Wild beten und fromm tanzen

17. Juni 2018 von redaktionguh  
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Evangelisches Jugendfestival »Kannste glauben« vom 22. bis 24. Juni in Volkenroda

Im Flur des Kinder- und Jugendpfarramtes in Magdeburg hängt an einem Holzbalken ein Tippschein: 402, 520, 453 und andere Zahlen. Wir sind zwar nicht unter die Zocker gegangen, aber wir tippen, wieviel Jugendliche zum Evangelischen Jugendfestival ins Kloster Volkenroda kommen werden. Ich habe optimistisch 679 geschätzt. Etwa 450 Meldungen liegen uns schon vor.

Das zeigt ein wenig die Herausforderungen heutiger Jugendveranstaltungen. Langfristige Zusagen sind schwer zu bekommen. Die Welt ist schneller geworden, gerade die Jugendwelt. Lange Anmeldevorläufe widersprechen den Möglichkeiten der Sofortkommunikation. Binnen Sekunden können sich die Jugendlichen über WhatsApp & Co verabreden: »Morgen Festival. 40 Euro. 3 Musikbühnen. Zelt mitbringen! Kommste?« Darin steckt natürlich die Chance, dass sich einige noch spontan entscheiden. Letztes Mal waren über 700 Jugendliche dabei.

Volles Programm: An drei Tagen gibt es unter anderem Grenzerfahrungen in luftiger Höhe, einen Vaterunser-Gebetsparcours oder praktische Tipps, wie man den Glauben im Schulalltag leben kann. – Foto: Matthias Sengewald

Volles Programm: An drei Tagen gibt es unter anderem Grenzerfahrungen in luftiger Höhe, einen Vaterunser-Gebetsparcours oder praktische Tipps, wie man den Glauben im Schulalltag leben kann. – Foto: Matthias Sengewald

Ergraute Ex-Jugendliche denken jetzt zurück an alte Zeiten: Landesjugendsonntage und Petersbergtreffen – das waren noch Massen! Tausende. Ohne Smartphone, dafür Ormig-Abzüge: »Nur zum innerkirchlichen Dienstgebrauch.« Die Zeiten sind anders geworden, das wissen wir alle. Nicht so genau wissen wir, wie wir darauf reagieren sollen. Man fährt nicht etwa zum Evangelischen Jugendfestival, weil das für junge Christen der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) eben dazugehört. Man fährt dorthin, wo es Spaß macht, wo man Freunde trifft, wo es cool ist. Gute Musik, nette Leute, kein Stress. Kirche kann – muss nicht sein.

Und dann soll’s ja auch evangelisch zugehen. Jugendliche aus den Jungen Gemeinden der EKM, aus Anhalt und von den Jugendverbänden wie dem Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM), Entschieden für Christus (EC), Pfadfinder (VCP), die sich unter dem Dach des Bundes evangelische Jugend in Mitteldeutschland zusammenfinden, fühlen sich für das Festival verantwortlich. Eine tolle Gelegenheit trotz aller Unterschiedlichkeit miteinander was auf die Beine zu stellen.

Genau das macht das Festival aus. Leute mit unterschiedlicher Frömmigkeit feiern gemeinsam. Das ist Herausforderung und Bereicherung zugleich. Da ist Sarah, die selbstverständlich über vielerlei Geschlechtlichkeit in der Schöpfung streitet und Tim, der das deutlich in Frage stellt. Und beide sind Christen. Die können streiten und dann auch miteinander tanzen. Denn es gibt Hip-Hop von »2schneidig«, christliche Lobpreisbands, Punk-Rock und Blues sowie Jugendbands mit tollem handgemachtem Sound. Und damit auch Körper und Seele aktiv dabei sind, gibt’s den Songwriter-Workshop, Glasritzkurse und Infos über Jugendarbeit in Kolumbien. Man kann sich als Poetry-Slammer probieren, Jugendlichen aus Polen, Schweden und der Slowakei begegnen. Eine Gruppe geflüchteter Jugendlicher ist auch dabei. Auf dem Programm stehen Impro-Theater, politische Diskussion, Gespräche über Gott und das Leid. Fröhlich wird es beim Lach-Yoga und in der Silent-Disco. Es wird fromm gebetet und wild getanzt. Und auch wild gebetet und fromm getanzt.

Vieles ist möglich im Kloster Volkenroda. Unter dem Motto »Kannste glauben!« wird von der Eröffnung am Freitagabend bis zum Abschlussgottesdienst am Sonntag ein abwechslungsreiches Programm geboten. Schon am Mittwoch, 22. Juni, kommen etwa 60 Jugendliche zum Vor-Camp. Da werden Zelte aufgebaut und das Moderieren trainiert, Beleuchtung und Tontechnik installiert, Abläufe besprochen, Teams eingeteilt und Andachten gehalten. Damit alles gut wird. Ja, ich bin optimistisch, dass ich spontan doch noch gewinne mit meinem Tipp. Denn es lohnt sich.

Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer der EKM

www.evangelischesjugendfestival.de

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Nicht gegeneinander feiern

3. April 2017 von redaktionguh  
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Ökumenischer Versöhnungsgottesdienst in Volkenroda

Katholische und evangelische Christen vor allem aus Thüringen haben am Sonntag im Kloster Volkenroda bei Mühlhausen einen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst gefeiert. Vor dem Hintergrund des 500. Reformationsjubiläums stellten die Bischöfe des katholischen Bistums Erfurt, Ulrich Neymeyr, und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, in ihren Predigten das Verbindende zwischen beiden Konfessionen heraus. Der Gottesdienst war Teil des sogenannten »Healing of Memories«-Prozesses (»Heilung der Erinnerung«), mit dem beide Kirchen gemeinsam Wege der Versöhnung gehen möchten.

 Gemeinsam:  Landesbischöfin Ilse Junkermann (rechts) und Erfurts katho­lischer Bischof Ulrich Neymeyr. Foto: Sascha Wilms

Gemeinsam: Landesbischöfin Ilse Junkermann (rechts) und Erfurts katho­lischer Bischof Ulrich Neymeyr. Foto: Sascha Wilms

In der Vergangenheit hätten die Feiern der Reformation die Gräben zwischen den Konfessionen eher vertieft, sagte Landesbischöfin Junkermann. »Wir feiern es in diesem Jahr nicht gegeneinander, Gott sei Dank!« Es sei das besondere Glück des 500. Reformationsjubiläums, »dass wir es als Christusfest feiern«.

Beide Kirchen stünden im Dienst der Versöhnung, unterstrich Junkermann. Gemeinsam stellten sie sich »klar gegen alle Angstmacherei vor Fremden, auch vor einer anderen Religion, gegen Vereinfachungen und Rückfall in Nationalismen«. Sie setzten sich ein für den Vorrang des Zivilen vor dem Militärischen, für Schlichten und Vermitteln.

Bischof Neymeyr sagte, inzwischen könnten evangelische und katholische Christen beim Gedenken an den Beginn der Reformation 1517 auch gemeinsam die schwierigen und bedauerlichen Ereignisse und Entwicklungen der Geschichte vor Gott tragen. Der Erfurter katholische Bischof ging in seiner Predigt auch auf den Ort des Gottesdienstes ein, die Klosterkirche Volkenroda. Sie stehe beispielhaft für den Niedergang eines äußerst vielfältigen klösterlichen Lebens in Thüringen – und seiner Wiedergeburt.

Neymeyr erinnerte an die 23 Ordensgemeinschaften mit ihren 206 Klöstern, die es in Thüringen zu ihren Blütezeiten gegeben habe. Die Gründe für ihren Untergang seien »natürlich nicht nur bei der Reformation zu suchen«, sagte er. Manche der Klöster hätten auch »ihre geistliche Lebendigkeit verloren«.

Zurzeit gebe es wieder 28 Klöster und Ordensniederlassungen im Land. Das Kloster Volkenroda sei heute durch die Präsenz und das Wirken der Jesus-Bruderschaft ein Ort des Aufbruchs und der Hoffnung aus dem Geist des Evangeliums und der Ökumene. »Es ist ein guter Ort, um dort gemeinsam einen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst zu feiern«, betonte der Bischof.

(epd)

Zur Klassenfahrt ins Kloster

30. Januar 2017 von redaktionguh  
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Das Jugendbildungszentrum Volkenroda im Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen bietet Themenbausteine für Kinder und Jugendliche an.

Was kann meine siebte Klasse drei Tage im Kloster tun?« Anfragen dieser Art erreichen Anne-Sophie Dessouroux, die Jugendreferentin am Europäischen Jugendbildungszentrum in Volkenroda, häufiger. Daraus entstand die Idee, konkrete Themenbausteine für Kinder und Jugendliche zu entwickeln.

»Zunächst haben wir überlegt, was denn unser Alleinstellungsmerkmal ist: Es ist das Kloster mit seiner Geschichte und die herrliche Umgebung«, beschreibt Dessouroux die Ausgangspunkte der Bildungsangebote. Vier Schwerpunkte haben sich daraus entwickelt – Auszeit, Schöpfung, Gemeinschaft, Sinnsuche.

Im Baustein »Kloster – Ort der Auszeit« können Kinder auf die »Zeitreise Minimönch« gehen. Mit einer Geschichte werden die Kinder zunächst in die Gedankenwelt mittelalterlicher Klöster entführt. Anschließend schlüpfen die Kinder selbst in eine Kutte und erkunden das Kloster in kleinen Gruppen. Dabei geht es nicht nur ums Hören, sondern auch ums Ausprobieren – so werden Wollfäden gesponnen, Briefe mit alter Feder geschrieben und anschließend mit heißem Wachs gesiegelt, Tiere gefüttert, Speckstein bearbeitet oder gepilgert.

Als Minimönche können Kinder im Kloster Volkenroda auf Zeitreise gehen. Foto: Frank Freudenberg

Als Minimönche können Kinder im Kloster Volkenroda auf Zeitreise gehen. Foto: Frank Freudenberg

Jugendliche erleben zum Thema Auszeit eine interaktive Klosterführung. Sie erfahren einiges zur Geschichte des Klosters, erobern die Räume aber auch für sich selbst. Sie machen Fotoaktionen oder suchen sich eine der medita­tiven Kammern im Christus-Pavillon aus und kommen dort ins Gespräch.Im Themenbereich »Kloster – Ort der Schöpfung und Umweltbildung« geht es hinaus in die Natur. Kinder erkunden, was es zwischen Burgwall und 1 000-jähriger Eiche zu entdecken gibt. Die Jugendlichen machen sich beim Geocaching auf die Suche nach versteckten Schätzen.

Das Thema »Kloster – Ort der Gemeinschaft« wirft die Frage auf: Wie funktionieren wir als Gruppe? Kinder schlüpfen dazu in Kostüme und spielen Theater oder sie gestalten gemeinsam etwas mit Holz. Jugendlichen wird schnell deutlich, dass der Einzelne, so gut er auch ist, das Spiel nicht gewinnen kann. Nur, wenn sich die Mannschaft gemeinsam eine Taktik ausdenkt und alle Mitspieler ihre Fähigkeiten einbringen, dann klappt es mit dem Sieg. In einer Gesprächsrunde wird besprochen, wie die Gruppe funktioniert hat.

Der Themenschwerpunkt »Kloster – Ort der Sinnsuche« richtet sich mit seinen Angeboten sowohl an diejenigen, die im Bereich Spiritualität bereits Erfahrungen haben als auch an die, die dem Thema bisher skeptisch gegenüberstanden. Kinder erleben Stille in der Klosterkirche oder sie empfinden eine biblische Geschichte nach. Jugendliche tauschen sich im »World Café« in kleinen Gruppen über Themen wie Freundschaft oder Liebe aus oder sie gehen der Frage nach, ob die Bibel auch heute ein Wegweiser ist.

Eine anschauliche Broschüre, die auch digital einsehbar ist, stellt die Bausteine übersichtlich vor. Dort finden sich auch Komplettpakete, die individuell angepasst werden können. »Es ist eine Erleichterung für Lehrer und Gemeindepädagogen, aus einem überschaubaren Angebot auszuwählen. Und wir müssen nicht bei jeder Gruppe das Rad neu erfinden«, so Dessouroux über das Konzept.

Katharina Freudenberg

www.kloster-volkenroda.de

Gebet und Stärkung

26. August 2014 von redaktionguh  
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500 chaldäische Christen bei Jugendkongress im Kloster Volkenroda

Abwun d´bwaschmaya ist Aramäisch und heißt »Vater unser im Himmel«. Vom 11. bis 16. August treffen sich jeden Abend 500 chaldäische Christen in einem Zelt oder im Christus-Pavillon, um dieses Gebet zu sprechen und Gottesdienst zu halten. Die jungen Frauen und Männer sind zum chaldäischen Jugendkongress ins Kloster Volkenroda (Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen) gekommen. Es ist die zweite derartige Zusammenkunft der jungen Chaldäer, deren Heimatland der Irak ist. Vor zwei Jahren trafen sie sich das erste Mal im Kloster Benediktbeuern in Oberbayern. In diesem Jahr kommen sie aus Holland, Frankreich, Belgien, England, Schweden, Österreich und Dänemark und aus den chaldäischen Gemeinden in Stuttgart, München und Essen. Younia Hilbert, Subdiakonin in der chaldäischen Gemeinde in Stuttgart, hilft, wo sie kann, als Dolmetscherin. Die Irakerin lebt seit 28 Jahren in Deutschland. Sie erzählt, dass die Jugendlichen eine ganze Woche lang im Kloster verbringen, um gemeinsam zu beten, thematisch zu arbeiten und aktuelle Themen zu besprechen. Die jungen Leute hatten zunächst Schwierigkeiten mit der Kultur und den fremden Sprachen in Europa. »Heute sind die meisten sehr gut integriert«, so Hilbert. Unter den Kongressteilnehmern sind auch zwölf Pfarrer, mehrere Diakone und Bischof Ramzi Garmo. Der Geistliche, der seit 37 Jahren seinen Bischofssitz in der iranischen Hauptstadt Teheran hat, ist der apostolische Visitator für die Chaldäer in Europa.

Die jungen chaldäischen Christen und ihre Pfarrer fühlen sich wohl im Kloster Volkenroda. Fotos (2): Gregor Mühlhaus

Die jungen chaldäischen Christen und ihre Pfarrer fühlen sich wohl im Kloster Volkenroda. Fotos (2): Gregor Mühlhaus

Der höchste Würdenträger der chaldäischen Christen weltweit, Patriarch Luis Raphael I. Sako, ist im Irak geblieben. »Wegen der unbeschreiblich entsetzlichen Situation im Norden des Landes«, wie Younia Hilbert sagt. Er will seinen Glaubensschwestern und -brüdern dort Mut machen und Hoffnung geben.

Und das hat seinen besonderen Grund. Seit Monaten gehen schwer bewaffnete radikale Fundamentalisten in der zweitgrößten irakischen Stadt Mossul brutal gegen Christen vor. »Die Islamisten, der IS (Islamischer Staat) haben schon mehr als 100 000 chaldäische Christen vertrieben«, sagt Hilbert. »In der Stadt Mossul herrscht wieder ein Kalif.« Die islamistischen Fundamentalisten geben den Christen in Mossul ein Ultimatum von zwölf Stunden, um zum Islam zu konvertieren. Dann könnten sie in ihrer Heimat bleiben. »Eine zweite Möglichkeit besteht darin«, erläutert Younia Hilbert, »dass sich die Christen bereit erklären, einen Tribut zu zahlen, eine Art Sondersteuer. Weigert man sich, auf eine der beiden Möglichkeiten einzugehen, wird man durch das Schwert geköpft.«

Sie erzählt von schrecklichen Fotos, auf denen die Fundamentalisten die Köpfe an Wänden aufgehängt hätten. »Der restliche Teil der Leiche wird hinter Autos hergezogen. Christen werden in den Augen des IS als Sünder angesehen.« Die Menschen, die auf der Flucht sind, haben alles verloren. Die Mütter und Väter haben nur ihre Kinder bei der Hand genommen und ohne Hab und Gut ihre Heimat verlassen. Im Irak ist im Moment Hochsommer. Dort sind es nicht selten 50 Grad im Schatten.

Madian Kabro wohnt heute in Nürnberg und hat noch viele Verwandte im Irak. »Meine Eltern sind aus Mossul geflüchtet. Ich telefoniere oft mit ihnen. Meine siebzehnjährige Schwester Mirna ist mit auf der Flucht. Sie wollte vor Kurzem ihr Abitur machen. Das ist nun aber nicht möglich«, denkt die junge Frau an die letzten Wochen, die, wie sie sagt, »so schwer sind«.

Rabee Jacob gehört auch zu den Teilnehmern des Kongresses. Er hat gerade in Freiburg sein Theologiestudium abgeschlossen. »Die Milizen des IS im Irak kennzeichnen die Häuser der chaldäischen Christen mit einem arabischen Zeichen, das dem deutschen Buchstaben N entspricht. Das N bedeutet Nazarener und steht für Jesus von Nazareth. Wenn solch ein Zeichen an einem Haus prangt, müssen sich die Bewohner in kürzester Zeit entscheiden.«

Das Gespräch endet vorerst, weil es Abendessen gibt. Fünfzehn Frauen haben es für die 500 Jugendlichen vorbereitet. Gekocht haben sie ein beliebtes irakisches Gericht: Biryani – Reis, Gemüse, Hühnchen, Nudeln und Hackfleisch, abgeschmeckt mit irakischen Gewürzen. Auf dem Freigelände des Klosters, auf dem sich alle zum Essen niederlassen, steht ein großes Holzkreuz. »Das Kreuz hat einen sehr hohen Stellenwert bei uns«, sagt Younia Hilbert. »Jede Braut bekommt vor der Verlobung von der Familie des Bräutigams ein goldenes Kreuz geschenkt.«

Am Mittwoch feiern die jungen Chaldäer einen Gottesdienst im Christus-Pavillon, den Diözesanjugendpfarrer Timo Gothe aus Erfurt mit drei weiteren Priestern leitet. Der Erfurter Geistliche zeigt sich bestürzt und besorgt ob der aktuellen Situation im Nordirak. Volkenroda sei in diesen Tagen ein Ort der Freude, der Hoffnung und des Lebens für die Jugendlichen, so Gothe.

Gregor Mühlhaus

Stichwort: Chaldäisch-katholische Kirche

Der Jünger Jesu und Apostel Thomas gilt als Missionar im Iran. Er begründete der Legende nach die chaldäische Kirche, die demzufolge eine 2 000 Jahre alte Tradition aufzuweisen hat.

Die chaldäische Kirche ist eine mit Rom unierte Ostkirche mit ostsyrischem Ritus. Bis heute ist Aramäisch, die Sprache Jesu, die Liturgiesprache.

Der chaldäisch-katholischen Kirche gehören etwa 3,5 Millionen Christen an (Stand 2010). Von den rund 200 Priestern wirken etwa die Hälfte im Irak, 20 betreuen die rund 160 000 katholischen Chaldäer in den USA. Etwa 18 000 leben in Frankreich.

Im ersten Jahrtausend waren die Christen die Mehrheit im Irak. Noch 2003 lebten hier 1, 5 Millionen Christen, 5 Prozent der Bevölkerung. Heute sind es nur noch 400 000.

Unzählige Christen sind momentan auf der Flucht vor der terroristischen IS-Miliz.


Mit Lampenfieber auf die Kanzel

11. August 2014 von redaktionguh  
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Lektoren trafen sich in Schlotheim zum Austausch und Feiern

Sich auf die Kanzel zu stellen und zu predigen erfordert Mut, zumindest für alle jene, die dafür nicht jahrelang studiert haben. Und trotzdem finden sich in unserer Landeskirche immer mehr Ehrenamtliche für diesen Dienst, die sich zu qualifizierten Lektoren oder zu Prädikanten ausbilden lassen.

Elke Sitz

Elke Sitz

Elke Sitz aus Sondershausen zum Beispiel gehört zu den zwölf Absolventen des ersten Lektorenkurses, den der Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen in Volkenroda voriges Jahr angeboten hatte. Die 66-Jährige hatte lange überlegt, wie sie die Frage ihres Pfarrers beantworten soll. »Mir war das so gewaltig. Aber dann habe ich daran gedacht, dass der Herr so viel für mich tut. Und Lesungen im Gottesdienst übernehme ich ja schon länger, also habe ich den nächsten Schritt getan«, sagt sie. Das Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen funktioniere gut. Die Lektoren eines Ortes unterstützen sich, teilen sich die Gestaltung von Gottesdiensten.

Sibylle Ortloff

Sibylle Ortloff

Sibylle Ortloff, ebenfalls aus Sondershausen, beschreibt: »Ein Lektor bereitet die Predigt vor, der andere übernimmt die Liturgie.« Eine gute Arbeitsteilung, findet die 50-Jährige. Für sie war das Angebot des Kurses der letzte Anstoß, die Lektorenausbildung zu absolvieren. »Meine Freundin macht das schon länger«, sagt sie, und der Gedanke, auf diese Weise ihren Glauben weiterzugeben, bewegte sie schon lange. In ihrer Gemeinde wechseln sich Pfarrer und Lektoren wöchentlich ab, sodass jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert werden kann.

Christiane  Wettstaedt

Christiane Wettstaedt

Einige der Absolventen des Kurses hatten sich Mitte Juli bei Christiane Wettstaedt in Schlotheim zum Sommerfest getroffen und tauschten ihre Erfahrungen aus. Die 66-jährige Hausherrin und Physiotherapeutin engagiert sich seit Kindesbeinen in der Kirche. »Ich konnte mit 14 Klavier spielen, da hat man mich einfach an die Orgel gesetzt.« Der Lektorenkurs in Volkenroda habe ihr viel gegeben, auch für ihren eigenen Glauben. Die Bibel habe sie schon immer interessiert und fasziniert. Es sei gut, nun etwas tiefer eingestiegen zu sein. Jetzt hält Christiane Wettstaedt Gottesdienste – trotz Lampenfieber. Die musikalische Begleitung hat sie nicht ganz aufgegeben, auch wenn sie die Orgel nur wie ein Klavier benutzen kann – ohne Pedal.

Später stoßen der Superintendent Kristóf Bálint und Pfarrer Reinhard Sübke zu der kleinen Runde in Christiane Wettstaedts großem Garten. Der nächste Lektorenkurs, so Bálint, sei in diesem Herbst geplant. Es gäbe schon mehr als zehn Anmeldungen, unter anderem auch aus dem Kirchenkreis Gotha. »Wir bieten die Kurse für alle an, nicht nur für unseren Kirchenkreis«, betont der Superintendent. Acht Sonnabende und ein Wochenende werden die Lektoren in Volkenroda geschult. Das sei eine gute Zeit gewesen, bestätigen alle Anwesenden. Vor allem hätten die Ruhe und Atmosphäre im Kloster beigetragen, in die geistliche Welt einzutauchen.

Bei aller Zufriedenheit der Ehrenamtlichen kann man heraushören, dass das eigentliche Ziel noch nicht erreicht ist: die Teamarbeit innerhalb eines Pfarrbereichs. In der Regel werden von Mal zu Mal die Gottesdienstvertretungen abgestimmt. Eine längere gemeinsame Planung und ein gutes Mentoring durch die Theologen im Amt haben sich noch nicht eingespielt. Die Resonanz von Gemeindemitgliedern jedoch macht den Ehrenamtlichen Mut, weiter öffentlich Gottes Wort zu verkündigen.

Der nächste Lektorenkurs beginnt am 13. September. Noch sind ein paar Plätze frei, sagt Kristóf Bálint. Näheres erfahren Interessierte auf der Internetseite. Zudem sind alle Prädikanten und Lektoren am 20. September zum Lektoren- und Prädikantentag der EKM »Verkündigen ist Glück!?« eingeladen. Anmeldung bis 1. September.

Dietlind Steinhöfel

www.suptur-bad-frankenhausen.de

www.gemeindedienst-ekm.de

Geistliches Leben im Kloster Zella

5. Februar 2013 von redaktionguh  
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Am 26. Januar wurde Willkommen gefeiert für die Brüder des Projektkonvents

Das einstige Benediktinerinnenkloster in Zella bei Mühlhausen wird wieder einen Orden beherbergen. Die Christusbruderschaft Selbitz (CCB) aus Bayern, die auch auf dem Petersberg bei Halle einen Sitz hat, siedelt sich mit einem Projektkonvent in dem Eichsfelder Kloster an. Dieser besteht aus dem Leiter, Bruder ­Lukas, und drei weiteren Männern. Am 26. Januar bezogen die Brüder ­feierlich ihr neues Domizil.

Dass der Ort der richtige ist, ergründete Bruder Lukas, denn er hat die Erfahrung gemacht, dass Männer oft nicht in einer Kommunität bleiben, obwohl sie eine Zeitlang mitgelebt haben. Er war den Gründen nachgegangen, holte sich Rat bei altbewährten Orden, den Benediktinern. Er bekam Anwort: »Das Einüben eines geistlichen Lebens geht nicht am Rande eines Gästebetriebes.« So suchte Bruder Lukas einen stillen Ort, um mit Männern im mittleren Lebensalter den Start ins klösterliche Leben auf ganz neue Weise zu wagen. Sieben haben ihr Interesse bekundet.

Bruder Lukas (links) mit den Brüdern des syrisch-orthodoxen Klosters St. Gabriel bei der Besichtigung des Raumes der Stille. Foto: Dirk Vogel

Bruder Lukas (links) mit den Brüdern des syrisch-orthodoxen Klosters St. Gabriel bei der Besichtigung des Raumes der Stille. Foto: Dirk Vogel

Die Suche nach dem geeigneten Ort führte über viele Stationen, die aus allerlei Gründen nicht infrage ­kamen. Dann, fast in letzter Minute, kam Kloster Zella im Kirchenkreis Mühlhausen ins Gespräch. Pfarrerin Magdalena Wohlfarth aus Kirchhei­lingen und Superintendent Andreas Piontek nahmen Kontakt zum Pfarrer von Kloster Zella, Dirk Vogel, auf. Nach der Besichtigung Ende September war sich Buder Lukas sicher: »Das ist es.« Schon zwei Wochen später zogen die ersten beiden Projektbrüder in leerstehende Gebäude des Klosters ein. Andere Teile des Areals werden als Altenpflegeheim der Diakonie genutzt. Die Abgelegenheit und die schlichte romanische Klosterkirche hatte es den Brüdern leichtgemacht, schnell und unkompliziert Fuß zu fassen. Nunmehr helfen sie gelegentlich auf Station mit, aber sie  bleiben nur der Suche nach Gottes Gegenwart verpflichtet und können sich jederzeit zurückziehen.

Nach dem gelungenen Start wollte man Willkommen feiern. Am vergangenen Sonnabend war es soweit. Etwa 50 Gäste hatten sich trotz Eis und Kälte auf den Weg zum Fest gemacht. Jüngst gefundene Freunde aus dem syrisch-orthodoxen Kloster in Altenberge kamen, aber auch Gäste aus Volkenroda, wo Bruder Lukas schon vor 14 Jahren mit dem Männerkonvent der CCB gewesen war. Kontakte wurden auch zu den benachbarten Franziskanern auf dem Hülfensberg hergestellt – am Reformationstag war man gemeinsam auf dem Klosterpfad pilgern und lernte sich kennen. Pfarrer Dirk Vogel freut sich über die neuen Bewohner des Eichsfelder Klosters, die geistliches Leben in die alten Mauern bringen.
(mkz)