Alle Register gezogen

11. Juli 2011 von redaktionguh  
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Die einzig original erhaltene Winkelkirche Deutschlands steht in Ruhla. Die ­Gemeinde feiert bis zum 17. Juli deren 350. Jubiläum.	Foto: Susanne Reinhardt

Die einzig original erhaltene Winkelkirche Deutschlands steht in Ruhla. Die ­Gemeinde feiert bis zum 17. Juli deren 350. Jubiläum. Foto: Susanne Reinhardt

 
Orgel der Ruhlaer Winkelkirche nach dreijähriger Sanierung wieder bespielt.
 
Die Ruhlaer sind schon ein echtes Bergvolk, zänkisch, heißt es. Vielleicht wäre streitbar besser formuliert. Es gibt zwei Kirchen in Ruhla (Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen), eine davon heißt St. Concordia – die Eintracht.

Die Sanierung ihrer recht großen Orgel wurde rechtzeitig vor dem 350-jährigen Kirchenjubiläum abgeschlossen. Auch sie erzählt, wie die beiden Kirchen selbst, eine eigene Geschichte. In einem geteilten Gebiet, Land, Ort sind Rivalitäten vorprogrammiert. So auch in Ruhla, die Bergstadt am Rennsteig, die schon um 1355 in Ämter und Verwaltungsgebiete gesplittet schien. Im 17. Jahrhundert wurde der Bach zur offiziellen Grenze. Aber nur auf der einen Seite, dem Gothaer Herzogtum zugeordnet, stand eine Kirche – St. Trinitatis. Da bauten sich die Bewohner auf der Eisenacher Seite ebenfalls eine Kirche, die Winkelkirche St. Concordia.

Das Herz der Kirche bildete die Orgel, ihr gab der Baumeister Friedrich Knauf aus Tabarz 31 Register. Das neideten die Besucher der Trinitatis-Kirche und beauftragten Knauf, ihnen ebenfalls eine Orgel, aber mit 33 Registern zu bauen. Und schon 52 Jahre später suchten sich die Christen des Eisenacher Ortsteils erneut einen Orgelbaumeister, der noch einen draufsetzte. Die Gebrüder Jehmlich aus Dresden bekamen den Auftrag, in das neue Instrument 34 Register einzubauen. Dabei schonten sie weder Kosten noch Mühe. Kleine Engel und Schmuckwerk zieren noch heute das barocke Gehäuse. Das ganze Bauwerk kostete die Ruhlaer 18772 Mark. Hinter der sogenannten Black Box gibt es 2210 bespielbare Pfeifen, die vorderen gar nicht mitgerechnet. Die sind nur Fassade.
Nun ist diese Orgel 100 Jahre alt. Im Laufe der Zeit wurde ihr Klang immer schlechter, einige Pfeifen waren gekürzt worden, zu anderen gelang keine Luft mehr, da Ventile oder Leitungen defekt waren. Stück für Stück hatten die Orgelbaumeister unter Leitung von Bernhard Kutter aus Friedrichroda das tonnenschwere Instrument zerlegt und repariert, Bleipfeifen durch verzinkte ersetzt, die 3550 Ventile erneuert, Register ausgetauscht, Rohre neu gelegt und die 44 Schalter repariert. Und auch den Tisch hatten Parasiten beschädigt. Er musste Teil für Teil auseinander und wieder neu zusammengesetzt werden. Rund 98.000 Euro kostete die Restaurierung, wovon 23 Prozent Spenden sind und 17 Prozent Eigenmittel. Letzteres stammt aus einer eigenen Stiftung zum Erhalt der Concordiakirche.

Am 3. Juli wurde das Instrument wieder in den Dienst genommen und wird die Festwoche vom 8. bis 17. Juli bereichern. Schon am vergangenen Sonntag ließ Benjamin Kutter die einzelnen Stimmen der Orgel erklingen: die hell schmetternde Trompete, die zarte Rohrflöte oder die Oboe.

Susanne Reinhardt

www.st-concordia.de

Das Wahrzeichen ist gerettet

11. April 2011 von redaktionguh  
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Pfarrerin Maria Bartsch (li.) und Reinhard Moczko, Projektleiter des Planungsbüros »Hyder Consulting« (2. v. re.), freuen sich mit den Mitarbeitern, Handwerkern und Kirchenältesten über die gelungene Sanierung. Der 1588/89 errichtete Turm der Stadtkirche in Löbejün musste in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder repariert werden. Mitte der 1980er Jahre war er sogar einsturzgefährdet. Foto: Martin Hanusch

Pfarrerin Maria Bartsch (li.) und Reinhard Moczko, Projektleiter des Planungsbüros »Hyder Consulting« (2. v. re.), freuen sich mit den Mitarbeitern, Handwerkern und Kirchenältesten über die gelungene Sanierung. Der 1588/89 errichtete Turm der Stadtkirche in Löbejün musste in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder repariert werden. Mitte der 1980er Jahre war er sogar einsturzgefährdet. Foto: Martin Hanusch


Turm der Stadtkirche St. Petri in Löbejün wurde saniert und jetzt abgerüstet.

Der Blick richtet sich nach oben. »Endlich haben wir es geschafft und darauf sind wir schon ein bisschen stolz«, sagt Pfarrerin Maria Bartsch und deutet auf den Kirchturm. Jahrlang war das 48 Meter hohe Wahrzeichen der Stadt Löbejün (Kirchenkreis Halle-Saalkreis) das Sorgenkind der Gemeinde. Nicht nur das Mauerwerk war stark verwittert und Fugen bröckelten beträchtlich. Zuletzt drohten ganze Steine vom Turm herabzufallen. Doch nun konnte ein wichtiger Bauabschnitt abgeschlossen werden. Am Freitag vergangener Woche sind die Gerüste nach achtmonatiger Sanierung gefallen, der aus dem Jahr 1589 stammende Turm prägt jetzt neu verputzt die Silhouette der Kleinstadt nördlich von Halle.

Für die Gemeinde ist das ein schöner Erfolg. Fast fünf Jahre seien die Planungen für die Sicherungsmaßnahme gelaufen, berichtet die Pfarrerin, die erst 2009 die Gemeinde übernommen hat. Doch wie so oft haperte es am Geld. Insgesamt 157.000 Euro sind am Ende in die dringend notwendige Sanierung geflossen. Neben der Landeskirche, die 69.000 Euro beisteuerte, und dem Kirchenkreis mit 50.000 Euro hat die kleine Gemeinde selbst gut 33.000 Euro aufgebracht. Aber auch die beteiligten Firmen aus der Region haben ihren Beitrag geleistet. Jetzt zeigt sich die Pfarrerin zuversichtlich, dass die Kirchengemeinde die noch fehlenden 5.000 Euro auftreibt.

»Der Turm ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Gemeinde lebt«

Gleichwohl ist der Kirchturm damit noch nicht ganz fertig. Der Sockel wartet ebenso auf eine Sanierung wie der kleine Treppenturm, der sich an den Turmschaft schmiegt. Auch im Inneren der Kirche gibt es etliches zu tun. Zwei Fenster müssen hier erneuert werden – vier neue Fenster konnten bereits in der Vergangenheit eingebaut werden. Außerdem steht eine  Reparatur der 100 Jahre alten Rühlmann-Orgel an. »Unser derzeit größtes Problem«, wie Maria Bartsch sagt. Auf knapp 100.000 Euro beziffert die Pfarrerin den Finanzbedarf, um die Stadtkirche rundherum wieder in Schuss zu bringen.

Doch im Moment überwiegt die Freude über das Erreichte. So habe sich die Gemeinde lange um die Sanierung des Turms bemüht. Bereits 2009 seien Vorbereitungen getroffen worden, aber dann mussten die Arbeiten wieder verschoben werden, berichtet Ernst-Friedrich Leiberich. »Dass es jetzt gelungen ist, ist schon allerhand«, meint der Kirchenälteste, der sich seit 50 Jahren in der Kirche engagiert. Der sanierte Turm sei ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Gemeinde lebt, findet Joachim Schönemann, der als beratendes Mitglied im Gemeindekirchenrat mitarbeitet.

Nach Abschluss der Bauarbeiten hat sich die Pfarrerin ihrerseits einiges vorgenommen. Nun sei es an der Zeit, sich wieder verstärkt der Arbeit mit den Menschen zuzuwenden. Außerdem stehen in diesem Jahr weitere Höhepunkte im Gemeindeleben an. So gilt es nicht nur die offizielle Einweihung des sanierten Turmes zu feiern (am 14. Mai). Zur 1050-Jahr-Feier der Stadt ist am 4. Juni ein ökumenischer Festgottesdienst geplant. Dazu würden auch die Stadtväter und -mütter erwartet, sagt die Pfarrerin. Ohnehin bemüht sich die Gemeinde um ein gutes Verhältnis zur Kommune und zu den ortsansässigen Vereinen.

Was die Pfarrerin jedoch besonders freut: In diesem Jahr stehen gleich vier Taufen in der Gemeinde an, zu der rund 250 Mitglieder gehören. Erst in der vergangenen Woche hat ein Taufkurs für Erwachsene mit sechs Teilnehmern begonnen. »So langsam«, sagt Maria Bartsch mit einem Lächeln, »kommt hier richtig Leben in die ›Bude‹.«

Martin Hanusch

»Nicht irgendeine Kirche«

19. März 2010 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Luther-Freunde wollen zehn Millionen Euro für Schloss und Schlosskirche in Wittenberg sammeln

Die Schloßkirche in Wittenberg, Foto: Wikipedia

Die Schloßkirche in Wittenberg, Foto: Wikipedia

Rund zehn Millionen Euro will der am Reformationstag 2009 in Wittenberg gegründete »Freundeskreis Luther« für die Sanierung von Schloss und Schlosskirche der Lutherstadt sammeln. Das gab der Vorsitzende des Vereins, der Bielefelder Unternehmer August Oetker, am 16. März in Berlin bekannt. Zum Freundeskreis gehören zahlreiche Prominente aus Politik, Wirtschaft und Kultur, darunter der durch sein Engagement für die Dresdener Frauenkirche bekannt gewordene Trompeter Ludwig Güttler und Hamburgs Kultursenatorin Karin von Welck, die auch Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentags im vergangenen Jahr in Bremen war. »Die Schlosskirche ist nicht irgendeine Kirche, sondern die Kirche, von der die Reformation ausging«, begründete Oetker das Engagement des Vereins.

Derzeit befinden sich Schloss und Schlosskirche im Besitz der Stadt Wittenberg beziehungsweise des Landes Sachsen-Anhalt. Nach einer auch mit Bundes-, Landes- und EU-Mitteln finanzierten Sanierung, die nach Angaben des Direktors der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Stefan Rhein, »30 Millionen Euro plus X« kosten wird, sollen die Gebäude in den Besitz der EKD übergehen. Im Schloss könnte ein kirchliches Besucherzentrum entstehen, außerdem sollen dort das Wittenberger Predigerseminar, das Zentrum für Evangelische Predigtkultur sowie eine Forschungsbibliothek zur Reformationsgeschichte untergebracht werden. »Wir erleben derzeit die Entdeckung Wittenbergs durch die EKD«, sagte Rhein. Es bleibe eine gewaltige bauliche Aufgabe, Schloss und Schlosskirche pünktlich zum Reformationsjubiläum am 31. Oktober 2017 fertigzustellen.

Auch der ehemalige ungarische Botschafter in der Bundesrepublik, Gergely Pröhle, erinnerte an die Rolle der Wittenberger Schlosskirche in der Reformation. Eine gemeinschaftliche Spendensammlung zu ihrem Erhalt könne dazu beitragen, dass sich Lutheraner überall auf der Welt wieder ihrer Ursprünge besinnen. Konkrete Pläne für die Umsetzung der Spendensammlung hat der »Freundeskreis Luther« nach Angaben Oetkers derzeit allerdings noch nicht.

Benjamin Lasssiwe