Ein Weg, der sich lohnt

15. Oktober 2018 von redaktionguh  
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Jubiläum: Pilgerroute auf den Spuren Luthers in Sachsen-Anhalt besteht seit zehn Jahren

Als sich der Landwirt Wolf von Bila aus Wohlsdorf bei Köthen am 25. August 2006 mit einer Idee an die Landeskirche Anhalts wandte, war nicht abzusehen, was daraus werden würde. Sein Vorschlag lautete, die Lutherstädte Eisleben und Wittenberg durch einen Pilgerweg zu verbinden. Einen Monat später gab es das erste Planungstreffen in seinem Haus. Vertreter von Kirchen, Kommunen und Tourismusverbänden ließen sich von der Idee anstecken. Zwei Jahre später wurde der Lutherweg durch Sachsen-Anhalt eingeweiht. Er war der erste auf den Spuren des Reformators überhaupt. Heute ist er ein Wegenetz, das sich durch sechs Bundesländer zieht.

Ehrung: Bei der Jubiläumsfeier in Kemberg wurden Gert Scholz (Schköna), Gabriele und Rudolf Kunze (Pratau) sowie Dieter Schröter für ihr ehrenamtliches Engagement bei der Pflege des Lutherweges ausgezeichnet. Links im Bild Ministerpräsident Reiner Haseloff, rechts der Präsident der Lutherweg-Gesellschaft, Ekkehard Steinhäuser. Foto: Johannes Killyen

Ehrung: Bei der Jubiläumsfeier in Kemberg wurden Gert Scholz (Schköna), Gabriele und Rudolf Kunze (Pratau) sowie Dieter Schröter für ihr ehrenamtliches Engagement bei der Pflege des Lutherweges ausgezeichnet. Links im Bild Ministerpräsident Reiner Haseloff, rechts der Präsident der Lutherweg-Gesellschaft, Ekkehard Steinhäuser. Foto: Johannes Killyen

Zum zehnjährigen Bestehen des Lutherweges Sachsen-Anhalt würdigte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) ihn als touristisches und spirituelles Projekt. »Die Idee, Luthers zahlreiche Wege nachzuzeichnen und Pilger ebenso wie Wanderer zu bedeutenden Orten der Reformation in Sachsen-Anhalt zu führen, ist aufgegangen«, sagte er einem Festakt am 4. Oktober in Kemberg bei Wittenberg. »Ich bin froh, dass der Lutherweg auch nach dem Reformationsjubiläum 2017 weiter besteht und bestehen wird. Vor diesem Hintergrund ist das zehnjährige Jubiläum ein wichtiger Zwischenschritt«, so Haseloff, der auch Schirmherr des Lutherweges in Sachsen-Anhalt ist.

Der Lutherweg Sachsen-Anhalt war am 28. März 2008 in Höhnstedt nahe der Lutherstadt Eisleben von Vertretern aus Kirche, Tourismus, Politik und von Verbänden eingeweiht worden. Er verbindet im Sinne seines Erfinders auf dem Rundkurs die Lutherstädte Eisleben und Wittenberg. Im Norden verläuft er durch Anhalt, im Süden durch Halle an der Saale. 2017 wurde eine zusätzliche Strecke von Zerbst nach Magdeburg aufgenommen.

Hinter Eisleben führt der Weg, der insgesamt rund 460 Kilometer lang ist, nach Mansfeld-Lutherstadt und weiter in Richtung Thüringen. Nach und nach kamen weitere Lutherwege in Thüringen, Sachsen, Bayern, Hessen und zuletzt in Brandenburg dazu. Als Dachorganisation sichert die Deutsche Lutherweg-Gesellschaft die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Lutherwegen. Zugleich ist sie Trägerin der Koordinationsstelle für den Lutherweg Sachsen-Anhalt, die von Grit Gröbel geleitet wird.

Bei der Jubiläumsfeier erinnerte der Präsident der Lutherweg-Gesellschaft, Pfarrer Ekkehard Steinhäuser, an einige Initiatoren des Lutherweges: an den oben genannten, 2012 verstorbenen Wolf von Bila oder den katholischen Pfarrer Willi Kraning. In einem Referat wies Steinhäuser darauf hin, dass Luther das Pilgern mit dem Ziel, dadurch Gottes Gnade zu erreichen, abgelehnt habe. Zugleich gebe es heute aber zahlreiche Gründe für ein »evangelisches Pilgern«, etwa das Erlebnis des gemeinschaftlichen Christseins. »Außerdem kann man beim Pilgern seinen Problemen nicht weglaufen, man ist sich selbst näher und kann auch Gott besser zuhören.«

Steinhäuser würdigte in einem Gespräch mit der Kirchenzeitung auch die Arbeit der ehrenamtlichen Weg-Pfleger, von denen bei der Feier in Kemberg einige ausgezeichnet wurden. Für die Zukunft des Weges wünscht er, dass es immer wieder und immer mehr Menschen gibt, die nach dem Pilgern mit dem Gefühl innerer Zufriedenheit nach Hause zurückkehren und sagen: Ja, das Pilgern tut gut.

(G+H)

www.lutherweg.de

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Lieb und teuer

30. September 2018 von redaktionguh  
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Endlich! Fünf Jahre nach der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz für Kinder ab einem Jahr, hat die Bundesregierung erkannt, dass Masse nicht Klasse schlägt. Nachdem in den vergangenen Jahren viele neue Krippen und Kindergärten entstanden sind, soll nun bei der Qualität nachgebessert werden.

Mit dem »Gute-Kita-Gesetz« stellt der Bund den Ländern in den kommenden vier Jahren 5,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Sie sollen das Geld in eine bessere Betreuung investieren: Mehr Personal einstellen, die Öffnungszeiten ausweiten oder die Gebühren senken, bis hin zur kostenlosen Kita. Letzteres ist ein fatales Zeichen. Was ist etwas wert, das nichts kostet? Kindergärten sind nicht wertlos. Sie sind wertvoll und im besten Fall voller Werte – als Orte der Bildung, der Integration oder des Glaubens.

Es ist vollkommen richtig, dass Menschen, die Hartz IV oder Wohngeld erhalten, keine Elternbeiträge zahlen müssen. Aber nicht immer entscheiden finanzielle Gründe über den Besuch eines Kindergartens: Schon jetzt zeigen Studien, dass weniger Kinder aus armen Familien oder solchen mit Migrationshintergrund in einen Kindergarten gehen. Wenn nun allen Eltern die Gebühren erlassen werden, ist das ein Wahlgeschenk, von dem nur Besserverdiener profitieren.

Das Geld, das einige Bundesländer in die Abschaffung der Gebühren investieren, steht den Erziehern zu. Der Betreuungsschlüssel muss vor allem im Osten verbessert werden. In Sachsen-Anhalt kümmert sich eine Erzieherin um 6,4 Kleinkinder, in Baden-Württemberg sind es drei. Wir brauchen mehr Erzieher, gut ausgebildete und gut bezahlte Erzieher. Erzieher, die in einem starken Kollegium tätig sind, das mit den Belastungen, die dieser Beruf mit sich bringt, umgehen kann. Das sollte uns lieb und teuer sein.

Katja Schmidtke

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»Alles, was in meinem Leben wichtig war«

17. September 2018 von redaktionguh  
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Taufe, Konfirmation und Trauung: In Goldschau im Kirchenkreis Naumburg-Zeitz sind die Menschen mit ihrem Gotteshaus verbunden. Fast jeder Dritte im Dorf ist Kirchenmitglied.

Goldschau – die 300-Seelen-Gemeinde ist der letzte Ort Sachsen-Anhalts vor der thüringischen Grenze. Viel ist nicht los, sagen die Leute. Einen Bäcker, einen Fleischer oder einen Tante-Emma-Laden gibt es schon lange nicht mehr. Buslinien in die Stadt sind selten geworden. Doch mitten im Ort steht die Kirche. Auf die sind die Goldschauer stolz. Als einer der ganz wenigen sakralen Bauten des Bundeslandes hat sie einen Turm aus Holz, was dem Dorf den Spitznamen »Bretter-Goldschwe« einbrachte.

Karl-Heinz Zaumseil kann sich ein Leben ohne die kleine Kirche nicht vorstellen. Seine Großeltern waren 1923 vor den Altar getreten, um das Ehegelübde abzulegen. Seine Eltern hatten sich 1952 trauen lassen. Er selbst wurde 1956 hier getauft. 1970 entstand das Foto von seiner Konfirmation. 1993 heiratete er. Auch beide Kinder erhielten im Goldschauer Gotteshaus die Taufe. »So etwas verbindet. Hier hat sich ja alles abgespielt, was in meinem Leben wichtig war«, sagt er.

Brigitte Knauth kann das nachvollziehen. Von Kindesbeinen an ist sie mit dieser Kirche, in der sie getauft und konfirmiert wurde, verbunden. Heute trägt die 82-Jährige die Gemeindebriefe im Dorf aus. Das sind nicht wenige, denn jeder Dritte des Ortes ist Kirchenmitglied. Auch der 88-jährige Rudi Gröbe, dessen Haus einen Steinwurf vom Gotteshaus entfernt steht, hat seine Erinnerungen an die »Bretter-Kirche«. Vor 66 Jahren heiratete er hier seine Gerda. Die Frau starb im vergangenen Jahr. Seine Hochzeitsschuhe hat er immer noch.

Die 500 Jahre alte Kirche in Goldschau ist dank des Engagements vieler Dorfbewohner in einem guten Zustand. Ein Leben ohne die Kirche kann sich Karl-Heinz Zaumseil nicht vorstellen. 1970 wurde er in Goldschau konfirmiert, das Konfirmationsbild zeigt ihn vorm Portal. Fotos: Petra Wozny

Die 500 Jahre alte Kirche in Goldschau ist dank des Engagements vieler Dorfbewohner in einem guten Zustand. Ein Leben ohne die Kirche kann sich Karl-Heinz Zaumseil nicht vorstellen. 1970 wurde er in Goldschau konfirmiert, das Konfirmationsbild zeigt ihn vorm Portal. Fotos: Petra Wozny

Die spätgotische Saalkirche wurde laut einer Inschrift am Chor 1518, also vor 500 Jahren, auf den Mauern einer romanischen Kapelle errichtet. Etwa 130 Menschen haben in ihr Platz. Nicht nur der barocke Altar fällt ins Auge, sondern auch die Orgel, eine blaue Kassettenholzdecke, die Patronatsloge und eben der hölzerne Turm. Geld für Steine muss es damals nicht gegeben haben, vermuten die Dorfbewohner. Doch so dumm ist das mit den Balken nicht, wissen sie. Der Wind bläst durch die Ritzen, weshalb es im Goldschauer Gotteshaus nie muffig riecht.

Solch ein Schmuckstück, als das sich das Goldschauer Gotteshaus heute präsentiert, war es nicht immer. Den letzten Anstrich hatte es 1927 bekommen. Auch Reparaturen an der Orgel lagen Jahrzehnte zurück, erinnert sich Karl-Heinz Zaumseil. Unterm Strich: Es musste viel gemacht werden.

Dafür spannt sich seit Jahrzehnten Iris Winckelmann vor den Karren und schart im Kirchenkreis viele Gleichgesinnte wie Zaumseil und Knauth um sich. Die heute 60-Jährige wuchs in einer christlichen Familie auf. »Von meinem Kinderzimmer aus blickte ich auf die Kirche. Die Glocken zu läuten, war meine Pflicht.«

1982 zog sie nach Goldschau. Logisch, dass drei ihrer vier Kinder in der Kirche getauft sowie zwei auch konfirmiert wurden. »Die Kirche hatte es mir sofort angetan. Mich dafür einzusetzen, dass sie im Dorf bleibt, wurde für mich zu einer anspruchsvollen Arbeit«, erzählt die Kirchenälteste. Sie ist es, die nicht locker lässt im Klinkenputzen und nicht müde wird, Förderanträge zu stellen, passende Stiftungen zu suchen und immer wieder die Goldschauer zu motivieren.

Etwa 120 000 Euro seien in den letzten drei Jahrzehnten verbaut worden. So ist das Kirchenschiff neu eingedeckt und die Wetterfahne gesetzt worden. Die Patronatsloge wurde 2003 zum Gemeinderaum umgestaltet. Drei Jahre später bekam die Kirche einen frischen Außenputz. Ein weiteres Jahr darauf wurde die Glockenanlage repariert, 2009 die Innenwände gemalert und die Decke saniert. 2011 erfolgte die Restaurierung des Altars. Vor drei Jahren konnte die Orgel repariert werden.

Immer und immer wieder galt es Geld zusammenzubringen. »Da lässt du Zeit und auch Nerven«, gibt Iris Winckelmann zu. Doch egal, wen sie angesprochen habe, jeder habe mitgeholfen, ob beim Saubermachen oder mit einem Geldschein. Jedes Mal, wenn eine Etappe geschafft ist, freut das die engagierte Frau. »Wir spüren schon, dass die Taufen, Trauungen und auch Trauerfeiern in unserer Kirche zunehmen. Lesungen und Konzerte locken darüber hinaus die Leute an.«

Glücklich sei sie mit ihren Ehrenamtlern gewesen, als das Gotteshaus 2016 »Kirche des Monats« der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler wurde.

Gegenwärtig wird wieder Geld gesammelt. Die Tauf- und Abendmahlsgeräte müssen repariert werden. Das ist nach Aussage des rührigen Trios sündhaft teuer.

Und dann sind ja da noch die Fenster … Entmutigen lassen sich die Goldschauer nicht. »Da haben wir schon ganz andere Hürden genommen«, meint Iris Winckelmann.

Petra Wozny


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Respektvolle Partnerschaft

17. September 2018 von redaktionguh  
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Kirchenvertrag vor 25 Jahren unterzeichnet

Am 15. September 1993 wurde in der Lutherstadt Wittenberg der erste Evangelische Kirchenvertrag in den neuen Bundesländern unterzeichnet. Partner waren sechs evangelische Landeskirchen und das Land Sachsen-Anhalt. Der damalige Magdeburger Konsistorialpräsident Hartmut Johnsen war Verhandlungsführer der Kirchen. Seine Nach-Nachfolgerin ist Brigitte Andrae, die Präsidentin des Landeskirchenamtes der EKM.

Frau Andrae, wo haben die Kirchen die Möglichkeiten und Freiräume genutzt?
Andrae:
Da verweise ich aktuell auf das letzte Gespräch unserer Kirchen mit der Landesregierung, das wir vor wenigen Tagen hatten. Wir haben sehr intensiv über unseren je eigenen Beitrag für ein gelingendes europäisches Miteinander gesprochen. Aktuell stehen wir vor großen Herausforderungen in Europa. Da ist es wichtig, Positionen zu finden, die einerseits klar, andererseits aber auch konsensfähig sind.

Brigitte Andrae. Foto: epd-bild

Brigitte Andrae. Foto: epd-bild

Angesprochen worden ist in diesem Gespräch auch die Entwicklung des Religionsunterrichtes an den Schulen in Sachsen-Anhalt. Insgesamt blicken wir auf eine erfreuliche Entwicklung in den letzten Jahren. Die deutliche Mehrheit der Schülerinnen und Schüler hat inzwischen die Möglichkeit, am Evangelischen Religionsunterricht teilzunehmen. In Fragen des Lehrkräfteangebotes, der Planbarkeit des Unterrichtseinsatzes und zum Teil auch bei der Refinanzierung gibt es aber nach wie vor Handlungsbedarf. Auch darüber wurde gesprochen.

Und wo hat das nicht funktioniert?
Andrae:
Natürlich gibt es immer mal wieder Reibungspunkte. Zu Verbesserungen bei der Finanzierung unserer Schulen zu kommen, war nicht leicht. Trotz der erreichten Fortschritte bleibt hier noch etwas zu tun.

Schwieriger geworden ist die Situation auch dadurch, dass wir in Parlament und Regierung nicht mehr so selbstverständlich auf Menschen treffen, die Kirche aus eigenem Erleben kennen. Da ist an der einen oder anderen Stelle schon Übersetzungsarbeit zu leisten. Im Großen und Ganzen funktioniert die Zusammenarbeit aber gut.

Damals wurde auf die Bezeichnung »Staatskirchenvertrag« verzichtet und »Evangelischer Kirchenvertrag« gewählt. Dennoch sprachen und sprechen Kritiker von zu großer Nähe von Staat und Kirchen und Sonderrechten für letztere. Wie sehen Sie das?
Andrae:
Die Terminologie verdeutlicht sehr schön, dass wir es bei dem Wittenberger Vertrag eben gerade mit einem Vertragswerk zwischen zwei gleichberechtigten und selbstständigen Partnern zu tun haben. Und da gibt es Fragen, die beide Partner betreffen und die verlässlich zu regeln sind. Ein Privileg der Kirchen kann ich darin gerade nicht erkennen. Eher eine Grundhaltung des Respekts vor der Eigenständigkeit des je anderen.

Die Fragen stellte Angela Stoye.

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Das Kreuz mit dem Geld

24. August 2018 von redaktionguh  
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Reden wir über Geld: Denn ohne kann weder die Kirche als Institution noch der einzelne Christenmensch in unserer Gesellschaft überleben. Wie aber geht man christlich mit Geld um?

Widersprüchlich kommt die Bibel daher, wenn es um Geld geht. Aus dem 5. Buch Mose – kein Zins vom Freund, vom Angehörigen des eigenen Volkes nehmen – folgte das Zinsverbot. Zins von Fremden zu nehmen, war jedoch erlaubt. Und selbst Jesus verlangt, Geld zu den Wechslern zu geben, damit es Zins bringt (Lukas 19,23). Andererseits heißt es ganz klar bei Matthäus: »Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.« Also Geld oder Gott. Oder ist Geld als Werkzeug anzusehen, mit dessen Hilfe christliche Verantwortung praktisch umgesetzt wird?

Geht das überhaupt? Ist Christsein in der Finanzwelt überhaupt hilfreich? Wo geraten Akteure in Widerspruch zu christlichen Werten?

Der Vorstandsvorsitzende der Bank für Kirche und Diakonie, Ekkehard Thiesler, sagt: »Ziel unserer Kreditgenossenschaft war und ist es bis heute, die Rücklagen der evangelischen Kirche als Kredite an diakonische Unternehmen weiterzugeben. Darüber hinaus investieren wir am Geld- und Kapitalmarkt, auch hier spielen ethisch-nachhaltige Kriterien eine entscheidende Rolle.« Solche Kriterien sind beispielsweise nachzulesen im »Leitfaden für ethisch-nachhaltige Geldanlagen« der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zu den am meisten nachvollziehbaren konkreten Empfehlungen der gut 50 Seiten umfassenden Publikation gehören Ausschlusskriterien wie Rüstungsgeschäfte oder die Gewinnung von Rohstoffen aus Ölsand.

Illustration  jro-grafik – stock.adobe.com

Illustration jro-grafik – stock.adobe.com

Doch können sich Menschen in der Finanzwelt danach richten? »Ich muss mein Gewissen nicht an der Garderobe abgeben«, sagt Ekkehard Thiesler. Und Ulrich Schmidt, Vorstand der Volksbank Magdeburg, meint, dass das Agieren in der Rechtsform der Genossenschaft die Orientierung an Werten wie Demokratie, Fairness, Hilfe zur Selbsthilfe und Solidarität ermöglicht. »Und damit sind wir den christlichen Grundwerten Glaube, Liebe im Sinn von Nächstenliebe und Hoffnung doch recht nahe.«

Schmidt, ebenso Christ wie Sachsen-Anhalts Finanzminister André Schröder, wird mit diesem das nächste Spiegelsaalgespräch unter dem Titel »Finanzpolitik in christlicher Verantwortung – Frommer Wunsch oder echte Option?« bestreiten.

Im Unterschied zu den Bankern gibt der Politiker zu, dass die Regeln der Finanzen nicht immer mit christlichen Werten harmonieren. »Rendite und Sicherheit spielen in der Finanzwelt eine große Rolle. Ein natürliches Spannungsverhältnis, das in unserer täglichen Arbeit zu berücksichtigen ist.

Zudem sehe ich als meine Aufgabe, gleichzeitig auch die Balance zwischen ethischen, sozialen und Grundsätzen der Nachhaltigkeit zu schaffen. Ich sehe die Fehlbarkeit des menschlichen Tuns.«

Politik sei immer dem Allgemeinwohl verpflichtet, so Schröder. »Die unveräußerliche Würde des Menschen steht ebenso im Vordergrund meines Handelns wie das Gebot der Nächstenliebe mit dem Grundgedanken der Solidarität in der Gesellschaft.«

Ausdrücklich ohne religiöse Einflüsse agiert die Ethikbank im thüringischen Eisenberg. Die Motive der Gründer Klaus Euler und Sylke Schröder waren mehr humanistischer Natur. Die Zweigniederlassung der Volksbank – und damit ebenfalls genossenschaftlich organisiert – stelle den Menschen in den Mittelpunkt und biete Bankdienstleistungen für Menschen an, die selbstbestimmt und verantwortungsbewusst leben und die kritisch hinterfragen, was mit dem eigenen Geld passiert, teilt Vorstand Katrin Spindler mit. Die Anlagekriterien ähneln bemerkenswert denen der EKD.

Ob im Zweifel die Rendite oder das christliche Gewissen bei einer Entscheidung gewinnt, hängt vermutlich vom Einzelfall ab. Das Leben ist da mindestens so widersprüchlich wie die Bibel.

Renate Wähnelt

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Auf dem Trockenen

20. August 2018 von redaktionguh  
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Ein außergewöhnlicher Sommer: Hitze und Dürre seit dem Frühling fordern die Landwirte heraus. Nun ist auch die Kirche gefragt.

Mais, der nur einen halben Meter hoch wächst und Weizen-Ähren, die kleine Körner bilden. Eine Kommune verbietet ihren Bürgern das Gießen mit Trinkwasser und die andere ruft dazu auf, junge Straßenbäume zu wässern. Die Elbe führt Niedrigwasser, in Magdeburg hatte sie in der Vorwoche mit 52 Zentimetern fast ihren historischen Tiefststand von 1934 erreicht. Landwirte rechnen mit hohen Einbußen. Das ist der Sommer 2018.

Nach 1992 und 2003 sei dieses Erntejahr durch eine extreme Dürre gekennzeichnet, meldete der christlich geprägte Deutsche Bauernbund. Sachsen-Anhalts Verbandspräsident Jochen Dettmer sprach von einer Naturkatastrophe. In einigen Regionen Sachsen-Anhalts hat es seit April nicht mehr nennenswert geregnet. Mitte Juli forderten die Landwirte Unterstützung. Der Hilferuf richtete sich nicht nur an die Regierungen, sondern auch an die Kirchen. Sie gehören zu den großen Verpächtern. Die Pachtkosten müssten reduziert werden. Stundungen haben keine stabilisierenden Wirkungen, heißt es aus der Quedlinburger Geschäftsstelle des Bauernbunds.

Einen Pachterlass oder -verzicht wird es jedoch nicht geben, sagte Oberkonsistorialrat Diethard Brandt, Leiter des Grundstücksreferats im Landeskirchenamt Magdeburg. »Das Geld ist ja im Haushalt für unsere Aufgaben eingeplant.« Stattdessen wird die Kirche die Pachtzahlung stunden.

Staubtrockene Erde: Ein Landwirt lässt Ackerboden durch seine Hände rieseln, im Hintergrund steht der Mais auf den Feldern. Foto: epd-bild

Staubtrockene Erde: Ein Landwirt lässt Ackerboden durch seine Hände rieseln, im Hintergrund steht der Mais auf den Feldern. Foto: epd-bild

Üblicherweise endet ein Pachtjahr am 30. September, dann haben die Bauern ihre Ernte verkauft und zahlen die Pacht für die zurückliegenden zwölf Monate. Oberkonsistorialrat Brandt kündigte an, dass die Zahlung erst am Jahresende fällig wird, wenn die Landwirte ihre Subventionen und gegebenenfalls Hilfen erhalten haben. »Wir sehen, dass das Anliegen der Bauern berechtigt ist. Dem wollen wir uns, im Rahmen unserer Möglichkeiten, stellen.« Verpächter haben eine Mitverantwortung, betonte Brandt. Man teile sich Erfolge und Misserfolge. »Und in diesem Jahr sind es schon sehr besondere Umstände.«

Mortimer von Rümker, Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses der EKM-Landessynode und selbst Landwirt bei Gotha, betont, wie wichtig das Differenzieren ist. Die eine Landwirtschaft gibt es nicht. Während einige Ackerbaubetriebe eine gute Ernte gemacht haben, fällt sie bei anderen schlecht aus; besonders hart trifft es die Viehhalter. Weil Mais und Gras während ihrer Wachstumsphase im Frühling das Wasser fehlte, gibt es zu wenig Viehfutter.

Hingegen hat die SaatGut Friedrichswerth – Landwirtschaftsbetrieb von Rümker eine gute Ernte eingefahren. Das Getreide hat schöne, große Körner gebildet. »Schlicht und ergreifend Glück« nennt es Rümker, dass auf den 600 Hektar großen Feldern im Mai zwei Gewitterschauer niedergingen, während es nur wenige Kilometer weiter trocken blieb.

Wie soll man den Kollegen nun also helfen? Einen Pachterlass hält Rümker nicht für geeignet, um Betriebe zu unterstützen. Wohl aber empfiehlt er einen Blick in die Verträge: Der Pachtpreis kann je nach wirtschaftlicher Lage angepasst werden. »Das heißt: auch nach unten.« Auch die Bildung von Rücklagen für schlechtere Jahr wäre eine sinnvolle Maßnahme.
Hitze und Dürre treffen nicht nur die Landwirtschaft. Zwischen Schönebeck und Magdeburg trocknen die Elbauen aus, hat Hans-Joachim Döring, Umweltbeauftragter der EKM, beobachtet. Sinkt der Grundwasserspiegel, schadet das nicht nur Flora und Fauna, sondern auch dem Tourismus an der Elbe und im Wörlitzer Park sowie den auf Lehm gebauten Häusern in den Auen, Setzungsrisse tun sich auf. »Die Angst ist bei den Menschen angekommen«, sagt Döring.

Gleichsam hat er festgestellt, dass vieles, was vor Jahren als ideologieverdächtig gebrandmarkt wurde, heute ernsthafter diskutiert wird. »Wir haben genug erkannt und sollten es ändern«, sagt er und nennt als Beispiele den Ausstieg aus der Kohle, ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen, eine Rückkehr zur Kreislaufwirtschaft nicht nur im Agrarbereich, ein Bodenfonds in öffentlicher Hand, eine neue Förderpraxis für Bauernhöfe oder ein Ende der Illusion, die Elbe sei eine Schifffahrtsstraße für Massengüter. »Aktuell und in unserer Gegend auch relevant: keine Parteien wählen, die den Klimawandel leugnen.«

Als Christ bringe ihn die Dürre in Erklärungsnöte, gesteht Döring. »Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen«, zitiert er Psalm 24 und fügt an: »Gilt das noch? Hat Gott seine Zusage an den Planeten zurückgestellt, hält er uns einen Spiegel vor?« Hans-Joachim Döring hadert.

Katja Schmidtke

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Radeln und Rasten

30. Juli 2018 von redaktionguh  
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Radwegekirchen in Mitteldeutschland

Die mitteldeutschen Radwegekirchen erleben aktuell ihren Saisonhöhepunkt. Insgesamt laden auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) 59 und in der Landeskirche Anhalts 7 Radwegekirchen zur Einkehr ein. Die Gotteshäuser liegen unmittelbar an den zahlreichen Radwegen in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen und sind an entsprechenden Hinweisschildern als Radwegekirchen erkennbar. Geboten werden meistens ein Rastplatz oder Garten mit Tischen und Bänken sowie ein Zugang zu Toiletten und Trinkwasser.

Am Mulderadweg zwischen Eilenburg und Bad Düben liegt in dem kleinen Ort Gruna (Kirchenkreis Torgau-Delitzsch) eine Radwegekirche. Foto: epd-bild

Am Mulderadweg zwischen Eilenburg und Bad Düben liegt in dem kleinen Ort Gruna (Kirchenkreis Torgau-Delitzsch) eine Radwegekirche. Foto: epd-bild

Thüringen zählt bei den Radfahrern zu Deutschlands beliebtesten Gegenden. Unter den 171 Regionen der Rad­reiseanalyse 2018 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) habe es das Land mit Platz sieben in die Top 10 geschafft, teilte die Thüringer Tourismus Gesellschaft (TTG) mit. Der 403 Kilometer lange Saale-Radweg von Sparnberg bis Kaatschen sei laut ADFC besonders populär. Insgesamt verfüge Thüringen über 1 500 Kilometer an Radfernwegen.

Die Radwegekirchen in der EKM und der Evangelischen Landeskirche Anhalts stehen Besuchern von Ostern bis zum Reformationstag am 31. Oktober zum Ausruhen und Innehalten offen. Viele Gemeinden bieten zusätzlich Kirchenführungen und Seelsorgegespräche an. In einigen Radwegekirchen finden während des Sommers auch Konzerte und Festivals statt. Vom Elbe-Radweg aus lohnt sich auch ein Abstecher zur Landesgartenschau in Burg in Sachsen-Anhalt. In Anhalt bekam 2008 die Kirche in Steckby bei Zerbst am Elberadweg den Titel Radwegekirche. Weitere Beispiele sind die Kirche in Dessau-Großkühnau und Klieken (Elbe), St. Georg und Pankratius in Hecklingen (Bode) oder die Kirche im Ballenstedter Stadtteil Opperode im Harz.

Mit 76 Prozent fahren drei von vier Deutschen Rad, 51 Prozent davon nutzten es für Ausflüge und Reisen, ermittelte der ADFC in seiner Analyse. Besonders der Bereich der Tagesausflüge nehme weiter zu. Mehr als jeder Zweite radele ins Grüne, was rund 167 Millionen Tagesausflügen entspreche. Auch in den Ferien würden sich die Deutschen gerne aufs Rad schwingen. Statistisch kämen so 99 Millionen Ausflüge im Urlaub zusammen, errechnete der Fahrradclub.

In Mitteldeutschland stehen etwa 4 000 evangelische Kirchen und Kapellen. Das sind rund 18 Prozent aller evangelischen Kirchen Deutschlands. Eine Karte mit allen Radwegen und Radwegekirchen deutschlandweit sowie Informationen zu den Öffnungszeiten der Kirchen und ihrer Geschichte gibt es im Internet. Auch die Geodaten der Radtouren stehen zum Download bereit. Das Signet »Radwegekirche« wird von der Landeskirche nach Prüfung der Kriterien verliehen.

(epd/G+H)

www.radwegekirchen.de

Veranstaltungen an und in Radwegekirchen:

• Für einen Besuch der Landes­gartenschau Burg lohnt sich ein Abstecher vom Elbe-Radweg: Der Kirchen-Pavillon ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Er befindet sich in den Ihlegärten und ist auch ohne Eintrittskarte zugänglich. Neben anderen Programmpunkten gibt es tägliche Mittagsandachten (12 Uhr) und jeden Sonntag einen Gottesdienst (12 Uhr).

www.kirchen-landesgartenschau-burg.de

• Orla-Radweg-Festival: 8. bis 23. September in den Kirchen Krölpa (Eröffnungskonzert mit »Saitenverkehrt«, Cello und Klavier), Lausnitz (Orgelkonzert), Ranis (Kindertheater THEATERTA), Jüdewein (Konzert mit dem Pößnecker Posaunenchor), Oppurg (Saxophonkonzert mit der Gruppe »Taktlos«), Birkigt (Gospelkonzert mit »Voices of life«) und im Schützenhaus Pößneck (Chorsinfonisches Konzert mit der Pößnecker Kantorei). Weitere Informationen: Helmut Krauß, (01 57) 52 42 72 09
• St.-Concordia-Kirche Ruhla (Rennsteig-Radwanderweg): Sommerkonzert Gahabka & Grüger (18. August, 17 Uhr) mit Werken von Beethoven, Bernstein, Strauß u. a.

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Hoch geht’s!

17. Juli 2018 von redaktionguh  
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Kirchbau: Turmspitze in Polenzko aufgesetzt

Balanceakt: Nach drei Monaten bekam Polenzko seine Kirchturmspitze zurück. Foto: Johannes Killyen

Balanceakt: Nach drei Monaten bekam Polenzko seine Kirchturmspitze zurück. Foto: Johannes Killyen

Drei Monate haben die Arbeiten gedauert. Seit dem 5. Juli ist der Kirchturm der »Weihnachtskirche« in Polenzko im Kirchenkreis Zerbst wieder komplett. Ein Kran setzte am Vormittag die Turmspitze wieder auf.

Ende März hatte die Sanierung der Kirche mit der Abnahme der Spitze begonnen, deren marodes Fachwerk erneuert wurde. Ebenso wurden die Gefache, also die Zwischenräume zwischen den Holzbalken, saniert. Die Spitze wurde mit Schiefer neu gedeckt, der Turm erhält in den nächsten Wochen eine neue Holzverschalung.

Der Turm der um 1200 erbauten Polenzkoer Kirche wurde erst 1884 aufgesetzt und hat seither gehalten. Zuletzt war er nicht mehr standsicher, weil Schädlinge die tragenden Balken zerfressen hatten. Die Schieflage durch nachgebende Balken war bereits sichtbar. Die Turmspitze musste abgenommen werden, um die Last von Fach- und Mauerwerk zu nehmen. Der erste Bauabschnitt der Kirchensanierung hat einen Umfang von rund 120 000 Euro. Das Geld bringen die Landeskirche Anhalts, die Stiftung Entschlossene Kirchen, Lotto Toto Sachsen-Anhalt sowie der Landkreis Anhalt-Bitterfeld auf. Hinzu kommen Eigenmittel der Weinberggemeinde Garitz.

Die Dorfkirche in Polenzko gehört zur Weinberggemeinde Garitz und zur Stiftung »Entschlossene Kirchen« im Kirchenkreis Zerbst. Als eine von mehreren Themenkirchen in der Region informiert sie während des gesamten Jahres über das Weihnachtsfest. Im Chorraum der Kirche stehen Deutschlands größte Krippenfiguren, die der inzwischen verstorbene Holzbildhauer Horst Sommer schuf.

(G+H)

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Reise in die Zeit der Ottonen

1. Juni 2018 von redaktionguh  
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Kloster Memleben präsentiert anlässlich des Jubiläums »25 Jahre Straße der Romanik« eine sehenswerte Sonderschau.

Aufgeschlagen liegt es unter Glas. Die Schrift und Bemalung sind prächtig. Das Antiphonar aus dem Jahr 1506, heute in der Bibliothek des Klosters Pforta aufbewahrt und ursprünglich aus dem Kloster Posa bei Zeitz stammend, ist eines von weiteren eindrucksvollen historischen Exponaten der aktuellen Sonderschau »Wissen und Macht. Der heilige Benedikt und die Ottonen«. Seine Wirkung entfaltet der dicke großformatige Band nicht nur als Ausstellungsstück. Ein Knopfdruck, und die Musiker des »montalbâne Ensembles« erscheinen auf einer Wand des Raumes. Sie haben drei Titel des Antiphonars in der Krypta des Klosters Memleben eingesungen und eingespielt.

Nie war in den vergangenen Jahrhunderten seit der Herstellung des liturgischen Buches die Musik des Mittelalters so lebendig und präsent.

Multimedial: Ein Knopfdruck genügt, und die Musiker des »montalbâne Ensembles« erscheinen auf einer Wand des Raumes. Foto: Torsten Biel

Multimedial: Ein Knopfdruck genügt, und die Musiker des »montalbâne Ensembles« erscheinen auf einer Wand des Raumes. Foto: Torsten Biel

Interaktive Elemente wie dieses spielen neben den eindrucksvollen Leihgaben aus verschiedenen Museen, Archiven und Beständen eine wichtige Rolle. »Die Besucher sollen nicht merken, dass sie in der Ausstellung viel lernen«, sagt Andrea Knopik. Die Museumsleiterin und ihr Team beschäftigten sich nicht erst seit Wochen oder Monaten mit der Vorbereitung der Ausstellung. Bereits 2014 gab es die Idee, erste Notizen auf Papier. Es folgten Anträge für Fördermittel, Anfragen an potenzielle Leihgeber, die sich gefreut haben, dass das Museum Interesse zeigt, die Stücke der Öffentlichkeit zu präsentieren; darunter einige zum ersten Mal, erzählt die Museumschefin: »Das war wie eine Adelung. Wir hatten bei einigen Exponaten nie gedacht, dass wir sie erhalten.« Deshalb spielen Sicherheit und Klimatechnik, um die wertvollen Objekte zu schützen, eine wichtige Rolle, sind vier sogenannte Schatzkammern eingerichtet worden.

Das Konzept der Ausstellung erinnert an eine Zeitreise durch die Jahrhunderte – vom Mittelalter bis in die Gegenwart, von der Entstehung des Mönchtums und den ersten Klöstern in Europa, über ihre Hochzeit und die Folgen der Reformation bis hin zur
aktuellen Wiederentdeckung. Die Initiative »Kloster und Welt« mit ihren insgesamt weiteren elf Korrespondenzorten zur Ausstellung in der Region tritt den Beweis an für das neue Bewusstsein um die Geschichte, Bedeutung und das Erbe der Klosterlandschaft.

Für Kinder entstand in Zusammenarbeit mit dem Burgenlandgymnasium in Laucha ein Klosterquiz. Außerdem arbeiten die Landesschule Pforta und die Sekundarschule Freyburg eng mit dem Museum zusammen.

Mehrere Ziele verfolgt dabei die Sonderschau: Zum einen soll die historische Rolle von Memleben als Kloster und Kaiserpfalz, als Ort von Wissen und Macht, an dem Bildung und Kunst, Handwerk und Landwirtschaft gefördert wurden, anschaulich verdeutlicht und bewusst gemacht werden. »Für viele liegt das Dorf heute geografisch abseits. Aber Memleben war schon entwickelt, als Naumburg ab 1033 gerade damit begann«, sagt Andrea Knopik. Zum anderen sollen Teile der Sonderschau, die den Ostflügel auf zwei Etagen füllt, fortan als moderne Dauerausstellung in das Museum integriert werden. Eröffnet wurde die Sonderschau mit einem Festakt in der Wasserscheune, die sich auf dem historischen Gelände des Klosters befindet. An der Feier nahmen auch die beiden Schirmherren der Ausstellung, Bischof Gerhard Feige und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, teil.

Jeden zweiten Samstag im Monat laden Schüler zu einer Führung ein.

Constanze Matthes

Bis 15. Oktober, täglich von 10 bis 18 Uhr.
Führungen durch die Anlage sonnabends 11.30 Uhr oder nach Voranmeldung.

www.kloster-memleben.de

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Es grünt und blüht in Burg

30. April 2018 von redaktionguh  
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»Geh aus, mein Herz«: Sonntag, Sonnenschein, Gottesdienst und Garten. Einen Tag nach der offiziellen Eröffnung der Landesgartenschau (Laga) in Burg haben die Kirchen ihr Programm gestartet.

Der Tag hätte schöner nicht sein können. Die Sonne strahlte vom fast wolkenlosen Himmel und in den Beeten blühten die schon von Paul Gerhardt besungenen Tulipane in großer Farbenvielfalt. Die Band »Patchwork« aus Berlin-Brandenburg spielte auf und zog mit ihren fröhlichen Melodien die Aufmerksamkeit auf sich. Hunderte Besucher versammelten sich, der Musik und der Einladung folgend, am 22. April im Burger Goethepark vor der Hauptbühne, um den ökumenischen Eröffnungsgottesdienst der Landesgartenschau (Laga) mitzufeiern.

Bereits am Sonnabend hatte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) die Schau unter dem Motto »… von Gärten umarmt« in Anwesenheit vieler Vertreter aus Politik und Gesellschaft eröffnet. Haseloff würdigte dabei die Entwicklung Burgs. Es sei beeindruckend zu sehen, wie sich die Stadt verändert habe. So wurden in die vier Kernflächen der Laga 17 Millionen Euro investiert, in Plätze, Straßen und Wege noch einmal 23 Millionen. Erwartet werden bis zum 7. Oktober rund 450 000 Besucher. Neben vier großen Parks und Ausstellungsflächen können sie 21 Themen- und 12 Stadtgärten und wechselnde Blumenschauen besichtigen sowie unter rund 800 Veranstaltungen wählen.

Stadt der Türme: In der Bildmitte der Wasserturm, im Hintergrund die spitzen Türme der Kirche Unser Lieben Frauen. Am Weinberg auf dem Laga-Gelände ist dem Modell der Quedlinburger Stiftskirche (links) noch ein Turmpaar hinzugekommen. Den alten Fabrikschornstein (rechts) krönt ein Storchennest. Foto: Angela Stoye

Stadt der Türme: In der Bildmitte der Wasserturm, im Hintergrund die spitzen Türme der Kirche Unser Lieben Frauen. Am Weinberg auf dem Laga-Gelände ist dem Modell der Quedlinburger Stiftskirche (links) noch ein Turmpaar hinzugekommen. Den alten Fabrikschornstein (rechts) krönt ein Storchennest. Foto: Angela Stoye

Inmitten des Blütenmeeres eröffneten die Kirchen in Sachsen-Anhalt am Sonntag nun ihr Programm, das unter dem Motto »aus der Quelle erfrischt« steht. Den Gottesdienst gestalteten der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige, Propst Christoph Hackbeil, Regionalbischof des Propstsprengels Stendal-Magdeburg, die Superintendentin des Kirchenkreises Elbe-Fläming, Ute Mertens, der Pastor der Adventgemeinde, Wolfgang Stammler, Ursula Patté von der reformierten Gemeinde Burg und Apostel Jens Korbien von der Neuapostolischen Kirche (NAK). Das erste Mal nach der Aufnahme der NAK am 12. Februar 2018 in die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Sachsen-Anhalts beteiligte sich einer ihrer Vertreter an einem ökumenischen Gottesdienst. Bischof Feige verwies in seinem Grußwort auf den Wert von Gottes Schöpfung, die sich auch in der Laga widerspiegelt. »Wer sich darauf einlässt, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.« Der Bischof forderte eine grundsätzliche ökologische Umkehr, »weil die Erde unser gemeinsames Haus ist«.

Propst Hackbeil stellte in den Mittelpunkt seiner Predigt die Geschichte von Jesus und der Samariterin am Brunnen (Johannes 4). Darin stelle die Frau die Zugehörigkeit über die Barmherzigkeit, so der Propst. Jesus aber nehme das Gespräch mit ihr auf. Zwar erfahre man am Ende nicht, ob die Frau Jesus Wasser aus dem Brunnen gibt. Aber man erfahre: »Von Jesus geht aus, wonach sich alle sehnen: geliebt zu sein und sich lebendig zu fühlen.« Christoph Hackbeil verwies darauf, dass die Angebote der Kirchen an ihrem Pavillon in den Ihlegärten für alle da seien – zum Gespräch, zum Innehalten, Entspannen und Entschleunigen. Jeden Tag wird dort um 12 Uhr die Glocke läuten, so wie am Sonntag die Burger Kirchenglocken den Gottesdienst und das Gesamtprogramm einläuteten: in der Woche zu Andachten, sonntags zu Gottesdiensten. Über 80 ehrenamtliche Helfer arbeiten in der Zeit der Laga im Kirchengarten mit.

Die Superintendentin des Kirchenkreises Elbe-Fläming, Ute Mertens, dankte allen, die sich seit 2013 in der ökumenischen Vorbereitungsgruppe und jetzt während der Laga an der Planung und Umsetzung des Programmes beteiligt hatten und haben. Davon, wie schön es im und am (jederzeit eintrittsfreien) Kirchen-Pavillon am Flüsschen Ihle ist, konnten sich die Besucher gleich am Sonntag überzeugen: bei guten Gesprächen und eingehüllt in die Musik des Posaunenchores »einfachso«.

Angela Stoye

www.laga-burg-2018.de
www.kirchen-landesgartenschau-burg.de

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