergegeben. Alle haben eine Kerze – auch ich. Die Luft wird dünn. Das Atmen fällt schwer. Ein Flammenmeer. Auch das Herz ist entflammt. Glückseligkeit. Auferstehung!

Im selben Jahr an einem ganz anderen Ort feiert ein Dorf – Rösa in der Dübener Heide. Die romanische Kirche war einst dem Verfall preisgegeben, da im Schoß der Erde Braunkohle schlummert. Überbaggerungsgebiet! Eine Baugenehmigung für die marode Kirche wurde nicht erteilt. Doch die Gemeinde reichte Antrag um Antrag ein. Dann endlich die frohe Botschaft: ihr dürft sanieren – aber auf eigene Kosten. 1988 ging es in Feierabendarbeit los. Viele aus dem Dorf halfen mit. Und auch die Wende kam zur rechten Zeit. 1993 ist das Ziel erreicht, die Kirche gerettet. Ein ruinöses Gotteshaus erstrahlt in neuem Glanz und erzählt durch seine bloße Präsenz vom Glauben. Auferstehung!

Er hat keine Arme mehr. Überall Beschädigungen. Und dennoch diese Kraft! Diese emporstrebende Wucht! Lange verborgen im Gestrüpp des Vergessens, unter dem Staub eines Pfarrhausbodens: ein spätgotischer Christus-Torso (um 1510) – lebensgroß.

Weg mit dem Staub! Ihm wurden die Wangen gestreichelt, der Mund getupft, die Augenlider berührt. Konservierung als Akt des Glaubens. Die Restauratorin durfte tun, was den Frauen einst am Morgen des dritten Tages verwehrt worden war. Nicht einbalsamiert, aber gereinigt und berührt kam dieser Christus-Torso 2009 in unsere Kirche, belebt sie und uns. Auferstehung!

»Wenn die Sonne durch das Fenster scheint, sind das die schönsten Farben! Dann kommt Jesus durch das Fenster in unsere Kirche, zu mir«, sagt die Kirchenälteste Renate Eckardt aus Rösa zum Osterfenster des Künstlers Sven Göttsche in der Rösaer Auferstehungskirche. Foto: Thomas Klitzsch

»Wenn die Sonne durch das Fenster scheint, sind das die schönsten Farben! Dann kommt Jesus durch das Fenster in unsere Kirche, zu mir«, sagt die Kirchenälteste Renate Eckardt aus Rösa zum Osterfenster des Künstlers Sven Göttsche in der Rösaer Auferstehungskirche. Foto: Thomas Klitzsch

Gegenüber der Kirche ein Künstler – was für eine Fügung! Den Grafiker und Bildhauer beauftragten wir, für und mit uns zu denken und zu gestalten. Zuerst das Fenster in der Apsis. Gen Osten. Von dort das Licht. Von dort das Leben. Ostern. Ein Geflecht aus dunklen Linien erzählt vom Scheitern im Leben, von der Zerrissenheit der menschlichen Existenz, vom Tod. Das haben wir immer vor Augen, wenn wir zum Altar schauen. In der Mitte des Fensters jedoch ein Lichtspalt. Die Stricke des Todes zerreißend tritt er in unsere Mitte – Christus. Jede Andacht, jeder Gottesdienst, jeder Blick nach vorn lässt uns nicht ohne diese Kraftquelle sein.

Und die Erzählung geht weiter. Denn da steht ja das bronzene Kreuz auf dem Altar. Der Künstler des Fensters ist auch hier am Werk. Wir sehen den Spalt, der das Kreuz bersten lässt. Christus tritt siegreich als Lichtgestalt hindurch. In den beiden Spaltteilen entdecken wir möglicherweise zwei Menschen, die sich begegnen, einander zuwenden und trösten (Christus und Maria?). Und wir sehen die beiden dazugehörigen Leuchter. Stilisierte Hände halten, tragen das Licht. Auferstehung!

An irgendeinem Tag. Unsere Küsterin hat in der Kirche zu tun, macht sauber, steckt eine Blumenpracht zusammen, gönnt sich eine Pause. Sie setzt sich auf eine Bank und schaut nach vorn. Ganz still ist es.

Und sie ist allein hier. Wirklich? Neulich, auf die Frage hin, was für sie Auferstehung bedeutet, überlegt sie eine ganze Weile und erzählt sinngemäß: »Wenn ich dann so sitze und schaue, habe ich das Gefühl, dass Jesus von dort vorn in die Kirche eintritt und da ist. Bei allen Sorgen, die so auf einem lasten, ist das sehr tröstlich. Und es gibt Hoffnung.« Auferstehung!

Am 15. April um 22.30 Uhr beginnt unsere Osternacht. Vor der Kirche das Feuer. Die Kirche im Dunkel. Wir gehen hinein. Später das Licht der Osterkerze – auch bei uns das »Wunder des heiligen Feuers«. Wir hören die Worte der Schrift, taufen zwei kleine Kinder, feiern das Heilige Mahl und empfangen den Segen. Und noch etwas geschieht: wir geben unserer Kirche einen Namen. Mit dieser Nacht heißt sie »Auferstehungskirche«. So wie die Kirche in Jerusalem, die zwar nach westlichem Verständnis »Grabeskirche« heißt, in der östlichen Tradition (orthodoxen Kirche) aber als »Auferstehungskirche« bezeichnet wird. Anastasis! Auferstehung!

Albrecht Henning

Der Autor ist Pfarrer in Krina (Kirchenkreis Wittenberg), zu dem auch die Gemeinde Rösa gehört.

Trauer und Erlösung

26. März 2017 von redaktionguh  
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So war das nicht gedacht. Mein Kommentarthema sollte die Aktion von Aldi-Süd sein: Ostern einfach erklärt – Warum feiern wir eigentlich Ostern? Doch in der vergangenen Nacht ist meine Mutter gestorben. Mein Herz ist voll Trauer und wehmütiger, guter Gedanken an sie. Zwei Jahre nach meinem Vater ist sie gegangen. Ich habe meinen Eltern viel zu verdanken. Sie waren Vorbilder im Glauben, haben mich in Höhen und Tiefen begleitet, mir unglaublich viel Gutes mitgegeben und waren da, wenn ich sie brauchte.

Ganz ehrlich, zu Jesu Tod und Auferstehung hatte ich bislang keine emotionale Beziehung. Die Passionszeit gehörte zum Kirchenjahr, war Tradition. Dass Jesus am Kreuz für mich gestorben ist, habe ich zwar gehört, aber stark berührt hat mich das nicht. Jetzt merke ich, dass es eine dunkle Vorstellung wäre, sollte mit dem Tod alles aus sein. Jesus hat den Tod am Kreuz überwunden. Das hat er seinen Jüngern gesagt, erfahre ich auch aus der Osterbroschüre für Kinder von Aldi. Und weiter heißt es da: »Ostern ist das wichtigste Fest der christlichen Kirche. Christen auf der ganzen Welt feiern die Auferstehung von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.«

Heute nehme ich Abschied von meiner Mutter. Ich bin mir sicher, es wird kein Abschied für immer sein. Wir sehen uns im Himmel oder wenn Jesus wiederkommt. Das ist eine Gewissheit, die ich spüre und die mir meine Mutter am Kinderbett vorgesungen hat: »Solang mein Jesus lebt und seine Kraft mich hebt, muss Furcht und Sorge von mir fliehn, mein Herz in Lieb erglühn.«

Ich darf traurig sein, aber ich habe auch eine starke Hoffnung. Der Frühling beginnt erst. »Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht« (Lukas 21, Vers 28).

Willi Wild

Vatertag und Männerarbeit

8. Mai 2016 von redaktionguh  
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Mehr Männer­gruppe waren sie nie. Elf Jünger haben sich eingeschlossen. Ostern vorbei, aber die Feigheit war geblieben. Haben sie über ihre Ängste gesprochen? Die kirchliche Männerarbeit wurde am Himmelfahrtstag erfunden.

Als sie mit Jesus durch das Land zogen, war fast immer eine Frau dabei. Oder es kam eine Gichtbrüchige oder Blutflüssige auf ihn zu und bat um Heilung. Das Dorf lief zusammen. Sie waren nie allein. Vor allem war Jesus immer in ihrer Mitte. Dem vertrauten sie sich an, und er führte sie. Selten durch Befehle, mehr durch die Art, wie er war.

Sie merkten erst, als er weg war, was ihnen fehlte. Und dann saßen die elf Männer in einem Haus mit geschlossenen Fenstern und erwogen, die Gruppe aus taktischen Gründen aufzulösen. Von der Auferstehung sprachen zuerst die Frauen. Die Elf witzelten darüber. Jesus habe schon gewusst, wie man eine Nachricht am besten verbreitet.

Als er selbst erschien, war Thomas gerade einkaufen. Er war der Einzige, der sich raustraute. Hinterher schafften sie es nicht, ihren Bruder zu überzeugen.

Männer bleiben gerne bei dem, wobei sie sich wohl fühlen. Am Himmelfahrtstag sehen sie Jesus gehen. Nicht als er kommt, verstehen die Jünger, wie es weitergeht. Erst als er geht, wissen sie, dass sie auf sich allein gestellt sind und dass es trotzdem weitergehen wird. Jesus geht zum Vater, die Jünger gehen vom Ölberg nach Jerusalem.

Ein schöner Spaziergang, wenn auch damals noch ohne Handwagen und Bierkiste. Männertag und Vatertag. Die Volkskultur legt beides – perfekt passend – auf den Himmelfahrtstag. Warum geht die kirchliche Kultur nicht offensiver damit um?

Dr. Frank Hiddemann

Der Autor ist Kulturbeauftragter der EKM und Pfarrer in Gera.

Einen Neuanfang geschenkt bekommen

16. April 2016 von redaktionguh  
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Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

2. Korinther 5, Vers 17

Ich sehe aus dem Fenster. Blauer Himmel, frische Luft, die Sonne strahlt. Ein Frühlingsmorgen im April 2016. Zwei Wochen nach Ostern. In meinem Kopf diese beschwingte Melodie. »All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und gro-o-ße Treu; sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verla-a-a-ssen mag.« Ich singe leise vor mich hin. Es klingt bestimmt: »Drauf jeder sich verlassen mag.« Auf die große Treue und Gnade Gottes. Die neu ist jeden Tag, so frisch wie der Morgen. Egal wie frisch ich mich fühlen mag. Ob die Tage ganz am Anfang frischer waren? Und anders aussahen? Der Himmel noch blauer, die Sonne noch strahlender – und roch die Luft anders? Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Das war der allererste Anfang, das große Beginnen. Und selbst wenn ich nicht daran glauben könnte, dass es unser Gott war, so muss es doch einen Anfang gegeben haben. Das erste Mal Licht und danach wieder Dunkelheit, die erste Welle im Wasser, der erste Tau auf Gras, die erste Blume sprießt aus der Erde, der erste Vogel schlägt zum ersten Mal mit seinen Schwingen, ein Mensch steht auf und läuft umher, der erste Blick zu einem anderen, der erste Kuss, das erste Mal. So viele Anfänge seitdem.

Manche sagen, jeder Morgen sei ein neuer Anfang. Und was ist mit den durchwachten Nächten? Mit den Sorgen, die mit mir aufstehen, und dem Berg von unerledigten Aufgaben, der sich vor mir herschiebt? Wenn ich das Lenkrad in voller Fahrt herumreißen würde, um eine neue Richtung einzuschlagen, dann wäre das nicht nur für alle Verkehrsteilnehmer gefährlich, sondern auch einfach zu schnell. Mein Leben ist ja kein Actionfilm. Ich brauche Ruhe für den Neustart. Zum Neubeginnen muss es vorher eine Pause gegeben haben; und das Alte ist weggeräumt, abgehakt, erledigt und verarbeitet. Eine Heidenarbeit!

Aber manchmal bekomme ich mittendrin einen Neuanfang geschenkt. Dann ist alles bereitet: Ich stelle mich in die Startlöcher, der Himmel über mir ist besonders blau und es riecht wie frisch gelüftet.

Felicitas Kühn, Pfarrerin der Evangelischen Regionalgemeinde Kölleda

Passionsgeschichte mit Lego

27. März 2016 von redaktionguh  
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Pfarrer Michael Weber aus Egeln erzählt Ostern gern auf unkonventionelle Art und Weise

Es bedurfte nicht erst des sensationellen Erfolges eines inzwischen 400 000-mal verkauften Playmobil-Reformators, um zu konstatieren, dass sich religiöse und biblische Themen durchaus mittels Kinderspielzeug vermitteln lassen.

Ein Tisch, zwölf Männer, ein freier Platz: Das letzte Abendmahl einmal anders interpretiert. Fotos: Thorsten Keßler

Ein Tisch, zwölf Männer, ein freier Platz: Das letzte Abendmahl einmal anders interpretiert. Fotos: Thorsten Keßler

Schon lange wird in der kirchlichen Bildungsarbeit auch mit Lego gearbeitet. Durchschnittlich einmal im Monat setzt zum Beispiel der evangelische Pfarrer Michael Weber aus Egeln das zeitlose Spielzeug in seiner Arbeit ein. »Ob mit Kindern oder mit Erwachsenen: Lego ist eine schöne Möglichkeit, um ins Gespräch zu kommen«, sagt Weber. Er macht Kirchenführungen und baut im Anschluss mit den Teilnehmern das Gebäude nach. Oder er erzählt biblische Geschichten mithilfe der Kunststoff-Steine.

So wie jüngst in der Kneipp-Kita »Rappelkiste« in Etgersleben. Auf farbigen Samttüchern hat Michael Weber sieben Stationen der Ostergeschichte aufgebaut. Zehn Kinder und zwei Erzieherinnen scharen sich um die erste Station: Jesu Einzug nach Jerusalem. Während Pfarrer Weber die Geschichte erzählt, rupft der fünfjährige Henry die Plastikpalmen und legt die Blätter auf den Weg. Auf seinem Esel zieht der Lego-Jesus in Jerusalem ein und begleitet die Gruppe zur nächsten Station.

Hier versammeln sich Figuren um einen Tisch. Frieda zählt: Es sind zwölf Männchen. Dazu gesellt sich jetzt der vom Esel abgestiegene Jesus und feiert das letzte Abendmahl, ehe es nebenan im Garten Gethsemane weitergeht.

Einige Bausteine sind wie geschaffen für die Ostergeschichte. An anderen Stationen muss Michael Weber kreativ sein, seiner Fantasie freien Lauf lassen und Teile aus anderen Welten zweckentfremden. »Für Golgatha habe ich den Hügel aus einer Lego-Weltraumplatte gebaut.« Nahezu alle Elemente der Geschichte lassen sich mit den Steinen darstellen, einzig bei der Dornenkrone musste der Pfarrer mit Draht tricksen.

Die bunten Kunststoff-Steine begleiten den Pfarrer seit der Kindheit. Inzwischen lagern einige Hunderttausend der Mini-Klötzchen fein sortiert im Pfarrhaus. Weber öffnet eine der Boxen mit Kleinteilen. »Hier habe ich günstig 400 Oberkörper ersteigert.« In der nächsten Box sind Arme und Hände. Die passenden Köpfe lagern eine Box weiter. Bevor Michael Weber eine Geschichte erzählt, muss er die Figuren zusammensetzen. »Es gibt Leute mit Bart, mit Brille. Die Jünger Jesu hatten wahrscheinlich oft einen Bart. Der Petrus war Fischer, also bekommt er einen gestreiften Oberkörper.« Zwar lege Lego gelegentlich auch religiöse Figuren auf, die meisten Requisiten für eine biblische Geschichte müsse man aber selbst entwickeln.

Michael Weber ist nicht der einzige »Lego-Pfarrer«. So gibt es einen amerikanischen Künstler, der die wichtigsten Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament nachgestellt hat, und wer eine Internetsuchmaschine mit den richtigen Begriffen füttert, landet schnell auf Seiten mit richtig professionell gestalteten Fotostrecken.

Die Ostergeschichte in Etgersleben dauert rund 30 Minuten. Gebannt und aufmerksam haben nicht nur die Kinder gelauscht. »Spannend und auch für uns Erwachsene Neues«, findet Gabriela Meyer, die stellvertretende Leiterin der »Rappelkiste«. Wiederholung durchaus erwünscht.

Thorsten Keßler

Ostern heißt leben lernen

27. März 2016 von redaktionguh  
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Gedanken zum Fest: Die Erinnerung daran pflegen, dass die Welt eine andere geworden ist


Was geschieht eigentlich, wenn wir Ostern feiern? Geschieht noch anderes, als dass Menschen an eisbefreiten Bächen spazieren, Märzenbecher und duftende Veilchen bewundern?

In den Kirchen wird nach den Wochen der Passion endlich wieder das Gloria gesungen. Geschieht noch mehr, wenn der Jubel in die Liturgie zurückkehrt? Geschieht etwas über das hinaus, was freundliches Brauchtum erkennen lässt? – Offensichtlich nicht. Es geschieht am Ostermorgen nichts anderes als am Morgen zuvor und am Morgen danach. Man möchte daran verzweifeln, weil sich eben nichts ändert. Weil eben nichts neu und erneuert wird, sondern das Alte die todbringende Macht behält, mit der es seit jeher wirkt. Worin besteht das »Dennoch« von Ostern?

Foto: Wikipedia

Foto: Wikipedia

Alles hat mit Erinnerung zu tun. Mit einer Erinnerung, die nicht die eigene und nur teilweise die unsere ist. Überkommene Erinnerung, zur Sprache geronnen in seltsamen Geschichten. In der Überlieferung bleiben sie dieselben und erklingen doch immer wieder neu. Und indem sie erzählt werden, wecken sie etwas in uns auf oder halten etwas in uns wach. Aber das, was da in uns wach ist oder wird, liegt nicht offen zutage. Es ist vielmehr nicht offensichtlich, sondern verborgen, verschüttet, zugedeckt, versteckt.

Die Ostergeschichten bringen es in uns zum Klingen. Sie erzählen von den Frauen und auch von den Männern am Grab. Vom Stein, der nicht da war, wo er hingehörte. Von den in Gesicht und Geist blinden Freunden. Und von denen, denen die Angst zum Begleiter geworden war.

Bei alledem erzählt die Bibel wenig, fast gar nichts, von der Auferstehung. Man kann vermuten, dass jeder Versuch, hier etwas abbilden zu wollen, zum Scheitern verurteilt wäre. Davon, wie Gott diesen Jesus von den Toten auferweckte, gibt es offensichtlich nichts zu erzählen. Zu erzählen gibt es nur davon, wie Menschen mit dieser neuen Situation zu leben versuchten.
Denn das ist ja nicht einfach. Wie lebt man denn in der Erinnerung an den Lebenssieg Gottes angesichts der Todeswirklichkeit? Und ist das überhaupt eine Erinnerung, nicht doch vielmehr nur eine Behauptung? Wenn Menschen sich dem tatsächlich aussetzen wollen, kommen sie um eine Spannung nicht herum. Weil da etwas als nicht zusammenpassend erfahren wird. Dass die Abfolge von Leben und Tod zusammengehört und nicht getrennt werden kann, ist schon schwer genug zu ertragen. Aber dass auch umgekehrt Tod und Leben in Zusammenhang stehen, das sprengt die Vorstellungskraft. Das verstört, es stiftet Unordnung und bringt durcheinander. Seltsamerweise läuft die Erinnerung von Ostern trotz dieser manchmal fast nicht auszuhaltenden Spannung nicht aus. Sie ist immer noch da, obwohl sie doch längst tot sein müsste. Wie das andere auch, was mit diesem Mann am Kreuz zu tun hat. Doch auch zu Ostern 2016 geschieht nichts Besonderes, nur neue Gräber kommen. Die Welt verändert sich nicht, und es bleibt zu befürchten, dass sich auch die Kirchen nicht verändern. Es bleibt alles, wie es ist.

Doch die Erinnerung an Jesus, den Gott nicht bei den Toten gelassen hat, ist immer noch da. Wie lebendig Erinnerungen sind, wie verbreitet und intensiv sie sind, das entzieht sich unserer Kenntnis und Einflussnahme. Aber deshalb ist der Ort wichtig, an dem die Ostererinnerung ihren Platz hat: im Gottesdienst, in dem Gott mit uns das Geschenk des Lebens feiert.

Ostern hängt nicht von uns ab. Weder von unserer Wachheit noch von unserem Eifer. Wir können aber die Erinnerung pflegen, treu und mit langem Atem und auch dem nötigen Mut. Das ist nicht wenig. Es ist die Erinnerung daran, dass die Welt eine andere geworden ist. Wie in den Ostergeschichten müssen wir aber wohl erst noch lernen, damit zu leben.

Der Autor ist Superintendent des Kirchenkreises Torgau-Delitzsch.

Mathias Imbusch

Dem Leben trauen

26. März 2016 von redaktionguh  
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Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken?« Diese Worte stammen aus einem alten Osterlied. Sie sind über 250 Jahre alt. Aber: veraltet sind sie nicht. Oder doch? So viel Tod ist unter uns. In der Welt. So viele schreckliche Nachrichten.

Foto: EKM

Foto: EKM

Und da mitten hinein kommt die Nachricht vom Ostermorgen: Jesus lebt! Er ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

O ja, wir brauchen diese Nachricht, dass Jesus lebt. Er hat den Tod hinter sich gelassen. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Auch für mich! Auch für Sie! Jesus zieht auch uns auf seine Seite, auf die Seite des Lebens. Er ist der Anwalt des Lebens.

Und was heißt das? Es heißt: Er sitzt an unserer Seite, wenn wir das Leben verklagen wollen, weil es hart mit uns ist. Er sitzt an der Seite derer, die vom Leben abgeschnitten werden. Durch eine schwere Erkrankung oder an der europäischen Außengrenze oder mitten unter uns. Er leidet mit uns. Er weint mit uns. Er klagt mit uns. Er ruft uns auf die Seite des Lebens.

Er hält unsere Hoffnung wach. Und die Sehnsucht nach einem guten Leben: Friedlich. Menschlich. Freigiebig. Und entschieden gegen Hetze und Gewalt, gegen Neid und Angst. Mitmenschlich.

»Jesus lebt, mit ihm auch ich.« Das können wir öfter singen. Und dem Tod den Schrecken nehmen – auch für andere.

Dass sie dem Leben trauen können, wünscht Ihnen zum Osterfest Ihre Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

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