Vorerst kein Nachfolger in Sicht

24. Juli 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Traditionspflege: Zum 26. Mal verantwortet Gottfried Preller den Thüringer Orgelsommer

Jetzt, in der zweiten Julihälfte, muss der Thüringer Orgelsommer ohne Gottfried Preller auskommen. Urlaub. Das muss sein, nach Monaten der Vorbereitung und bereits zwei Wochen Konzertbetrieb mit Gastspielen kreuz und quer im Freistaat. Eine Auszeit mitten im Dauertrubel, die zuvor beim Durchhalten eine schöne Aussicht bot. Denn der 69-Jährige ist noch immer das, was er gar nicht mehr sein wollte: für alles hauptverantwortlich. Er ist der künstlerische und organisatorische Leiter der landesweiten Konzertreihe, die kurz nach der Wende aus dem von ihm initiierten Arnstädter Orgelsommer hervorging. Und er ist der Präsident des Trägervereins, des Thüringer Orgelsommer e.V.

Natürlich gibt es Helfer. Sehr viele sogar in den Juliwochen, die Sorge tragen für das Gelingen der Veranstaltungen. Die Karten verkaufen, Programme verteilen, hinterher auch wieder aufräumen. In diesem Jahr sind sie bei 55 Konzerten im Einsatz, was einen Spitzenwert darstellt. Die hohe Zahl lässt sich leicht erklären: In mehreren Kirchen wurden jüngst Restaurierungsprojekte abgeschlossen, hier sollten die Orgeln unbedingt wieder in Konzerten zu hören sein. Das ist schließlich das Anliegen der Reihe. Sie will aufmerksam machen auf die kostbaren, teils jahrhundertealten Instrumente überall im Land – auf ihre Klangschönheit oder ihren Jammerzustand.

Gottfried Preller mit dem Programmheft der Konzertreihe. Foto: Susann Winkel

Gottfried Preller mit dem Programmheft der Konzertreihe. Foto: Susann Winkel

Die zahlreichen Mitstreiter und die akribische Aufgabenverteilung und Planung der vergangenen Monate erlauben es, dass Gottfried Preller und seine Frau Annette doch wegfahren können. Obwohl sich noch immer kein Nachfolger gefunden hat. Zumindest keiner, der leidenschaftlich – oder verrückt – genug ist, die Leitung des Thüringer Orgelsommers in jenem ehrenamtlich-unbezahlten Umfang zu übernehmen, wie ihn Gottfried Preller seit einem Vierteljahrhundert stemmt. Dabei wollte der frühere Kirchenmusikdirektor, Bachkirchen-Kantor und Orgelsachverständige nach dem Jubiläumssommer 2016 eigentlich auch als Privatmann seinen Ruhestand beginnen. Nicht zuletzt, weil es die Rücksicht auf seine Gesundheit fordert.

Doch das Loslassen von Verantwortung muss vorerst verschoben werden. Der 69-Jährige kümmert sich weiter, so, wie er es seit 26 Jahren tut. Das ist vorübergehend eine Lösung und zugleich Teil des Dilemmas. »Ich dominiere den Laden«, sagt er mit einer Mischung aus Selbstbewusstsein und Selbstkritik. Immerhin gäbe es »den Laden« ohne ihn ja auch nicht und keiner kennt sich darin so gut aus wie Gottfried Preller. An die 2 000 Konzerte gab es schon im Thüringer Orgelsommer, deshalb weiß er, wo in der Rhön besonders viele Zuhörer kommen und in welcher Dorfkirche die Logistik knifflig zu lösen ist. Gibt es ein Problem, dann weiß er, wie es anzupacken ist, ohne großes Gerede.

Die Konzertreihe, ist sich Gottfried Preller sicher, kann auch künftig nur von einer Führungsperson geleitet werden. Einer muss das Sagen haben und die Verantwortung, aber er muss auch delegieren können – an weitere Ehrenamtliche. Anders als etwa die Thüringer Bachwochen hat der Thüringer Orgelsommer kein Budget, das es erlauben würde, für die Organisation, das Einwerben von Mitteln oder die Bewerbung der Reihe Mitarbeiter einzustellen. Was bei um die fünfzig Konzerten pro Jahrgang eigentlich vonnöten wäre. Es ist eben ein wirklich großer »Laden«, den Gottfried Preller da führt, mit viel Liebe und auch Selbstaufopferung, wie er sagt. Der Abschied in den Ruhestand ist jedenfalls erst einmal vertagt.

Susann Winkel

Noch bis zum 30. Juli präsentiert der Thüringer Orgelsommer Konzerte in Kirchen sowie open air.
www.orgelsommer.de

Geschenk jüdischer Tradition an den christlichen Gottesdienst

10. Juni 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Comments Off

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!

Jesaja 6, Vers 3

Manchmal beginnt es fulminant, das Dreimalheilig, mit Pauken und Trompeten, strahlender Höhepunkt eines großen Werkes der Kirchenmusik. Manchmal baut es sich zart auf. Da ist dann nur die einfache Melodie, die ich sonntags beim Abendmahl mitsinge, begleitet oder unbegleitet: Heilig, heilig, heilig ist Gott … Mich berühren diese Klänge jedes Mal tief, ob sie nun kunstvoll oder schlicht ausgeführt werden. Es ist, als öffneten sich verborgene Tore, als würden Erde und Himmel durchlässig füreinander: Sie sind seiner Ehre voll. Das höre ich, das fühle ich, in und mit der Musik. Und ich staune. Nicht nur Himmel und Erde verbinden sich, sondern geheimnisvoll mischen sich die Stimmen der Toten in die der Lebenden: »Wir preisen dich mit allen, die uns vorausgegangen sind, und singen das Lob deiner Herrlichkeit.« Was für ein Trost. Es ist nicht nur wie im Himmel. Ich bin im Himmel – für dieses eine Lied. Frieden breitet sich aus. Denn wer staunt, kann nicht zerstören.

Dr. Hanna Kasparick, Direktorin des Ev. Predigerseminars in Wittenberg

Dr. Hanna Kasparick, Direktorin des Ev. Predigerseminars in Wittenberg

Dieses Lied mit seiner Melodie und seinem Text ist ein großes Geschenk der jüdischen Tradition an den christlichen Gottesdienst. Oder genauer: Mit diesem Lied werden wir eingepfropft in die Gotteserfahrung Israels. Die meist in unserem Gottesdienst gesungene Melodie geht über verschiedene Formen auf einen jüdischen Ursprung zurück. Und mit dem Text werden wir hineingenommen in die Berufungsvision des Propheten Jesaja: »Jesaja, dem Propheten das geschah, dass er im Geist den Herren sitzen sah, auf einem hohen Thron …« Und der ganze Thronsaal ist erfüllt vom Gesang der Himmlischen: Heilig, heilig, heilig …

Staunen will ich auch weiter. Und dabei ehrlich bleiben. Am Sonntag Trinitatis wird mir dieser Wochenspruch zu einer Anregung, dem Geheimnis Gottes nachzuspüren. Der dreimal heilige Gott kommt mir dreifach nah, als Vater, Sohn und Geist. Aber ich will nicht vergessen, wo dieser Satz seinen Ursprung hat, und dafür deutlich »Danke!« sagen. Für dieses Lied aus jüdischer Tradition, mit dem auch ich leben und sterben kann.

Dr. Hanna Kasparick, Direktorin des Ev. Predigerseminars in Wittenberg

Advent to go?

14. Dezember 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

Comments Off

Brauchtum: Rituale in der Advents- und Weihnachtszeit einst und jetzt

Den Tannenbaum, die Geschenke und Zeit mit der Familie, das verbinden die meisten Menschen mit der Advents- und Weihnachtszeit. Der Kirchgang ist dabei nur halb so wichtig wie die heimische Gemütlichkeit.

Den »echten« Nikolaus, jetzt versandkostenfrei bestellen, empfiehlt ein kirchlicher Anbieter. Und weiter heißt es: »Unser Nikolaus ist der kirchliche Heilige im Bischofsgewand, mit Mitra und Bischofsstab.« Der Schokoladenmann wirbt für die Aktion »Weihnachtsmannfreie Zone« zugunsten des chBlick-50-2015ristlichen Kinderhospizdienstes in Halle – und wird dem Heer der Spaß- und Phantasie-Nikoläuse entgegengestellt. Es ist ein einsamer, zahlenmäßig verlorener Kampf. Den Trend konnte ich als Anwohnerin am Jenaer Weihnachtsmarkt seit 1998 beobachten: Stände mit Advents- und Weihnachtswaren, einst im Zentrum um Tannenbaum und Krippe, sind verdrängt von Glühwein und Partystimmung. Man trifft sich am Bistrotisch, im Hintergrund stimmungsvolle Musik. Traditionell Weihnachtliches findet in der Mitte kaum mehr Platz. Angeheiterte Nikoläuse überall. Und immer wieder die Frage von Studierenden: ob es denn stimme, dass CocaCola den Weihnachtsmann erfunden habe.

Echt, unecht, richtig, falsch – gibt es das, eigene, »urtümliche« Traditionen? Hinter solchen Fragen an die Brauchforschung stecken oft »Schiedsgerichts-Wünsche«: dass es die eine, eindeutig klare, wahre Antwort und damit »das Brauchtum« gäbe: möglichst uralt, germanisch-heidnisch, vorchristlich; die Bilder in den Köpfen und Medien sind nicht zu tilgen. Die Brauchgeschichte liefert jedoch solche Zuschreibungen nicht. Denn Wege und Formen der Bräuche sind komplex und verworren, Brauchschichten und -stränge verschlungen und vermengt, oft überlagert und so dicht miteinander »verbacken«, dass Ursprung und Kern sich von »Beimischungen« kaum mehr trennen lassen. Im Bild ausgedrückt: Bräuche sind stets ein Amalgam, Brauchforschung muss wie bei einer Zwiebel die Häute sanft ablösen.

Der echte Nikolaus mit Mitra und Bischofsstab kann sich heute nur schwer gegen Phantasie-Weihnachtsmänner durchsetzen. Foto: Vivat

Der echte Nikolaus mit Mitra und Bischofsstab kann sich heute nur schwer gegen Phantasie-Weihnachtsmänner durchsetzen. Foto: Vivat

Advents- und Weihnachtsbräuche sind dafür bestes Beispiel. Denn die Frage »regionaltypisch – uralt?« ist rasch beantwortet. Definitiv nicht alt sind die »althergebrachten« Brauchelemente Adventskranz und Adventskalender. Erst im 20. Jahrhundert fanden sie – regional, konfessionell, sozial – allgemeine Verbreitung. In den Blick zu nehmen ist freilich immer die »Weihnachtszeit« – das heißt, nach altkirchlichem Kalender, Martini bis Lichtmeß. Die Zeit bis Weihnachten war stille und lärmende Zeit in einem: festlose Fastenzeit, daher an Martini das Schlachten und Feiern; danach die Zeit der vorweihnachtlichen Enthaltsamkeit (»7 Wochen fasten, kein Sex!« stöhnten meine Studierenden). Laut und wild waren hingegen nächtliche Umzüge, jungen Leuten erlaubt an regional unterschiedlichen Terminen: nach Martini oder am Nikolaustag, mit Knecht Ruprecht als wüstem Begleiter des Heiligen; Teufel, Perchten und Kläuse im Alpenraum erinnern heute noch daran. Kinderbräuche, bis in die DDR-Zeit etwa in Jena bekannt, gab es am Andreastag (30. 11.) oder am Thomastag (21. 12.).

Advent und Weihnacht war seit dem 4. Jahrhundert eine kirchliche Festzeit. Erst seit dem 18. Jahrhundert wandelte es sich zum trauten Familienfest der »stillen deutschen Weihnacht«. Das Bild aus dem Jahre 1843 »Luther mit seiner Familie am Christabend 1536 zu Wittenberg« (Luther mit der Laute, Katharina und die Kinder um den Baum gruppiert, Melanchthon als Gast) ist idyllisch, populär und weitverbreitet – aber nicht stimmig. Christbäume gab es in dieser Zeit nur vereinzelt an den Höfen, beim Adel, langsam erst im Bürgertum. Im Volk und auf dem Lande wird berichtet von Bäumchen als »Weihnachtsmaien«, sie hingen von der Decke in engen Stuben, die in Waldgegenden zugleich Heimarbeiterwerkstatt für die ganze Familie waren. Deren Produkte, Holz- und Glaswaren, Krippen, Engel wurden seit dem 19. Jahrhundert – oft als Hilfe aus der Armut, als Beschäftigungsprogramme begonnen – zur »heimischen Volkskunst«, zum Sinnbild kirchlicher, dörflicher und häuslicher Festzeit, die Glanz und Licht in winterlich dunkle und karge Welten brachte.

Foto: eyetronic – Fotolia.com

Foto: eyetronic – Fotolia.com

»Adventsbaum«, Adventskranz und Lichterkrone haben eine spannend-verschränkte Geschichte, die erst jüngst zutage kam. Die Papierforscherin Sigrid Nagy fand im Berliner Volkskundemuseum »in Weinblattform gestanzte Papieranhänger«, darauf Bibelsprüche mit Prophezeiungen. Die Spuren führten zu Johann Hinrich Wichern ins Rauhe Haus, wo seit 1838 täglich im Advent an Kronleuchtern, mit Tannengrün geschmückt, eine Kerze entzündet und ein Bibeltext gelesen wurde; später waren es vier große Kerzen für die Adventssonntage. 1846 ist erstmals die Rede von einem »Adventsbaum« im Rettungshaus für Knaben in Duisburg, geleitet von Theodor Fliedner. Diakonissenmutterhäuser, Brüderhäuser der Inneren Mission und ihre Netzwerke verbreiteten den neuen Brauch in Mittel- und Norddeutschland, auch in wechselnden Brauchformen: Adventsbrücken, -kronen und -pforten sind belegt. Krippen, Papier- und hinterleuchtete Transparentkrippen finden sich vor 1900 schon auf evangelischen Altären, ein erster Krippenverein ist 1879 im Erzgebirge belegt. Solch neue Blicke auf Brauchwanderungen und auf »Fund und Erfindung« korrigieren alte Thesen wie »Krippe = katholisch, Adventskranz und Christbaum = evangelisch«. Zwischen den Weltkriegen vermittelten »Kunstdienste« der Landeskirchen in Thüringen, Sachsen und Berlin-Brandenburg Künstlerkrippen an die Gemeinden, schufen neue Orte und Rituale.

Heute kommen Innovationen, auch die Brauch-Neuerungen, aus dem Internet. Adventskalender und Losungen sind abrufbar, global, handlich, mobil der Begleitengel für unterwegs, »Weihnachtsbaum für die Hosentasche«, Adventsleuchter im Futteral, »Minikrippe in der Streichholzschachtel«. Mein neuer Adventsbrauch, ein Geschenk, passt gut zum »SMS-Adventskalender«. Er steckt in einem grünen Blechbüchschen und heißt »Advent to go. Der Adventskranz für unterwegs«. Ähnlich das Geschenk, das mir dieselbe Geberin machte: »Bibelpillen. Himmlische Medizin. Gute-Laune-Pillen, täglich 1 bis 2 zu nehmen«. Es sind 50 grüne runde Bibelspruchblättchen. Man könnte sie gut an den vergessenen Adventsbaum hängen.

Christel Köhle-Hezinger

Die Autorin lehrt Volkskunde an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und war EKM-Synodale.

Tradition und Moderne

24. Mai 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Comments Off

Magdeburg: Reformierte Gemeinde bezieht Neubau im gotischen Kirchenschiff

Endlich eine eigene Küche! Klingt profan und könnte der Stoßseufzer eines jungen Paares sein. Doch so freuen sich Mitglieder der Reformierten Gemeinde Magdeburg, die nach 40 Jahren am Pfingstmontag »nach Hause« kommt. Am 25. Mai nimmt sie mit einem Gottesdienst den Neubau im Langhaus der Wallonerkirche in Dienst.

Andreas Lindemann, Thomas Böttcher, Andreas Böttcher und Uwe Thal, alles Mitglieder des Presbyteriums der Reformierten Gemeinde, sowie Pfarrer Helge Hoffmann (von li.) freuen sich über das neue Gemeindezentrum. Foto: Viktoria Kühne

Andreas Lindemann, Thomas Böttcher, Andreas Böttcher und Uwe Thal, alles Mitglieder des Presbyteriums der Reformierten Gemeinde, sowie Pfarrer Helge Hoffmann (von li.) freuen sich über das neue Gemeindezentrum. Foto: Viktoria Kühne

Die gotische Hallenkirche des ehemaligen Augustinerklosters gehört der Reformierten Gemeinde, doch nutzte sie bislang ziemlich versteckt liegende Räume der Altstadtgemeinde auf demselben Grundstück. Gottesdienst feierten die heute etwa 150 Gemeindeglieder aus Magdeburg und Umgebung in einer kleinen gotischen Kapelle. Barrierefrei sind all die bisherigen Räume nicht, doch waren sie seinerzeit die beste Lösung. Inzwischen wünschten sich viele Gemeindeglieder andere Voraussetzungen, um sich versammeln und Gottesdienst feiern zu können, um das Café Wallonie zu genießen, ohne die Gastfreundschaft und Küche der Altstadtgemeinde in Anspruch zu nehmen. Die Idee wurde geboren, in der eigenen Kirche ein Gemeindehaus zu bauen, barrierefrei, groß genug und leicht zu finden. Steinblock-Architekten aus Magdeburg realisierten das Vorhaben mit großen Glasflächen für Ein- und Ausblicke ins Kirchenschiff.

Das Vorhaben ist sichtbarer Ausdruck der Gemeindeentwicklung. »Baubegleitend haben wir uns in einem Gemeinde-Entwicklungsprojekt verständigt, wer wir sind und sein wollen. Wir wollen nach außen wirken und sichtbar werden und zu Veranstaltungen einladen«, berichtet Pfarrer Helge Hoffmann. Der Neubau eröffne dafür neue Möglichkeiten, die gleich mit einer Festwoche ausprobiert werden.

Nachbarschaft pflegen

Deren Programm steht für die Pläne der Gemeinde. So gehört die Indienstnahme des Neubaus zum Kirchenkreisfest des Reformierten Kirchenkreises (25. 5., 11.30 Uhr). Ein Café Wallonie extra lädt am 27. Mai ein, ehe am Abend die Lautten Compagney mit »Handel with Care« im Langhaus auftritt (19.30 Uhr). Und wer sich an den schlichten, ja kargen Wänden des Gemeindehauses stört, durch dessen große Fenster allerdings die majestätische Wallonerkirche zu sehen ist, kann sich am 28. Mai von Pfarrer Martin Filitz über reformierte Kirchenräume informieren lassen (19.30 Uhr). Eine digitale Hoffrichter-Orgel steht im Saal des Gemeindehauses; hier wird Domkantor Barry Jordan am 29. Mai spielen (17 Uhr). Ein Abendmahlsgottesdienst beschließt am 31. Mai die Festwoche (11 Uhr).

Natürlich gab es Skeptiker und Gegner des Projekts. In der eigenen wie in der Altstadtgemeinde, mit der die Nutzung der Räumlichkeiten neu verhandelt werden mussten. Die meisten Kritiken sind angesichts des Neubaus verstummt. Und auch wenn die Reformierten nicht mehr die Küche mitnutzen müssen, »die Nachbarschaft pflegen wir weiter, sie entwickelt sich recht gut«, sagt Thomas Böttcher, Vorsitzender des Presbyteriums. Und meint damit sowohl die Synergieeffekte der Nachbarschaft als auch das Zwischenmenschliche.

Es gab Vorbehalte, wegen des demografischen Wandels und schwindender Bindung an die Kirche, den Neubau zu wagen, erinnern sich Pfarrer Hoffmann und Böttcher lebhaft. »Uns hat das Martinszentrum in Bernburg Mut gemacht, Neues zu wagen. Vielleicht machen wir ja auch anderen Mut«, ist Hoffmann zuversichtlich. Finanziert hat die Gemeinde das 550 000 Euro teure Vorhaben mit Hilfe der EKM aus dem Altvermögen der Kirchenprovinz, des Kirchenkreises Magdeburg und durch Spenden. »Unser Spenden-Ziel haben wir gut zur Hälfte erreicht und freuen uns über weitere Zuwendungen«, sagt Thomas Böttcher, der fast täglich auf der Baustelle war und nach dem Rechten sah.

Bereits am 17. Mai nahm die Gemeinde Abschied von ihren bisherigen Räumen. »Der Abschied von der gotischen Kapelle fällt schwer, ansonsten spüre ich in der Gemeinde keinen Abschiedsschmerz«, sagt Pfarrer Hoffmann. »Wir kommen nach Hause in unsere Kirche.«

Renate Wähnelt

Gottesdienstbeginn am 25. Mai: 14 Uhr

www.ekmd-reformiert.de