Wenn die Kirche aus allen Nähten platzt

26. Dezember 2016 von redaktionguh  
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Bergweihnacht mit den »Rühler Lütern«: Die dritte Auflage der Idee von Ziegen-Alm-Öhi ist in Ruhla ein echter Renner geworden.

Ruhlas St.-Concordia-Kirche ist eine der wenigen noch original erhaltenen Winkelkirchen in Deutschland. Der dort tätige evangelische Pfarrer Gerhard Reuther sorgt mit kulturellen Angeboten dafür, dass sie nicht nur an besonderen Festtagen gut besucht ist. Zur Bergweihnacht aber standen und saßen Menschen, dicht an dicht gedrängt, sogar in Gängen.

Die »Rühler Lüter« sind einer der Hauptakteure dieses Events im Zwei-Jahres-Rhythmus, das nun zum dritten Mal aufgeführt wurde. Die Veranstaltung war zugleich das 16. geöffnete Türchen des »Lebendigen Adventskalenders« der Kirchengemeinde in der Bergstadt im nordwestlichen Thüringer Wald.

Die Idee für diesen besonderen Abend, der so viel Bodenständigkeit beinhaltet, stammt von dem singenden Wirt der Ruhlaer »Geißen Alm«, Dieter Koch. Er veranstaltete viele Jahre lang in seinem Gasthaus, genauso wie seine Kollegen von der »Ruhlaer Skihütte«, Adventssingen mit Zitherbegleitung. Aufgrund der großen Nachfrage reichten die örtlichen Platzverhältnisse aber dort nicht mehr aus. Und so entstand vor sechs Jahren die Idee, das Ganze in die Concordia-Kirche zu bringen.

In diesem Jahr jedoch schien auch diese vor Menschen zu bersten, obwohl beide Flügel geöffnet waren. Nicht nur ein großer, geschmückter Lichterbaum, der Adventskranz auf dem Taufstein und die vom Kerzenschein in warme Farben getauchte Kanzel sorgten für ein besonders festliches Ambiente. Die Bläser der Erbstromtal Musikanten, die davor platzierten Zitherspieler Horst und Andreas Seyfried mit dem singenden Wirt und seiner Tochter Katrin, zwei Gitarren- und eine Akkordeonspielerin rundeten das Bild ab. An der Orgel saß begabter Nachwuchs, der 13-jährige Silvo Slotosch.

Das Arnstädter Bierfass fehlte nicht: Die »Rühler Lüter« halten die Erinnerung an die besonders läutebegabten Ruhlaer Burschen des 18. Jahrhunderts wach. Fotos: Susanne Reinhardt

Das Arnstädter Bierfass fehlte nicht: Die »Rühler Lüter« halten die Erinnerung an die besonders läutebegabten Ruhlaer Burschen des 18. Jahrhunderts wach. Fotos: Susanne Reinhardt

Die »Rühler Lüter« in ihrer farbenfrohen Tracht stimmten die Kirchenbesucher gesanglich ein. Auch moderne Interpretation von Weihnacht fehlte neben den heimatverbundenen Darbietungen nicht. Dafür sorgte ein Vater mit seinen drei Buben. Früher, so meinte der Geißen-Alm-Wirt, der mit seiner sonoren Stimme seine Tochter als Sopranistin bei weihnachtlichen Liedern aus ganz Europa begleitete und gleichzeitig durchs Programm führte, habe man manchmal überlegen müssen, ob man die Kirche überhaupt noch brauche. Heute aber könnte man durchaus überlegen, ob man nicht sogar anbauen sollte.

Dabei zeigen die Bergstädter ihre ganz eigene Art, um Traditionen aufrechtzuerhalten. Allein die »Rühler Lüter« als eine der Hauptakteure der Bergweihnacht haben bereits überorts für Aufsehen gesorgt. Es sind die Nachkommen dieser sieben jungen Burschen, denen einst nachgesagt wurde, im Glockenläuten sehr kunstfertig zu sein. Die beiden Hälften der infolge einer Erbteilung zu Herzogszeiten mit zwei Kirchen ausgestatteten Bergstadt konkurrierten darin.

Als Ruhlaer Messerschmiede 1730 ins brandenburgische Eberswalde auswanderten, sollen ein paar dieser fähigen Glockenläuter mitgelaufen und bis Arnstadt gekommen sein, wo sie Quartier nahmen. Um Kost und Logis bezahlen zu können, boten sie an, kunstfertig die Glocken zu läuten. Mit Erfolg: Auf dem Heimweg, der immerhin noch gleichviel 57 Kilometer zählte, schoben sie ein Fass Bier mit nach Hause, das sie von den Arnstädtern zum Dank erhalten hatten.

Im Jahre 1969 ließen sieben Urgesteine diese Geschichte wieder aufleben. Heute pflegen deren Söhne weiter diese Tradition. Zur Rühler Bergweihnacht sorgten die sieben für den lyrischen Teil des Abends und trugen Ruhlaer Schnorren und Lieder vor.

Als ein besonderer Höhepunkt sollte aber auch das von Katrin Koch gesungene »Ave Maria« in Begleitung des jungen Organisten und das Lied »Ich steh an deiner Krippen hier«, das Pfarrer Reuther als Solist darbrachte, nicht unerwähnt bleiben. Die Kollekte, die zur Bergweihnacht eingesammelt wurde, dient unter anderem der Anschaffung neuer Glocken, denn die heute in einem Glockenhaus neben der Winkelkirche auf dem angrenzenden Friedhof untergebrachten erzeugen nicht mehr den Wohlklang, für den sie einst berühmt waren.

Das ursprüngliche Bronzegeläut war dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen und später durch Stahlgussglocken ersetzt worden. Und an denen nagt inzwischen auch schon kräftig der Zahn der Zeit.

Susanne Reinhardt

Gut gestimmte Freundschaft

25. April 2016 von redaktionguh  
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Seit 25 Jahren bemühen sich ein Thüringer und ein Schwabe um Orgeln der Region Eisenach

Es ist ein kühler Tag, als Gerhard Schiek aus Stuttgart sich Ende März wieder einmal auf den Weg ins thüringische Thal, einem Ortsteil des Bergstädtchens Ruhla im Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen, begibt. Hier wartet bereits sein Freund Al­brecht Hanemann auf ihn. Die beiden Männer verbindet eine Leidenschaft: Das Orgelspiel und die Sorge um den Erhalt der Instrumente.

Seit 25 Jahren nimmt sich der ehemalige Orgelbaumeister aus dem Schwabenland eine Woche frei, um vor allem in den Dorfkirchen im Eisenacher Raum, wo das Geld in den Gemeinden knapp ist, etwas zu tun, damit die Orgeln funktionieren. Sein Freund Albrecht Hanemann begeisterte ihn dafür. Dieser spielt seit 57 Jahren Orgel und unternahm große Anstrengungen, die Klosterkirche zu Thal, eines der ältesten Gotteshäuser in Thüringen, nebst der darin befindlichen Orgel zu erhalten.

Gerhard Schiek (l.) und Albrecht Hanemann (r.) an der Orgel in Thal. Foto: Susanne Reinhardt

Gerhard Schiek (l.) und Albrecht Hanemann (r.) an der Orgel in Thal. Foto: Susanne Reinhardt

Alle 25 bis 30 Jahre sollte so ein Instrument gereinigt werden, heißt es unter den Fachleuten. Nun sei es wieder einmal an der Zeit, sind sich die beiden inzwischen 70 und 75 Jahre alten Herren einig. Ehe es die Gesundheit nicht mehr erlaube, wollten sie diesen Freundschaftsdienst noch einmal leisten und kehrten damit an den Ort zurück, an dem alles begann.

Albrecht Hanemann, gebürtiger Franke und Wahlthüringer, führte es kurz nach dem Mauerfall dienstlich ins Schwabenländle. Es war eine Dienstfahrt zu einer Firma, die Anlasser herstellte. In diesem Unternehmen traf er auf Gerhard Schiek, dessen damalige Ehefrau aus Halle/Saale kam und der sich deshalb für die aktuelle Situation »drüben« interessierte. Hanemann, der sich am Ende aufreibender und langjähriger Sanierungsarbeiten an der heimischen Klosterkirche befand, berichtete ihm, dass in Folge von massiven Wasserschäden auch die Orgel ausgebaut werden musste und es nun Schwierigkeiten gab, »sie wieder gangbar zu machen«.

Heute sehen es die beiden Männer fast schon als göttliche Fügung an, dass der engagierte Organist aus Thüringen ausgerechnet an diesem Tag mit einem gelernten Orgelbaumeister sprach. Gerhard Schiek arbeitete zwar in dieser Anlasser-Firma, hatte aber die Ausbildung eines Orgelbaumeisters genossen. Da viele Orgelbauunternehmen in seiner Gegend geschlossen wurden, musste er sich umorientieren. Aber die Liebe zur Arbeit war geblieben.

Ein Mann, ein Wort – der Stuttgarter reichte kurz darauf Urlaub ein und fuhr nach Thal. Dort wartete bereits Albrecht Hanemann mit zwei ABM-Kräften und Gemeindegliedern, die helfen wollten. Und so begann eine 25-jährige Männerfreundschaft. In den Jahren darauf kamen zehn weitere Orgeln im Altkreis Eisenach in den Genuss einer Reparatur, zuletzt in Deubach und Seebach. Natürlich sei man mit der uneigennützigen Absicht nicht bei jedem auf Sympathie gestoßen, warfen die Freizeit-Restauratoren ein. So mancher inzwischen aufstrebende Handwerksbetrieb fühlte sich übergangen. Aber die Missverständnisse habe man aufklären können. Denn die Kirchengemeinden, die ihre Hilfe in Anspruch nahmen, hätten sich nie eine Fachfirma leisten können und ihre Orgeln wären für immer verstummt.

Und nun habe man wohl auch genug getan.

Die Thaler Knauf–Orgel bekam jetzt noch einmal eine Generalüberholung, ehe sich ihre Pfleger zur Ruhe setzen. Mit einem Industriestaubsauger reinigten sie die Orgelpfeifen. Auch das Pedalwerk wurde neu justiert und die Orgel gestimmt. Schon nach ein paar Anschlägen konnten selbst ungeschulte Ohren den Unterschied vernehmen. Die Thaler Kirche, die – dank des unerschöpflichen Fleißes vieler freiwilliger Helfer – heute wieder ihren klösterlichen Charakter vorweist und verschiedene geschichtliche Epochen wiederspiegelt, ist auch wieder akustisch attraktiv. Ihre Orgel stammt übrigens aus dem Jahre 1884 und wurde von dem Großgesellen der Firma Knauf aus Tabarz mit solider Konstruktion gebaut.

Susanne Reinhardt

Stillstand ist ihnen ein Gräuel

10. April 2016 von redaktionguh  
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Alte Uhrenwerker machten in Ruhla ein technisches Kulturgut wieder fit

Eine verrostete Kirchturmuhr in einer Uhrenstadt und dazu noch historisch wertvoll, als technisches Kulturgut zu verstehen? Das kann und darf nicht sein, sagten sich drei alte Uhrenwerker aus Ruhla, wussten aber zur damaligen Zeit noch nicht, wie viel Arbeit damit auf sie zukommt.

Seit gut einem Jahr läuft sie wieder, die Turmuhr der Concordia-Kirche zu Ruhla, die sich die Evangelische Kirchengemeinde im Jahre 1861 anlässlich ihres 200-jährigen Kirchenjubiläums leistete. Einst von Johann Jacob Auch, herzoglicher Hofuhrmacher aus Weimar, als zuverlässiger Zeitmesser gebaut, wurde sie nach einer Dachsanierung des Turmes im Jahre 1992, immer noch funktionstüchtig, aus Modernisierungsgründen ausrangiert und schmachtete bis 2012 auf dem Kirchboden ein eher vergessenes Dasein.

Seit 1861 in Funktion, seit 1992 fast vergessen

Doch Pfarrer und Gewerbeverein der Stadt Ruhla erinnerten sich daran, dass es sich um ein seltenes Uhrwerk handelt, das dort vor sich hin rostet. Und schließlich hatten sich einst die Ruhlaer auf ihre Kirchturmuhr gefreut, die es bis 1861 gar nicht gab. Das damals aufgrund mehrerer Erbteilungen gespaltene Ruhla besaß nämlich gleich zwei Kirchen. Die Concordia-Kirche ist die jüngere der beiden. In einer Jubiläumsschrift aus dem Jahre 1911 wird zur Finanzierung der dortigen Kirchturm­uhr von einer großen Opferfreudigkeit der Menschen berichtet.

Es handelte sich schließlich um ein Unikat, so wie alle Turmuhren aus der Werkstatt der Uhrmacher-Familie Auch. Die Besonderheit daran: Die Übertragung beim Gangwerk, dem Viertelstundenschlag und dem Stundenschlag, wird nicht mit einem mehrstufigen Zahnrad-Räderwerk, sondern nur mittels Schneckenrad und Schnecke ausgeführt. Eine der noch acht original funktionierenden Auch-Turmuhr-Werke findet man zum Beispiel im Erfurter Dom.

Als im Jahre 2013 der Förderverein Uhrentradition Ruhla die Uhr übernahm, befand sie sich in einem erbärmlichen Zustand. Der 2010 gegründete Verein will vor allem an die 150-jährige Tradition der Uhrenindustrie in der Bergstadt erinnern. Mit dem Erlös aus dem Verkauf eines Jubiläumsbuches, eines Kalenders und durch Spenden sollte die Restaurierung gelingen, dachte sich Artur Kamp, gelernter Uhrmacher, einst für die Forschung und Entwicklung in der Uhrenfabrik Ruhla zuständig. Nach der Wende und Gründung des Unternehmens Gardè fungierte er als Geschäftsführer, genauso wie sein Mitstreiter Rainer Paust, der außerdem langjährige Erfahrungen als Konstrukteur mitbringt. Der Dritte im Bunde ist Hubert Grimm, gelernter Werkzeugmacher in den Uhrenwerken und eifriges Vereinsmitglied.

1 200 Arbeitsstunden und viel Herzblut

Alle drei Herren steuern auf die 80 Jahre zu, aber mit der Zeit haben sie offensichtlich kein Problem. Eher erweckt es den Anschein, dass sie Stillstand, wörtlich genommen, richtig stört. Deshalb investierten sie 1 200 Stunden ihrer Freizeit und eine Menge Herzblut in das Objekt Kirchturmuhr. Dazu galt es, das Werk komplett in seine etwa 100 Bestandteile zu zerlegen, die Teile zu entfetten, zu entrosten, zu überarbeiten und neu zu lackieren. Und wieder zusammenzubauen. Neben der Arbeitszeit mussten zudem rund 13 000 Euro investiert werden.

Die Retter der Ruhlaer Kirchturmuhr: (v. l.) Hubert Grimm, Rainer Paust und Artur Kamp (von links) sind mit Recht stolz auf ihr vollbrachtes Werk. Fotos: Susanne Reinhardt

Die Retter der Ruhlaer Kirchturmuhr: (v. l.) Hubert Grimm, Rainer Paust und Artur Kamp (von links) sind mit Recht stolz auf ihr vollbrachtes Werk. Fotos: Susanne Reinhardt

Das Herzstück der Uhr bildet die Hemmung. Sie besteht aus Ankerrad und Anker. Ihre Aufgabe ist es, das 3,60 Meter lange Pendel in seiner schwingenden Bewegung zu halten, so, wie es im 17. Jahrhundert der berühmte englische Uhrmacher George Graham entwickelt hat. Vorteile dieser Mechanik sind geringere Reibungsverluste und Störungen bei der Pendelbewegung, erzählten die Fachleute.

Aufgrund der Länge des Pendels mussten sie sich einen der höchsten Punkte in einer stillgelegten Halle des Betriebsgebäudes suchen. Um die Uhr unabhängig vom täglichen Aufziehen zu machen, installierte man anstelle der meterlangen Antriebsseile, an denen die Gewichte hängen, Getriebemotoren. Damit die Uhr genau die Zeit anzeigen kann, wurde eine äquivalente Lösung gefunden. Alle zwei Tage wird das Pendel kurz angehalten, und ein im Funkkasten installierter Funkzeitempfänger startet das Pendel sekundengenau in der 59. Minute.

Zum Stundenschlag ertönen heute kleine Schiffsglocken

Das Zifferblatt der Uhr gleicht dem Original an der Kirche. Für die Glocken, die viertelstündlich und die volle Stunde anschlagen, wählte man aus Demonstrationsgründen kleinere Schiffsglocken. Nun soll das fertige und voll funktionstüchtige Kirchturm­uhr-Werk für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Gemeinsam mit dem Uhrenmuseum, das sich im Hause Gardé befindet, und der Stadt Ruhla wurde nach einem geeigneten Platz gesucht, auf dem eine bruchsichere, 3,50 Meter lange und 2,50 Meter breite sowie 4,50 Meter hohe Schauvitrine aufgestellt werden kann. Man entschied sich jetzt für einen Vorplatz am Klubhaus der Stadt Ruhla.

Zur Umsetzung des Vorhabens hat die Kommune nun einen Fördermittelantrag gestellt, aber ein Drittel der Kosten, rund 30 000 Euro, müssen durch Eigenmittel aufgebracht werden. Die drei Initiatoren hoffen, dass auch dies bis 2017 geschafft sein wird.

Susanne Reinhardt

www.uhrentradition-ruhla.de

Der spukende Pfarrer zu Ruhla

5. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Eine Legende wird in der Winkelkirche zum Leben erweckt

Man mag es glauben oder nicht – in Ruhla spukt es. Davon waren die Menschen in dem Thüringer Bergstädtchen im 18. Jahrhundert überzeugt. Daran erinnern wollte die Theatergruppe »Kreuz AS« vom Albert-Schweitzer-Gym­nasium 2011 zum 350. Kirchenjubiläum der Winkelkirche St. Concordia mit der Geschichte vom legendären Pfarrer Feuchter. Gerhard Reuther, Pfarrer und Initiator der Kirchenreihe »Kultur im Winkel«, startete nun mit einem zweiten Programmabend und dieser Spukgeschichte die neue Kultursaison. Gespielt wurde in historischer Kulisse, vor dem ­Altar, unter dem tatsächlich besagter Geistliche begraben liegt.

»Wenn ich je eine andere heirate, so will ich das Reich Gottes nicht schauen!«, soll Pfarrer Johann Georg Feuchter am Sterbebett seiner Frau im Jahre 1751 geschworen haben. Doch er heiratete wieder, kein Jahr nach dem Tode der ersten Frau, und zwar die Tochter des Pfarrers zu Bornstedt. So steht es in der Kirchenchronik geschrieben. Als er am 26. Juni 1758 verstarb und als letzter Pfarrer unter dem Altar von St. Concordia begraben wurde, soll es alsbald im Pfarrhaus angefangen haben »zu spuken und zu wandern«.

Gymnasiasten spielen die Legende. Foto: Susanne Reinhardt

Gymnasiasten spielen die Legende. Foto: Susanne Reinhardt

Es hätte treppauf und treppab gepoltert, Stühle und Tische seien verrückt oder umgeworfen worden. Auch außerhaus habe es der »spukende Pfarrer« schlimm getrieben. In der Kirche und auf dem Gottesacker habe er die Leute erschreckt, sich als Geist auf die Karren und Rücken von Männern gehockt. Daraufhin habe die Gemeinde zwei Jesuiten kommen lassen, »welche im Beisein des Schultheißen und der Gemeindeältesten in der Kirche vor dem Altar den verstorbenen Pfarrherren zitieren und dann in einen Sack kriechen ließen«, berichtet die Legende.

Doch zuvor soll er auf der Brüstung der Empore, »drohend und zornig anzuschauen« erschienen sein. Der Schauer, der allen Anwesenden damals über den Rücken gelaufen sein mag, den durften die Besucher des Stückes selbst spüren. Der Gymnasiast Max Liebergeld sorgte in der Rolle des Gespenstes für viel Klamauk. Und manchmal höre er seinen Vorgänger noch heute im Pfarrhaus niesen, meint Reuther mit einem Augenzwinkern.

Susanne Reinhardt